Vorlesen auf dem Balkon

Es ist schon lange her, seit ich Frau M. zuletzt aus „Nils Holgersson“ vorgelesen habe. Wenn man will, dann haben die heißen Temperaturen auch etwas gutes. Ich kann weniger am Computer sitzen, suche oft ehert kühlere Orte auf. Also ließ ich gestern nachmittag die Pflegerin Frau M. fragen, ob ich mal wieder etwas vorlesen solle.

Als die Pflegerin zurückkam sagte sie: „Als ich sie fragte, ging ein glückliches Strahlen über ihr Gesicht! Ich habe sie auf den Balkon gesetzt.“

Ich packte meinen Kindle ein und verschwand richtung Balkon!

Es saßen einige Bewohner dort. Hinten durch saß Frau M. und nuckelte an einem Saftbecher. Ich schlug ich also durch, begrüßte Frau M. und zeigte ihr den Kindle: „Soll ich weiter lesen, wie es Nils Holgersson bei den Wildgänsen erging?“

Sie nickte heftig und bvlickte über den Garten des Gerard Tersteegen Hauses der in der Sonne funkelte.

Ich brauchte eine Weile, bis ich den Abschnitt fand, an dem wir weiterlesen wollten. Der Kindle Zeigte mir dass wir schon 60% des Buches gelesen hatten! Ich habe mich wohl etwasm zu weit vorgewagt. Heute sehe ich dass wir bereits in Buch II gelandet sind.

Denn diese 2 Kapitel las ich vor:

Gebannt lauschte Frau M..

Leider brachte ein Pfleger noch zwei Bewohner auf den Balkon, das „Duo Infernale“ habe ich sie im stillen genannt. Der Pfleger meinte: „Die Herrschaften hören bestimmt auch gerne zu.“

„Bestimmt nicht!“, meinte ich, denn die beiden torpedieren immer mein Vorlesen. Eine von ihnen schmettert immer lautstark irgendwelche Volkslieder und versucht mich zu übertönen.

Dieses Mal dauerte es etwas länger, bis der lautstarke Volksgesang ertönte.

Doch ich ließ mich nicht aus dem Konzept bringen. Ich las tapfer dagegen an. Das war ich Frau M. schuldig nach der langen Pause.

Vorlesen – „Die wunderbare Reise des kleinen Nils Holgersson mit den Wildgänsen“ (011)

Wieder sind wir mit dem Buch ein wenig weiter gekommen.

  • XVI. Die alte Bauerfrau
  • XVII. Vom Taberg bis Husquarna

XVI. Die alte Bauerfrau

Nils Holgersson ist weiter auf der Flucht vor den Krähen und vor Reinecke Fuchs. Mittlerweile wird er unterstützt und begleitet von Martin, dem weißen Gänserich und Daunenfein, der Gans, in die sich Martin verliebt hatte und die er gerettet hatte.

Sie waren schon sehr lange gewandert und waren sehr müde. Sie mussten ein Quartier finden, bevor es stockdunkel wurde. Da kamen sie an einem alten Bauernhof vorbei. Er lag so einsam, dass es aussah, als sei er ganz unbewohnt. Kein Rauch stieg aus dem Schornstein auf. Kein Licht drang durch die Fenster hinaus. Kein Mensch war auf dem Hofplatz zu sehen. Als Nils das Haus sah, dachte er: „Wir müssen versuchen, hier auf dem Hof unterzukommen. Etwas besseres finden wir bestimmt nicht.“

Das Gehöft sah grau und heruntergekommen aus. Dann fiel Nils Blick auf den Kuhstall. Die Stalltür ließ sich von außen sogar öffnen. Nachdem sie den Stall betreten hatten, hörten sie das laute Klagen einer alten Kuh. Sie schien das einzige Tier im Stall zu sein. Sie klagte dass ihre Herrin nicht gekommen sei, sie abends zu versorgen.

Dann fragte sie Nils, ob er das nicht tun könne. Nachdem sie aber erkannte, dass er nur ein winziger Kobold war und kein Mensch, bat sie Nils zum Haus zu gehen und nach ihrer Herrin zu sehen. Er brauche auch das Haus gar nicht zu betreten, nur durch einen Spalt in der Tür ins Haus zu blicken.

Das tat Nils dann auch, obwohl er große Angst vor den Eulen hatte, die auf dem Dach saßen. Er war ja so klein wie ein Beutetier der Eulen. Als er dann in das Haus blickte, sah er die Herrin. Sie lag auf dem Boden und war tot. Als er der Kuh das erzählte, war sie sehr traurig. Aber sie stellte noch eine Bitte an Nils; er möge der Herrin doch die Augen schließen und die Arme auf der Brust zusammenlegen, ihr die letzte Ehre erweisen.

Nils erinnerte sich an seinen Großvater. Als er gestorben war, hatte man das bei ihm auch getan. Aber jetzt schwieg er.

Als der Knabe aber nichts sagte, wiederholte die Kuh ihre Bitte nicht. Sie begann im Gegenteil, ihm von ihrer Herrin zu erzählen. Sie sprach von ihrer großen Güte und den vielen Enttäuschungen, die sie hatte hinnehmen müssen.

Der Junge hörte nichts mehr davon, was die alte Kuh erzählte. Er machte die Stalltür auf und ging in die Stube hinein zu der Toten, vor der er noch vor kurzem so bange gewesen war. Im Haus sah er die ganzen Fotos der Kinder, Enkel und Urenkel. Sie konnten die alten Dame nicht mehr besuchen. Jetzt war sie tot. Aber seine Eltern lebten noch. Er konnte sie noch besuchen!

XVII. Vom Taberg bis Husquarna

Es brauchte einige Zeit, bis Nils einschlafen konnte. Dann träumte er von seinen Eltern. Als er aufwachte, gab er den Gänsen und der Kuh ihr Morgenfutter und öffnete die Stalltür. So konnte die Kuh zum nächsten Hof gehen. Wenn sie alleine dort ankam, würden die Nachbarn sich denken, dass der alten Frau etwas zugestoßen sein müsse. Dann würden sie zum einsamen Hof eilen, um zu sehen, was die Alte machte. Wenn sie dann ihren toten Körper fanden, würden sie sie begraben.

Nun flog Martin mit Nils und Daunenfein hoch in den Himmel hinauf. Da sahen sie den Taberg. Oben auf dem Taberg war der ganze Schwarm der wilden Gänse, Akka und all die anderen. Blickte man zu der Seite herunter, woher Nils mit seinen beiden Gefährten gekommen war, war das Land stümperhaft zusammengehauen. Zur anderen Seite zum Wetternsee hinab war das Land paradiesisch schön. Dorthin flogen sie nun. Sie hatten den ersten schönen Frühlingstag erwischt.

Gut gelaunt und ausgelassen schnatternd überquerten die Wildgänse hoch oben in den Lüften das Land. Immer wieder wurden sie von Menschen gefragt, wohin die Reise ginge. Nils verstand sie und antwortete ihnen. Da wollten die Menschen mitkommen. Doch Nils antwortete ihnen: „Dieses Jahr nicht. Diesmal nicht!“

Als Kinder fragten, sagte er: „Dies Jahr nicht, aber übers Jahr!“

Die wunderbare Reise des kleinen Nils Holgersson mit den Wildgänsen (009)

In den letzten heißen Tagen habe ich Frau M. viel aus Die wunderbare Reise des kleinen Nils Holgersson mit den Wildgänsen vorgelesen. Wir lasen die Kapitel:

  • VII. Die Treppe mit den drei Stufen
  • VIII. Am Rönneberger Bach
  • IX. Karlskrona

Alles handelt davon, was Nils Holgersson mit den Wildgänsen erlebt, nachdem sie den Bullaberg verlassen hatten, wo der große Kranichtanz stattgefunden hatte. Das alles klein, klein wiederzugeben, kann ich momentan nicht, denn ich habe ziemliche Probleme mit den Augen. Also erzähle ich euch das wichtigste, was zu erfahren war:

Nils hat Heimweh und bringt in Erfahrung, was er tun muss, um aus dem Winzling wieder zu seiner normalen Größe zu werden.

Er müsse dafür sorgen, dass Martin, die zahme Gans, wieder wohlbehalten zum elterlichen Hof zurückkehrte.

Doch als die Wildgänse so über das Land hinweg flogen, erinnerte sich Nils an den Erdkunde-Unterricht in der Schule. Plötzlich erkannte er die 3 Stufen, die 3 unterschiedlichen Vegetationsgebiete, von denen der Lehrer erzählt hatte.

Heute habe ich noch zwei Kapitel vorgelesen:

  • X. Die Reise nach Öland
  • XI. Die Südspitze von Öland

Martin, der Hausganter hatte sich in eine verletzte Gans verliebt und wollte nicht mehr weiterfliegen, bis sie wieder gesund war. Da wurde Nils als Chiropraktiker tätig und renkte den ausgerenkten Flügel der verletzten Gans wieder ein.

Er hätte alles ihm mögliche getan, damit Martin mit den Wildgänsen weiter flog!