Wer braucht denn da noch Frühstücksfernsehen?!

Die amusantesten Geschichten sammle ich beim Essen unten im großen Speisesaal.

Eine Mitarbeitgerin der Hauswirtschaft lieferte sich heute ein sehr lustiges Wortgefecht mit einer Bewohnerin. Nennen wir die beiden HW (Hauswirtschafterin) und BW (Bewohnerin).

HW geht mit dem Wagen mit den Speiseangeboten zum Frühstück durch die Reihen der Tische der Bewohner: „Also, watt willse haben?“

BW: „Hm… ein Scheibe Weißbrot… eine Scheibe Schwarzbrot… Aufschnitt… „

HW zeigt ihr die Aufschnittplatte.

BW: „Leberwurst und Mett.“

HW: „Leberwurst ist keine mehr da und Mett habe ich nicht.“

Die BW überlegt… … ach ja und etwas Käse…“

HW: „War es das dann jetzt? Ich muss weiter. Die anderen Bewohner wollen auch frühstücken.“

BW: „Hmpf… „

Die HW ging weiter zum nächsten Bewohner.

Der wünschte sich auch Leberwurst und ein Körnerbrötchen… ach ja und Zwiebelmett.

HW: „Die ganzen Körnerbrötchen sind weg. Zur Zeit sind die Körnerbrötchen sehr gefragt. Ich sag mal in der Küche bescheid dass wir davon mehr bestellen sollten.
Leberwurst haben wir vielleicht noch in der Küche. Ich schau mal nach.“
Sprach’s und eilte schon weg.

BW hörte mit offenem Mund zu.

HW kehrte mit Leberwurst zurück.

BW: „Für mich haben Sie das nicht getan!“

HW ging zu ihr zurück und gab ihr eine Scheibe Leberwurst.

BW grinste und meinte: „Na, es geht ja doch!“

HW grinste auch: „Ein wenig Spaß muss sein!“

BW: „Ja, ja… und Mett gibt es also wirklich nicht.“

HW: „Also… sie muss immer das letzte Wort haben!“

BW: „Genau!“, und grinste vor sich hin.

Da hatten sich 2 gefunden.

FrühTV 02

Frau XYZ kam etwas später zum Frühstück, also um 8:30 Uhr statt um 8:00 Uhr. Frühstück ist von 8:00 Uhr bis 10:00 Uhr.

Die meisten Bewohner kommen immer sehr pünktlich oder früher als zur Anfangszeit zu den Mahlzeiten. Daher ist, wenn man eine halbe Stunde später kommt, das beste vom Büfett schon weg.

Natürlich wird immer wieder nachgelegt. Doch es kann sein, dass man dann kommt, wenn die Leckerbissen schon gerade weg sind, die Hauswirtschafterin aber noch nicht wieder nachgelegt hat.

Genau in dieser Zeit kam Frau XYZ.

„Aha… typisch… nix da… hmpf!“, ereiferte sie sich. „Dann können die mir das anden Platz bringen. Ich bleib hier nicht die ganze Zeit stehen!“

Da erschien Herr ZY, Heinrich (eigentlicher Name geändert). Die beiden kommen oft zu ähnlichen Zeiten.

„Haste gesehn, Heinrich? Hier ist wieder alles ausverkauft!“, grummelte Frau XYZ.

Ihr blieb nicht viel Zeit, ihre schlechte Laune auszukosten. Denn schon erschien die Hauswirtschafterin mit neuen Platten Käse und Aufschnitt.

„Ah, bring mal die Platten hier her!“, bellte Frau XYZ „Heinrich, nu komm schon, die muss uns die Platten an den Platz bringen!“ Feldwebel XYZ wa ganz in ihrem Element.

Die Hauswirtschafterin ging erst mal zum Büfett. Die Rache der kleinen Frau war zu köstlich. Dann setzte sie noch einen drauf: „Was denn? Käse?“, sie wusste geau, dass Frau XYZ lieber Aufschnitt mag.

„Nein! Aufschnitt!“, rief Frau XYZ entrüstet.

Die Hauswirtschafterin grinste.

Dann wurde es noch einmal spannend. Flink und behände huschte Frau ABC durch den Speisesaal. Ihr direkt auf den Fersen lief die Frisörin aus dem Frisör-Salon. „Frau ABC… Frau ABC… hier lang! Sie wollen doch zum Frisör! Da haben sie die falsche Richtung eingeschlagen!“, in der einen Hand den Frisier-Umhang segelte sie in Richtung Kapelle, Frau ABC hinterher.

„Ach“, lachte Frau ABC als die Frisörin sie eingefangen hatte.

 

Nein! Das ist für dich!

Frühstück unten im Speisesaal bietet immer wieder neuen „Stoff“ für den Blog! 😉

Erst war ich alleine an meinem Tisch. Frau M. war schon fertig. Ihr begegnete ich bereits am Aufzug. Ich stieg ein, um zum Speisesaal zu fahren. Sie war schon fertig und kam zurück, stieg aus.

Frau B. kommt überhaupt nur noch selten nach unten in den Speisesaal.

Herr H. kommt nur zum Mittagessen runter.

Bei den Damen B. und F. war noch eingedeckt, Zeichen dafür, dass sie noch nicht unten gewesen waren.

Ich war gerade dabei, mein Brot zu schmieren, als ich Frau F. kommen sah. Die Hauswirtschafterin sah das auch und kümmerte sich um sie, fragte sie nach ihren Wünschen und belud dann entsprechend ihren Teller. Ich kümmerte mich schon mal um ihren Kaffee (2 Zucker und Milch).

Frau F. kann nur noch sehr wenig sehen. Da sie aber gerne selbstständig ist, ersetzen ihr die Finger die Augen und sie fasst gerne alles an nach dem Motto: „Wer nicht sehen kann, muss fühlen!“ Sie tatscht dann auch auf den ganzen Speisen (Brot, Marmelade, Käse, Aufschnitt) herum und das geht bei Lebensmitteln nun gar nicht! Hygiene!

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Und die Sache mit „Getränke eingießen“ hat schon des Öfteren für Überschwemmungen gesorgt!

Als sie dann mit einem reichhaltig bestückten Teller ankam, fragte ich sie: „Möchten Sie kein Frühstücksei?“ Das fehlte nämlich.

Erst antwortete sie mit „Nein“, doch ich sah, dass sie mich überhaupt nicht verstanden hatte. Ich nahm mein Ei, zeigte es ihr und gab es ihr dann in die Hand. Es war noch warm.

„Oh, ein Ei! …
Wo gibt es die denn?“

„Vorne am Buffet!“, sagte ich, „Soll ich Ihnen eines holen?“

„Nein! Ich hole es mir selber!“,antwortete sie und war schon weg.

Sie fand die Eier tatsächlich ziemlich flink und kam stolz zurück.

„Und? Haben sie die Eier gefunden?“, fragte ich.

„Ja!“, sagte sie und zeigte mir stolz 2 Eier. Eins gab sie mir. „Das ist für dich!“, meinte sie glücklich.

Andreas Hermsdorf / pixelio.de

Oh – Wie schön!

Gestern Morgen kam ich kurz nach 8.00 Uhr an den Frühstückstisch. Da war Frau M. schon fast fertig mit ihrem Frühstück. Kaum hatte sie den letzten Bissen ihres Brotes gegessen, stand sie auch schon auf. Im Weggehen sagte sie dann tatsächlich noch: „Bis später… „.

Das ist nicht immer so. Wenn ihre Bekannte, Frau B. auch zur gleichen Zeit da ist, stehen beide gleichzeitig auf und keine verabschiedet sich. Beide sind starke Raucherinnen. Sie verziehen sich dann erst mal vors Haus und qualmen.

Langsam habe ich mich daran gewöhnt. Ich sage mir dann, sie können nichts dafür. Das ist die Demenz.

Ganz anders ist das bei der 96-jährigen Frau F.. Sie grüßt mich immer, wenn sie an den Tisch kommt. Sie gibt mir dann auch immer die Hand. Dabei ist sie auch von Altersdemenz betroffen. Aber wir zwei haben ein Sympathie-Band zwischen uns geknüpft! Ich gieße ihr immer den Kaffee ein, 2 Zuckerwürfel und Milch. Gestern stand ich danach so günstig zu ihr, dass ich sie umarmte und ihr ein Küsschen auf den Hals gab.

„Oh… wie schön!“, sagte sie ganz verträumt. 🥰

Hören Sie das auch?

Frau Mt. ist schon 98 Jahre alt. Langsam überfordert sie das alltägliche Leben.

Als ich heute morgen zum Frühstück nach unten fahren wollte, sah ich sie. Sie war angezogen, als müsse sie zu irgendeinem auswärtigen Termin. Unruhig und wachsam ging ihr Kopf nach links… nach rechts… nach links… als suche sie jemanden.

„Guten Morgen, Frau Mt.“, sagte ich, „Suchen Sie irgendetwas?“

Ihr Kopf ging suchend nach links… nach rechts… nach links… Dann vernahm sie meinen Gruß und sie sah mich an. „Hören Sie das auch?“

„Was? Was soll ich hören?“, fragte ich sie.

„Ach, das sind doch alles Verbrecher hier! Kürzlich hat man mich wieder bestohlen…“, sie schüttelte den Kopf und umklammerte ihre Handtasche ganz fest. Die hatte die Dame natürlich auch dabei.

Ich fuhr in Richtung Pflegestützpunkt. Dort saß der Wohnbereichsleiter und stellte die Tabletten für die kommende Woche.

„Hat Frau Mt. einen Termin? Wird sie abgeholt? Oder kann ich sie mit nach unten zum Frühstück nehmen?“, fragte ich ihn.

Matt lächelte er, schüttelte den Kopf bei den ersten beiden Fragen, nickte zustimmend zur letzten. Dann widmete er sich weiter den Tabletten. Es war klar, er wollte momentan nicht gestört werden.

Ich rollte zurück zur alten Dame und sagte: „Na, dann kommen Sie mal mit. Wir fahren nach unten zum Frühstück!“

„Nein… nein… nicht nach unten… gleich kommen die Kinder und dann wollen wir feiern“, murmelte sie und hielt sich an ihrer Handtasche fest.

„Aber eine Tasse Kaffee können wir noch trinken“, meinte ich.

Ich drückte die Ruftaste am Aufzug. Die Tür öffnete sich und wir beide fuhren nach unten. „Ach… ich bin zu alt“, sagte sie nur.

Ich nahm sie unten im Speisesaal mit ans Buffet. Auf Nachfrage, was sie essen wolle, füllte ich ihren Teller und setzte ihn an ihren Platz. Kaffee goß sie sich alleine ein und begann ihr Frühstück.

Jetzt konnte ich mich um mein Frühstück kümmern.

Rasch kam sie mit ihrem Rolli wieder an meinen Tisch. „Ach, ich hatte gar keinen richtigen Hunger. Ich konnte nur eine halbe Scheibe Brot essen. Aber den Kaffee habe ich getrunken!“, sagte sie mir. Dann verließ sie den Speisesaal wieder.

Weihnachtsgeschichte nach Ingrid Noll: Mariä Stallwirtschaft

Jetzt kam zum zweiten Mal das Buch „Früher war noch mehr Lametta“ dran. Es ist eine Geschichtensammlung zu Weihnachten mit Geschichten verschiedener Autoren.

Ingrid Noll mit „Mariä Stallwirtschaft“ war die nächste Geschichte, die ich Frau M. vorlas.

Die Babysitterin Maria wünscht sich ein Kind ohne Heirat und Mann. Sie brauchte nur einen Mann zur Zeugung ihres Kindes. Sie freut sich, dass ‚da oben‘ ihr Wunsch erfüllt wird und ihr Joseph als Gefährte geschickt wird.

Maria erzählt die Weihnachtsgeschichte aus ihrer Sicht. Sie ist enttäuscht von den Gästen, die allerlei Geschenke mitbringen – allerdings hat keiner Windeln dabei. Die Schafe in gebratener Form wären ihr auch lieber gewesen.

Wenn man sich darauf einlässt, ist die Geschichte recht lustig. Trotzdem ist es auch eine Weihnachtsgeschichte. Allerdings muss man sich auf die Geschichte konzentrieren.

Dafür war Frau M. zu sehr abgelenkt. Es war schon fast 11:00 Uhr und sie hatte noch nicht gefrühstückt. Da erschien plötzlich eine Pflegerin mit ihrem Frühstück auf einem Tablett und fing an, ihr das Essen anzureichen. Doch der Kaffee war noch zu heiß. Also gab es erst einmal ein kleines Stückchen Brot. Dann wurde die Pflegerin plötzlich von einer Auszubildenden zur Hilfe gerufen.

Da war also Frau M., mit dem Frühstück auf dem Tablett und wartete wieder. Das tat mir richtig Leid.

Also sagte ich zu ihr: „Sollen wir 2 das mal versuchen?“ Sie lächelte mich an.

Langsam spielten wir uns aufeinander ein. Ich merkte, dass ich erst kontrollieren musste, ob sie auch das angereichte Brot herunter schluckte. Mittlerweile war der Kaffee auf eine gute Trinktemperatur heruntergekühlt. Ich durfte nicht zu schnell und nicht zu viel anreichen, dann verschluckte sie sich auch nicht.

Ich fragte immer erst: „Kaffee?“ Entweder nickte sie bejahend oder sie sagte: „Brot.“ So hatte sie es dann zuletzt geschafft, alles zu verputzen!

Dann kam die Pflegerin zurück. Sie blickte ungläubig auf das Tablett. Sie sah zu mir herüber: „Waren Sie das?“

Ich antwortete: „Nein. Das war Frau M.!“

„Klasse! Frau Sickert, sie sind eingestellt!“, antwortete die Pflegerin.

Da strahlte ich. Ich war richtig ein wenig stolz! 😊