Die Engelsgeduld der Angestellten

Ursprünglich veröffentlicht Juli 31, 2014

Thomas Siepmann / pixelio.de
Thomas Siepmann / pixelio.de

Gestern beim Abendessen habe ich sie wieder bewundert: Die Engelsgeduld der Angestellten. Diesmal die Geduld der Damen der Hauswirtschaft, die unten im Speisesaal die Bewohner bedienen.

B. fragte Frau D., die im Rollstuhl sitzt und sich nicht allein am Buffet das Abendessen zusammenstellen kann, was sie essen wolle.

„Ja… wat ham se denn…?“

Diese Frage stellt sie immer.

„Wir haben Nudelsalat“, antwortete B..

„… Wat… ?“

„Nudelsalat.“

Jeden Abend gibt es zusätzlich zum üblichen Brot und Aufschnitt oder Käse eine wechselnde Abendbeilage. Es wechselt sich dort Süßes mit Salzigem ab. Oft gibt es sogar beides.

„Nur Nudelsalat?“, fragte Frau D. ganz enttäuscht, „kein Brot?“

„Doch, natürlich, auch Brot und Käse und Wurst“, sagte B. immer noch freundlich.

„… Auch Brot… Wat denn für Brot?“

„Na Weißbrot, Graubrot, Körnerbrot, Schwarzbrot…“, kam die geduldige Antwort.

„Nä… Schwarzbrot mag ich nich..“, mault Frau D..

„Weißbrot?“

„… Ja… Weißbrot… aba nur ne hallebe Schnitte… ich kann nich so viel essen… abends…“

Frau D. isst nie viel.

„Halbe Schnitten gibt es nicht“, sagt B., wie jeden Morgen und Abend. „Dann lassen Sie die andere Hälfte liegen.“

„… Ja… die lass ich liejen… die kann dann die alte Frau haben…“, die übliche Antwort. Sie denkt immer, eine andere Bewohnerin, die an ihrem Platz vorbei geht, wahrscheinlich eher jünger als sie selbst, sei eine „alte Frau“, die für die übrig gebliebenen Speisen kommt.

B. macht sich auf den Weg zum Buffet und kehrt zurück mit einem liebevoll zusammengestellten Teller.

„Nä… zwei Scheiben ess ich nich“, mault Frau D..

„Ich habe nur eine geholt“, sagt B. und beginnt, der Weißbrotscheibe die Ränder abzuschneiden.

„Nä, ich will nur eine!“ Frau D. ist da sehr entschlossen und greift auf den Teller.

„Nicht! Das ist kein Brot! Das ist der Aufschnitt!“ B. versucht den Aufschnitt zu retten.

„Ach so… „, Frau D. lässt den Aufschnitt zurück auf den Teller fallen.

Seelenruhig beendet B. den Brotteller. Außerdem hat sie auch ein kleines Schüsselchen mit Nudelsalat mitgebracht. „So“, sagt sie und schiebt alles an Frau D.s Platz. „Bitte schön!“

„So viel??? Dat kann ich nich alles essen!“, entrüstet will sie den Teller wieder von sich schieben. Doch dann fängt sie doch an, ein wenig zu essen. Immerhin!

Ich bewundere die Geduld der Angestellten, dass sie die Ruhe bewahren und meist freundlich bleiben. Toll!

By TG| Published September 23, 2011
By TG | Published September 23, 2011

Speiseplanbesprechung März 2019

2 – 3 mal im Jahr laden die Hauswirtschaftsführung (Frau Düro) und die Küche (einer der 2 Köche) die Bewohner zu einer Speiseplanbesprechung ein. Hier wird erzählt, was demnächst kulinarisch so ansteht —> Geburtstagsfeier des GTH, Sommerfest, Grillparty, Gala-Dinner…

Dann haben die Bewohner Zeit, Wünsche, Lob und Kritik zu äußern. Wenn möglich, wird versucht diese Wünsche dann demnächst umzusetzen. Das wird nicht nur so daher gesagt. Die Angestellten geben sich wirklich Mühe!

Da 14:00 Uhr für uns Bewohner eine ungünstige (weil mitten in der Mittagspause) Zeit ist, bekamen wir erst einmal Kaffee und Käsekuchen. Sehr lecker!

Dann legten wir los.

Wir Bewohner finden es sehr gut, dass es diese Möglichkeit gibt. Wir werden informiert und gehört. Das fühlt sich sehr gut an!

Neue Bandspülmaschine

Gestern haben wir im Gerhard Tersteegen Haus eine neue Bandspülmaschine für die Großküche bekommen.

Uwx1
By Echoray CC BY-SA 3.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0) or GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html), from Wikimedia Commons
Im Gegensatz zu Haushaltsspülmaschinen reinigen gewerbliche Spülmaschinen das Spülgut in sehr kurzen Programmlaufzeiten.
Da mehrmals täglich große Mengen an Geschirr gereinigt werden müssen, braucht die Einrichtung eine solche Spülmaschine.
 *******
 *******
Wer mehr über gewerblich genutzte Geschirrspülmaschinen oder auch anderes zum Thema „Hauswirtschaft“ lesen will, klicke auf den Link: ↓
 *******
 *******

Silvester 2017

Silvester wird im Gerhard Tersteegen Haus nicht großartig gefeiert. Aber nette Kleinigkeiten stimmen die Bewohner auf den Jahreswechsel ein.

Nachmittags fuhr der rollende Silvester-Wagen mit Damen vom Sozialdienst über die Gänge der einzelnen Wohnbereiche. Sie schoben einen Servierwagen, bepackt mit einem Ghetto-Blaster mit schmissiger Party-Musik, mit Luftschlangen und Tischfeuerwerk, mit Sekt, Saft und Likören und verbreiteten gute Laune.

Abends wurden wir von der Hauswirtschaft überrascht mit leckeren Extras. Es gab gefüllte Eier, Spargel eingerollt in Kochschinken, leckere, würzige, kleine Party-Frikadellen. Dazu natürlich das normale Abendbrot-Programm: verschiedene Brotsorten, verschiedene Käsesorten und verschieden Aufschnitt.

Chef als Praktikant

Heute morgen begrüßte uns der Chef, Einrichtungsleiter Hr. Frings-Wikker mit den Worten, er sei der neue Praktikant in der Hauswirtschaft.

Wir staunten nicht schlecht.

Er wurde von der stellvertretenden Hauswirtschaftsleitung begrüßt. Gemeinsam gingen sie dann in den Keller zur Hauswirtschaftsleiterin, Frau Düro.

Als Hr. Frings-Wikker dann wieder nach oben in der Speisesaal kam, trug er die typische Kleidung der Hauswirtschaft: Arbeitshose weiß und Schlupfkasach hellgrün. Wie die Kleidung doch den Eindruck / das Aussehen verändert.

Kleider machen Leute.
Gottfried Keller, schweizer Dichter des 19. Jahrhunderts

„Ich habe mir gedacht, ich muss mal sehen, wie es innen zugeht“ , sagte Hr. Frings-Wikker. Sagte er und verschwand flugs in der Küche.

Mittags war er auch wieder im Einsatz, diesmal im Speisesaal. Er half beim Verteilen der Speisen an den einzelnen Tischen.

„Wer war das? … Den kenn ich!“ , sagte Frau Ga. zu mir.

„Das ist der Chef! Er hat heute mal die Rolle gewechselt und arbeitet als Praktikant in der Hauswirtschaft “ , klärte ich auf.

„Das habe ich mir doch gleich gedacht! … er war heute Morgen auch oben (auf dem Wohnbereich). Er hat mir das Frühstück gebracht! Das finde ich gut, dass er sich das mal anschaut!“, nickte Frau Ga. wohlwollend.

Als ich einen WB-Leiter eines WB fragte, was er denn davon halten würde, meinte dieser kritisch: „Was ist schon ein Tag. Er sollte sich das mal einen Monat lang ansehen, inklusive Team-Besprechung. Dann würde er einen realistischeren Eindruck bekommen.“

Klar, besser geht immer. Aber ich finde es sehr gut, das sich Hr. Frings-Wikker angucken will, wo und wie seine Angestellten arbeiten.