Feiertage sind schwere Tage

Das ist so. So geht es nicht nur mir damit. So geht es den meisten Bewohnern.

„Warum das denn?“, werdet ihr fragen.

Das muss damit zusammenhängen, dass kein Bewohner wirklich freiwillig hier ist. Für uns Bewohner splittet der Einzug ins Heim unser Leben in ein Davor und ein Danach.

Davor

war das Leben noch selbstbestimmt.
hatte man seine eigene Wohnung.
hatte man Kollegen, Freunde, Familie. Die konnte man einladen und bewirten. Genau so konnte man sie besuchen.
Ich konnte Laufen, Fahrradfahren, Autofahren.
Ich brauchte nicht darüber nachzudenken, ob ich eine Wohnung betreten konnte, ob es Treppen oder Stufen gibt. Ich kam ÜBERALL hin.

Danach

ist man sehr auf die Hilfe anderer angewiesen.
muss man um Hilfe bitten, um einfache Dinge zu erreichen
arbeitet man schon lange nicht mehr, hat daher keine Kollegen mehr (teilweise auch gut, denn auch keine unliebsamen)
viele Freunde sind „verschwunden“. Bei den Senioren sind sie oft schon gestorben. Bei mir haben sich unsere Lebensrealitäten zu sehr auseinander bewegt.
Die Senioren sind oft verbittert. Verbittert, dass sie früher hart gearbeitet haben und jetzt zum Bittsteller geworden sind.
Ich bin traurig. Traurig, weil die anderen Dinge erleben, Orte besuchen die ich niemals mehr sehen werde.
Meine Familie kommt mich zwar besuchen. Aber ich kann nur mit ihnen zusammen sein, wenn wir uns in einem Lokal treffen oder bei mir im Heim. Bei meiner Schwester bin ich noch nie in der Wohnung gewesen, da Altbau, Wendeltreppe, 2½. Stock. Ich würde noch nicht mal zur Haustür kommen, da freie Treppe ohne Geländer.

Darum

also sind Feiertage schwer.
Vor allem Feiertage, die traditionell im Kreise der Familie stattfinden.
Man sieht dann irgendwann nur noch das was fehlt.
Leider rutscht man dann auch schnell ab ins Selbstmitleid. Schon laufen die Tränen über die Wangen.

Das niederzuschreiben hat gut getan. Jetzt fühle ich mich erleichtert. Ein Blog mit therapeutischer Wirkung!😉