Frühstück mit den „lustigen Weibern“

Ich vermisse meine erste Tischfamilie! Deshalb will ich einen Post von früher, Veröffentlicht 15.05.2014 , kopieren:

 

War das vorhin ein „Wechselbad der Gefühle“! Erst tröstete ich meine 94-jährige Tischnachbarin. Ihre 90-jährige Schwester war ins Krankenhaus gekommen und sie gab sich die Schuld dafür 😦 .

Dann kamen die beiden lustigen Freundinnen, von denen ich ja schon im Beitrag „Das Gebiss“ schrieb und schnell lachten wir lauthals! Frau M. kramte in ihrem Gedächtnis nach Sprichwörtern. „Mai, kühl und nass, füllt dem Bauern Scheun‘ und Fass“ … und schon überlegten sie, welchen Monat wir jetzt wohl haben, … wann sie Geburtstag haben, … wie sich das Wetter wohl entwickeln würde, … dass wir heute „die kalte Sophie“ (Betonung auf dem O, kurz gesprochen wie in „oft“) hätten, … dass bald Sommer wäre, …

So wanderten die Gedanken. Sie unterhielten sich. Ich hörte zu. Zwischendurch stibitzte Frau W. immer mal wieder ein Zuckerwürfelchen und blickte dann schuldbewusst zu mir hoch. Dann lachten wir wieder. 😀 Frau M. rückte ihre Brille zurecht und sagte, sie könne gar nicht sehen, wer da vorne säße. Sie zeigte auf mich. Ich sagte es ihr und sie begann erneut: „Mai, kühl und nass… “ Da ging das Gelächter wieder los. 😀

„Ach, ihr seid herrlich!“, sagte ich. „Ich bin froh, dass es euch gibt!“

Letzte meiner ersten Tischfamilie ist verstorben

Als ich im August 2013 ins Gerhard Tersteegen Haus einzog, war „mein Tisch“ unten im Speisesaal mit sechs Personen voll besetzt. Natürlich waren alle anderen fünf wesentlich älter als ich. So ist es nicht ungewöhnlich, dass meine Tischfamilie sich immer weiter verkleinerte. Klar, das Gerhard Tersteegen Haus ist ein Pflege- und Altenheim.

Zwischenzeitlich war auch Frau Ga. für gut zwei Jahre ein Teil der Tischfamilie. Sie passte einfach gut dazu. Aber sie verstarb auch in diesem Jahr, am ersten August.

Wenn die Bewohner geistig und körperlich noch verhältnismäßig fit bleiben, nehmen sie noch lange unten im Speisesaal die Mahlzeiten ein.

Doch viele Bewohner leben noch länger, nehmen dann ihre Mahlzeiten auf ihrem Wohnbereich ein, wo ihnen mehr Hilfe gegeben werden kann. Oder wo ihr Ess- und Trinkverhalten besser beaufsichtigt werden kann. Schließlich soll keiner verhungern oder verdursten.

Frau St. war die letzte der Damen an meinem Tisch, die verstarb.

Sie war schon seit geraumer Zeit nicht mehr unten im Speisesaal. Nun ist auch sie eingeschlafen.

Geboren 1924, hatte sie ein langes Leben hinter sich. Sie war groß und schlank und sah auch als alte Dame immer noch sehr adrett und gepflegt aus. Sie sagte oft, es sei ein großes Geschenk, dass es ihr noch bis ins hohe Alter hinein so gut gehe. Sie war sehr bescheiden! Denn auch sie beutelten mehrere Krankheiten.

Hier ist mein Beitrag über ihren Beruf früher. <<klick

Ja, es tut weh, dass die Damen meiner anfänglichen Tischfamilie jetzt alle verstorben sind. Aber ich bin sehr froh, sie kennengelernt zu haben und sie einen Teil ihres Lebensweges begleitet zu haben!

R.I.P. Frau K., Frau M., Frau W., Frau V., Frau St.

Hahn im Korb

Unsere Tischfamilie ist von 3 auf 4 Bewohner angewachsen. Herr H. erweitert nun unseren Damenkreis (Frau F., U. und ich). Er ist unser Quoten-Mann.😁 Er passt altersmäßig perfekt zu U. und mir. Wir drei sind alle in den 50-gern. Frau F. mit ihren 94 (?) ist unsere Alterspräsidentin.

Herr H. trinkt auch sehr gerne einen Kaffee nach dem Mittagessen. Daher kommt er nach dem Essen im Speisesaal mit hoch zu mir und ich koche jedem eine Tasse. Jetzt ist der geschenkte Kaffee bald aufgebraucht. Morgen will ich sehen, ob ich den gleichen finde und neuen kaufen kann. Denn wir sind beide der Meinung, dass er besser schmeckt, als der von Aldi. U. ist nicht so für Kaffee. Nur morgens gehört er für sie zum Frühstück.

Mittlerweile hat sich das mit dem mittäglichen Kaffee nach dem Essen schon eingespielt. Dazu gab es auch immer eine kleine Nascherei. Auch da muss Nachschub her. Darum will sich Herr H. kümmern.

Wenn so viele Menschen auf relativ engem Raum wohnen, wird gerne geklatscht und getratscht. Damit keine unschönen Geschichten über uns erzählt werden, lasse ich die Zimmertür immer weit offen, wenn wir Kaffee trinken. 😉

 

Miss Marple

Seit 1½ Wochen haben wir eine neue Bewohnerin an unserem Tisch unten im Speisesaal. Es ist eine ältere Dame. Leider hört sie sehr schlecht. Sie reagiert auch nur sehr langsam auf Ansprache. Daher war das Kennenlernen etwas schwieriger. Doch so langsam nähern wir uns an.

Wenn sie irgendetwas nicht versteht, schaut sie mittlerweile zuerst mich an. Ich sitze ihr direkt übereck. Ich rede dann laut und simpel. Wenn sie es dann versteht, dann erleuchtet ein Strahlen ihr Gesicht. Bejahend summt sie dann ganz glücklich.

Letztens sagte die Hauswirtschafterin, Frau F. erinnere sie total an Miss Marple. Gestern sagte sie das wieder.

Daraufhin betrachtete ich Frau F. genauer. Es stimmt! Sie sieht aus wie Margaret Rutherford als Miss Marple.