Kaffeekränzchen der etwas anderen Art – Was demente Bewohner so bewegt

ursprünglich erschienen

Nun starte ich noch einmal den Versuch von meinem etwas anderen Kaffeekränzchen gestern Nachmittag zu erzählen.

Das Heim hat einen wunderbaren, großen Innenhof mit Garten. Er grenzt direkt an den Speisesaal an. Von dort gehen zwei Türen auf die Terrasse hinaus, auf der auch einige kleine Tische mit Stühlen stehen.

So rollte ich zur Kaffeezeit also gestern durch den Speisesaal auf die Terrasse, um meinen Kaffee dort zu trinken. Am Tisch rechts von mir hatte bereits eine rüstige, alte Dame mit ihrem Strickzeug Platz genommen. Sie strickt Socken und Hausschuhe, die sie auf dem Ende Juni stattfindenden Sommerfest verkaufen will. Kurz darauf setzten sich zwei demente Damen an ihren Tisch. Die strickende Dame, Frau S., ist sehr beliebt bei den dementen Bewohnern. Sie kann sehr gut mit ihnen umgehen. Außerdem wohnt sie schon viele Jahre im Heim und ist so ein bekanntes Gesicht.

Ich an meinem Tisch spielte mit meinem Smartphone und lauschte.

Frau E. erzählte, sie habe vor kurzem etwas unheimliches erlebt. Da sei ein Tier in ihrem Zimmer gewesen! Es konnte fliegen!

Was das denn für ein Tier gewesen sei, fragte Frau S..

„Na, eine Mückenfliege!“, meinte Frau E.

„Eine Mücke? Eine Fliege?“, fragte Frau S. verwirrt.

„Nein, nein! Eine Mückenfliege! Die gibt es! Sie hatte etwas von einer großen Mücke. Aber sie konnte fliegen wie ein Brummer!“

Wenn Frau E. etwas erklärt, klingt das immer ganz bestimmt und logisch… ist es aber eher weniger. 😀

Derweil war ihre Freundin unruhig. Sie fragte, wann denn der Gottesdienst sei. Dann sagte sie, sie müsse jetzt gehen. Sie wirkt immer gehetzt, getrieben. Sie war so unruhig, dass die beiden Freundinnen die Terrasse bald verließen.

Da nahm auf der anderen Seite der Terrasse ein dementes Ehepaar Platz. Sie ist geistig verwirrter als er. Sie ist auch eine „Getriebene“, ständig unterwegs, muss vom Pflegepersonal immer wieder „eingefangen“ werden. Die beiden unterhielten sich auch sehr realitätsfern. Sie hatte immer Angst, dass er mit seinem Rollator fallen könnte. Er solle ihn fest machen! Er beteuerte immer wieder, das habe er gemacht. Eine anstrengende Unterhaltung, die damit endete, dass er das Weite suchte.

Es gibt viele demente Bewohner hier. Vielen habe ich das am Anfang nicht angemerkt. Doch langsam schärft sich mein Blick, lerne ich mehr davon kennen. Doch egal in welcher Ausprägung sie die Krankheit haben, sie sind alle liebenswert! Mein Herz geht auf, wenn ich sie sehe, an sie denke!

Kaffeekränzchen der etwas anderen Art – Was demente Bewohner so bewegt

Ursprünglich erschienen am

Nun starte ich noch einmal den Versuch von meinem etwas anderen Kaffeekränzchen gestern Nachmittag zu erzählen.

Das Heim hat einen wunderbaren, großen Innenhof mit Garten. Er grenzt direkt an den Speisesaal an. Von dort gehen zwei Türen auf die Terrasse hinaus, auf der auch einige kleine Tische mit Stühlen stehen.

So rollte ich zur Kaffeezeit also gestern durch den Speisesaal auf die Terrasse, um meinen Kaffee dort zu trinken. Am Tisch rechts von mir hatte bereits eine rüstige, alte Dame mit ihrem Strickzeug Platz genommen. Sie strickt Socken und Hausschuhe, die sie auf dem Ende Juni stattfindenden Sommerfest verkaufen will. Kurz darauf setzten sich zwei demente Damen an ihren Tisch. Die strickende Dame, Frau S., ist sehr beliebt bei den dementen Bewohnern. Sie kann sehr gut mit ihnen umgehen. Außerdem wohnt sie schon viele Jahre im Heim und ist so ein bekanntes Gesicht.

Ich an meinem Tisch spielte mit meinem Smartphone und lauschte.

Frau E. erzählte, sie habe vor kurzem etwas unheimliches erlebt. Da sei ein Tier in ihrem Zimmer gewesen! Es konnte fliegen!

Was das denn für ein Tier gewesen sei, fragte Frau S..

„Na, eine Mückenfliege!“, meinte Frau E.

„Eine Mücke? Eine Fliege?“, fragte Frau S. verwirrt.

„Nein, nein! Eine Mückenfliege! Die gibt es! Sie hatte etwas von einer großen Mücke. Aber sie konnte fliegen wie ein Brummer!“

Wenn Frau E. etwas erklärt, klingt das immer ganz bestimmt und logisch… ist es aber eher weniger. 😀

Derweil war ihre Freundin unruhig. Sie fragte, wann denn der Gottesdienst sei. Dann sagte sie, sie müsse jetzt gehen. Sie wirkt immer gehetzt, getrieben. Sie war so unruhig, dass die beiden Freundinnen die Terrasse bald verließen.

Da nahm auf der anderen Seite der Terrasse ein dementes Ehepaar Platz. Sie ist geistig verwirrter als er. Sie ist auch eine „Getriebene“, ständig unterwegs, muss vom Pflegepersonal immer wieder „eingefangen“ werden. Die beiden unterhielten sich auch sehr realitätsfern. Sie hatte immer Angst, dass er mit seinem Rollator fallen könnte. Er solle ihn fest machen! Er beteuerte immer wieder, das habe er gemacht. Eine anstrengende Unterhaltung, die damit endete, dass er das Weite suchte.

Es gibt viele demente Bewohner hier. Vielen habe ich das am Anfang nicht angemerkt. Doch langsam schärft sich mein Blick, lerne ich mehr davon kennen. Doch egal in welcher Ausprägung sie die Krankheit haben, sie sind alle liebenswert! Mein Herz geht auf, wenn ich sie sehe, an sie denke!

Wieder scrabbeln mit E.

Gestern Nachmittag hat E. mich wieder zum scrabbeln herausgefordert. Da ich noch nichts vorhatte, sagte ich mit Freuden zu! Wir trafen uns erst im Seidencarré im Wohnzimmer. Da das Café aber leider schon geschlossen hatte, gingen wir durch den Garten rüber ins GTH.

Das Wetter war traumhaft schön. Daher nahmen wir auf der Terrasse Platz. Ich bat die Dame von der Hauswirtschaft, die den Kaffee verteilte, uns 2 Tassen Kaffee nach draußen zu bringen. Dann starteten wir das Wörter-Duell.

Es machte viel Spaß. Vor allem auch, weil wir beide es schafften mit dem Legen eines Wortes gleich mehrere neue Worte zu bilden.

Auf einmal rollte Frau Kt. mit ihrem Rolli in den Garten. Ich winkte sie zu uns an den Tisch. Sie ist im Sommer 100 Jahre alt geworden. Sie ist eine sehr interessante, immer noch hellwache Person. Ich machte die beiden Damen miteinander bekannt. Beide sehen nicht mehr all zu gut und auch das Gehör hat sehr nachgelassen. So saßen also 242 Jahre miteinander am Tisch. E. ist 92, Frau Kt. 100 und ich bin 50 Jare alt. Die Seniorinnen verstanden sich auf Anhieb (inhaltlich, wenn auch nicht immer akustisch, da half ich dann weiter).

E. und ich spielten fast bis 17:00 Uhr! Nach 8 Runden machten wir Schluss. Ich konnte einfach nicht mehr.

Aber E. hat das Spiel wieder gewonnen. Als letztes legte sie das Wort „Sex“ (ja, ja… die Seniorin… *kicher*) und machte auch noch damit aus „Quer“ „Quere“! Da sie dabei auch das Feld „Dreifacher Wortwert“ abdeckte, erhielt sie dafür insgesamt 44 Punkte! Klasse!

Sommer-Sitzgymnastik

Die Woche beginnt immer mit Sitzgynastik. Montagvormittags um 10:30 Uhr versammeln sich alle mobilen Bewohner und einige immobile Bewohner, die von Pflegern oder Sozialdienstlern mit ihren Rollis nach unten gebracht werden, die Lust haben die müden Knochen zu bewegen und die Woche mit Gymnastik zu beginnen, unten im erweiterten Seminarraum.

Da wir nun schon seit Wochen einen sonnigen, warmen Sommer haben, vormittags Temperaturen bis 25°C, nachmittags um 30°C, fand die Gymnastik diese Woche zum wiederholten Male draußen statt. Die Luft ist noch angenehm frisch. Die Terrasse liegt noch im Schatten. Erst gegen Ende der Gymnastik-Stunde beginnt die Sonne den Platz zu erobern.

Ich liebe das Gefühl, in der noch kühlen Luft die Muskeln zu strecken und dehnen. So beginnt die Woche mit einem guten Eindruck.

 

Gesprächskreis – Lachen (2)

Dienstagnachmittag war wieder der Gesprächskreis „Am Puls der Zeit“. Frau Mues hatte sich eigentlich vorgenommen, mit dem Thema Lachen noch etwas weiter zu machen. Doch das wurde schwierig.

Das Wetter war endlich wunderschön geworden, so dass es alle nach draußen trieb. Also waren wir nicht die einzigen mit der Idee. Zum einen hatte sich der WB3 mit seiner Dame vom Sozialdienst zusammengefunden und schnibbelten Obst für einen Obstsalat.

Nebenan hatte es sich die Tagespflege auf ihrer Terrasse gemütlich gemacht. Sie sangen Volkslieder, begleitet von einem Akkordeon. Sie sangen aus vollem Halse. Das war so laut, dass sich die Obstschnibbeler und die Damen vom Gesprächskreis animiert fühlten mitzusingen.

Immer wieder entstanden kleine Gesangspausen. Dann versuchte Frau Mues den Faden wieder aufzunehmen und erzählte etwas neues zum Thema Lachen. Sie sprach darüber, dass es verschiedene Arten des Lachens gibt.

  • Reaktion auf einen mechanischen Reiz –> zum Beispiel weil wir gekitzelt werden
  • weil wir höflich
  • ängstlich
  • oder nervös sind
  • als Anzeichen für sexuelle Erregung
  • oder für Aggression

Was Frau Mues da leistete, war Hochleistungssport! Doch wir beschlossen, das Thema noch einmal in den Fokus zu nehmen, wenn wir wieder drinnen sind. Nächste Woche vielleicht.

 

 

Eis und frisches Obst zum Kaffee

Gestern war ein ziemlich heißer Tag. Da passte es sehr gut, dass es zum Kaffee Eis und frisches Obst gab.

Die meisten Bewohner saßen im Speisesaal. Doch ich ließ es mir nicht nehmen, zusammen mit einer anderen Dame draußen auf der wunderschönen Terrasse im Garten im Schatten zu sitzen. Dort das Eis zu schlecken war Urlaubsgefühl pur!



©Katrin – musikhai