Es ist grausam…

Es ist so grausam, Tag und Nacht die Schreie des Nachbarn zu hören.

Die Schreie verändern sich.

Ihr merkt, ich spreche nicht mehr von Rufen. Obwohl er das auch noch tut.

Tag und Nacht.

Die Stimme ist ganz rau geworden. Sie überschlägt sich. Manchmal sind es nur noch Geräusche.

„Waaaaahhhhhhhhhhhhhhh ………….. Muuiiiii…………“

Es klingt so verzweifelt!!!!!!!!!!!!!!

„So hilf mir doch!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!! ……………………. Muuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!“

Mein Herz schmerzt! Könnte ich doch helfen!!!

„Muuiiiiiiiiiii… wo bist du?……….. wo bist du Muddi?“

Es klingt, als würde er weinen.

„WO bist du?………. Mudddddi, Muddi…………….Wo bist du?“

Ich habe einen dicken Kloß im Hals.

„Muddi! … Muddi! … Muddi! … „

Die Stimme überschlägt sich.

„Wo bist du? …………….. Wo bist du? …………….. Wo bist du? …………….. „

Warum hilft ihm denn keiner?

Warum hilft UNS denn keiner?

„Muudddiii!!!!“

Vielleicht eine Lösung? –> Deutsche Gesellschaft für Gerontopsychiatrie und -psychotherapie e.V. (DGGPP)

KOMM!!! KOMM!!!!!!

Ich dreh hier gleich am Rad!!! Mein Nachbar tut mir ja echt Leid. So ein Ende wünscht sich niemand!

Aber so einen Nachbarn auch nicht!!!

Seit Tagen und Nächten (!) krakeelt er wieder … und wieder … und wieder …

Dann auf einmal ist alles ruhig. Wie zum Beispiel heute Morgen. Ich ertappte mich dabei, zu denken .oO(Er wird doch nicht etwa… )

Plötzlich kam die Pflegerin ins Zimmer. Zeit, aufzustehen… Ich fragte sie: „Der Nachbar hat plötzlich aufgehört zu rufen. Ist alles OK mit ihm?“

„Er wird wohl schlafen… “ , meinte sie.

„Na toll! Jetzt schläft er und heute Nacht macht er mich wieder verrückt!“, sagte ich.

„Wenigstens ist er nicht mehr so laut“, meinte sie.

Wenn sie wüsste!!! Sie sollte mal eine Nacht hier verbringen müssen.

 

Er ruft und schreit

Mein Nachbar ruft und schreit schon den ganzen Tag.

pixabay.com – Pezibear

Heute Nachmittag habe ich einfach mal das Heim verlassen. Ich habe etwas bei Aldi eingekauft. Als ich zurück fuhr, konnte ich ihn schon eine ganze Strecke vom Haus entfernt hören.

Es ist echt schrecklich!

Die vergangenen zwei Tage war er ganz ruhig. Er hat wohl nur Kraft getankt. Jetzt ruft er wieder aus voller Kehle!

Es fing so harmlos an: „Muddi… Muddilein………Muuuuuuddi….“

So rief er eine ganze Zeit lang. Dann…

„Muuuuuuddi…. Muddi!……… Muddi!!!!!

Muuuuuddiiiiiii……… Muuuuuuuu-ddiiiiiiii……………Wo bleibst du denn?………… Muuuuuu-ddiiiiiiii!!!!

Irgendwann änderte sich die Wortwahl.

„Hiiiiilfe……… Hiiiilfe………!!!

„Hiiiilfe!!!! ……… Hiiiiil-fe!!!!!!!“

„Hiiiiilfe!!!!! …… Hiiiiiiiilfeeee!!!!!!!!“

Dann hörte ich zwei Nachtschwestern. Alleine trauen sie sich da wahrscheinlich gar nicht mehr rein. Verständlich! Sie gingen in sein Zimmer. Ich hörte durch Tür und Wände, dass er wohl nicht zu beruhigen war.

Zuletzt muss er etwas zur Beruhigung bekommen haben. War der Notarzt da? Vielleicht. Auf jeden Fall rief der Nachbar irgendwann nicht mehr.

Gott sei Dank!

Denn das ganze ist echt unheimlich! Irgendwann hätte ich das nicht mehr ausgehalten!

Muddi!

Nach der singenden, fluchenden Kölnerin (ich erzählte davon) habe ich seit einiger Zeit wieder einen stimmgewaltigen Nachbarn.

Auch er ist dement und bettlägerig. Auch bei ihm steht die Tür zum Flur immer offen. So kann das Personal besser merken, wenn er Hilfe benötigt. Er hat zwar auch eine Klingel, über die er die Schwestern / Pfleger rufen kann. Es wird ihm auch immer wieder erklärt, wie er sie nutzen kann. Doch schnell vergisst er das wieder.

Sein Weg ist es, durch lautes Rufen auf sich aufmerksam zu machen. Und zwar ruft er nicht „Schwester!“ oder „Pfleger!“, sondern er ruft „Muddi!“, seine Mutter.

Am hellichten Tag stört mich das nicht so wahnsinnig. Es kommt auch immer relativ schnell einer vom Pflege-Personal und kann ihn beruhigen. Oder ich fliehe, verlasse mein Zimmer.

Anders ist das nachts. Mindestens ein Mal ruft er auch nachts, auch nach Mitternacht.

Es hat sich bei mir mittlerweile eingependelt, dass ich relativ spät schlafen gehe. Da wurde dann schon sein permanent laufender, recht lauter Fernseher abgeschaltet. Dann genieße ich die Ruhe!

Mitten in der Nacht schrecke ich aus dem Tiefschlaf auf. Eine donnernde Stimme ruft: „Muddi… MUddi… MUDDI!!! MUDDI!!! VERDAMMT NOCH MAL!!! WO BLEIBST DU DENN?!?“

Immer weiter ruft der Nachbar. Mal wird es etwas leiser, dann wieder lauter, dann ohrenbetäubend laut. Das Fluchen nimmt zu. Dann bricht die Stimme. Es gibt eine kurze Pause. Doch dann beginnen die Rufe wieder, etwas weniger laut.

Endlich höre ich das Klingeln eines Diensttelefons. Es kommt näher. Es ist die Nachtdienst-Pflegekraft. Da im Nachtdienst eine Pflegekraft für fast 40 Bewohner in insgesamt 2 Wohnbereichen zuständig ist, kann es durchaus schon einmal etwas länger dauern, bis die Pflegekraft beim klingelnden Bewohner ist. Wenn der Bewohner nur durch Rufen auf sich aufmerksam machen kann, muss die Nachtdienst-Pflegekraft zufällig in der Nähe des Rufenden sein.

Auf jeden Fall kam die Schwester. Sie konnte den Nachbarn beruhigen. Schnell schlief er wieder ein.

Irgendwann schlief auch ich wieder ein.

Schreien oder Rufen: Eine echte Herausforderung für Pflegende (und Mitbewohner!)