Das Dschungelbuch vorlesen (03)

Langsam geht es Frau M. wieder besser. So konnte ich sie gestern Nachmittag wieder im kleinen Speisesaal des Wohnbereichs antreffen. Sie war gerade dabei, ihren Sonntagskuchen zu essen. Wenigstens versuchte sie es. Allerdings landete mehr davon auf ihrem Kleiderschutz als im Mund. Das konnte ich nicht lange mit ansehen. Ich musste versuchen, ihr zu helfen. Allerdings bin ich ja auch nicht unbedingt die geschickteste wenn es um den Umgang mit Besteck geht. 😏

„Wo ist denn jemand vom Personal? Kann denn hier keiner helfen?“, fragte ich,

„Och… der hat ihr den Teller hingestellt und gemeint, sie solle erst einmal alleine versuchen. Sollte es nicht klappen, dann würde er später das Essen anreichen“, meinte Frau La..

„Klasse!“, meinte ich. Ach, es gibt am Wochenende einfach viel zu wenig Personal. Zwei Angestellte für 30 Bewohner ist einfach zu wenig! Personal ist einfach der größte Kostenfaktor in einer Einrichtung. Dabei bekommt das Pflegepersonal kein dickes Gehalt. 😏

Ich seufzte und machte weiter mit Essen anreichen.

„Wenn wir das hier geschafft haben, dann könnte ich Ihnen noch etwas vorlesen, wenn sie Lust haben“, sagte ich zu Frau M., „Ich habe nämlich das Dschungelbuch dabei!“

Frau M.s Augen leuchteten auf. Das war eine Antwort ohne Worte! 😊

Als ich den letzten Bissen angereicht hatte, erschien der Pfleger. Da hatte ich ihm die Arbeit abgenommen. Ich bat ihn, Frau M. in den hinteren Bereich des Saals zu schieben. Dort saßen nämlich auch Frau Kp. und Frau Li., die ja auch gerne zuhören.

Ich hatte schon während des Kuchens kurz zusammengefasst, was wir bisher gelesen hatten. Heute wollte ich dann endlich mit dem ersten Kapitel fertig werden.

pixabay.com

Das erste Kapitel trägt den Namen „Moglis Brüder“. Jetzt also las ich den dritten Teil davon vor.

Nun war also geschehen, was der lahme Tiger Schir Khan gesagt hatte. Aquela, der Führer des Wolfsrudels, alt und grau geworden, verfehlte auf der Jagd sein Ziel. Damit ist nach Gesetz der Dschungel das Wolfsrudel Führer-los geworden.

Aquela stellt sich dem Rudel gegenüber, bereit mit einem nach dem anderen Wolf zu kämpfen, bis einer ihn töte. Der würde dann per Gesetz der Wölfe der neue Anführer des Rudels. Doch so recht traute sich keiner gegen Aquela anzutreten. Auch wollen sie warten, bis auch Mogli am Ratsfelsen erschien.

Mogli hatte im Dorf der Menschen die „Rote Blume“ geholt, wie Baghira empfohlen hatte. Er hatte sie „gefüttert“ mit Reisig, dass die Flamme nicht ausging. Mit der „Roten Blume“ erschien er also am Ratsfelsen.

Es wurden viele hässliche Worte gewechselt. Alles wurde angestachelt von Schir Khan. Er wollte der neue Führer des Wolfsrudels werden.

Doch Mogli blieb Sieger des Kampfes mit Worten. Er bestand darauf, dass Aquela am Leben blieb. So blieben beide, Aquela und Mogli am Leben und verließen das Wolfsrudel.

Es machte Mogli sehr traurig, dass die neue Generation Wölfe ihn los werden wollte. Sie waren sehr vom Tiger beeinflusst und wollten keinen Menschen, der Mogli ja war, in ihrem Rudel dulden. Er vergoss ganz bittere Tränen.

Das Dschungelbuch vorlesen (02)

pixabay.com

Es war schon einige Zeit her, dass ich aus dem Dschungelbuch vorgelesen habe. Das hatte auch einen Grund. Jedes Mal, wenn ich mit meinem Kindle im kleinen Speisesaal erschien, war Frau M. nicht da. Als ich sie gestern wieder nicht sah, fragte ich eine Pflegerin, wo Frau M. denn sei. Sie sei in ihrem Zimmer bekam ich zur Antwort.

„Kann ich sie denn dort mal aufsuchen?“, fragte ich.

„Hm, ich weiß nicht. Ich gehe mal zuerst rein. Dann sehen wir weiter“, meinte sie und verschwand im Zimmer.

Auf dem Gang hörte ich wie sie mit Frau M. sprach. Zum Schluss sagte sie, dass ich sie besuchen wolle und ob das in Ordnung sei. Kurz darauf kam sie aus dem Zimmer. „Gehen sie ruhig hinein“, sagte sie zu mir.

Frau M. lag im Bett, gut zugedeckt. Ich sagte zu ihr: „Ich habe Sie vermisst! Ich habe Sie schon lange nicht mehr gesehen!“, dabei streichelte ich ihre Hand, die unter der Decke hervorlugte. Sie strahlte, hustete und antwortete dann: „Das hat auch seinen Grund. Ich war nämlich krank.“ Wieder hustete sie.

„Möchten Sie etwas trinken?“, fragte ich.

„Ja!“, antwortete sie.

Nachdem ich ihr zu trinken gegeben hatte, kuschelte sie sich wieder in die Kissen.

„Hm… ich habe sogar extra das Dschungelbuch mitgebracht. Soll ich noch ein wenig vorlesen?“

„Ja!!!“ war die Antwort. Ihr Gesicht strahlte auf.

Ich fasste noch einmal knapp zusammen, was wir bisher gelesen hatten und begann dann mit dem Zeitsprung – 10 bis 12 Jahre später.

Es ist ganz klar, dass sich Wölfe in dieser Zeit viel schneller entwickeln, als Menschen. Menschen können auch viel älter werden, als Wölfe. Daher geschieht es, dass die Zeit beginnt, in der Akela so schwach wird, dass er nicht mehr das Rudel wird führen können.

Dazu kommt, dass der Tiger Schir Khan versucht, böses Blut zu verspritzen. Er hetzt die jungen Wölfe gegen Mogli auf.

Baghira, der Panther beobachtet alles mit Kummer. Er spricht mit Mogli darüber. Gemeinsam beratschlagen die beiden, was nun zu tun sei. Mogli braucht einen „Trumpf“. Dann hat Baghira eine Idee. Mogli soll sich unten in der Siedlung der Menschen die „Rote Blume“ (=Feuer) holen. Davor fürchtet sich jedes Tier.

Kaum hat Baghira Mogli davon erzählt, springt Mogli den Berg hinab, zur Siedlung der Menschen.

Das Dschungelbuch vorlesen (01)

pixabay.com – OpenClipart-Vectors

Jetzt haben wir mit dem Dschungelbuch angefangen. Ich habe das auch auf dem Kindle. Aber ich kann da keine Kapitelbilder fotografieren. Daher gibt es das obige Bild und dann erzähle ich euch, was wir gelesen haben.

Mogli ist nackt und allein in der Wildnis. Er wurde von seinen Eltern in der Dschungel getrennt. Der Kleine kann gerade eben laufen und läuft, auf der Flucht vor dem Tiger Shir Khan  in eine Wolfshöhle hinein, in der junge Wolfswelpen mit ihren Eltern liegen. Er ist ganz furchtlos und kuschelt sich zwischen die Welpen, an die Wolfsmutter heran.

Vater und Mutter Wolf sind erst ganz überrascht. Doch dann beschließen sie, das Menschenjunge zu behalten und aufzuziehen. Er würde bestimmt noch einmal ganz nützlich sein.

Doch damit das Menschenjunge in das Wolfsrudel aufgenommen wird, muss es den anderen Wölfen gezeigt werden. Dann braucht es zwei Fürsprecher aus dem Rudel, die nicht die Wolf-Eltern sein dürfen.

Also wird Mogli der Rudelversammlung vorgestellt. Letztendlich sprechen zwei Tiere für Mogli, die selber keine Wölfe sind: Balu, der Bär, der Lehrer der die Wölfe das Dschungelgesetz lehrt und Baghira, der schwarze Panther, der dem Rudel einen frisch erlegten Bullen spendet.

Damit gehört Mogli offiziell zum Rudel der Wölfe.

Jetzt vergehen 10 bis 12 Jahre, in denen Mogli alles lernt, was ein junger Wolf wissen muss. Diese Jahre überspringt das Dschungelbuch. Wenn ich also demnächst weiter vorlese, ist Mogli schon wesentlich älter.

Frau M. lauschte die ganze Zeit gebannt. Ich denke wir haben das richtige Buch gewählt!