Altern

zuerst gebloggt

Altern, alt werden, das kann sehr unterschiedlich verlaufen. Gerade heute leben wir ja in einer Gesellschaft der ‚jungen Alten‘. Doch wer den Weg ins Altenheim ‚gefunden‘ hat, ist in der Regel hilfsbedürftig und schafft es nicht, den Alltag alleine zu bewältigen, sondern benötigt Unterstützung.

Stufenalter_01
Das Stufenalter des Menschen – Gemeinfrei

Man merkt in der Gesellschaft der anderen Bewohner, dass die Hilfsbedürftigkeit sehr unterschiedlich ausfällt. Doch bei vielen, schon dementen Bewohnern fällt mir auf, dass sie wieder werden wie Kinder, hemmungslos. Sie nehmen ihr Gebiss während des Essens aus dem Mund, weil es drückt. Sie rülpsen, niesen, furzen hemmungslos und lautstark, auch in Gesellschaft anderer. Die Bewohner, die noch wachen Sinnes sind, reagieren zwar entsetzt, protestieren lautstark. Aber das stört die ‚Übeltäter‘ nicht. Man muss nicht meinen, dass es deshalb demnächst unterlassen würde.

Wer also zur ‚feinen Gesellschaft‘ gehörte, ein Leben mit vielen Umgangsformen liebte, dem wird es schwer fallen, gelassen zu bleiben. Der muss sich umstellen. Ich finde, es lässt sich am besten mit Humor ertragen. Außerdem muss man die Vorzüge einer Betreuung im Heim und die Nachteile gegeneinander abwägen. Wenn man dann zu einem positiven Ergebnis kommt, lässt sich vieles ertragen. Auch ‚draußen‘ ist nicht alles eitel Sonnenschein.

Planet-Wissen

Soziale Gerontologie

Der demografische Wandel – Junge und Alte in unserer Gesellschaft

Der Weg ins Pflegeheim – sich dem neuen Leben stellen

Reality-Show live

ursprünglich veröffentlicht

Es passiert eine Menge hier im Haus. Doch die zwischenmenschlichen Begegnungen machen das Ganze interessant. So geschieht es, dass sich Menschen zusammenfinden und Freundschaften knüpfen, verfeinden, verlieben, miteinander lachen und weinen, Geschichten austauschen. Wir haben hier so zu sagen die Reality-Show live, im Speisesaal, im Garten, bei den einzelnen Veranstaltungen. Hier ist immer etwas los!

Auch die Polizei ist ab und zu mal im Haus. Wie zum Beispiel letztens, als eine demente Bewohnerin aus dem Haus weglief und die Nachtschwester die Polizei rufen musste, um sie zu suchen und wieder nach Hause zu bringen. Denn das Weglaufen demenzbetroffener  Menschen kann katastrophale Folgen haben.

Zuerst musste die Polizei das ganze Heim durchsuchen. Dazu musste sie in alle Zimmer, mitten in der Nacht. Als sie dort nicht fündig wurde, setzten die Beamten die Suche draußen fort. Es dauerte eine ganze Zeit lang, bis sie die Dame fanden und sie zurückbringen konnten. Sie war schon recht weit gekommen! Gott sei Dank war sie wohlauf und es war ihr nichts passiert.

Wegweiser Demenz

Würdevoll altern

Ursprünglich veröffentlicht Januar 10, 2015

Wir saßen alle unten am Mittagstisch im Speisesaal. Es war Samstag, der Suppen- oder Eintopf-Tag. Wir hatten alle Hühnersuppe bestellt. Die ist immer sehr lecker.

Aber einer fehlte. Frau M. war noch nicht da. Eine Dame von der Hauswirtschaft telefonierte mit dem Wohnbereich, um sich nach ihr zu erkundigen.

Wir anderen vier löffelten genüsslich unsere Suppe, da kam ganz zögerlich Frau M. in ihrem Rolli angefahren.

Sie beugte sich verschwörerisch zu ihrer Freundin Frau W. herüber und sagte: „Hömma… die ham mir gesagt, ich soll zum Essen kommen… wat is dat denn jetz… Frühstück?“

Frau W. kicherte. „Was weiß denn ich?! Aber Suppe zum Frühstück… das glaube ich nicht.“

„Ach… Suppe…?“

„Das ist Mittagessen“, sagte Frau S. empört.

„Wat ham wer denn heute fürn Tach?“

Frau W. kicherte wieder. „Was weiß ich?!“

„Ach, dat is furchbar mit dem alt werden… „, meinte Frau M. und fasste sich an den Kopf. „Was bin ich froh, dass ich früher all die Reisen gemacht habe! … Jetzt geht da oben alles durcheinander…“

„Ich weiß, was du meinst“, stimmte ihre Freundin zu.

„Aber hier ist es ganz schön. Hier sind wir gut aufgehoben“, meinte Frau M..

„Das stimmt“, sagte Frau W..

Young@Heart „Fix You“

Nichts für Feiglinge

Wer arbeitet im Altenheim?

zuerst erschienen

Jetzt blogge ich schon seit gut drei Wochen aus dem Heim. Da ist es wirklich an der Zeit, mal etwas über die fleißigen Hände hier zu berichten.

Aus welchen Fachrichtungen setzt sich das Beschäftigtenteam hier im Haus zusammen? Wer arbeitet im Altenheim?

Es gibt:

  • Dipl.-Sozialpädagogen
  • Gesundheits- und Krankenpfleger
  • Altenpfleger
  • Altenpflegehelfer
  • Krankenpfleger
  • Krankenpflegehelfer
  • Hauswirtschafter
  • Hauswirtschaftshelfer
  • Köche
  • Hausmeister / Haustechniker
  • Ernährungsberater
  • Dipl.-Psychologe
  • Diakone
  • Ergotherapeuten
  • Logotherapeuten
  • Physiotherapeuten
  • Osteopathen

Die vier Letztgenannten gehören dem Interdisziplinären Therapiezentrum an, das dem Haus angegliedert ist; eine Win-win-Situation.

Hinzu kommen etliche Auszubildende, Praktikanten, ehrenamtliche Helfer und ein Bufdi.

Das klingt nach einem großen, personellen Stab. Doch es ist hier nicht anders, als anderenorts. Personal ist teuer und daher ist die Personaldichte knapp. Doch die Menschen, die hier arbeiten, sind mit ganzem Einsatz und viel Engagement bei der Sache. Sie sorgen dafür, dass sich die Bewohner wohl fühlen können.

Kaffeekränzchen der etwas anderen Art – Was demente Bewohner so bewegt

Ursprünglich erschienen am

Nun starte ich noch einmal den Versuch von meinem etwas anderen Kaffeekränzchen gestern Nachmittag zu erzählen.

Das Heim hat einen wunderbaren, großen Innenhof mit Garten. Er grenzt direkt an den Speisesaal an. Von dort gehen zwei Türen auf die Terrasse hinaus, auf der auch einige kleine Tische mit Stühlen stehen.

So rollte ich zur Kaffeezeit also gestern durch den Speisesaal auf die Terrasse, um meinen Kaffee dort zu trinken. Am Tisch rechts von mir hatte bereits eine rüstige, alte Dame mit ihrem Strickzeug Platz genommen. Sie strickt Socken und Hausschuhe, die sie auf dem Ende Juni stattfindenden Sommerfest verkaufen will. Kurz darauf setzten sich zwei demente Damen an ihren Tisch. Die strickende Dame, Frau S., ist sehr beliebt bei den dementen Bewohnern. Sie kann sehr gut mit ihnen umgehen. Außerdem wohnt sie schon viele Jahre im Heim und ist so ein bekanntes Gesicht.

Ich an meinem Tisch spielte mit meinem Smartphone und lauschte.

Frau E. erzählte, sie habe vor kurzem etwas unheimliches erlebt. Da sei ein Tier in ihrem Zimmer gewesen! Es konnte fliegen!

Was das denn für ein Tier gewesen sei, fragte Frau S..

„Na, eine Mückenfliege!“, meinte Frau E.

„Eine Mücke? Eine Fliege?“, fragte Frau S. verwirrt.

„Nein, nein! Eine Mückenfliege! Die gibt es! Sie hatte etwas von einer großen Mücke. Aber sie konnte fliegen wie ein Brummer!“

Wenn Frau E. etwas erklärt, klingt das immer ganz bestimmt und logisch… ist es aber eher weniger. 😀

Derweil war ihre Freundin unruhig. Sie fragte, wann denn der Gottesdienst sei. Dann sagte sie, sie müsse jetzt gehen. Sie wirkt immer gehetzt, getrieben. Sie war so unruhig, dass die beiden Freundinnen die Terrasse bald verließen.

Da nahm auf der anderen Seite der Terrasse ein dementes Ehepaar Platz. Sie ist geistig verwirrter als er. Sie ist auch eine „Getriebene“, ständig unterwegs, muss vom Pflegepersonal immer wieder „eingefangen“ werden. Die beiden unterhielten sich auch sehr realitätsfern. Sie hatte immer Angst, dass er mit seinem Rollator fallen könnte. Er solle ihn fest machen! Er beteuerte immer wieder, das habe er gemacht. Eine anstrengende Unterhaltung, die damit endete, dass er das Weite suchte.

Es gibt viele demente Bewohner hier. Vielen habe ich das am Anfang nicht angemerkt. Doch langsam schärft sich mein Blick, lerne ich mehr davon kennen. Doch egal in welcher Ausprägung sie die Krankheit haben, sie sind alle liebenswert! Mein Herz geht auf, wenn ich sie sehe, an sie denke!

Trubel im Altenheim

Gestern sah ich folgende Sendung im ZDF. Das erinnerte mich an die  Kindergartenkinder, die 1x im Monat bei uns in der Sitzgymnastik sind.

Gesellschaft | plan b Trubel im Altenheim

Senioren und Kinder: Die Ältesten und die Jüngsten unserer Gesellschaft haben kaum noch Berührungspunkte. „plan b“ zeigt, wo ein generationsübergreifendes Miteinander neu…

HD
UT

Verfügbar bis 26.1.2020

>zum Film klicken und dann auf Pfeil im Bild klicken<<

 

Hab ich Sie schon gefragt?

Sonntagmorgen war ich spät unten im Speisesaal zum Frühstück. Nun ja, spät ist relativ. Aber für meine Verhältnisse ist nach 9 Uhr spät. U. kommt meistens später als ich. Das war auch heute so. Aber unwesentlich. Nur ca. eine ¼-Stunde.

Doch in dieser Zeit passierte die kleine Begebenheit, von der ich heute erzählen will.

Ich saß noch ganz alleine an meinem Tisch. Überhaupt war es schon wieder recht leer im Speisesaal.

Da erschien schnellen Schrittes eine gehetzt wirkende Bewohnerin. Sie blickte nach rechts… nach links… und verschwand dann rechts in der Kapelle. Von dort waren laute Geräusche zu hören. Zwei Damen des Sozialen Dienstes rückten Möbel und bereiteten alles für den sonntäglichen Gottesdienst vor.

Kurz herrschte Ruhe. Dann huschte die gehetzte Bewohnerin wieder in den Speisesaal. Sie sah sehr unglücklich aus. Sie machte ein paar Schritte nach rechts, dann nach links, seufzte. Dann kam sie auf mich zu: „Hab ich Sie schon gefragt?“

„Was gefragt?“, antwortete ich.

„Na wegen dem Geld! Hätten Sie mal 5 Mark für mich? Die brauch ich unbedingt! Fürs Frühstück!“, sagte sie angespannt.

…ooOO(Mark???), dachte ich.

„Haben Sie oben noch nicht gefrühstückt?“, fragte die Hauswirtschafterin, die an diesem Sonntag im Speisesaal Dienst hatte, „Sie essen doch oben. Aber wenn Sie noch Hunger haben, fragen Sie in der Küche auf dem Wohnbereich nach. Wenn Sie wollen, dann nehmen Sie vom Büffet hier unten einen Apfel oder eine Banane mit.“

Da ging mir ein Licht auf. Ich erinnerte mich, wo ich die Bewohnerin schon mal gesehen hatte. Sie wohnte auf dem geschützten Wohnbereich für demente und/oder von Alzheimer betroffene Bewohner.

„Ich hab doch keine Fahrkarte!“, verzweifelt lief die Bewohnerin hin und her wie ein Tier in einem Käfig.

„Sie wollten doch etwas zu essen kaufen?“, meinte die Hauswirtschafterin.

„Genau, ich treffe mich mit einer Freundin in der Stadt. Wir wollen zusammen frühstücken gehen“, sagte die Bewohnerin.

Da erschien endlich eine Pflegerin der Station der Dame. „Ach, da sind Sie ja, Frau X.. Ich hatte sie schon überall gesucht“, sagte die Pflegerin. Dann bemerkte sie die Verzweifelung der Bewohnerin. „Sollen wir 2 mal gemeinsam ein paar Schritte gehen?“ Das löste ein wenig der Anspannung der Bewohnerin. Die Pflegerin hakte sich bei der Bewohnerin ein und die beiden verließen gemeinsam den Speisesaal.

Ich bewundere immer wieder das einfühlsame Pflegepersonal, wie behutsam sie mit den kranken Bewohnern umgehen!

Arbeit in der Altenpflege ist so wichtig, so wenig honoriert, so wenig gewertschätzt. Warum bezahlen wir Menschen, die in diesem Bereich arbeiten so viel geringere Gehälter, als Menschen, die in Banken oder der Industrie arbeiten? Die meisten Menschen werden einmal am eigenen Leib erfahren, wie wichtig die Arbeit in der Alten- und Krankenpflege ist.