Beim Frühstück

Die Hauswirtschafterin schiebt den Rollwagen von Tisch zu Tisch und fragt nach den Wünschen der Bewohner. Ihr Ton ist rau aber herzlich. Für „ihre“ Bewohner tut sie alles ihr mögliche.

„Schließlich gehört euch alles hier. Ihr seid meine Arbeitgeber“, sagt sie voller Überzeugung.

Sie geht zum nächsten Tisch und kümmert sich um die gerade eingetroffenen Bewohner:
„Guten Morgen! Wat wollter haben?“

„Haben Sie Brötchen?“, fragt Fr. V.

„Und wat da drauf?“

„Oder ein Stütchen (Milchbrötchen)… haben sie vielleicht auch Stütchen?“, Fr. V. konnte sich nicht recht entscheiden.

Da war sie bei der Hauswirtschafterin an die falsche geraten: „Ja wat denn nu?“
„Dann nehme ich doch eine Scheibe Körnerbrot“, sagte Fr. V. wie aus der Pistole geschossen.
‚Na also, geht doch‘, murmelte die Hauswirtschafterin ganz leise.

Am nächsten Tisch überforderte sie die Bewohner scheinbar, als sie die drei Sorten Brotbelag anbot: „Wollter Marmelade, Käse oder Aufschnitt?“

Antwort: „Ja.“

„Also watennu?“

„Na Salami!“, kam die überraschte Antwort.

So oder so ähnlich ging es von Tisch zu Tisch weiter.

April, April… schon Ende März?

Das schoss mir in den Kopf, als ich heute morgen wieder den Speisesaal betrat.

Was ich mir alles so schön erklärt hatte mit dem Corona Abstand war irgendwie nicht mehr wahr.

Die Tische waren wieder zusammengeschoben worden. Die alten Tischgemeinschaften saßen wieder, wie früher, eng beieinander an ihren alten Tischen. Die kleinen Tische waren verschwunden.

Es waren sogar noch mehr Bewohner unten.  Die Leitung hatte beschlossen, das möglichst viele Bewohner wieder nach unten kommen sollten.

Im Prinzip beschloss sie für uns Bewohner im Gerhard Tersteegen Haus ähnliches wie die Politik für die Menschen draußen. Viele Regeln sollen gelockert werden.

Vielleicht hängt das auch damit zusammen, dass die neue Corona-Variante ansteckender ist als je zuvor.  Man sagt, wer sich bis jetzt noch nicht Infiziert habe, habe vielleicht einen stillen Verlauf gehabt.  Dann würde er heute als genesen gelten.

Endlich wieder gemeinsam essen

Ich konnte nie verstehen, warum wir im März nicht wieder im Speisesaal essen konnten.

Dabei war überall von Lockerungen der strikten Verhaltensregeln zu hören und zu lesen.

Warum nicht bei uns??

Heute konnten wir selber sehen warum.

Denn seit heute Morgen dürfen wir wieder runter.

Wir waren alle begeistert einander wiederzusehen! Das Speisen allein auf dem Zimmer oder im kleinen Speisesaal war doch recht einsam. Außerdem isst man (oder ich) weniger, weil man selber bestimmen kann was und wie viel man mag. Oben erhielt ich immer zu große Portionen. Da ich Essen nicht gerne wegschmeiße, habe ich brav immer aufgegessen. Das fiel mir nicht schwer. Die Speisen sind sehr schmackhaft.

Doch als Rollifahrerin bekommt man eh zu wenig Bewegung. Außerdem nimmt man ab 50 schnell zu und langsam ab. Das sagte meine Mutter oft. Ich konnte es nie glauben. Dachte immer es sei doch alles eine Frage des Wollens. Jetzt mit Mitte 50 merke ich, dass sie leider recht hat.

Abgesehen von der Wiedersehensfreude stellten wir fest, dass der Boden blitzeblank gewienert war. Außerdem waren die Tische anders geordnet. Jetzt wurde mehr dafür gesorgt, dass die erforderlichen Abstände eingehalten werden. Ich hatte mich immer schon gewundert, dass an manchen Tischen die Bewohner mit ihren Tischnachbarn so nah beieinander saßen.

Jetzt nicht mehr. Viele große Tischgemeinschaften wurden aufgeteilt. Dafür gab es eine Menge neue kleine Tische. Jetzt ist alles regelkonform.

Auch an unserem großen Tisch gab es einen freien Platz. Der wird jetzt belegt. Heute war die entsprechende Bewohnerin nicht da. Ich weiß jedoch wer sie ist. Ich habe damals schon über ihren ‚Beruf früher‘ geschrieben.

Vielleicht ist sie ja morgen da.

Alter schützt vor Torheit nicht

Die Wahrheit dieses alten Sprichworts ist heute gültiger denn je. Das zeigt sich auch bei uns im Alten- und Pflegeheim Gerhard Terstegen Haus in Krefeld.

Einige Bewohner verhielten sich auffällig unauffällig im großen Speisesaal, als sie von Tisch zu Tisch eilten. Stickum raunten sie sich flüsternd Heimlichkeiten zu.

Folgendes konnte ich verstehen:

A flüsternd zu B: „Worüber die sich wohl das Maul zerreißt? Ich glaube sie spricht über mich.“

B leise (oder was sie für leise hielt): „Ach… und ich dachte schon es geht um mich… „

C : „Sollte es um mich gehen… ich verstehe sowieso nichts. Das kann manchmal auch ein Segen sein.“

A und B blicken sich vielsagend an.

D kam freundlich lächelnd an der Gruppe vorbei. Sie hat ein freundliches Wesen. Sie grüßt jeden neu den Speisesaal betretenden mit einem lauten Halloooo und winkt ihm / ihr freundlich zu. Anfangs wurde gelacht. Aber jetzt fehlt etwas, wenn man nicht so begrüßt wird.

Wie man sieht sind wir Bewohner im Speisesaal einem gackerndem Hühnerstall gleich. Oder einer Schulklasse?

Hier ist ja nichts los…

… sagte Hr. V..
Er saß vorne auf der Stuhlkante, seine langen Beine nach vorne von sich weggestreckt.

„Wieso? Wat willse denn, dat hier los sei?“, fragte Frau W..

„Hmm… naja… son bisschen Leben… Musik…“, meinte träumerisch der tiefenentspannte Herr V..

„Ach… und dann? Dann würdste tanzen?“ fragte ungläubig Frau W..

„Wer? ICH??“, es sah aus, als würde er denken .ooO(Ich bin doch nicht bekloppt!!!)

„Datt hab ich mir jedacht! Wer denn sonst?“ , ein wenig selbstherrlich lachte sie lautlos.

„Wie wer? Die anderen… da gibs jenuch die tanzen wollen“ , da war er sich ganz sicher.
„Das schaue ich mir dann an.“ , wohlig seufzend sortierte er seine Beine neu.

Es ist immer wieder sehr amüsant, ihnen zuzuhören. Sie sitzen sich mit genügend Corona-Abstand an einem Tisch, jeder an den kurzen Seiten, gegenüber.

Frühstück im Speisesaal – Fortsetzung

Jetzt ist bereits der folgende vierte Tag vergangen, dass ich diese Beitrag begann. Heute nun soll es weitergehen.

Am Tisch vor mir sitzen zwei Bewohner ganz corona-konform an den kurzen Seiten eines länglichen Tisches. Ich kann sie jeden Tag sehen, wie sie sich verhalten wie ein altes Ehepaar.

Oft schmunzele ich. Sie ist sehr korrekt, beobachtet ihn genau und gibt ständig gutgemeinte Ratschläge oder Kritik.

Er sagte einmal zu mir: „Sie geht mir manchmal auf die Nerven. Immer weiß sie alles besser!“

Er erzählte eines Morgens: „Also ich versteh das nicht! Mein Zuckerwert war wieder viel zu hoch.“

Sie meinte: „Ich schon. Zum Frühstück en Brötchen, 3 Scheiben Brot, je Scheibe 1 und fürs Brötchen 2 Butter, dazu Aufschnitt un Käse un zu jedem Frühstück und Abendbrot immer ein Wackelpudding der besteht doch nur aus Wasser, Farbstoff un Zucker.“

Er schaut aus dem Fenster, dann in meine Richtung.

Sie: „Hast du das gehört? Hast du das verstanden?“

Er schweigt.

Sie blickt in meine Richtung, rollt mit den Augen, zieht die Schultern hoch. „Wer die Hilfe nicht annimmt dem ist nicht mehr zu helfen.“

Frühstück im Speisesaal

Das ist momentan der Quell für meine Erzählungen. Tatsächlich das Frühstück, vielleicht weil es dann nicht so voll ist. Man kann ja in der Zeit von 8.00 bis 10.00 Uhr frühstücken.

Viele Bewohner gehen zum gemeinsamen Mittagessen in den Speisesaal. Morgens und abends bleiben sie auf ihrem Wohnbereich.

Morgens bin ich noch gestärkt vom Schlaf. Der Saal ist nicht so voll. Ich kann daher gut Stoff sammeln für die nächsten Geschichten für den Blog, also für euch.

Für heute Abend ist meine Kraft verschwunden. Ich werde nun ins Bett gehen.

Im Speisesaal aufgeschnappt

Die Bewohner sitzen stumm vor ihren Tellern.

Einer schlürft genüsslich seinen Morgenkaffee.

Die nächste knabbert an ihrem Brötchen.

Dann

plötzlich

gibt es ein lautes

>>> hat-tschi!!! <<<

Photo by cottonbro from Pexels

Dann die unschuldige Frage: „Tschuldigung… irgendjemand verletzt?“

Zu guter Letzt der lachende, schelmische Blick hinter vorgehaltenem Arm.

Dieses Schauspiel wiederholt sich jeden Tag aufs neue.

Mahlzeiten im Gerhard Tersteegen Haus

Zum Frühstück gibt es Weiß- , Grau- , Körner-, Schwarz-Brot, Brötchen, Müsli dazu Quark, Marmeladen, Käsen, Aufschnitt. Auch die Auswahl an Getränken ist groß. Es gibt Kaffee, Tee, Milch, Kakao, Buttermilch zur Auswahl. Man kann die Mahlzeiten entweder auf dem Wohnbereich (WB), im Zimmer oder im kleinen Speisesaal oder separat an kleinen Tischen im Flur des WB einnehmen.

Hier auf dem WB essen Bewohner, die mehr Hilfe beim Essen benötigen. Hier speisen auch die Bewohner, denen angereicht werden muss.

Auch Bewohner, bei denen geschaut werden muss, ob sie genug essen, speisen hier. All das könnte unten im großen Speisesaal nicht bewerkstelligt werden. Hier ist eine Dame der Hauswirtschaft für +/- 12 Bewohner zuständig. Die Bewohner essen auch nicht alle zur selben Zeit. Frühstück ist von 8.00 bis 10.00 Uhr.

Mittagessen beginnt für alle zur selben Zeit. Auf den WB um 11.30 Uhr im großen Speisesaal von 12.00 Uhr bis 13.00 Uhr. Immer noch ist eine Dame der Hauswirtschaft, diesmal für ca. +/- 22 Bewohner zuständig.

Wer was essen möchte, wurde 3 – 4 Wochen vorher abgefragt, damit der Koch übersehen kann, wie viel er von was bestellen muss. Das heißt, wir Bewohner wissen heute meist nicht mehr, was wir einmal bestellt haben. Das sorgt immer wieder für Unruhe.

In Einzelfällen ist es aber möglich, dass man doch das andere Menu bekommt.

Abendbrot gibt es auf den einzelnen WB um 17.00 Uhr. Im großen Speisesaal unten beginnt es ab 17.30 Uhr.

Dort hat man die größere Auswahl. Hier geht eine Angestellte der Hauswirtschaft mit einem vollbepackten Servierwagen mit Brotsorten, Käsen, Aufschnitt, Salat, Joghurt, Obst und Abendbeilage an den einzelnen Tischen vorbei. Die Bewohner dürfen ihre Wünsche dann äußern und bekommen das Gewünschte dann überreicht.

Seit Corona darf die Anzahl der Bewohner pro Speisesaal und Gang bestimmte Anzahlen pro Speise-Raum nicht überschreiten, damit auf die richtigen Abstände geachtet werden kann.

Kaffee und mittwochs und sonntags Kuchen gibt es auch nur auf den WB oder in den einzelnen Zimmern. Was Corona so alles mit uns macht. Dass die Hauswirtschafter im großen Speisesaal mit Speisewagen die Bewohner bedienen, finde ich allerdings viel besser, als Büffet wo jeder mit seinen Fingern die Speisen antatschen kann.

Corona-Sitzordnung

Unten im Speisesaal ist die Sitzordnung von der Hauswirtschaft vorgegeben. Jeder Bewohner hat dort Platz zu nehmen wo sein Namenskärtchen steht. Sollte einer damit gar nicht einverstanden sein, kann er / sie einen anderen Platz bekommen.

Allerdings sitzen die Wohnbereiche immer voneinander getrennt. Ich denke das hat Corona-Gründe. Auch die Anzahl der Bewohner pro Tisch ist wegen einzuhaltender Abstände Corona-bedingt begrenzt.

Außerdem sitzen die Bewohner eines Wohnbereichs zusammen. Mehrere Tische mit Bewohnern eines Wohnbereichs werden dann in Tischgruppen zu einem Wohnbereich zusammengefasst.

Nun ist Corona schon den 2. Sommer unser ungeliebter Begleiter. Wir sehen, dass es möglich ist. Aber schön ist es nicht.