Keine Alleingänge

Nachdem ich einige (jetzt) waghalsige Aktionen unternahm, nach dem Motto „konnte ich doch früher ganz lässig“, überschätzte ich meine aktuellen Fähigkeiten. Ich fiel zwei Mal ganz böse aus dem Rolli.

Beim ersten mal bekam ich nur blaue Flecken und einen riesigen Schrecken. Natürlich musste ich klingeln, weil ich alleine nicht mehr vom Boden hoch kam. Ich konnte mich auch nicht auf irgend etwas wie Rolli, Bett oder Stuhl hoch ziehen.

Natürlich war auch die Klingel astronomisch weit weg. Wie sollte ich jemals dort hin kommen? Meine einzige Möglichkeit war, dass ich über den Boden rollte, wie eine Flasche.

Gut, dass ich viel Phantasie habe. An Ideen mangelt es mir nicht.

Beim zweiten mal tat der Sturz schon weher. Ich wollte nur vom Bett in den E-Rolli. Dieser steht ganz nah am Bett. Die Übung war mir schon X-mal gelungen. Früher…

Jetzt wollte es nicht mehr gelingen. Vor allem auch deshalb, weil die dicke Bettdecke auf dem E-Rolli lag. Da hatte ich ja geglaubt, dass ich sie mal eben vom E-Rolli aufs Bett zurück werfen könne. Bei diesem Kunststück verlor ich allerdings das Gleichgewicht.

Ich landete sehr unsanft mit der rechten Seite meines Brustkorbs auf dem Metallbügel einer Fußstütze. Mir blieb die Luft weg. Der rechte Brustkorb tat höllisch weh! Ich hätte heulen können!

Doch nachdem ich wieder ganz Frau meiner Sinne war, dachte ich: Bloß nicht ins Krankenhaus! Wenn ich gefragt werde, ob ich ins Krankenhaus wolle / müsse, sag nur es geht dir wieder gut. Es sei vor allem der Schrecken gewesen.

So habe ich es dann auch gemacht.

Die Rippen taten mir 3, 4 Wochen weh. Vor allem beim Einatmen.

Doch jetzt geht es mir wirklich wieder gut.

Zur Erinnerung machte die Pflege zwei Schilder die die Pflegerin mit meiner Erlaubnis dann auf hing: eines im Bad, eins im Wohnzimmer.

im Wohnzimmer

im Bad

Übermut tut selten gut!

Wieder einmal zeigte sich, dass die alten Sprichwörter ins Schwarze treffen!

Auch Philosophen haben sich mit dem Übermut befasst. Victor Hugo sagte: „So wankt der Übermut und geht dem Sturz entgegen.“

Ja, ja… eigentlich war mir klar, dass sich das Heldenstück vom Vortag nicht so schnell wiederholen ließ! Eigentlich

Hmm…

Als aber am Donnerstag das Wetter wieder so wunderschön herbstlich war… die Sonne schien…

… da packte mich der Übermut.

Obwohl ich mich eigentlich nicht so sicher fühlte, nahm ich meinen Rollator, klappte ihn auseinander… wankte… verlor das Gleichgewicht… und es passierte, wie Victor Hugo schon prophezeite… ich stürzte!😱

Ich lag eine ganze Weile auf dem Fußboden, sortierte meine Gedanken und Gefühle. Ich war ganz schön blöd gefallen, hatte meinen Dickschädel dabei am TV-Tisch gestoßen. Der Kopf schmerzte. Mir war ganz schlecht. Aber wohl eher durch den Schreck.

Nach einiger Zeit robbte ich über den Boden zur Klingel. Denn alleine aufstehen klappte nicht.

Erstaunlich schnell erschien der Praktikant auf die Klingel. Als er mich am Boden sah, sagte er: „Ich hole noch Hilfe!“

Als der Pfleger dann auch kam, halfen mir die beiden erst einmal hoch und dann aufs Bett. Nachdem der Pfleger abgeklärt hatte, ob er mich ins Krankenhaus schicken musste – „Oh Hilfe! Bloß das nicht!!!“, war meine Antwort – ruhte ich mich aus.

DEN Schrecken musste ich erst mal verdauen!