Spontaner Gesangsauftritt

Letztens erschien Herr Hübner vom Sozialen Dienst bei mir. Er war in Begleitung einer jungen Frau.

„Wir wollten eigentlich nur mal schauen, ob Sie da sind. Dies ist unsere Tochter Leonie. Sie wollte den Bewohnern auf Wohnbereich 4 vorsingen. Doch wenn Sie möchten, könnten wir auch hier eine spontane Gesangsprobe abgeben“, meinte er.

„Ach, singen Sie auch?“, fragte ich ihn.

„Ich bin nur die Begleitung. Normalerweise wird Leonie von meinem Shanty-Chor begleitet. Das sind 30 Männer. Ich bin aber heute der einzige vom Chor. Immerhin habe ich das entsprechende Outfit an“, lachte er. Er trug ein typisches blaues Hemd, ein rotes Halstuch und eine blaue Schirmmütze.

Neugierig folgte ich den beiden in den kleinen Speisesaal auf unserem WB. Dort saßen „die üblichen Verdächtigen“, Bewohner des WB, die fast immer dort sitzen. Nun kamen sie also in den Genuss eines spontanen Gesangsauftritts.

Wohl um das Eis zu brechen, begann Herr Hübner mit dem Gesang eines Shantys. Dann sagte er seine Tochter an, meinte zwinkernd sie könne viel besser singen, als er.

Leonie Hübner stellte sich mitten in den kleinen Speisesaal neben den Christbaum und begann in klarem Mezzosopran zu singen.

Im Saal wurde es ruhiger. Die Bewohner hörten tatsächlich zu bevor die ersten bald schon wieder tuschelten oder mitsangen. Es ist eben ein einzigartiges Erlebniss vor Dementen mit sehr geringer Aufmerksamkeitsspanne aufzutreten.

Oben auf WB 4 in der Fachabteilung für Bewohner im Wachkoma war es dann nachher noch einmal anders.

 

So war’s – Improvisationstheater ‚Ohne Alles‘

Drei Damen und drei Herren in schwarzen Hosen und schwarzen, kurzärmeligen T-Shirts mit dezentem Aufdruck „Ohne Alles“ boten  engagiertes Theater aus dem Stegreif.

In der ersten Szene traten eine Frau und ein Mann auf und gaben vor, Verkäufer auf einer Kaffee-Fahrt zu sein und wir seien die Mitreisenden.

„Hier kommt keiner raus, der nicht vorher etwas von uns gekauft hat. Denn wir bieten Ihnen Dinge, von denen Sie noch nicht gewusst haben, dass Sie sie brauchen!“, sagte der Verkäufer mit leichtem niederländischen Akzent.

Die beiden packten eine Inkontinenz-Hose aus. Dann präsentierten sie uns die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten: Regenhaube, Knieschoner bei der Gartenarbeit, als kleines Täschchen… (Nur als Windel wurde sie nicht präsetiert.)

Als Nächstes fragte der Moderator das Publikum nach einem Urlaubsziel. Viele Länder wurden genannt. Zuletzt einigte man sich auf Griechenland. Dann zogen sich die beiden Darsteller, die vorher die Verkäufer gemimt hatten zurück und erzählten von ihrem Griechenlandurlaub. Dazu zeigten sie „Dias“ von der Reise, wie man das so machte in der Zeit vor WWW und  Smartphone.

Die einzelnen „Dias“ wurden von den anderen vier Darstellern mimisch präsentiert.

Zum Schluss gab es noch einen Impro-Reim-Beitrag. Das wurde durch einen Satz aus dem Publikum begonnen. Nun warfen sich die einzelnen Darsteller die Sätze hin und her. Das war, weil vollkommen improvisiert, echt schwierig. Schnell erkannte man, dass das Dichten nicht jedem gleich gegeben war. Doch zwei Darsteller aus dem Team brachten das Gedicht, wenn es hakte immer wieder in Schwung!

Nach einer guten Stunde gab es viel Beifall für die mutigen, wendigen Darsteller. Ganz ‚Ohne Alles‘, ohne Regie, ohne Skript, ohne Text, ohne Kostüme, keine Requisite schafften sie es, uns wunderbar zu unterhalten.