Beim Frühstück

Die Hauswirtschafterin schiebt den Rollwagen von Tisch zu Tisch und fragt nach den Wünschen der Bewohner. Ihr Ton ist rau aber herzlich. Für „ihre“ Bewohner tut sie alles ihr mögliche.

„Schließlich gehört euch alles hier. Ihr seid meine Arbeitgeber“, sagt sie voller Überzeugung.

Sie geht zum nächsten Tisch und kümmert sich um die gerade eingetroffenen Bewohner:
„Guten Morgen! Wat wollter haben?“

„Haben Sie Brötchen?“, fragt Fr. V.

„Und wat da drauf?“

„Oder ein Stütchen (Milchbrötchen)… haben sie vielleicht auch Stütchen?“, Fr. V. konnte sich nicht recht entscheiden.

Da war sie bei der Hauswirtschafterin an die falsche geraten: „Ja wat denn nu?“
„Dann nehme ich doch eine Scheibe Körnerbrot“, sagte Fr. V. wie aus der Pistole geschossen.
‚Na also, geht doch‘, murmelte die Hauswirtschafterin ganz leise.

Am nächsten Tisch überforderte sie die Bewohner scheinbar, als sie die drei Sorten Brotbelag anbot: „Wollter Marmelade, Käse oder Aufschnitt?“

Antwort: „Ja.“

„Also watennu?“

„Na Salami!“, kam die überraschte Antwort.

So oder so ähnlich ging es von Tisch zu Tisch weiter.

Einzelgänger

Bild von Merio auf Pixabay

Immer wenn ich irgendwo „Neuland“ betrete, sei es ein Schulwechsel, ein Umzug (neues Land, neue Stadt), neues Umfeld in der Freizeit, beruflicher Neuanfang mit neuem Chef|in, neuen Kolleg|innen ist es wie ein neues blankes, leeres Blatt das ich neu gestalten kann.

Einerseits bietet es die Chance, sein Leben frisch und neu zu starten, ohne Altlasten

Andererseits stelle ich fest, dass ich nach einigen Wochen wieder genau da lande, wo ich vorher schon war.

Habe ich also nichts gelernt, wie mir eine feinfühlige Psychologin (ich war vor Jahren mal als Klient bei ihr) sagte?

Oder gehört es einfach zu meiner Persönlichkeit, dass ich die Dinge so schwer nehme?

Eine andere Frau, von der ich viel halte, meinte: „Du hast wirklich schon viel gelernt! Wie du mit deiner MS umgehst, alle Achtung!“

Mit diesen positiven Gedanken kann ich diesen Beitrag nun abschließen!

Hr. OX schreibt über seine Zeit als Messdiener (06)

„Herr Ox nach den Aufzeichnungen von H. Naebers“

MGV Forstwald 1936

Der Männergesangverein aus Forstwald war schon viele Male im Gerhard Tersteegen Haus und hat uns mit seiner Stimmgewalt erfreut.

Nun war Ihr Auftritt eine der ersten Musikveranstaltungen seit Corona. Sie fand draußen im Garten statt.

(c)Katrin-musikhai

Veranstaltungen im Juni 2022

Wie man sieht, gibt es nach und nach wieder mehr Veranstaltungen. Die Zahl der Coronafälle geht zurück. Es gibt nun Impfungen gegen das Virus. Es sterben immer weniger Infizierte. Das sind meist Ungeimpfte.

Im Gerhard Tersteegen Haus haben mittlerweile die, die wollten die vierte Impfung bekommen. Dadurch sind wir ganz gut geschützt. 💉💉💉💉

Trotzdem trage ich Maske 😷, wenn ich in die Stadt oder zum Einkaufen gehe. Ich bin da ziemlich vorsichtig.

Wie heißt es so schön: besser Vorsicht als Nachsicht.

Er ist doch noch ein Kind!

„Ich weiß garnicht was ich hier soll. Sie haben mich hier hin geschickt…

“ … dabei sind hier lauter Behinderte…

“ … und an der ersten Tür zur Toilette steht auch „Behinderten WC“ …

“ … warum soll ich da hinein gehen…

“ Ich bin doch nicht behindert!“

Sie war ganz erregt. Früher war sie (Kinder-) Erzieherin gewesen. Sie liebte ihren Beruf. Da sie nie verheirate war konnte sie den auch bis zur Pension ausüben. Sie war nie vom Willen des nie gehabten Ehemannes abhängig.

Als Erzieherin lebte sie ganz für „ihre“ Kinder. Einmal schimpfte eine Kollegin einen durstigen Jungen aus. Sie verweigerte im nachts ein Glas Wasser. Er hatte Durst. Doch in der Nacht zuvor hatte das Bett genässt.

Sie trat ganz entrüstet dem Jungen zur Seite: „Er ist doch noch ein Kind!“. Dann gab sie dem Jungen ein Glas Wasser.

„Wenn ich nachts Durst habe, trinke ich auch einen Schuck Wasser! Sie nicht?“

Und jetzt sollte sie behindert sein?

„Sie haben doch ihren Rollator. Den nehmen Sie doch mit wenn Sie aufs Klo gehen. Dann ist es doch viel angenehmer wenn Sie hierhin gehen. Da haben Sie doch viel mehr Platz“, meinte ich.

„Ja, das stimmt!“, meinte sie ganz erleichtert.

Hr. OX schreibt von der Schulzeit (02) 

„Herr Ox nach den Aufzeichnungen von H. Naebers“

Monsterdiagnose

„Wir haben ja eine ähnliche Krankheit“, meinte Fr. X heute zu mir.

„Nicht wirklich“, sagte ich.

Sie hat ALS (Amyotrophe Lateral Sklerose).

Ich dagegen MS (Multiple Sklerose).

Beide sind Erkrankungen des Zentralen Nervensystems.

Allerdings betrifft ALS die Motoneurone, die Muskeln.

MS greift die Markscheiden der Nerven des zentralen Nervensystems, die elektrisch isolierende äußere Schicht der Nervenfasern im Zentralnervensystem (ZNS) an.

Mit MS kann man alt werden. Die Lebensdauer ist unwesentlich kürzer als die eines durchschnittlichen, gesunden Menschen.

„In vielen Fällen führt ALS innerhalb weniger Jahre zum Tod.“ (NetDoktor)

Allerdings wurde der wohl prominenteste Mann mit ALS 76 Jahre alt. 1963 wurde ALS bei ihm diagnostiziert. Er starb am 14. März 2018 im Alter von 76 Jahren.

Auch Fr. X. ist schon über 80

Was folgern wir daraus?

#MSisAbitch #ALS

„Tja, ALS ist eben eine Monsterdiagnose!“ , meinte Fr. X.

Es gibt nichts was es nicht gibt.

Also bleibt locker. Bleibt entspannt. Dadurch lässt sich viel besser leben. ..ooO(Das hätte mein Vater zu mir gesagt.)

Gerhard Tersteegen Haus wird 23

Es war ein rauschendes Fest! Herr Albers, stellvertretende Einrichtungsleitung eröffnete die Feier. Danach gab es Sekt oder Saft.

Auch eine Geburtstagstorte durfte natürlich nicht fehlen.

Es gab gute Live-Musik. Skotty, der trompetende Eismann war mehrere Stunden vor Ort und spielte wunderbar Trompete. Da mir seine Musik gefällt, fand ich sie nicht zu laut. Einige ältere Bewohnerinnen sahen das wohl nicht so. Sie sagten die Musik sei nicht schön gewesen, nur laut und schrill. Außerdem hätte man gar nicht mitsingen und schunkeln können!

„Speis und Trank“ traf jedoch den Geschmack fast aller. Würstchen wurden gegrillt. Dazu gab es Salat und Brot.

Es gab eine kleine Zwischenaktionen von den Angestellten.

Auch eine Bewohnerin hielt einen kleinen Vortrag. Erstaunlicherweise las sie den nicht von einem Skript ab. Sie wusste alles auswendig!

„Ach, das habe ich früher so oft vorgetragen. Irgendwann braucht man dann kein Skript mehr“, sagte sie. „Ich habe noch so viel auf Lager. Vielleicht fragt man mich an Weihnachten.“

Sie hatte früher zwei Altenclubs betreut. Man merkt es ihr noch heute an, dass sie früher (auch beruflich) das Sagen hatte.

Es war wirklich ein gelungenes Fest!

Es geht weiter!

Bild von Jill Wellington auf Pixabay

Als ich meine Unterlagen durchsuchte auf der Jagd nach etwas ganz anderem, fand ich eine Mappe mit weiteren Blättern von Herrn OX!

Juhu! Ich freute mich sehr!

Das heißt, ich werde euch demnächst noch weitere Kapitel vom Leben des Bewohners Hr. OX erzählen können!

Seid also gespannt!