Corona ist zurück

Leider spüren auch wir im GTH, dass es stimmt was viele Wissenschaftler befürchtet haben. Wenn es kälter wird, kommt auch Corona zurück.

Auf vielen Wohnbereichen gibt es betroffene Bewohner.

Daher werden wir wieder jeden Morgen per Mund- oder Nasenabstrich geprüft.

Wir essen auf den Zimmern denn der große Speisesaal unten bleibt geschlossen.

Zum Glück habe ich ein sehr schönes Zimmer. Es bietet mir einen weiten Blick nach draußen.
Da kann mich meine Platzangst nicht ärgern. Die Sonne scheint hinein. Der Tag beginnt für mich freundlich.

Außerdem habe ich meinen Computer mit dem ich wunderbar meine Zeit verbringen kann. Also weiß ich sinnvoll meine Zeit zu verbringen.

Soviel also von der Front.🏳️‍🌈 

FORM KULTUR

Endlich wieder ein Kreativangebot! Wegen Corona fallen die ganzen Angebote, die uns sonst den Alltag unterbrachen aus.

Zwei Designerinnen von Form Kultur kamen mit der mobilen Druckwerkstatt „Huhu 🙂 “ zu uns ins Gerhard Tersteegen Haus. Sie gaben uns Bewohnern die Gelegenheit, selbständig oder mit Hilfe, Grußkarten zu gestalten.

Dazu hatten sie blanke Karten, schwarze Tintenkissen, diverse einfache Stempel und Farbstifte mitgebracht. Damit konnten wir Grußkarten herstellen, die wir entweder behalten oder spenden konnten als Grußkarten für Menschen, die einsam sind und sich umso mehr über liebe Post freuen.

Die Bewohner waren eifrig bei der Sache. Stolz präsentierten sie am Ende ihr Werk. (Wir haben die Zustimmung der einzelnen, die Bilder mit ihnen unmaskiert im Blog zu zeigen.)

Langsam trudeln sie alle wieder ein

Ich saß vor ein paar Tagen plötzlich ganz allein an meinem Tisch im Speisesaal.

Ganz ungewöhnlich kam ich morgens als erste an den Tisch unten. Normalerweise ist Bewohner 1 IMMER der erste. Er ist oft sogar schon dort, wenn es noch dunkel ist. Aber an diesem Tag war ich mit meinem Frühstück schon fast fertig, als er erschien.

Er sah ganz krank, eingefallen und grau aus. Er wirkte gealtert, sodass ich mir richtig Sorgen machte. Außerdem hustete er ganz schrecklich.

Dann musste er für 1 – 2 Tage das Bett hüten. Als er wieder nach unten kam, sah er VIEL besser aus! Allerdings erzählte er merkwürdige Sachen die Nachts (wohl in seinen Fieberträumen) geschehen seien.

Da ich an einem Tisch mit Bewohnern im Alter von 90+ sitze, bin ich mir darüber bewusst, dass ich sie alle überleben werde.

Wenn sie mich dann einer nach dem anderen innerhalb kürzester Zeit verlassen und man hört, Bewohner 2 ist im Krankenhaus. Einige Tage danach hieß es Bewohner 3 sei jetzt auch im Krankenhaus.

Doch nun trudelt meine Tischfamilie Bewohner für Bewohner wieder ein. Ich freue mich darüber.

Es ist wie in einer „normalen“ Familie. Man kann nicht MIT ihnen aber auch nicht OHNE sie.

Feldarbeit

„Herr Ox nach den Aufzeichnungen von H. Naebers“

Von Bundesarchiv, Bild 146-1987-085-19 / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de, Link

Über den Mund fahren

Manchmal könnte ich schreien…

Sagen: „Nun lass sie doch mal!“

Aber sie gibt ihr gar keine Chance,

fährt ihr einfach über den Mund.

OK, sie ist eben schneller.

Sie holt sich ihre Kraft

indem sie sich um ihre Zimmergenossin (Y) „kümmert“

O-Ton: „Ohne mich käme sie gar nicht zurecht!“

Ihr Selbstwert wird für sie dadurch gesteigert, dass sie „hilft“.

Wo Y tatsächlich Hilfe braucht, ist räumliche Orientierung.

Beide Damen sind 90+ Jahre alt.

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Vielleicht bin ich mit meinen 55 Jahren einfach zu streng.

Nicht nur streng, auch unwissend, ignorant.

Das merkte ich, als ich mit einer Pflegerin über Demenz sprach.

Die Pfleger|innen sind sehr gut ausgebildet. Mit ihrem Fachwissen kann ich nicht mithalten. Zudem haben sie Berufserfahrung.

Veranstaltungen im Oktober 2022

Im Gerhard Tersteegen Haus in Krefeld

Gefühlschaos

Das ist ja nichts neues. Immer wieder habe ich Stimmungsschwankungen. Ich hadere mit mir und dem Gedankensalat in meinem löchrigen Hirn.

Ich sehe all das, was andere können und ich nicht. Schon allein wegen des Rollis komme ich nicht überall hin.

Die anderen sprinten die Treppen hoch und erwischen gerade noch den Zug der nur stündlich fährt.

Ich warte dann die ganze Stunde.

Ach ja, das war zu jüngeren Zeiten. Die Mittfünfziger sind oft auch nicht mehr so spritzig. Sie jagen auch nicht mehr so treppauf treppab.

Immer wieder bin ich so grantig wenn ich nicht mal eben kleine, kurze Notizen zur Erinnerung schreiben kann. Mittlerweile schreibe ich nur noch Druckschrift. Ich hatte mal eine so schöne Schrift.

Ich vergleiche viel zu oft heute mit früher.

Aber bei so einem Vergleich schneidet keiner gut ab.

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Das alles vor dem Doppelstrich schrieb ich vor 2 Tagen.

Dann hatte ich ganz lieben Besuch gestern. Meine Mutter war hier um mir mit der Post etc. zu helfen. Ich erzählte ihr von meinen grauen Gedanken.

„Ach…“ seufzte sie kummervoll: „Ich verstehe dich nur zu gut! Aber es bringt uns nicht weiter.“

So weit war ich ja auch schon gekommen.

Doch dann erzählte sie mir etwas neues. „Versuche mal nicht gegen die MS anzukämpfen sondern mach sie zu deiner Freundin. Gegen eine Freundin kämpfst du nicht. Im Gegenteil. Du versuchst ihr etwas Gutes zu tun. Das macht dein Leben leichter und nicht immer so anstrengend. Dann kannst du deine Kraft für anderes nutzen.“

.oO(Hm… stimmt… das wird nicht leicht sein… aber einen Versuch ist es wert. Ich kann nichts Gutes verlieren, nur Gutes gewinnen. So lets go for it! )

Veranstaltungen im September 2022

im Gerhard Tersteegen Haus

Und? … Wie haben Sie geschlafen?

1

Herr Ü ist regelmäßig der erste im Speisesaal morgens. Darauf ist er sehr stolz. Manchmal sitzt er die ersten Minuten im dunklen. Doch das ist ihm egal. Hauptsache pünktlich.

2

Frau Y kommt in den Speisesaal. Schwerfällig lässt sie sich auf einem der Stühle nieder. Immerhin ist sie zu Fuß hierher gekommen. Die Zugspitze ist lächerlich dagegen.

Sie fragt ihn: „Und? … Wie haben sie geschlafen?“

Er ist ganz versunken in seinen Gedanken. Dass mit ihm gesprochen wurde, hat er gar nicht mitbekommen.

3 + 4

Langsam füllt sich der Tisch. Denn es erscheint das Ehepaar C. Eugen und Luise C. Sie haben jeder sein / ihr eigenes Zimmer. Das ist gut so, denn sie benötigt auch in der Nacht Pflege. Dann würde er immer wieder gestört.

Das ist möglich, wenn Einzelzimmer frei werden.

Normalerweise kommen neue Bewohner erst einmal in ein Doppelzimmer.

„Und? … Wie haben sie geschlafen?“, begrüßt sie Fr. Y.

„Ach, ich konnte überhaupt nicht schlafen“ , stöhnte Luise.

„Geschlafen? Was ist das?“ , fragte Eugen theatralisch und rollte mit den Augen.

Jetzt wurde auch Herr Ü. wach: „Ich schlafe seit Jahren überhaupt nicht.“

„Überhaupt nicht?“ , Fr. Y. war sprachlos. Das kam nur sehr selten bei ihr vor.

„Auch kein Mittagsschlaf?“ , hakte Luise nach. Ihr Mittagsschläfchen war ihr heilig

Auf diese Art ging es während des ganzen Frühstücks weiter.

Als ich diese Art von Gespräch das erste mal hörte, dachte ich mir nichts dabei.

Doch im Laufe meines Lebens hier im Altenheim (und das sind mittlerweile 9 Jahre!) hörte ich es immer wieder.

Artikel frei zugängig bei der Stiftung Warentest: >>>

Kommunikation bei Demenz
Wie Gespräche mit Demenz­erkrankten gelingen

Hitze und MS verträgt sich nicht

Bild von Alexa auf Pixabay 

Schon seit Wochen ist es sehr heiß in ganz Deutschland.

Den Bauern vertrocknen die Pflanzen. Wenn es überhaupt ein Ernte geben wird, dann wird sie außergewöhnlich gering sein. Wenn überhaupt, dann werden die Früchte klein und trocken sein.

Der Boden ist so trocken, dass er aussieht wie in Afrika.

Nicht nur die Natur leidet. Auch mich schafft die Hitze. In Krefeld ist das meist kombiniert mit Schwüle. Da sind wir dann schnell beim Klima des Affenhauses im Zoo.

Das ist der Grund, warum ich mich hier so lange nicht gemeldet habe. Ich war einfach total lethargisch.

Seit gestern ist es etwas kühler geworden. Ich lebe langsam wieder auf!

Hoffentlich bleibt es so. Doch wir haben Ende August… 🙄