Meine Tischfamilie schrumpft

Als ich vor 5 Jahren ins Gerhard Tersteegen Haus kam, saßen an meinem Tisch im Speisesaal 6 Bewohner. Von meiner damaligen Tischfamilie sind seitdem 3 Bewohner verstorben. 2 Bewohner sind mittlerweile so pflegebedürftig, dass sie oben auf dem Wohnbereich bleiben. Sie kommen nur noch selten, bei besonderen Festen runter in den Speisesaal.

Zwischendurch hatte ich immer wieder Zuwachs am Tisch. Aber davon sind auch schon 2 Bewohner wieder verstorben.

Mittlerweile sitzen nur noch 3 Bewohner an meinem Tisch: U., Frau F. und ich. Gemeinsam sind wir eigentlich nur noch zum Mittagessen dort. Denn das Mittagessen gibt es zu einer festen Zeit. Leider haben wir 3 keinen richtigen Zusammenhalt. Die beiden anderen verlassen den Tisch, wenn sie fertig sind. Ich versuche noch am Tisch zu bleiben, wenn die anderen noch nicht fertig sind. Ich kann mich glücklich schätzen, wenn sie sich verabschieden, wenn sie gehen.

Frühstücken kann man zwischen 8 und 10 Uhr. Da haben wir recht unterschiedliche Zeiten.

Abendbrot gibt es ab 17:30 Uhr. Viele Bewohner sitzen schon früher, ab ca. 17:00 Ur an den Tischen. Wenn diejenige Dame von der Hauswirtschaft früher die Speisen aufs Buffet stellt, als 17:30 Uhr, begegnen mir schon die ersten, die fertig sind im Aufzug, wenn ich erst nach unten fahre.

Dabei gibt es gegen 15:00 Uhr noch Kaffee und Kekse oder Kuchen (mittwochs und sonntags). Aber die Bewohner hangeln sich von Mahlzeit zu Mahlzeit.

 

 

Reis

Zum Mittagessen ist der Speisesaal unten immer ziemlich voll. Die wenigsten Bewohner möchten auf eine warme Mahlzeit am Mittag verzichten. Zumal, wenn sie so schmackhaft zubereitet wird, wie in der Küche des Gerhard Tersteegen Hauses.

Ich hatte darüber schon einmal ganz zu Anfang des Blogs geschrieben:

Speiseplan zum Mittagessen

Es gibt jeden Tag 2 Menüs, zwischen denen man wählen kann. Man darf sich sogar selbst sein Menü zusammenstellen. Fleisch von Menü 1 und Gemüse von Menü 2 zum Beispiel.

Die Vorsuppe war gestern schon verspeist, die Suppentassen abgeräumt. Das Servieren des Hauptgangs war bereits im Gange. Da ließ ein lauter Ausruf uns zusammenzucken:

„Also NEIN! Kein REIS!“, rief Frau B..

Die Hauswirtschafterin warf einen Blick in den Ordner mit den Bestellungen und sagte: „Aber sie haben Menü 1 bestellt.“

„Aber KEINEN REIS!“, sagte Frau B., „Oder haben Sie mich schon mal Reis essen sehen?!“

„Dann sollten sie das notieren. Ich kann nicht im Kopf haben, was ein jeder der 120 Bewohner isst.“

„Nein. Also Reis esse ich nicht!“, sagte Frau B. rechtschaffen und schob ihren Teller weit von sich weg.

Manchmal kann einem das Personal Leid tun. Seufzend nahm E. den Teller zurück und sagte: „Ich will sehen, ob in der Küche noch Kartoffeln zu haben sind.“

Natürlich bekam Frau B. dann doch noch Kartoffeln.

Frau Ga. und der Spinat-Klecks

Frau Ga. isst sehr gerne Spinat. Irgendwann habe ich auch mal den Spinat bestellt. Der schmeckt hier im Gerhard Tersteegen Haus wirklich sehr lecker. Ich kann sie also sehr gut verstehen.

Gestern hatte Frau Ga. als Gemüse Blattspinat bei ihrem Essen dabei.

Plötzlich musste ich lachen, als ich sie zufällig ansah. Sie hatte sich mit dem Spinat bekleckert. Ein großer grüner Fleck prangte auf ihrer Wange. Es sah wirklich zu lustig aus.

Frau Ga. sah mich an: „Was ist denn los?“, fragte sie.

„Sie haben einen Spinatklecks im Gesicht“, sagte ich schmunzelnd.

Frau Ga. nahm ihre Serviette und tupfte an ihrem Mund herum.

Ich musste weiter lachen. Sie war mit ihrer Serviette weit entfernt vom Spinat-Klecks.

„Und? Isses weg?“, fragte sie.

Ich lachte: „Nein, Sie wischen an der falschen Stelle!“

„Wieso? Das ist doch nichts neues, dass ich mich mit dem Spinat bekleckere“, meinte sie.

„Das stimmt“, antwortete ich, „aber die Stelle ist neu.“ Ich lachte. „Dieses Mal ist der Spinat auf der Wange!“

Jetzt wischte sie an der richtigen Stelle. Da erwischte sie den Klecks. Sie guckte die Serviette an: „Huch! Da war ich ja ein richtiges Schweinchen!“

Nun lachten wir alle beide!

 

 

Popcorn im Speisesaal 2018

Schon wieder habe ich etwas zum Thema Essen zu berichten. Aber letzte Woche Montag gab es keinen Kuchen, sondern Popcorn.

Das Gerhard Tersteegen Haus besitzt eine eigene kleine Popcorn-Maschine. Diese kommt ein Mal pro Monat zum Einsatz. Da wird dann auch variiert, mal süß mal salzig. Vergangene Woche war „süß“ dran, also Popcorn mit Puderzucker bestäubt. Das war sehr lecker!

Miss Marple

Seit 1½ Wochen haben wir eine neue Bewohnerin an unserem Tisch unten im Speisesaal. Es ist eine ältere Dame. Leider hört sie sehr schlecht. Sie reagiert auch nur sehr langsam auf Ansprache. Daher war das Kennenlernen etwas schwieriger. Doch so langsam nähern wir uns an.

Wenn sie irgendetwas nicht versteht, schaut sie mittlerweile zuerst mich an. Ich sitze ihr direkt übereck. Ich rede dann laut und simpel. Wenn sie es dann versteht, dann erleuchtet ein Strahlen ihr Gesicht. Bejahend summt sie dann ganz glücklich.

Letztens sagte die Hauswirtschafterin, Frau F. erinnere sie total an Miss Marple. Gestern sagte sie das wieder.

Daraufhin betrachtete ich Frau F. genauer. Es stimmt! Sie sieht aus wie Margaret Rutherford als Miss Marple.

Prost Gemeinde…

Gestern Mittag gab es Sauerbraten, Klöße und Rotkohl – lecker! Fanden Frau B., U. und ich. Frau Ga. zog die Nase kraus, verzog dann das ganze Gesicht und streckte mit einem lauten

UuuhhhWÄÄÄ!

pixabay.com

ihre Zunge heraus! Ihr schmecke es nicht, ließ sie uns wissen.

„Haben Sie aber eine lange Zunge!“, sagte Frau B. und lachte.

„Hmm!“, stimmte ihr Frau Ga. selbstgefällig und breit grinsend zu.

Doch dann kam der Nachtisch. Vanille-Eis mit Karamell. Das war nach ihrem Geschmack. Das verputzte sie komplett.

U. verließ als erste den Tisch. Dann ging Frau B.. Ich blieb noch sitzen, bis ‚meine kleine Prinzessin‘ (das ist sie für mich) mit ihrem Eis fertig war.

„Sie können ruhig gehen“, meinte Frau Ga. zu mir.

„Ich weiß„, antwortete ich. „Ich will Ihnen aber noch mit dem Kleiderschutz helfen!“ Sonst reißt sie den nämlich einfach ab.

„Das müssen sie aber nicht“, sagte sie zu mir.

„Ich weiß“, antwortete ich lächelnd.

Ich löste ihren Kleiderschutz und faltete ihn zusammen und legte ihn in ihren Rollator. Dann fiel mein Blick noch einmal auf ihren Platz am Tisch. Ihr Wasserglas war noch vollkommen gefüllt.

„Sie sollten noch mal etwas trinken, bevor Sie nach oben gehen.“ Wenn ihr irgendwer so etwas sagen darf, ohne ihren Groll auf sich zu ziehen, dann ich. Wir mögen uns halt.

Was sie allerdings dann sagte, ließ mich laut auflachen!

Sie erhob ihr Glas: „Prost! … Prost Gemeinde! Der Pfarrer säuft!“

Sie ist einfach unschlagbar! 😂 😂 😂 🤣 🤣

 

 

Posaunenchor Uerdingen spielt Weihnachtslieder 2017

Wie auch in den vergangenen Jahren war am Samstag wieder der Posaunenchor Uerdingen bei uns im Gerhard Tersteegen Haus. Angefangen oben auf Wohnbereich 4 fingen sie an und arbeiteten sich von WB zu WB bis sie zuletzt, genau zur Abendbrotzeit im großen Speisesaal im Erdgeschoss landeten.

Wie jedes Jahr machten sie uns viel Freude. Die Senioren sangen aus vollem Halse mit. Als sich der Leiter des Posaunenchors am Ende verabschiedete, sagte er, der Posaunenchor käme sehr gerne zu uns, da die Bewohner immer eifrig mitsingen. Wo sonst wüsste man, wenn überhaupt, mehr als die erste Strophe der Weihnachtslieder?