Mein Dickschädel

Mein Dickschädel hat mich schon in manch brenzlige Situation gebracht. Am vergangenen Freitag zuletzt.

Als ich nach dem Mittagessen in die Eingangshalle kam, stand da ein Herr im Rolli, den ich noch aus DMSG (Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft)-Zeiten her kenne. M. hat ebenfalls MS. Er ist zwar auch Roli-Fahrer, arbeitet aber noch. Er ist Elektroniker bei der Netzgesellschaft Niederrhein mbH (SWK). Allerdings ist er jetzt nur noch im Innendienst tätig.

Ein Pfleger brachte mir Post. Dabei war ein schwerer Umschlag vom Zoo Krefeld. ??? Ich öffnete ihn und das war darin:

Ich war fassungslos! Dabei lag eine Grußkarte. Der entnahm ich, dass es ein frühes Geburtstagsgeschenk von meiner lieben Freundin Uli war. Wir hatten damals in Bonn zusammen Pharmazie studiert. Wow!!! Was für eine tolle Idee!

Ich lehnte mich erst einmal fassungslos zurück.

M. sah das und so fachsimpelten wir über Zoo, Zoo-Besuch, Straßenbahn fahren mit Rolli, wie aussteigen aus der Bahn. Er hat viel Erfahrung damit. Er fährt auch Zug mit Rolli. Aussteigen aus der Straßenbahn auch wenn kein ebenerdiger Bahnsteig vorhanden ist…

Das brachte mich letzten Endes auf die unheilvolle Idee, beim Zoo auszusteigen ohne ebenerdigen Bahnsteig…

Ich machte mich also auf zum Zoo-Krefeld.

Der Straßenbahnfahrer wollte mir an der Haltestelle Zoo die Rampe ausklappen. Machte er auch. Puh, war das steil! Todesmutig kam ich mit Karacho volle Geschwindigkeit aus der Bahn heraus…

…und kippte samt Rolli vornüber auf die Straße.

Dabei landete ich mit dem Hinterkopf (!) meines Dickschädels unsanft auf dem Asphalt. Aua!!!

Die Passanten und andere Straßenbahn-Gäste waren schnell zur Stelle. Sie richteten mich wieder auf.

Eine sehr nette Frau mit Kind blieb bei mir, legte mir ein Tuch um den Hals um das herabströhmende Blut aufzufangen. Denn das lief nur so an mir runter. Sie war echt total lieb! Sie rief vorgestern und auch gestern noch mal an und erkundigte sich danach, wie es mir gehe. Außerdem wiederholte sie noch einmal ihr Angebot, mit mir zum Zoo zu gehen. Sie habe ebenfalls eine Jahreskarte.

Dann hörten wir das Martinshorn des Krankenwagens.

Siegfried Fries / pixelio.de

Auf ging es zur Notaufnahme ins Krankenhaus.

Wer schon einmal in irgendeiner Notaufnahme war, der weiß, dass man immer viel Zeit und Geduld dort braucht. Es waren zwar nur 3 Patienten vor mir dran. Aber es gab auch nur einen Assistenzart, der einen Patienten nach dem anderen abarbeitete.

Nachdem sich der Arzt überzeugt hatte, dass ich großes Glück gehabt hatte (Es ist nur ein tiefer Kratzer.) akzeptierte er auch mein Ablehnen weiterer Untersuchungen. Ich erhielt den Arztbrief für meine Hausärztin und sagte zu, dass sie mich Montag oder Dienstag sehen würde.

Nun hätte ich eigentlich noch auf den Oberarzt warten sollen *didum* . Aber ich wollte nur noch nach Hause. Ich kannte ja den Weg… ich machte mich mit dem E-Rolli also auf den Heimweg.

Reblog „Uhr der Schande“ von Stefan Heyde

Ein überaus gelungener Brief an Bundesgesundheitsminister Spahn von Stefan Heyde von http://www.pflegekraefte-in-not.weebly.com

https://pflegekraefte-in-not.weebly.com/uhr-der-schande-072018.html

 

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Stefan Heyde

Sehr geehrter Herr Spahn,

diese Uhr welche sie in Ihren Händen halten gehörte einem Bewohner aus einem Seniorenzentrum irgendwo in Rheinland-Pfalz. Diese Uhr habe ich von der Ehefrau des Bewohners nach seinem Tod erhalten und die Geschichte hinter dieser zerbrochenen Uhr hat mich sehr traurig und nachdenklich gestimmt. Sie war ein Teil, der dazu beigetragen hat mich so intensiv mit dem Pflegenotstand zu beschäftigen und gegen diesen anzukämpfen.

Es handelte sich dabei um einen Mann im Alter von 76 Jahren. Er war noch sehr fit und eigenständig obwohl ihn seine Grunderkrankung, Morbus Parkinson, immer mehr einschränkte und er dadurch auf Hilfe angewiesen war. Die Ehefrau hatte ihren Mann sehr lange, fast 10 Jahre, daheim mit Unterstützung eines ambulanten Dienstes versorgt. Am Ende reichte ihre Kraft jedoch nicht mehr aus und sie musste ihn schweren Herzens in ein Pflegeheim geben. Dort gewöhnte er sich schnell ein und verlor niemals den Humor auf seinem Wohnbereich und hatte Verständnis für die anderen Bewohner, aber auch für die Situation der Pflegekräfte vor Ort. Wenn es möglich war, half er mit und versuchte diese zu entlasten.

An diesem Tag jedoch sollte sich alles verändern.

Der Bewohner wollte kurz vor Mitternacht auf die Toilette gehen und meldete sich per Ruf bei der zuständigen Pflegekraft in der Nacht um deren Unterstützung zu bekommen, da der Weg für ihn alleine zu gefährlich war und er zu schwankend und unsicher auf den Beinen aufgrund des Parkinson war. Die Pflegekraft war in dieser Nacht jedoch mit der Situation auf dem Wohnbereich überfordert, betrat das Zimmer und bat den Bewohner um ein wenig Geduld und schilderte diesem kurz die Situation. In „5 Minuten“ wollte sie wieder da sein.

Der Bewohner wartet und wartete, aber die Pflegekraft kam nicht wieder. So dachte er sich um der Pflegekraft zu helfen, dass er sich selbst auf den Weg macht zur Toilette um diese zu entlasten, denn das hatte ja schon etliche Male vorher auch geklappt. Er lief schwankend zum Bad in seinem Zimmer und suchte nach dem Lichtschalter.

Dabei passierte es. Er verlor das Gleichgewicht und stürzte. Mühevoll versuchte er sich irgendwo festzuhalten während des Sturzes und schrammte dabei am Heizkörper mit seinem Kopf vorbei, knallte auf das Waschbecken und fiel zu Boden. Er verlor sofort das Bewusstsein.

Die Pflegekraft schaffte es erst um 0:15 Uhr in dieser Nacht das Zimmer des Bewohners aufzusuchen und wollte ihn, wie geplant, zur Toilette begleiten. Als sie das Zimmer betrat fand sie den Bewohner im Bad in einer großen Blutlache mit klaffender Platzwunde und ohne Puls vor. Die Pflegekraft fing sofort mit der Reanimation an, rief den Notarzt und kämpfte um das Leben des Bewohners.

Als der Rettungsdienst eintraf hatte der Bewohner einen sehr flachen Puls, war aber wieder da, jedoch ohne Bewusstsein. Der Rettungsdienst nahm den Bewohner natürlich sofort mit um ihn ins nächstgelegene Krankenhaus zu bringen.

Der Bewohner verstarb in dieser Nacht gegen 03:00 Uhr an einer schweren Hirnblutung.

Er starb, weil er die Pflegekraft, welche in der Nacht mit einem Kollegen zu zweit für über 110 Bewohner zuständig war, entlasten wollte.

Diese Uhr hat mich nun viele Jahre begleitet und wurde für mich zu einem Symbol, sie wurde für mich zur „Uhr der Schande“. Nun ist es an der Zeit diese Uhr weiterzugeben um vielleicht auch Sie zum Nachdenken zu bringen.

Diese Uhr wurde beim Sturz zerstört und blieb genau zu diesem Zeitpunkt mit zersplittertem Glas stehen. Die Uhrzeit zeigt 23:58 Uhr. Die Situation in den Pflegeberufen ist nicht mehr „fünf vor Zwölf“ oder „zwei Minuten vor Zwölf“, es ist schon weit danach.

Es wird Zeit, dass Sie handeln, fernab jedes Parteibuches zum Wohle der Bürger*innen welche einen Lebensabend in Würde und mit der bestmöglichen Versorgung verdient haben. Diese Uhr ist ein Sinnbild, wie schnell jeder von uns ein Teil dieses kranken Gesundheitssystems werden kann.

Falls Sie ein Gespräch wünschen, so können Sie mich natürlich gerne kontaktieren. Ich stehe Ihnen gerne zur Verfügung um Ihnen einen ungeschönten Blick auf die Zustände der Pflegeberufe zu geben.

Mit freundlichen Grüßen
Stefan Heyde

#Altenpflege #Altenheim #Krankenhaus #Krankenpflege #Pflege #Pflegeberufe #PflegemitHerz #Pflegenot #Pflegenotstand #CareResistance

Gestern wurde sie 60!

Meine stille Heldin wurde gestern Jahre alt!

Quelle

Ich hatte sie euch bereits hier und hier schon mal vorgestellt. Doch im letzten Jahr war sie mehr im Krankenhaus als im Gerhard Tersteegen Haus.

So war es leider auch gestern, an ihrem 60-sten Geburtstag. Was für ein leidvolles Leben! Schon als Kind entdeckte man bei ihr Tumore im Hirn. Sie wurde operiert. Das ging zeitlebens so weiter.

Die regelmäßig durchgeführten Kontrolltermine wurden immer mit Spannung wahrgenommen und dann wartete man angespannt auf das „Urteil“ der Mediziner. Manchmal war es OK. Manchmal gab es erneute Hiobsbotschaften.

Aber es gab auch ruhigere Zeiten. So machte sie den Realschulabschluss. Dann machte sie eine Lehre mit abgeschlossener Endprüfung. Von dort aus arbeitete sie viele Jahre in ihrem Beruf bei der Firma Bayer.

Sie lernte einen viel älteren Mann kennen und lieben. Die beiden heirateten und machten viele Urlaubsreisen zusammen. Es ging quer über den gesamten Globus. So lernte sie viel von der Welt kennen.

Als ich im August 2013 ins GTH zog, war sie schon seit einigen (~5?) Jahren dort. Da lag sie schon fest im Bett. Im Rolli musste sie geschoben werden. Selbstständig / eigenständig ging nicht mehr viel. Selbst das Essen muss ihr angereicht werden.

Doch ständig hat sie ein freundliches, lächelndes Gesicht. Ich habe nie erlebt, dass sie jammerte. Nach außen wirkt sie gelassen, freundlich. Unglaublich, wie sie das immer schafft. Viel Kraft gibt ihr der Glaube an Gott. Solange es ihr noch etwas besser ging, war sie immer bei den Gottesdiensten in der Kapelle des GTH.

Ich wünsche ihr, dass ihr weiteres Schicksal den für sie besten Verlauf nimmt.

…ooO(Ich denke an dich, M.)

Ist die Pflege noch zu retten? – „maybrit illner spezial“

Gestern lief im ZDF ein „maybrit illner spezial“

 

Politik | maybrit illner Ist die Pflege noch zu retten?

Einen Neustart in der Pflegepolitik hat die Bundesregierung vollmundig angekündigt. Die drängendsten Probleme diskutierte ein 75-minütiges „maybrit illner spezial“. Pflegekräfte und Angehörige von Pflegebedürftigen diskutieren auf Augenhöhe mit …

Beitragslänge:
81 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 24.08.2018, 22:15

Feste Anstellung oder Leiharbeit?

Am 22.05.2018 stand dieser Artikel in der Süddeutschen Zeitung online. Sind die Arbeitsbedingungen in den Einrichtungen (Krankenhäuser, Pflegeheime) wirklich so katastrophal, dass Pflegekräfte den Einkommensverlust, der damit unweigerlich verbunden ist, in Kauf nehmen?

Noch ist Leiharbeit in der Pflege kein Massenphänomen. Doch in der Pflegebranche wächst die Leiharbeit rapide. Die Alten- und Krankenpfleger arbeiten freiwillig bei Leiharbeitsunternehmen, nicht weil sie sonst nichts anderes bekommen haben.

Die Arbeitsbelastung bei den Einrichtungen nimmt ständig zu. Das hängt unter anderem daran, dass zu wenig Pflegepersonal da ist. Diese Arbeitsverdichtung macht viele Pfleger krank. Noch weniger Arbeitsfähige müssen noch mehr leisten. Das ganze schaukelt sich hoch.

Lesen sie im Artikel der SZ, warum Pflegekräfte in der Leiharbeit den letzten Ausweg sehen.

Krankenschwester schreibt emotionalen Brief an Jens Spahn

Gestern erschien in der Aktuellen Stunde ein Beitrag, den ich euch gerne zeigen will. Leider ist das Video nur kurz verfügbar (Aktuelle Stunde | 27.03.2018 | Verfügbar bis 03.04.2018 | WDR)

>>hier geht es zum Video<<

Wer pflegt mich, wenn ich krank bin?

Unter diesem Titel gab es vorgestern eine Reportage über den Pflegenotstand in Münster.

Es geht um den Pflegenotstand im Krankenhaus. Das große Problem Pflegenotstand gibt es eben nicht nur in Heimen. Leider.

>Hier geht’s zum Film<<