Zwei der sieben Todsünden

Am Montag schrieb ich so weise, so klug. Und dann holen mich meine Sünden wieder ein und ich zerreiße mich.

Die katholische Kirche kennt sieben Todsünden, für die man nach dem Tod für alle Zeiten in der Hölle schmort. Es sind:

1. Hochmut (Stolz, Übermut)
2. Geiz (Habgier)
3. Neid (bzw Eifersucht)
4. Zorn (Wut, Rachsucht)
5. Wollust
6. Völlerei (Maßlosigkeit)
7. Trägheit

Nun bin ich nicht katholisch, habe also keine Angst vor der Hölle. Aber zwei dieser Todsünden fressen auch meine Seele auf, nämlich

3. Neid (bzw Eifersucht)
und
4. Zorn (Wut, Rachsucht)

Ich weiß, dass diese Charaktereigenschaften mir überhaupt nicht gut tun. Ich weiß, dass es überhaupt nichts bringt, wenn ich wüte und tobe, weil ich mich ungerecht behandelt fühle.

Alles basiert letztendlich auf der Trauer um den Verlust so vieler Dinge durch die Multiple Sklerose.

Soviel zur Erklärung.

Doch ich will diese Gefühle überwinden! Denn sie tun mir nicht gut. Doch wenn ich der Psychologin in der Psychotherapie lausche, denke ich immer: „Das werde ich NIE schaffen!“

Und ob! Ja, ich schaffe das!!!

Sieben Todsünden

Angst essen Seele auf

Hilflosigkeit macht mich wütend

Es ist mal wieder Zeit, ein wenig Persönliches zu berichten.

Wie man schon in dem About.me-Kasten auf der ersten Seite erfährt, war ich einmal ein sehr selbstständiges, aktives Mitglied unserer Gesellschaft. Erfolgreich in Schule, Studium, Beruf, Freizeit (Musik und Sport).

Die Multiple Sklerose hat das alles im Laufe der Jahre gewandelt. Es ging so weit, dass ich nun auf den Rollstuhl angewiesen mit Pflegestufe 2 im Pflegeheim lebe. Ich bin für sehr viele Dinge auf die Hilfe anderer angewiesen. Das ist schwer für mich zu akzeptieren.

Ich habe zwei sehr große Helfer in dieser Lage:

Das ist zum einen mein Physio-Ritter. Er traut mir viel zu, so dass ich oft mit einem sehr guten Gefühl aus der Physiotherapie in mein Zimmer zurück kehre. Aber er erkennt auch meine Grenzen und pfeift mich zurück, wenn ich es übertreiben will.

Als ich letztens voller Wut steckte, gab er mir einen Stock und ließ mich auf eine Mattenrolle einschlagen. Das fühlte sich sooooooooo gut an!

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Zum anderen hilft mir die Psychologin in der Psychotherapie sehr. Hier kann ich loslassen. Um mir zu helfen, führt sie Gespräche mit mir und macht EMDR – Eye Movement Desensitization and Reprocessing – mit mir. Das löst meine innere Spannung.


Dieses Video ist auf Englisch aber es erklärt die Methode sehr gut. Ich habe zwar keinen Krieg und keine Vergewaltigung erlebt (Gott sei Dank!). Aber mein „Trauma“ ist meine MS und die damit verbundene Hilflosigkeit. :-/

EMDR

Perfektionismus ist der ärgste Feind der Selbstliebe

Dieser Beitrag spricht mich sehr an. Es ist, als ob von mir die Rede sei. Leider bin ich auch ein Perfektionist. 😦 Ich habe zwar kein Burn-out, dafür aber MS, die mich ausbremst. Mich selbst zu lieben, erscheint mir sooooo schwer! Aber ich will es versuchen (meine Psychologin spricht auch davon…). Vielleicht schaffe ich es irgendwann ja mal…

Trinas Welt

Ich treffe in meinem Beruf immer wieder auf Menschen, die sich erst dann für liebenswert halten, wenn sie perfekt sind. Sie wollen perfekt aussehen, sowohl im Beruf als auch im Privatleben alles richtig machen und stets Höchstleistungen vollbringen. Leider ist das nicht möglich, denn perfekt ist bestenfalls der liebe Gott. Wir Menschen hingegen sind fehlbar. Sehr fehlbar sogar.

Menschen, die zu Perfektionismus neigen, haben oft sehr früh erfahren, dass sie um Zuwendung zu erfahren oder gesehen zu werden, hervorragende Leistungen erbringen müssen. Sie wurden geliebt, wenn sie die Erwartungen anderer erfüllten. Anderen wurde die Liebe entzogen, wenn sie Fehler machten, ungeschickt waren oder nur mittelmäßige Leistungen erbrachten. Perfektionisten streben an, unantastbar, fehler- und makellos zu sein. Erst wenn sie das erreicht haben, können sie sich sicher fühlen. Ihr Selbstwertgefühl hängt von Erfolg und Anerkennung durch andere ab.

Natürlich hat fast jeder von uns als Kind erfahren, dass sich unsere Eltern…

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Erlebnisreisen-Fahrdienst

Gestern hatte ich wieder einen Termin bei der Psychologin und brauchte den Behindertentransport-Fahrdienst, um zur Praxis zu kommen.

Alles war schon lange im Voraus organisiert. Der Fahrdienst war bestellt.

Morgens hatte ich noch einmal beim Fahrer über WhatsApp nachgefragt, wann er mich denn abholen komme. Er antwortete: „Früh. Schon um 15.30 Uhr.“

Sein eigener BTW war immer noch kaputt. Er war auf den Wagen eines Kollegen angewiesen und musste so seine Zeiten nicht nur mit den Kunden sondern auch mit dem Kollegen abstimmen. Aber immerhin konnte er seine Kunden fahren.

Der Termin war um 16.00 Uhr. Die Fahrt dauert 10 Minuten.

So musste ich also eine gute Viertelstunde im Wartezimmer der Psychologin warten. Aber besser, als zu spät dort zu erscheinen. Denn das ist Zeit, die mir dann verloren geht. Wichtige Zeit!

Nach 50-minütiger Sitzung war ich wieder im Wartezimmer. Die Zeit mit der Psychologin war gut, wichtig. Sie hatte es geschafft, mich aus meiner aggressiven, traurigen Stimmungslage heraus zu holen und mich zu beruhigen.

Ich wusste, dass ich wieder ein wenig warten musste, bis der Farer kam. Das hatte er mir auf der Hinfahrt schon gebeichtet. Ich rechnete mit 20 Minuten (das hatte er letze Woche gebraucht.)

Um 17.30 Uhr wurde ich sehr unruhig. Ich schickte eine WhatsApp: „Wo bist du?“

Als er dann um 17.55 Uhr noch nicht geantwortet hatte, rief ich seine geschäftliche Telefonnummer an. Ich wusste, dass das dann auch an sein Handy weitergeleitet wird. Nach mehrmaligem Läuten ging er dran.

„Wo bist du? Hast du mich vergessen???“

Ich war verzweifelt, konnte kaum noch im Rolli sitzen, fühlte mich mal wieder verlassen, ausgeliefert, abhängig von Anderen.

„Ach du Schei..!“, entfuhr es meinem Fahrer, „ich bin in einer Viertelstunde bei dir! … Und ja… ich hatte dich vergessen. Es tut mir Leid! … Ich bin mit meinem Privatwagen unterwegs…. Kannst du umsteigen? … dann käme ich mit dem Wagen sofort zu dir … ansonsten dauert es länger…“. Er klang ganz zerknirscht.

Richtig so! Vergessen! Unglaublich!!!

Als er dann kam, war es bereits fast 18.20 Uhr! 😡 Anderthalb Stunden hatte ich im Wartezimmer gesessen und gewartet! Insgesamt schon fast drei Stunden! Und der Aktiv-Rolli ist für so langes Sitzen nicht optimal! 😥

Immerhin hatte ich das Mitgefühl sämtlicher Angestellten der Praxis.

„Wie?! Sie sind immer noch hier? Wo bleibt denn Ihr Fahrer???“, fragte meine Therapeutin entsetzt, „Dann war unsere ganze Arbeit ja umsonst!!!“

Als der Fahrer dann endlich kam, fielen drei Damen der Praxis gleich über ihn her: „Da haben Sie aber was gut zu machen!!!“

„Das ist wohl wahr“, sagte er ganz zerknirscht und beeilte sich, mich mit meinem Rolli zu seinem Cabrio zu schieben.

Das ganze Geschehen wirkte sich recht unterschiedlich auf uns aus. Mir verlieh es – Gott sei Dank – Kräfte. Ich schaffte es, vom Rolli ins Cabrio zu plumpsen. 😉 Er wurde ganz konfus und brauchte eine Ewigkeit, meinen Rolli zu verstauen. 👿

Endlich konnten wir starten. Mittlerweile war es schon 18.30 Uhr.

„Tja, zu essen bekomme ich jetzt nichts mehr im Heim“, meinte ich.

„Ich denke, dann muss ich dich wohl zum Essen einladen“, meinte er, verschwitzt, an den Händen blutig verschrammt.

..ooO(Was hatte er bloß mit meinem Rolli gemacht???)

„Was möchtest du denn?“, fragte er, „Essen gehen? Oder was mitnehmen?“

Mir war schon fast der Appetit vergangen. Aber so leicht wollte ich ihn nicht davonkommen lassen. Ich überlegte, was auf dem Heimweg lag und was nicht mehr zu lange dauern würde. Immerhin schließt das Heim um 19.00 Uhr ab.

Da fiel mir McDonnald’s ein. Junk-Food! Jetzt genau das Richtige! Und es lag auf dem Weg.

Fast hätte mein Fahrer die richtige Abfahrt an der Ampel verpasst. Er war so was von „durch den Wind“. Doch dann näherten wir uns dem „Fast-Food-Tempel“.

„Möchtest du rein oder sollen wir uns was am Schalter holen?“, fragte er mich.

Wow! McDrive… das hatte ich noch nie erlebt… Schon stand meine Entscheidung fest.

Ich entschied mich für ein komplettes Menü, bestehend aus einer Sprite, einem Chicken-Burger deluxe und Pommes mit Mayo. 😀

Premiere!

Mit Erhalt der Speisen suchten wir uns einen guten Parkplatz und fingen an das Auto zuzumüllen und Hände, Gesicht und Kleidung mit Salz, Krümeln und Fett zu dekorieren. 😀

Mit einem Mal fiel der ganze Ärger und Stress von mir ab und ich ließ es mir schmecken! Und es schmeckte gut! Ich aß ALLES auf! 🙂

bei McDrive 1
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bei McDrive 2
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bei McDrive 3
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