Ja JETZT, aber…

Die Bewohner sind ganz schön mies drauf. November-Blues?

Ich bin da anscheinend der ständige positive Gegenpol. Doch das ist anstrengend und macht wirklich keinen Spaß! Denn IMMER bin ich auch nicht gut drauf.

Herr XY hat es nicht leicht. Wirklich! Er ist 86 jahre alt. Seine Ehefrau (die beiden sind über 60 Jahre lang verheiratet) war schon vor ihm hier im Heim. Sie leidet an Demenz.

Viele Jahre pflegte Herr XY sie hingebungsvoll zuhause. Aber irgendwann ging das nicht mehr. Irgendwann musste er sie ins Heim geben. Doch nach wie vor besuchte er sie regelmäßig.

Vor 2 Jahren  brauchte er dann selber Pflege. Er hat Makula Degeneration. Mittlerweile ist er auf einem Auge ganz blind. Außerdem schränkt die Arthrose seine Beweglichkeit sehr ein.

Das alles ist eine schwere Last.

Trotzdem gibt es immer wieder auch Lichtblicke. Auch in seinem Leben.

Man muss nur hinschauen,  sie sehen. Doch wenn ich daruf aufmerksam mache, kommt die ewig gleiche Antwort:

„Ja JETZT, aber… später hat sie dann alles wieder vergessen.“

Frau QB schleppt sich langsam mit ihrem Rollator an ihren Platz im Speisesaal.

„Hach!!! … Mir tun die Füße soooo weh!! … Die Fußsohlen!“

Schwerfällig lässt sie sich auf ihren Stuhl fallen. Sie sucht ihre Sachen zusammen und beginnt ihr Brötchen zu schmieren. Mit der Zeit scheint es ihren Füßen besser zu gehen.

„Langsam wird es besser… hach … jetzt tun sie garnicht mehr weh!“

Ich kann es nicht lassen, etwas dazu zu sagen:

„Das ist ja wunderbar!“

Frau QB sieht mich strafenden Blickes an:

„Ja JETZT, aber… das hält bestimmt nicht lange an!“