Duzen oder Siezen

Dieses Thema taucht immer wieder einmal auf im Laufe des Lebens.

Ich erinnere mich, dass vor 6½ Jahren, als ich ins Gerhard Tersteegen Haus einzog, es seltsam fand, wenn jemand vom Pflegepersonal einen Bewohner duzte. Ich empfand das als herabwürdigend.

Mittlerweile musste ich feststellen, dass demente Bewohner oft ganz in ihrer Vergangenheit leben. Sie reagieren dann oft nur noch auf ihren Vornamen. Es macht also Sinn, hier zu duzen. Doch das wusste ich vor 6½ Jahren nicht.

Wie mache ich es jetzt? Ich duze (oder auch nicht), wenn es mir angeboten wird. Ich biete das Du Jüngeren an, wenn die Sympathie stimmt. Ich duze und nutze den Vornamen, wenn ich demente Bewohner erreichen will (Ich werte sie jedoch nicht herab!).

Ich finde es sehr schön, dass die deutsche Sprache Du und Sie hat. Es mag verschiedene Regeln geben, wann was wo eingesetzt wird. Bei mir war das schon früher so, dass die Sympathie, die ich für einen bestimmten Menschen empfinde, mich auch schnell zum Du greifen lässt. Ist jemand wesentlichälter als ich, kommt mir automatisch das Sie über die Lippen.

Also, liebe Hilda, du bis mir erstens sehr sympatisch und zweitens reagierst du besser auf Du.😉

Das also als kleine/r Erklärung/Nachtrag zum Beitrag von gestern.

 

Oh – Wie schön!

Gestern Morgen kam ich kurz nach 8.00 Uhr an den Frühstückstisch. Da war Frau M. schon fast fertig mit ihrem Frühstück. Kaum hatte sie den letzten Bissen ihres Brotes gegessen, stand sie auch schon auf. Im Weggehen sagte sie dann tatsächlich noch: „Bis später… „.

Das ist nicht immer so. Wenn ihre Bekannte, Frau B. auch zur gleichen Zeit da ist, stehen beide gleichzeitig auf und keine verabschiedet sich. Beide sind starke Raucherinnen. Sie verziehen sich dann erst mal vors Haus und qualmen.

Langsam habe ich mich daran gewöhnt. Ich sage mir dann, sie können nichts dafür. Das ist die Demenz.

Ganz anders ist das bei der 96-jährigen Frau F.. Sie grüßt mich immer, wenn sie an den Tisch kommt. Sie gibt mir dann auch immer die Hand. Dabei ist sie auch von Altersdemenz betroffen. Aber wir zwei haben ein Sympathie-Band zwischen uns geknüpft! Ich gieße ihr immer den Kaffee ein, 2 Zuckerwürfel und Milch. Gestern stand ich danach so günstig zu ihr, dass ich sie umarmte und ihr ein Küsschen auf den Hals gab.

„Oh… wie schön!“, sagte sie ganz verträumt. 🥰

Händchenhalten

Händchenhalten drückt Zuneigung zwischen zwei Menschen aus. Genau das ist es, was zwischen uns beiden schwingt.

Während des Winterkonzerts saßen wir nebeneinander, Frau M. und ich. Ich nahm ihre Hand in meine, blickte zu ihr herüber und lächelte. Sie lächelte zurück. Es war einfach wunderschön. Sie empfand es genau so, sagte sie mir.

#hach 🥰

Für manche Dinge braucht es keine Worte!

Menschliche Wärme und Zuneigung

Nicht nur in diesen Adventstagen dürstet es den Menschen nach Wärme und Zuneigung. Geben wir es ruhig zu! Wir brauchen das! Manche mehr, manche weniger. Es sei denn man gehört zu den ca. 10% der Deutschen, die unter Gefühls-kälte / -blindheit leiden. 10% ist zwar relativ viel. Doch dem stehen 90% mit emotionaler Intelligenz gegenüber.

Lebt der Mensch in einem Pflegeheim, ist er dort in den meisten Fällen nicht freiwillig gelandet. Umso mehr sehnt er sich nach menschlicher Wärme.

Mein Erlebnis vor ein paar Tagen machte dies sehr deutlich.

Ich fuhr runter in den Speisesaal zum Frühstück. Ich war endlich mal wieder relativ früh dort. Daher war meine Kaffeefee (mit 4 E!) auch noch unten. Als ich kam, stand sie auf und goss mir Kaffee ein. Ich bedankte mich. Dann folgte unser Ritual: ich schaltete den Motor des E-Rolli aus und die Kaffeefee umarmte mich. Ich spürte ihre warme, zarte Gesichtshaut an meinem Gesicht.

„Einmal Nase anlegen! So viel Zeit muss sein!“, sagte sie.

Ich spürte ihre Nase, erst links dann rechts. Ich nahm einen Hauch ihres Parfüms wahr. Angenehm!

Als wir uns wieder aus der Umarmung lösten, fiel mein Blick auf den Nachbartisch. Vier Augenpaare sahen fast eifersüchtig zu uns herüber.

Ganz spontan rollte ich an den Nachbartisch und umarmte Frau L. … dann Frau S. … zuletzt Frau M., die anwesenden Damen am Tisch der Kaffeefee. Ich schaute in strahlende Gesichter!

„Ach. Und ich bekomme keine Umarmung… ?!“, die Enttäuschung war fühlbar.

Ich drehte mich um und rollte dann zu Frau V., die ganz allein an ihrem Tisch saß.

„Aber natürlich bekommen sie auch eine wenn sie das möchten!“, meinte ich.

„Aber ja doch!“, sagte Frau V..

Umarmung

Glückseligkeit

So einfach geht das!