Vorlesen – „Die wunderbare Reise des kleinen Nils Holgersson mit den Wildgänsen“ (008)

Letztens las ich Frau M. weiter aus dem Buch „Die wunderbare Reise des kleinen Nils Holgersson mit den Wildgänsen“ vor. Das Kapitel, dass jetzt dran war, hieß „Im Regenwetter“. Die Schar um Akka war nach dem Kranichtanz am Bombsee aufgebrochen, ihre eigentliche Reise fortzusetzen.

Das Wetter hatte sich geändert. Nachdem es in den Tagen am Kullaberg trocken gewesen war, hatte es nun angefangen zu regnen. Nils saß bei Martin unter dem Flügel, aber er wurde trotzdem ganz nass. Es dauerte nicht lange, da fror er erbärmlich.

Die Vögel aber freuten sich über den Regen. Durch ihn erwachte die Natur. Alles spross, grünte und blühte. Der Frühling war gekommen.

Als sich die Wildgänse ein Nachtquartier gesucht hatten, war Nils nur noch kalt. Er überlegte, ob er sich nicht für diese Nacht zu den Menschen wagen solle. Dort könne er vielleicht am Feuer sitzen, sich aufwärmen und vielleicht würde er auch etwas zu essen bekommen. Rechtzeitig, noch vor Sonnenaufgang würde er zu den Wildgänsen zurückkehren.

Also machte er sich auf, die Straße entlang ins nächste Dorf zu gelangen. Schon bald hörte er Menschen, die miteinander sprachen und lachten. Er versuchte sich vorzustellen, was für ein Gesicht sie machen würden, wenn er einfach an die Tür klopfte und um Einlass bäte.

Jetzt, wo er die erhellten Fenster sah, war die Angst vor der Dunkelheit überwunden. Dahingegen empfand er von neuem die Scheu, die ihn immer in der Nähe der Menschen befiel. „Ich will mich erst ein wenig mehr im Dorf umsehen,“ dachte er, „ehe ich jemand um Einlaß bitte.“

So wanderte er die Dorfstraße entlang und grübelte, wie er es wohl schaffen könne, wieder Menschengestalt und Größe zu erlangen. Dann überkam ihn die Angst, dass er ewig so klein bleiben müsse. Wen könne er bloß fragen, was er tun solle, um wieder seine alte Größe zu bekommen?

Plötzlich sah er eine große Sumpfeule, die sich auf einem der Bäume niederließ. Sie wurde begrüßt von einer Horneule, die unter dem Dachfirst saß. Die Sumpfeule bedankte sich für den Willkommensgruß und fragte, was sich denn ereignet habe in der Zeit, in der sie im Ausland weilte.

„Hier bei uns in Bleking nichts, Sumpfeule, aber in Schonen geschah es, daß ein Junge von einem Kobold verhext wurde und so klein gemacht worden ist wie ein Eichhörnchen, und dann ist er mit einer zahmen Gans nach Lappland gereist.“

„Das ist ja eine höchst merkwürdige Geschichte,“ sagte die Sumpfeule, „Kann er denn nie wieder ein Mensch werden?“

„Das ist ein Geheimnis, Sumpfeule, aber ich will es dir trotzdem anvertrauen. Der Kobold hat gesagt, wenn der Junge gut acht gibt auf den zahmen Gänserich, so dass der wohlbehalten wieder heimgelangt, so… “

„Was weiter, Horneule? Was weiter?,“ fragte die Sumpfeule aufgeregt.

„Ich habe irgendwie das Gefühl, jemand belauscht uns,“ flüsterte die Horneule, „Komm mit. Wir fliegen zur Kirchturmspitze, Sumpfeule. Dann will ich es dir alles erzählen!“ Die Eulen flogen davon.

Doch Nils hatte genug gehört. Er müsse also nur dafür sorgen, dass Martin wohlbehalten nach Schonen zurückkehrte, dann werde er wieder ein Mensch! Er freute sich sehr und machte sich wieder auf den Rückweg zu der Gänseschar.

Vorlesen – „Die wunderbare Reise des kleinen Nils Holgersson mit den Wildgänsen“ (005)

Der Kullaberg ist ein niedriger, langgestreckter Berg in Schonen. Es ist kaum zu verstehen, warum er bei Menschen und Tieren so beliebt ist. Doch die Gründe sind sehr verschieden.

Der Kullaberg liegt nicht im Lande mit Ebenen und Tälern rings umher wie andere Berge, sondern er hat sich ins Meer hinausgestürzt, so weit er kommen konnte. Nicht der geringste Streifen Landes liegt am Fuße des Berges und beschützt ihn gegen die Wellen des Meeres. Sie gelangen bis ganz an die Bergwände heran. Dort formen sie sie. Die Menschen finden diese Natur traumhaft schön!

Für die Tiere ist am Kullaberg der Spielplatz, an dem sie sich jährlich treffen und wo es den einzigartigen Tanz der Kraniche gibt. Dieses Treffen ist eine alte Sitte. Es gibt sie schon seit Olyms Zeiten, heißt es.  (Olym, ohne P, kennt Wiki nur als Fluß in Russland.)

Das Treffen der Tiere ist jedes Jahr. Aber der Kranichtanz findet nur alle paar Jahre und nur auf Einladung der Kraniche statt. Eingeladen waren dieses Mal auch Akka und ihre Schar und der Däumling, Nils Holgersson. Das war eine große Ehre! Die Tiere empfanden sie nur an dem Tage, wo sie den großen Kranichtanz sahen.

Das Kapitel „Der große Kranichtanz auf dem Kullaberge“ ist ziemlich lang. So brauchten wir auch mehrere Anläufe, bis das Kapitel geschafft war. Ausserdem kam uns dann auch noch das Fußballspiel dazwischen. Aber jetzt ist es fertig!

Vorlesen – „Die wunderbare Reise des kleinen Nils Holgersson mit den Wildgänsen“ (006)

pixabay.com – ©Ephraimstochter

Trotz momentaner Augen-Probleme (die Multiple Sklerose mag die warmen Temperaturen, ich nicht 😖 ) musste ich Frau M. und mir das Ende des letzten Kapitels „Glimminghaus“ Sonntag noch vorlesen. Es war ja auch wirklich nicht mehr viel.

Nachdem der Storch Langbein Akka von Kebnekaise von den grauen Ratten erzählt hatte, beschloss Akka den schwarzen Ratten zur Hilfe zu kommen und sie im Kampf gegen die grauen Ratten zu unterstützen.

Doch sie würde das nicht ganz allein schaffen. Sie brauchte die Unterstützung von Nils, dem Däumling. Nils hatte scharfe Augen und konnte sich auch nachts wach halten.

Als sie am Storchennest auf Glimminghaus ankamen, sahen sie eine riesige Menge an grauen Ratten, die in die Burg eindrangen. Stockwerk für Stockwerk nahmen sie Glimminghaus ein. Sie konnten es kaum fassen, dass keine einzige der schwarzen Ratten mehr dort zu sein schien, um Widerstand zu leisten.

Da erinnerte sich Akka an Flammea, Turmeule im Dom von Lund. Sie besaß eine Zauberflöte. Mit der konnte man Ratten und Mäuse dazu bringen willenlos hinter ihrem Ton herzulaufen. Dringend sandt sie eine der daheim gebliebenen Eulen nach Lund mit dem Auftrag, Flammeas Flöte zu holen.

Als die Eule zurückkam mit der Flöte, erhielt Nils sie. Er sollte sie spielen und so die grauen Ratten aus der Burg heraus locken.

So geschah es, dass Nil mit dem Lied der Flöte alle grauen Ratten wieder aus der Burg hinaus lockte. Dann lockte er sie weit, weit weg