Prüfdienst der Privaten Krankenversicherung (PVK)

Regelmäßig wird das Gerhard Tersteegen Haus, so wie alle anderen zugelassenen Pflegeeinrichtungen vom PVK überprüft. Der PKV der privat Krankenversicherten übernimmt die gleichen Aufgaben wie der MDK der gesetzlich Krankenversicherten.

PVK bei Wikipedia.org

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In den letzten 3 Tagen hatten wir den Prüfdienst der Privaten Krankenversicherung (PVK) im Haus. Zu den ganzen Punkten der Prüfung gehörte auch die Befragung von 9 ausgelosten Bewohnern.

Zu diesen ausgelosten Bewohnern gehörte auch ich. Ich wurde am ersten Tag gefragt, ob ich willens sei, mich am nächsten Tag von einem der Prüfer befragen zu lassen, wie zufrieden oder auch nicht ich mit dem Heim sei. Wir verabredeten einen Termin am nächsten Morgen.

Zu dem Interview erschien dann der Prüfer. Er wurde vom Wohnbereichsleiter zu meinem Zimmer gebracht. Ich durfte entscheiden, ob er bleiben könne oder ob ich lieber allein mit dem Prüfer dessen Fragen beantworten wolle. Ich hatte nichts zu verbergen, sagte also, er könne bleiben.

Es folgte ein sehr angenehmes Gespräch, in dem ich positiv über das GTH und meine bereits 6 ½ Jahre als Mieterin im Heim berichtete. Meine Unzufriedenheit von Zeit zu Zeit habe eher mit meinem Hadern mit meinem Leben als Behinderte zu tun. Der Wechsel von einem autarken, freien, selbstbestimmten Leben zum Leben in Abhängigkeit von anderen mache mir immer noch schwer zu schaffen.

Trügerische Stille?

Gestern war mein Nachbar besonders „in Form“, will sagen LAUT und das ohne Pause. Damit fing er schon am Morgen um halb 4 (!) an.

pixabay.com – Arcaion

Um diese Zeit war die Nachtschwester auf unserem Gang. Die andere Nachbarin von Herrn H. hatte wohl geklingelt.

Das hat der Nachbar wohl gehört. Damit war er wach! Als die Nachtschwester auf sein Rufen sein Zimmer betrat, war er sofort still. Doch kaum war sie wieder raus, begann er zu rufen.

„Hallo! ….. Haaaa-lloooooo!! ….. HALLO!!! “

„Warum hört mich denn keiner?!? “

„Haaaaaaa – lloooooo! ….. HAAAAA – LLOOOO!!!! „

„HA – LLOO ….. HA – LLOOO …. HA – LLOOO … HA – LLOOO … HA – LLOOO .. HA – LLOOO .. HA – LLOOO . „

Die Rufe waren monoton. Er wurde immer lauter. In immer kürzeren Abständen wiederholte er sein Hallo.

Irgendwann wechselte er die Wortwahl: „Hilfe! ….. Hilfe! ….. Hilfe! ….. Hilfe! …..….. Hilfe! ….. HILFE! …..

Dann muss ich wieder eingeschlafen sein. Erstaunlich.

Als ich wieder aufwachte war es halb 6 und er rief immer noch.

Er rief eigentlich den ganzen Tag weiter. Nur wenn jemand sein Zimmer betrat und sich um ihn kümmerte, war er still. Mit der Zeit wurde er immer heiserer. Das hielt ihn aber nicht davon ab weiter zu rufen.

Nachmittags hatte ich dann irgendwann Mitleid mit ihm und besuchte ihn. Ich nahm meinen Kindle mit und fragte ihn, ob ich ihm etwas vorlesen solle.

Seine Augen leuchteten auf: „Ja!“

Ich fragte ihn, ob ich von Nils Holgerson und den Wildgänsen vorlesen solle. „Ja!“, sagte er in freudiger Erwartung.

Aber schnell stellte sich heraus, dass ich hier einen anderen Zuhörer hatte, als Frau M.. Herr H. konnte der Geschichte nicht folgen. Ich las für ihn zu schnell. Ich muss mir mal Geschichten geben lassen, an denen auch Demente Freude haben.

„Nein! Nicht weiter lesen! Sie können das nicht. Können Sie überhaupt lesen?“, bekam ich zu hören.

Ich bemerkte, dass er sich seiner Schutzhose entledigt hatte. Die lag neben dem Bett auf dem Fußboden. Außerdem lagen dort eine Vorlage und die Krankenunterlage, die das Bettlaken und die Matratze schützen sollten. Das hatte er wohl alles irgendwann aus dem Bett geworfen.

Also holte ich die Pflegerin, damit sie ihn wieder anziehen konnte. Auch das Bett musste neu bezogen werden. *seufz*

Ich ließ die beiden allein und ging zurück in mein Zimmer. Von dort hörte ich ihn zetern, jammern und fluchen.

Abends war er dann irgendwann endlich ruhig. Hoffentlich ist das keine trügerische Stille!

Den Stier bei den Hörnern packen

Gestern beschloss ich, der Sache mit dem lauten Nachbarn offensiv entgegen zu treten. Ich besuchte ihn.

„Hallo Herr H., ich bin ihre Nachbarin“, sagte ich, „Ich wohne hinter dieser Wand.“ Ich zeigte auf die entsprechende Wand.

„Ach… da wohnen Sie?…“, ein einziges Fragezeichen blickte mich an.

„Ja, da wohne ich. Und ich höre sie immer, wenn sie so laut rufen“, meinte ich.

„Sie können mich hören?“, fragte er.

„Ja. Das ist ja immer sehr laut!“, sagte ich.

„Das erleichtert mich, wenn ich so laut rufe“, erklärte er, „Da soll ja dann auch jemand kommen! … Aber es kommt keiner!“

„Das hat mir anfangs ganz schön Angst gemacht!“, sagte ich ihm.

„Das hat Ihnen Angst gemacht? Das wollte ich nicht!“, meinte er.

„Hat es aber. Sie sind ganz schön laut!“, machte ich ihm klar.

Da lag er in seinem Bett, ein armer, alter Mann im roten T-Shirt, ziemlich mager. Unfassbar, dass er eine solch kräftige Stimme hat!

Ich beschloss das Thema zu wechseln, fragte ob er Kinder habe (nein), was er früher beruflich gemacht habe (Kaufmann).

Ich sah mich in seinem Zimmer um. Zwei große Natur-Bilder hängen dort. „Wo ist das?“, fragte ich.

„Das ist im Taunus. Da habe ich lange Zeit gewohnt und gearbeitet“, erklärte er.

Dann meinte er, er wolle sich etwas anziehen und im Rollstuhl sitzen. Er könne doch nicht einfach im Bett liegen bleiben und sich mit mir unterhalten.

Ich meinte, natürlich könne er im Bett bleiben. Das wäre in Ordnung.

Dieser Teil unserer Unterhaltung schien richtig normal.

Fazit:
Mir hat es geholfen, mit ihm gesprochen zu haben, ihn gesehen zu haben.
Ihm vielleicht auch? Immerhin ist er am Abend so ruhig wie schon lange nicht mehr gewesen!