Wo bin ich hier eigentlich?

ursprünglich erschienen August 17, 2014

„Wo bin ich hier eigentlich?“, fragte neulich Frau W.

„Ich weiß gar nicht, was ich hier will.“ Frau M. umrundet schon zum x. Mal den Speisesaal, unseren Frühstückstisch. Gefrühstückt hat sie schon längst. Und zum Rauchen draußen gewesen, ist sie auch schon.

Frau B. sitzt alleine an ihrem Tisch, wiegt den Oberkörper vor und zurück und gibt in regelmäßigen Abständen Summlaute von sich.

Frau S. versucht ihr Sonntagsei zu pellen. Da es sehr frisch ist, scheitert sie kläglich. Bevor sie das Eigelb, was aus dem Eiweiß herausgerollt ist, frustriert durch die Gegend wirft, eilt eine Hauswirtschaftskraft herbei und hilft ihr.

„Die Eier sind ganz frisch. Deshalb lassen sie sich schlecht pellen“, erklärt sie.

Andreas Hermsdorf / pixelio.de
Andreas Hermsdorf / pixelio.de

Ja, die Eier sind ganz frisch! Sie sind innen goldgelb und schmecken wunderbar! Das besänftigt mich ein wenig, denn sie schmeckten wirklich toll! Ansonsten war ich kurz davor, mit Frau W.s Worten zu fragen:

„Wo bin ich hier eigentlich?“

„Im Irrenhaus???“

 

Winterkonzert der Gruppe Speranza 2019

Die Gruppe Speranza besteht aus Frau Isabell Weidenkätzchen, Sopran, Herrn Hans Peter Schiffer, Bariton und der Pianistin Paula Kirschbaum. Mit ihrem Programm brachten sie uns Volksmusik und Operette ins Gerhard Tersteegen Haus.

Die beiden Sänger traten schon öfter im Gerhard Tersteegen Haus auf. Sie haben kräftige Stimmen und treffen mit der Auswahl der Stücke sehr die Vorlieben der Bewohner.

Mit der Wahl von Frau Kirschbaum fanden sie eine Pianistin, die sehr gut in das Trio passt. Wie voll und groß das kleine Piano klang, war erstaunlich.

Herr Schiffer las auch hervorragend kurze Winter-Geschichten vor.

Also wechselten immer wieder Gesang, Rezitation und Piano-Soli einander ab und es entstand so ein sehr kurzweiliges Programm.

Eigentlich bin ich kein Fan von Sopran-Gesang. Aber Frau Weidenkätzchen brachte ihre Stücke mit Humor, einem zwinkernden Auge sozusagen, dar, dass ich großen Gefallen an ihrer Darbietung hatte.

Die Bewohner ließen die Gruppe nicht ohne Zugabe gehen!

Meine Tischfamilie macht mir Kummer

Meine derzeitige Tischfamilie besteht nur aus 4 Personen. Aber das ist kein richtiger Zusammenhalt.

Man bleibt nicht bei Tisch noch zusammen sitzen und erzählt.

Man wartet nicht aufeinander.

Wenn einer fertig ist mit seiner Mahlzeit steht er/sie auf und verlässt den Tisch.

Manchmal sogar ohne ein Wort.

Was sind das für Manieren?!

Die einzige, die wartet, die sich verabschiedet, bin ich.

Doch langsam sehe ich das nicht mehr ein, zu warten. Wenn ich gehen will, verabschiede ich mich. Wenigstens das mache ich.

Vor allem von U. bin ich oft sehr enttäuscht. Denn oft, wenn sie wortlos verschwindet, gesellt sie sich an einen anderen Tisch und unterhält sich dort mit Bewohnern.

Dann bin ich eifersüchtig und werde traurig.

Dass Frau F. sich in ihrer eigenen Welt bewegt, war immer schon so. Das ist etwas anderes. Jedoch kommt sie zum Frühstück nicht mehr runter. Da bleibt sie auf ihrem Wohnbereich.

Heute Mittag war U. wieder nicht unten. Sie ist heute auf dem Zimmer geblieben. Gestern kam sie wenigstens zum Mittagessen runter.

Herr H. kommt eh nur zum Mittagessen runter. Aber er ist momentan krank.

Das Abendbrot nehme ICH oben ein. Schon seit einiger Zeit ist das so. Es ist für mich viel entspannter. Denn unten war ich die einzige, die die Regeln befolgte und erst ans Buffet ging, wenn mein Tisch aufgerufen wurde. Weil ich dann die einzige an unserem Tisch war, wurde ich vergessen. Dann werde ich wütend. Oben alleine habe ich meine Ruhe. Diese Regel mit dem Tisch-weise nach Aufruf des Tisches an das Buffet zu gehen, finde ich total blöd!

Ich frage mich: Sehe ich das ganze zu streng? Wenn ich mich an Regeln halte, dann erwarte ich das auch von den anderen. Dann könnte ich vor Wut ausrasten, wenn die anderen die Regeln nicht befolgen. Da ist es schon besser, wenn ich abends alleine oben esse.

Oft vermisse ich dann meine erste Tischnachbarin, Frau K..

Von Leuten, die nicht hier wohnen, wird mir dann gesagt, die Bewohner sind alle in gewisser weise krank. Da könne man nicht erwarten, dass sie sich „normal“ verhalten. Na super! Und ich? Ich bin auch nicht als Gesunde hier! Und wenn ich dann ausraste, schickt man mich in die Klapse. Alles schon geschehen. Ich sei eine Gefahr für mich und für andere. Dabei bin ich nur total traurig und wütend.

Jetzt nehme ich mich zusammen und heule mir alleine auf meinem Zimmer die Augen aus! Allerdings knalle ich auf dem Weg dahin wütend jede Tür. Kindisch.!

Feier zum Heiligen Abend 2018

Plakat zum 24.12.
Veranstaltungshinweis

Am Nachmittag des 24.12. fand die große Weihnachtsfeier statt. Sie war richtig schön! Meine Eltern begleiteten mich. Für uns war ein fester Platz an einem der langen Tische im erweiterten Speisesaal reserviert. Frau Faust vom Sozialen Dienst hatte die Platzanordnung wieder sehr gut organisiert.

Es gab Kaffee und Kuchen. Natürlich auch andere Getränke und auch Plätzchen, Stollen, Printen, Lebkuchen und, und, und.

Überall waren Tische und der ganze Saal festlich geschmückt. Richtig stimmungsvoll.

Dann gab es verschiedene Programmpunkte:

  • Gedichte wurden vorgelesen oder auswendig aufgesagt.
  • Es gab ein weihnachtliches Stadt/Land/Fluss-Spiel nähmlich Weihnachtliche Speise/Weihnachtliche Figur/Weihnachtslied/Weihnachtsgeschenk
  • Dann wurden gemeinsam viele Weihnachtslieder gesungen.

Hier sind einige Bilder von der Feier:

Letzte meiner ersten Tischfamilie ist verstorben

Als ich im August 2013 ins Gerhard Tersteegen Haus einzog, war „mein Tisch“ unten im Speisesaal mit sechs Personen voll besetzt. Natürlich waren alle anderen fünf wesentlich älter als ich. So ist es nicht ungewöhnlich, dass meine Tischfamilie sich immer weiter verkleinerte. Klar, das Gerhard Tersteegen Haus ist ein Pflege- und Altenheim.

Zwischenzeitlich war auch Frau Ga. für gut zwei Jahre ein Teil der Tischfamilie. Sie passte einfach gut dazu. Aber sie verstarb auch in diesem Jahr, am ersten August.

Wenn die Bewohner geistig und körperlich noch verhältnismäßig fit bleiben, nehmen sie noch lange unten im Speisesaal die Mahlzeiten ein.

Doch viele Bewohner leben noch länger, nehmen dann ihre Mahlzeiten auf ihrem Wohnbereich ein, wo ihnen mehr Hilfe gegeben werden kann. Oder wo ihr Ess- und Trinkverhalten besser beaufsichtigt werden kann. Schließlich soll keiner verhungern oder verdursten.

Frau St. war die letzte der Damen an meinem Tisch, die verstarb.

Sie war schon seit geraumer Zeit nicht mehr unten im Speisesaal. Nun ist auch sie eingeschlafen.

Geboren 1924, hatte sie ein langes Leben hinter sich. Sie war groß und schlank und sah auch als alte Dame immer noch sehr adrett und gepflegt aus. Sie sagte oft, es sei ein großes Geschenk, dass es ihr noch bis ins hohe Alter hinein so gut gehe. Sie war sehr bescheiden! Denn auch sie beutelten mehrere Krankheiten.

Hier ist mein Beitrag über ihren Beruf früher. <<klick

Ja, es tut weh, dass die Damen meiner anfänglichen Tischfamilie jetzt alle verstorben sind. Aber ich bin sehr froh, sie kennengelernt zu haben und sie einen Teil ihres Lebensweges begleitet zu haben!

R.I.P. Frau K., Frau M., Frau W., Frau V., Frau St.

So war’s – Weihnachtsmarkt im GTH 2018

Also „Weihnachtsmarkt“ war wohl etwas hoch gegriffen. Es gab nämlich nur einen Stand. Doch dort wurde liebevoll selbstgebastelter Christbaumschmuck und Weihnachtsdeko angeboten. Hinter dem Tisch saßen die beiden Leiterinnen des Sozialen Dienstes, Frau Faust und Frau Kubens.

So war’s (2) – Gala-Dinner 2018

Hier kommen meine persönlichen Aufnahmen vom 4 Gänge Menü: