Trügerische Stille?

Gestern war mein Nachbar besonders „in Form“, will sagen LAUT und das ohne Pause. Damit fing er schon am Morgen um halb 4 (!) an.

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Um diese Zeit war die Nachtschwester auf unserem Gang. Die andere Nachbarin von Herrn H. hatte wohl geklingelt.

Das hat der Nachbar wohl gehört. Damit war er wach! Als die Nachtschwester auf sein Rufen sein Zimmer betrat, war er sofort still. Doch kaum war sie wieder raus, begann er zu rufen.

„Hallo! ….. Haaaa-lloooooo!! ….. HALLO!!! “

„Warum hört mich denn keiner?!? “

„Haaaaaaa – lloooooo! ….. HAAAAA – LLOOOO!!!! „

„HA – LLOO ….. HA – LLOOO …. HA – LLOOO … HA – LLOOO … HA – LLOOO .. HA – LLOOO .. HA – LLOOO . „

Die Rufe waren monoton. Er wurde immer lauter. In immer kürzeren Abständen wiederholte er sein Hallo.

Irgendwann wechselte er die Wortwahl: „Hilfe! ….. Hilfe! ….. Hilfe! ….. Hilfe! …..….. Hilfe! ….. HILFE! …..

Dann muss ich wieder eingeschlafen sein. Erstaunlich.

Als ich wieder aufwachte war es halb 6 und er rief immer noch.

Er rief eigentlich den ganzen Tag weiter. Nur wenn jemand sein Zimmer betrat und sich um ihn kümmerte, war er still. Mit der Zeit wurde er immer heiserer. Das hielt ihn aber nicht davon ab weiter zu rufen.

Nachmittags hatte ich dann irgendwann Mitleid mit ihm und besuchte ihn. Ich nahm meinen Kindle mit und fragte ihn, ob ich ihm etwas vorlesen solle.

Seine Augen leuchteten auf: „Ja!“

Ich fragte ihn, ob ich von Nils Holgerson und den Wildgänsen vorlesen solle. „Ja!“, sagte er in freudiger Erwartung.

Aber schnell stellte sich heraus, dass ich hier einen anderen Zuhörer hatte, als Frau M.. Herr H. konnte der Geschichte nicht folgen. Ich las für ihn zu schnell. Ich muss mir mal Geschichten geben lassen, an denen auch Demente Freude haben.

„Nein! Nicht weiter lesen! Sie können das nicht. Können Sie überhaupt lesen?“, bekam ich zu hören.

Ich bemerkte, dass er sich seiner Schutzhose entledigt hatte. Die lag neben dem Bett auf dem Fußboden. Außerdem lagen dort eine Vorlage und die Krankenunterlage, die das Bettlaken und die Matratze schützen sollten. Das hatte er wohl alles irgendwann aus dem Bett geworfen.

Also holte ich die Pflegerin, damit sie ihn wieder anziehen konnte. Auch das Bett musste neu bezogen werden. *seufz*

Ich ließ die beiden allein und ging zurück in mein Zimmer. Von dort hörte ich ihn zetern, jammern und fluchen.

Abends war er dann irgendwann endlich ruhig. Hoffentlich ist das keine trügerische Stille!

Vorlesen der letzten Weihnachtsgeschichten

Über die Weihnachtsfeiertage war Frau M. zu Hause bei ihrer Familie. Ich hatte sie bereits ein paar Mal gesucht, weil ich weiter vorlesen wollte. Gestern war sie endlich wieder da!

Wir beschlossen, gestern noch ein wenig in dem Buch mit den hinterhältigen Weihnachtsgeschichten zu schmökern. 2018 wollen wir dann mit einem neuen Buch beginnen. Dann widmen wir uns dem Buch von Jules Verne: „Reise um die Erde in 80 Tagen“. Das habe ich dann auch wieder auf dem Kindle.

3 kürzere Geschichten wählte ich aus.

Ich begann mit „Risiko für Weihnachtsmänner“ von Siegfried Lenz.

Der Ich-Erzähler der Geschichte hat einen Job als Weihnachtsmann angenommen, um schnelles, leichtes Geld zu verdienen. Beim Besuch der ersten Auftraggeberin trifft er auf seinen ehemaligen Oberst aus dem Krieg. Die beiden erinnern sich an ein Weihnachten während des Krieges. Der Weihnachtsmann war bestellt, kam jedoch nie an. Als sie ihn damals suchten, fanden sie ihn tot im Schnee liegen. Es bestünde halt immer ein Risiko, auch für den Weihnachtsmann, meinte der Erzähler. Der Oberst musste ihm zustimmen. Seit dieses Erlebnisses habe er immer Angst, der Weihnachtsmann schaffe es nicht zu ihm, sagte er. Ein Risiko bestünde immer, auch für den Weihnachtsmann, meinte der Erzähler.

Als nächstes las ich eine Geschichte von Tomi Ungerer: „Romantische Weihnacht“ vor.

Ein junges Ehepaar zieht es von der Großstadt New York aufs Land. Dort werden sie mit der Zeit zu richtigen Farmern, was sie eigentlich nie vorgehabt hatten. Sie haben ein paar Tiere und bauen Obst und Gemüse an.

Mittlerweile hörten wir Geräusche aus der Küche. Bald würde es Abendbrot geben. Die Bewohner, die auf dem Wohnbereich essen, bekommen ihre Mahlzeiten immer ½ Stunde früher, als unten im großen Speisesaal. Ich blickte mich um, in Richtung Wohnbereichsküche und sagte dann zu Frau M.: „Eine kurze Geschichte schaffen wir noch. Soll ich vorlesen?“ Die strahlenden Augen von Frau M. sprachen Bände.

Also gab es noch eine dritte Geschichte, von Urs Widmer: „Weihnachten bei 42°“.

Der Ich-Erzähler und seine Frau besuchen Israel. Sie suchen Bethlehem und Jerusalem auf, bei großer Hitze. Sie wandern anhand des neuen Testaments auf den Spuren des Gottessohns, Jesus.

Diese 3 Geschichten bildeten einen schönen Abschluss der Weihnachtszeit. Es hat mir durchaus Lust gemacht, in dem Buch weiter zu lesen. Mal sehen.

Weihnachtsgeschichte nach Ingrid Noll: Mariä Stallwirtschaft

Jetzt kam zum zweiten Mal das Buch „Früher war noch mehr Lametta“ dran. Es ist eine Geschichtensammlung zu Weihnachten mit Geschichten verschiedener Autoren.

Ingrid Noll mit „Mariä Stallwirtschaft“ war die nächste Geschichte, die ich Frau M. vorlas.

Die Babysitterin Maria wünscht sich ein Kind ohne Heirat und Mann. Sie brauchte nur einen Mann zur Zeugung ihres Kindes. Sie freut sich, dass ‚da oben‘ ihr Wunsch erfüllt wird und ihr Joseph als Gefährte geschickt wird.

Maria erzählt die Weihnachtsgeschichte aus ihrer Sicht. Sie ist enttäuscht von den Gästen, die allerlei Geschenke mitbringen – allerdings hat keiner Windeln dabei. Die Schafe in gebratener Form wären ihr auch lieber gewesen.

Wenn man sich darauf einlässt, ist die Geschichte recht lustig. Trotzdem ist es auch eine Weihnachtsgeschichte. Allerdings muss man sich auf die Geschichte konzentrieren.

Dafür war Frau M. zu sehr abgelenkt. Es war schon fast 11:00 Uhr und sie hatte noch nicht gefrühstückt. Da erschien plötzlich eine Pflegerin mit ihrem Frühstück auf einem Tablett und fing an, ihr das Essen anzureichen. Doch der Kaffee war noch zu heiß. Also gab es erst einmal ein kleines Stückchen Brot. Dann wurde die Pflegerin plötzlich von einer Auszubildenden zur Hilfe gerufen.

Da war also Frau M., mit dem Frühstück auf dem Tablett und wartete wieder. Das tat mir richtig Leid.

Also sagte ich zu ihr: „Sollen wir 2 das mal versuchen?“ Sie lächelte mich an.

Langsam spielten wir uns aufeinander ein. Ich merkte, dass ich erst kontrollieren musste, ob sie auch das angereichte Brot herunter schluckte. Mittlerweile war der Kaffee auf eine gute Trinktemperatur heruntergekühlt. Ich durfte nicht zu schnell und nicht zu viel anreichen, dann verschluckte sie sich auch nicht.

Ich fragte immer erst: „Kaffee?“ Entweder nickte sie bejahend oder sie sagte: „Brot.“ So hatte sie es dann zuletzt geschafft, alles zu verputzen!

Dann kam die Pflegerin zurück. Sie blickte ungläubig auf das Tablett. Sie sah zu mir herüber: „Waren Sie das?“

Ich antwortete: „Nein. Das war Frau M.!“

„Klasse! Frau Sickert, sie sind eingestellt!“, antwortete die Pflegerin.

Da strahlte ich. Ich war richtig ein wenig stolz! 😊

Weihnachtsgeschichte nach Loriot: Weihnacht

Das kennt fast jeder in Deutschland: Weihnachten mit den Hoppenstedts. Diese Geschichte ist die erste in unserem neuen Buch: „Früher war noch mehr Lametta“.

Diese Geschichte, eigentlich eine Art Theaterstück mit Vati und Mutti Hoppenstedt, Opa Hoppenstedt und dem 8-jährien Kind Dickie war die erste aus dem neuen Buch, die ich Frau M. vorlas.

Es machte mir viel Spaß, in die verschiedenen Rollen zu schlüpfen und Frau M. immer wieder kichern zu hören.

Diese Geschichte ist einfach herrlich. Das dachte, fröhlich glucksend, auch Frau M..

Unser neues Buch

Ich habe Frau M. jetzt im Laufe eines Jahres 4 Bücher vorgelesen. Alles fing damit an, dass ich in der Adventszeit 2016 „Hilfe, die Herdmanns kommen!“ vorlas. Anfang dieses Jahres las ich dann ein weiteres Buch mit den Herdmanns vor: „Achtung, die Herdmanns sind zurück!“. Die Geschichten mit den schrecklichen Herdmann-Kindern stammen aus der Feder von Barbara Robinson.

Doch nach 2 Büchern mit den Herdmanns wollte ich etwas anderes lesen. Nach vielen Überlegungen und Befragungen einigten wir uns auf „Tom Sawyer“ von Mark Twain. Die Geschichte ist vielen Bewohnern ein Begriff. Viele haben sie in ihrem langen Leben schon einmal gelesen oder gehört. 32 Kapitel verbrachten wir mit Tom Sawyer und Huckleberry Finn im Süden der USA. Doch jedes Buch geht einmal zu Ende.

Von den Südstaaten Amerikas verschlug es uns als nächstes nach Indien. Wir erlebten die Abenteuer Moglis im „Dschungelbuch“ von Rudyard Kipling. Ich las die drei Kapitel in denen es um Mogli, dem Menschen, der als Kleinkind in den Dschungel verschleppt wurde und dann unter Wölfen aufwuchs.

Unser neues Buch wird das erste richtige Buch, auf Papier gedruckt, sein, dass ich seit Anfang 2013 lese. Ich will versuchen, ob das klappt. Hier muss ich die Schriftgröße so nehmen, wie sie im Buch gedruckt ist. Ich fand das Buch unten im Regal im Speisesaal.

Ich hoffe, es enthält viele lustige Geschichten. Es fing auf jeden Fall schon mal gut an:

Schluss von Tom Sawyer

Frau M. und ich haben den „Schluss“ von Tom Sawyer hinter uns gebracht. Wir waren enttäuscht, dass er so kurz war. Hätten wir das gewusst, hätten wir es noch ans letzte Kapitel dran gehangen.

Schluss


Hier erklärt der Autor, warum seine Geschichte hier enden muss. Er hat eine Geschichte über die Abenteuer und Streiche eines Jungen geschrieben. Doch der wird natürlich immer älter.

Damit wird die Geschichte über Tom Sawyer irgendwann zwangsläufig die Geschichte eines Teenagers und dann die eines Erwachsenen. Daher hört die Geschichte über das Kind Tom Sawyer irgendwann auf.

Frau M. war ganz enttäuscht.

„Was nun?“, fragte ich sie. „Womit machen wir jetzt weiter?“

Frau M. zuckte mit den Schultern. Auch Frau Kp. hatte keinen neuen Vorschlag. Sie wusste nur, dass sie nicht die Geschichte vom Hundertjährigen, der aus dem Fenster stieg und verschwand, hören wollte. Denn das hatte sie schon gelesen und es hatte ihr nicht gefallen.

Wir schauten uns etwas ratlos an. Dann schlug ich „In 80 Tagen um die Welt“ von Jules Verne vor. Damit waren beide Damen einverstanden.

Beim Durchstöbern meiner Bücher auf dem Kindle entdeckte ich plötzlich noch etwas anderes: „Oder was halten Sie vom Dschungelbuch?“

„Au ja! Mit Mogli…“, sagte Frau M. ganz entzückt.

Auch Frau Kp. fand den Vorschlag gut. Damit war die neue Lektüre also gefunden!

„Das Dschungelbuch“ von Rudyard Kipling

Das Dschungelbuch wird also das vierte Buch sein, das ich den Bewohnern vorlese. Nach 2 Bänden mit den Herdmanns kam Tom Sawyer und jetzt also das Dschungelbuch.

Mir macht das Vorlesen wirklich Spaß. Und vor allem macht mir Spaß zu sehen, wie sich die Bewohner freuen. 🙂

Kapitel 31 von Tom Sawyer

Hier kommt jetzt also die Fortsetzung von Samstagabend :

Kapitel 31

Das war ein sehr langes Kapitel. Es war auch nicht sonderlich spannend. Aber es gehört zum Buch, also mussten wir da durch. Es war praktisch, dass Frau M. im Bett lag. Da konnte sie mir nicht flüchten. 😉

Es beginnt damit, dass Huck nach den furchterregenden, letzten Ereignissen das Weite suchte und schließlich an die Türe des Wallisers klopfte und ihn bat, sich bei ihm verstecken zu können. Er hatte große Angst, Indianer-Joe könnte ihn finden und umbringen.

Nachdem der Walliser Huck eingelassen hatte, erzählte er ihm alles. Vom Schatz, von der Höhle, von den beiden zwielichtigen Gestalten, die sich als Indianer-Joe und sein Kumpan entpuppten.

Dann kam eine ganze Gruppe von Leuten den Berg hoch und läutete beim Walliser. Huck sprang schnell in ein Versteck denn er wollte nicht gesehen werden. Die Leute wollten den Schauplatz ansehen und sich auch beim Walliser bedanken. Ganz fair meinte der, einem anderen, der jedoch nicht genannt werden wolle (Huckleberry Finn), gehöre das Lob mehr als ihm.

Immer mehr Menschen kamen den Berg hoch gelaufen. Dann beschloss man, sich in der Kirche wieder zu treffen. So geschah es. Dort traf man noch mehr Leute. Es stellte sich heraus, dass Becky Thatcher und Tom Sawyer beide nicht nach Hause zurückgekehrt waren. Plötzlich meinte jemand, dass die beiden wohl noch immer in der Höhle sein müssten und sich verlaufen hätten.

Sofort fand sich ein Suchtrupp zusammen und ging auf die Suche nach den beiden.

>> Fortsetzung 2 folgt <<