Übermut tut selten gut!

Wieder einmal zeigte sich, dass die alten Sprichwörter ins Schwarze treffen!

Auch Philosophen haben sich mit dem Übermut befasst. Victor Hugo sagte: „So wankt der Übermut und geht dem Sturz entgegen.“

Ja, ja… eigentlich war mir klar, dass sich das Heldenstück vom Vortag nicht so schnell wiederholen ließ! Eigentlich

Hmm…

Als aber am Donnerstag das Wetter wieder so wunderschön herbstlich war… die Sonne schien…

… da packte mich der Übermut.

Obwohl ich mich eigentlich nicht so sicher fühlte, nahm ich meinen Rollator, klappte ihn auseinander… wankte… verlor das Gleichgewicht… und es passierte, wie Victor Hugo schon prophezeite… ich stürzte!😱

Ich lag eine ganze Weile auf dem Fußboden, sortierte meine Gedanken und Gefühle. Ich war ganz schön blöd gefallen, hatte meinen Dickschädel dabei am TV-Tisch gestoßen. Der Kopf schmerzte. Mir war ganz schlecht. Aber wohl eher durch den Schreck.

Nach einiger Zeit robbte ich über den Boden zur Klingel. Denn alleine aufstehen klappte nicht.

Erstaunlich schnell erschien der Praktikant auf die Klingel. Als er mich am Boden sah, sagte er: „Ich hole noch Hilfe!“

Als der Pfleger dann auch kam, halfen mir die beiden erst einmal hoch und dann aufs Bett. Nachdem der Pfleger abgeklärt hatte, ob er mich ins Krankenhaus schicken musste – „Oh Hilfe! Bloß das nicht!!!“, war meine Antwort – ruhte ich mich aus.

DEN Schrecken musste ich erst mal verdauen!

Rechts… Links… Rechts… Links…

Wie ein Mantra wiederholte ich diese Worte und setzte einen Fuß vor den anderen.

Rechts… Links… Rechts… Links…

So hatte ich es mit einer anderen Physiotherapeutin gemacht, die ich letzte Woche als Ersatz für den Physioritter hatte. Er fiel aus, weil seine Tochter krank war und er sich um sie kümmern musste. Diese Physiotherapeutin hat selber Multiple Sklerose und konnte mir Tipps und Tricks nennen, die sie selber am eigenen Körper erfahren hat.

Rechts… Links… Rechts… Links… so wanderte ich mit Rollator um den Block.

„Mache dir immer bewusst, was du gerade tust. Mit der Zeit gräbt sich das in das Bewusstsein ein und es läuft ganz automatisch“, sagte sie mir: „Es bilden sich neue Verknüpfungen im Gehirn. Schließlich haben wir ja genug Hirnzellen.“

Unser menschliches Gehirn besteht aus verschiedenen Gehirnzellen. Die wichtigsten und häufigsten Gehirnzellen sind die Nervenzellen, auch Neuronen genannt. Von ihnen existieren schätzungsweise 100 Milliarden bis eine Billion Zellen.

Quelle

Immer wenn ich spüre, dass die Beine schwer werden und ich die Füße schleifen lasse, solle ich eine kurze Pause einlegen.

Rechts… Links… Rechts… Links…

Brav konzentrierte ich mich auf meine Füße. Ich machte insgesamt 3 Pausen, wo ich sonst nur eine machte.

Und? Hat es was gebracht?

Jawohl!!!

Ich gebe zu, ich war ja erst sehr skeptisch. Aber ich hatte keine Beinkrämpfe und kein Zucken! Toll!

Die Physiotherapeutin meinte außerdem, ich solle das so oft es geht üben. Bisher laufe ich ja nur ein Mal pro Woche in der Physiotherapie. Alleine solle ich das nicht machen. Da sei die Sturzgefahr zu groß.

Heute war so schönes Herbstwetter, dass mich die Sonne und die Herbstfarben, das Herbstlicht dazu verführten. Ich machte mich alleine auf den Weg.

Ich gebe zu, ich fühlte mich sehr unsicher. Doch ich wiederholte mein Mantra: „Rechts… Links… Rechts… Links…“ und machte 4 Pausen. Es klappte! Juhu!!!

Na ja, fast. Als ich an der Tür zur Tagespflege vorüber kam, also nach gut drei Viertel des Weges, rettete mich die Pflegerin/Leiterin der Tagespflege und bot mir einen Sitzplatz an.

Nach einer ausführlichen Pause begleitete sie mich bis zum Aufzug. Ich war fix und fertig. Und stolz, dass es geklappt hatte!

Ich habe sogar ein paar Fotos gemacht. War das nicht verlockend?😊

Traurig

Ich bin richtig traurig, dass meine momentane Tischfamilie so gar nicht zusammenhält. Jetzt sehe ich, was ich für ein Glück hatte mit der Tischfamillie, die ich beim Einzug ins Gerhard Tersteegen Haus bekam.

Sicherlich hing auch viel damit zusammen, dass der Tisch voll besetzt war und ich mit meinen beiden direkten Nachbarinnen Glück hatte.

Über Eck zur linken saß Frau St., die Läuferin, nur mit Rollator. Zur rechten neben mir saß Frau K., meine Seelenverwandte. Wir hatten beide einen ähnlichen Humor. Das verbindet über Altersgrenzen hinweg! Zuerst kam sie auch mit Rollator. Später hatte sie einen E-Rolli, ähnlich wie meiner.

Schräg gegenüber saß Frau W.. Sie sorgte oft für viel Spaß. Mit ihr lachten wir häufig. 😁 😂 Auch sie kam mit Rollator. Ihre Freundin, Frau M. (Rolli-Fahrerin) saß über Eck zu Frau W.. Die zwei heckten ständig irgendetwas aus.

Mittlerweile sind sie alle verstorben.

Wir bekamen noch einmal eine gute Nachfolgerin, Frau Ga.. Mit ihr war es zwei Jahre lang sehr lustig. Doch dann starb auch sie.

Mittlerweile hatte sich U. von ‚meinem‘ Tisch wegsetzen lassen. Sie sitzt nun bei ihrem Freund, dem Obelix, gleich am Eingang zum Speisesaal, nah zum Buffet. Ich sehe ein, dass das für sie besser ist. Aber ich vermisse sie. *seufz *

Indem ich das jetzt so rekapituliere, wird mir klar, so eine volle Besetzung ging nur, weil viele nicht im Rolli saßen. Für uns kalkuliert man mehr Platz ein. *seufz *

Ich habe halt Pech, dass die jetzigen Rollatorfahrer so seltsam sind. *seufz *