Haare und Zähne

Vor ein paar Tagen hörte ich eine Unterhaltung zwischen zwei Damen im Speisesaal.

Frau A. sagte: „Ach… meine Haare werden immer dünner… schrecklich!“

„Ach ja… meine auch… ein Trauerspiel…“, stimmte ihr Frau B. zu.

Fassungslos antwortete Frau A.: „Und ich hatte früher immer so schöne Haare… so kräftige und ganz viele…“

„Ja, ich auch…“, stimmte ihr Frau B. ganz wehmütig zu.

„Da ist schon was dran, wenn gesagt wird: An Haaren und Zähnen erkennt man, dass man älter wird“, sinnierte Frau A., „nur die Eitelkeit bleibt bestehen…“

Das stimmt. Die Tage (Montag und Freitag) an denen der Frisör unten im Haus ist, gehen viele Bewohner dort hin und lassen sich verschönern! Außerdem tragen die Bewohner teilweise auch Schmuck oder tragen Lippenstift und Nagellack auf.

 

Gabriele Planthaber / pixelio.de

Bernd Kasper / pixelio.de

Wieder beim Frisör

Da es mittlerweile fast drei Monate her ist, seit ich das letzte Mal beim Frisör war, entschloss ich mich gestern Nachmittag zum Haare schneiden zu fahren. Nach meiner Mittagsruhe machte ich mich mit meinem E-Rolli auf den Weg.

Ich holte erst noch etwas ab. Dann war ich gegen 14.30 Uhr bei SIM angekommen.

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Dieses Mal war es nicht so voll wie Anfang Juli. Ich freute mich schon. Aber… zu früh gefreut! :-/ Die Friseurin, die den Frauen die Haare schneidet, hatte noch zwei Kundinnen vor mir. Eine davon war nicht nur zum Schneiden da, sondern auch zum Färben und zu guter Letzt zum Föhnen. Ich musste also eine gute Stunde warten. 😦

Während der Wartezeit beobachtete ich das Leben im Salon und draußen in der Fußgängerzone. Zu gern hätte ich euch Fotos mitgebracht, aber mein Smartphone hatte ich zu Hause gelassen. Ich weiß auch nicht, ob ich hätte fotografieren dürfen. Drei männliche Frisöre bedienten immer wieder andere Männer. Sie schnitten Haare, rasierten Bärte, polierten Glatzen, machten ein Mal sogar eine Kopfmassage. Es war interessant zu beobachten, wer sich welche Behandlung wünschte. Alle verließen auf jeden Fall besser aussehend den Salon, als sie gekommen waren.

Die männlichen Kunden kamen alle solo. Die beiden Kundinnen, die vor mir dran waren, kamen in Begleitung. Sie hatten beide Jungs dabei und eine Schwester oder Freundin, die sich so lange um die Kinder kümmerte. Der eine Junge war 2½ Jahre alt, der andere 1½. Sie waren also recht unruhig und verspielt. Beide konnten noch kein Deutsch. Und ich kann leider weder kurdisch noch arabisch. Da der Frisör-Salon in der Südstadt liegt, trifft man hier hauptsächlich auf südländische Mitbürger. Im Salon arbeiten Kurden, Türken, Syrer… Sie sind sehr gepflegt und fleißig. Der Salon ist an jedem Tag der Woche geöffnet, außer sonntags.

Nachdem meine lange Wartezeit endlich ein Ende hatte, wurde mir ein neuer Haarschnitt verpasst. Erst auf die Länge vom letzten Mal. Doch dann sagte ich, es könne ruhig noch etwas kürzer sein. Mit dem Ergebnis bin ich sehr zufrieden! Seht selbst:

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Sie wünscht mir den Tod!

Alzheimer ist oft eine schwierige Sache… für den Kranken UND die Angehörigen UND die ganzen anderen, die die Kranken umgeben.

Freitagmittag geleitete die Frisörin eine ihrer Kundinnen zur Toilette. Der Zugang liegt im Speisesaal. Daher beobachtete ich dies.

Nach einiger Zeit sah ich die Bewohnerin wieder den Speisesaal betreten. Zögernd sah sie sich um. Die Frisörin war nicht mehr da. Sie war wieder in den Salon zurückgekehrt.

Die Bewohnerin sah sich hilflos um. Sie wusste nicht, was sie machen sollte. Sie wusste auch nicht, wohin sie gehen sollte. Sie blickte nach rechts, nach links und fing dann an, mit zaghaften Schritten in irgendeine Richtung zu gehen.

Sie schlug die Richtung zur Tagespflege ein. Das schien ihr bekannt. Ich weiß, dass sie öfter dort ist/war. Aber das ist genau die entgegengesetzte Richtung vom Frisör-Salon. Dass sie eigentlich da herkam, wusste sie nicht mehr.

Als ich erkannt hatte, was los war, ließ ich meine Reibekuchen stehen, schaltete den E-Rolli ein und fuhr zu der Dame hin.

Sie blickte plötzlich ganz verschreckt auf, streckte ihre Arme nach vorn, als wolle sie mich abwehren und fragte: „Was wollen Sie? Gehen Sie weg!“

„Alles gut!“, sagte ich beschwichtigend, „Ich tue Ihnen nichts. Sie suchen sicher den Weg zurück zum Frisör. Ich zeige Ihnen, wo das ist.“

„Frisör? Ich muss nicht zum Friseur!“, sie war ganz aufgewühlt. Langsam nahm sie die Arme wieder herunter. „Wie wollen Sie mir denn zeigen, wo es lang geht?“

Sie kam auf den Rolli zu und hielt sich dann daran fest. Schnell schaltete ich das Gerät aus, damit sie nicht versehentlich auf eine Taste kam und der Rolli sie anfahren würde.

„Dazu gehen Sie einfach hinter mir her. Ich fahre dann dorthin, wo sie hin wollten.“

Ganz langsam nahm sie ihre Hände wieder von den Steuergeräten des Rollis weg und schlurfte fragend um den Stuhl herum und hielt sich dann von hinten daran fest. Auf langsamster Stufe setzte ich den Rolli in Bewegung. Sie ging mit!

„Sie wünscht mir den Tod!“, stammelte sie.

„Wer?“, fragte ich.

„Meine Schwester! Sie wünscht mir den Tod! … Sie verfolgt mich!“

„Nein“, sprach ich beruhigend, „Keiner wünscht Ihnen den Tod!“

Wir verließen den Speisesaal, durchquerten den Eingangsbereich und näherten uns dem Frisör-Salon. Die Frisörin sah das und erschien an der Eingangstür, um die Bewohnerin in Empfang zu nehmen.

„Wo sind wir hier?“, fragte die verwirrte Frau.

„Beim Frisör“, sagte ich, „Da kamen Sie doch her.“

„Frisör? Ich muss nicht zum Frisör!“

„Sie wollten doch, dass ich Ihnen die Haare mache“, meinte die Frisörin.

An dem Punkt zog ich mich zurück. Meine Reibekuchen waren mittlerweile bestimmt ganz kalt. :-/

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Demografischer Wandel

Die Schwester schläft unter der Brücke

Was haben wir Freitagmorgen gelacht! 😀 😀 😀

Schon sehr früh war unser Tisch im Speisesaal besetzt. Bis auf U. waren alle da, auch Frau K.s Tochter. Sie isst an den meisten Tagen mit uns das Frühstück (das bezahlt sie wochenweise im Voraus).

Freitag morgens ist der Frisör-Salon geöffnet und die Bewohner nutzen das Angebot gerne, sich ohne weite Wege die Haare machen zu lassen.

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Letzte Woche war Frau K. beim Frisör. Als sie wiederkam, wunderten wir uns. Sie hatte sich die Haare nur waschen und legen lassen. Das Haar war nach wie vor lang, die Dauerwelle nicht aufgefrischt. Es sah an dem Tag gut aus. Doch nach der ersten Nacht war die Frisur nur noch verstrubbelt. Einige Tage später sah die sonst immer adrette Frau K. sehr ungewohnt aus.

Donnerstagabend meinte ich zu ihr: „Gehen Sie morgen wieder zum Frisör?“

„Aber sicher!!!“, sagte sie sehr entschlossen.

Freitagmorgen war sie sehr darauf bedacht, als Erste beim Friseur zu sein.

„Ach“, sagte ich, „da sitzt wohl heute Frau K.s Schwester bei uns am Tisch…“

Frau K. drehte mir flink ihren Kopf zu und sagte: „Hä???“

„Ich glaube, heute ist Frau K. gar nicht hier. Es sieht so aus, als sitze ihre Schwester hier… die, die unter der Brücke wohnt…“, witzelte ich. Gut, dass ich Frau K. kenne und weiß, dass sie einen Spaß versteht.

Schallendes Gelächter sprudelte aus Frau K.s Mund. Sie kicherte andauernd. „Der war gut!“, prustete sie. 😀

„Ich denke, Frau K. ist momentan nicht hier. Die Schwester vertritt sie wohl… aber heute Mittag… dann ist Frau K. wieder da!“, scherzte ich.

Frau K. kicherte. Dann verließ sie hurtig den Speisesaal auf ihrem E-Rolli.

… Und mittags… welch Überraschung! Eine gut frisierte Frau K. mit frischer Dauerwelle und kurz geschnittenem Haar war zurück! Als ich das sagte und dass sie gut aussehe, drehte sie stolz ihren Kopf von links nach rechts nach links und meinte: „Nicht wahr?!“

Neue Frisur

Samstagmorgen war ich kurzentschlossen beim Frisör. Und das kam so:

Es ist ja momentan unglaublich heiß hier. Gestern waren es sogar 39° Celsius. Da gibt es dann mehrere Methoden, sich Abkühlung zu verschaffen.

  1. viel Trinken
  2. (körperliche) Anstrengung vermeiden
  3. Eis essen
  4. kaltes Fußbad
  5. Ventilator
  6. luftige Kleidung
  7. langes Haar in kurzes verwandeln lassen

Genau um den letzten Punkt drehten sich meine Gedanken, als ich vormittags auf der Terrasse des GTH saß und die noch angenehme Morgenluft genoss. Ich war nämlich aus meinem Zimmer geflüchtet, das langsam sehr warm wurde. Die Sonne schien nämlich erbarmungslos auf meine beiden Fenster ein. Da helfen dann auch Rollos und Vorhänge nicht viel.

Auf der Terrasse saßen auch ein Bewohner und seine Besucherin und tranken Kaffee.

„Puh, ist das heiß diese Tage“, sagte ich und strich mir eine Haarsträhne aus dem Gesicht, „Die Haare nerven!“

„Dann gehen Sie doch zum Frisör und lassen sie sich einen Kurzhaarschnitt verpassen!“, sagte die Besucherin und rührte sich Zucker in ihren Kaffee.

„Heute ist doch Samstag. Da ist kein Frisör im Haus“, meinte ich traurig.

„Gehen sie doch außerhalb zum Frisör. Sie sind doch mobil mit Ihrem E-Rolli!“, sagte die Besucherin, „Gehen Sie doch dorthin, wo Herr P. hingeht. Ich selber war auch schon dort. Die machen das echt gut da.“

„Ach“, meinte ich niedergeschlagen, „die haben bestimmt Treppen..“

„Haben sie nicht! Der Eingang ist ebenerdig, ohne Treppen, ohne Schwelle!“, sagte sie resolut.

Das gab den Ausschlag. Also sagte ich in der Küche das Mittagessen ab. Es war ja schon 11.10 Uhr. Dann machte ich mich direkt auf den Weg.

Beim Friseur-Salon angekommen, stellte ich fest: ‚Man o man, der ist ja voll! Klar, ist ja auch Samstag!‘ War aber such ein gutes Zeichen.

Vorsichtig rollte ich in den Salon.

„Ich hätte gerne einen Haarschnitt. Muss ich mich da anmelden?“

Immerhin war fast jeder Platz besetzt.

„Damenschnitt? Ja, das klappt. Y. ist noch frei. Sie macht die Damen“, sagte der Herr am Empfang.

Ich konnte mein Glück kaum fassen! Ganz vorsichtig rollte ich auf niedrigster Geschwindigkeitsstufe vorbei an den ganzen besetzten Plätzen bis ganz nach hinten durch.

Schnell war Y. da. Sie fragte, ob ich mich umsetzen könne, auf den Frisierstuhl. Mit Hilfe ihres Kollegen schaffte ich auch das und schon ging’s los!

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Das Ergebnis kann sich sehen lassen! Ich habe bisher nur Lob geerntet! Urteilt selbst:

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