Kölsches Mädche geht noch vor den tollen Tagen

Letzte Woche in der Nacht von Donnerstag auf Freitag starb meine Nachbarin vom Zimmer nebenan.

Sie liebte den Karneval, wie es sich für eine Kölnerin gehört. Für sie begannen die tollen Tage am 11.11. um 11:11 Uhr. So lud sie mich denn auch in ihr Zimmer ein um lautstarke Karnevalsmusik zu hören – im November! Damals war ich noch ganz neu im GTH und verstand das ganze noch nicht so wirklich.

Jetzt ist sie noch vor den großen Karnevalstagen letzte Woche im Krankenhaus gestorben. Heute wurde ihr Zimmer wieder neu bezogen. Aber wie Trude Herr es so schön besang: „Niemals geht man so ganz!“


Trude Herr Revue, Niemals geht man so ganz, Köln, Roncalliplatz, 1995

Ruhe sanft!

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Frau K. wurde beerdigt

Vorgestern war Frau K.s Tochter bei mir. Sie erzählte mir, dass ihre ‚Mutti‘ letzte Woche beerdigt wurde. Da die Familie kein Geld für eine Beerdigung hat, wurde sie anonym von der Stadt Krefeld in den Niederlanden beerdigt.

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Für die Tochter ist es sehr schwer, dass sie keine Stelle, kein Grab hat, wo sie immer wieder hingehen kann. Denn es gibt keinen Grabstein. Außerdem ist Venlo für sie ewig weit weg. Mit dem Auto schafft man es in 45 Minuten. Aber ein Auto hat sie nicht.

Ich sagte zu ihr: „Weißt du was, es ist letztendlich doch egal wo sie liegt. Das ist nur ihre körperliche Hülle. Ihr Geist ist aufgestiegen. Wir werden sie immer in unseren Herzen tragen. Das ist was zählt!“

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Sie hat es geschafft

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Gestern Abend klopfte es plötzlich an meine Tür und die Nichte von Frau K. stand vor mir. Da wusste ich es. Frau K. hat es geschafft!

Ich war bereits am späten Nachmittag schon mal bei ihr gewesen. Da spürte ich, dass es nicht mehr lange dauern würde. Ich blieb eine ganze Weile bei ihr sitzen, fast eine halbe Stunde. Sie atmete sehr kurzatmig. Immer wieder hatte sie Atemaussetzer.

Als ich mir nicht mehr weiter zu helfen wusste, begann ich, ihr Weihnachtslieder vorzusingen. Einfach so fing ich an. Ich weiß, sie hat Musik immer sehr geliebt. Erstaunlicherweise konnte ich zu fast allen Liedern zwei oder sogar drei Strophen auswendig! Irgendwann kannte ich keine Lieder mehr.

Ich gab ihr ein paar Luftküsse und verabschiedete mich.

Mein Herz war mir ganz schwer geworden.

Was haben wir für eine schöne Zeit miteinander gehabt! Als ich im August 2013 ins Heim kam, half mir Frau K. über die schwere Anfangszeit hinweg. Sie im Speisesaal als meine Tischnachbarin zu haben, passte wunderbar. Wir konnten über die selben Dinge lachen, verstanden uns perfekt. Das tat gut!

Jetzt als Frau K. seit dem Tag nach ihrem 97. Geburtstag Ende August nur noch oben in ihrem Zimmer und im Bett lag, besuchte ich sie regelmäßig. Ich erzählte ihr, was unten im Speisesaal los war, richtete ihr Grüße von der Tischfamilie aus. Dabei konnte ich zusehen, wie sie immer weiter abbaute, immer dünner, kleiner, grauer wurde.

Fast dreieinhalb Monate hat es gedauert, bis sie gehen konnte. Zuletzt hat sie sich arg gequält. Doch als ich sie gestern Abend in ihrem Bett liegen sah, wirkte sie ganz entspannt, ganz friedlich.

Liebe Frau K., in meiner Erinnerung werden Sie weiterleben!

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Ich habe sie sehr lieb!

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Auch der Wurzelsepp hat es geschafft

Genau einen Tag nach Herrn R. ging auch der Wurzelsepp. Auch er wollte schon lange zu seiner geliebten Frau, die vor einigen Jahren starb. Genau wie bei Herrn R. kann man sagen: Jetzt hat er es geschafft!

Auch bei ihm steht ein Spruch auf seiner Todesanzeige unten im Speisesaal der sehr tröstlich ist:

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Einschlafen dürfen, wenn man müde ist,
Und eine Last fallen lassen dürfen,
die man lange getragen hat,
das ist eine köstliche, eine wunderbare Sache.

(Hermann Hesse)

Zu seiner jüngeren, aktiven Zeit war er ein leidenschaftlicher Wandersmann. Das zeigte sich auch noch zu Anfang seiner Zeit hier im GTH. Damals spazierten wir oft gemeinsam durch den Garten des GTH. Er mit Wanderstock, ich mit E-Rolli.

Jetzt stehen meine beiden Freunde also nebeneinander im Speisesaal auf dem Gedenk-Schränkchen. Innerhalb von zwei aufeinanderfolgenden Tagen haben Sie diese Welt verlassen. Ich werde noch oft an sie denken.

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Er hat es geschafft

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Vorgestern Nachmittag hat Herr R., mein Schach-Partner, es endlich geschafft. Er wurde letztendlich schneller von seinen Leiden erlöst, als angenommen. Nun ist er endlich auf dem Weg zu seiner Frau, die vor 5 Jahren starb. Seitdem wollte er sie immer wiedersehen.

In den letzten Wochen seines Lebens musste er viel leiden. Daher finde ich den Spruch auf seiner Todesanzeige unten im Speisesaal sehr passend:

Der Tod kann auch freundlich kommen
zu Menschen, die alt sind,
deren Hand nicht mehr festhalten will,
deren Augen müde wurden,
deren Stimme nur noch sagt:
Es ist genug.
Das Leben war schön.

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Wokandapix – pixum.com

Gedenken an Frau Kv.

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Heute Mittag hatte ich meinen Beitrag zum Tod von Frau Kv. ausgedruckt und mit an den Tisch gebracht. Dort las ich ihn ‚meiner Familie‘ vor. Dann ließ ich ihn die anderen sehen, die Bilder bewundern. So gedachten wir noch einmal still unserer ehemaligen Tischgenossin.

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Gott spricht: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst;
ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!

Jes.43,1