Leben lernen mit einer unheilbaren Krankheit

Unter diesem Titel lud die 16-jährige Leonita S., 2 Wochen lang Praktikantin im Sozialen Dienst des Gerhard Tersteegen Hauses, die Bewohner zu einer Gesprächsrunde ein.

Das interessierte viele Bewohner. Denn fast alle von uns haben so ein Schicksal. Daher war der Seminarraum auch gut gefüllt.

 

Um das anzustoßen, begann Leonita. Ihre Stimme war recht schwach. Daher bekam sie ein Mikro. Dann stellte sie sich vor und begann die Gesprächsrunde damit, erst einmal indem sie uns alle begrüßte und dann erklärte, wie sie sich das Ganze vorstellte.

Sie erzählte erst einmal von sich. Vor drei Jahren bekam sie die ersten Symptome der Friedreich Ataxie. Das ist eine sehr seltene Erkrankung. Sie hat vielfältige neurologische, psychische, orthopädische und kardiologische Symptome. Trotzdem sei sie ein sehr positiver Mensch und genieße das Leben, wo es nur geht. Das verdanke sie ihrer Mutter. Ihr absoluter Wunschtraum sei es, einmal einen Fallschirm-Sprung gemacht zu haben! Die Gesprächsrunde habe sie sich so vorgestellt, dass sich jeder kurz vorstelle, seine Einschränkung/Krankheit und dann seinen Wunsch, den er für sich habe, nenne.

Es wurde eine sehr interessante Runde, geleitet und moderiert von Frau Faust, der angestellten Diplompsychologin für den Wachkoma-Bereich des Gerhard Tersteegen Hauses. Außerdem leitet sie den Sozialen Dienst des GTH.

Dieser Blick über den Tellerrand ließ uns Eindrücke gewinnen, sehen, wie andere Menschen leben. Das tat gut, dem Einzelnen und der Gemeinschaft!

 

Wo bin ich hier eigentlich?

ursprünglich erschienen August 17, 2014

„Wo bin ich hier eigentlich?“, fragte neulich Frau W.

„Ich weiß gar nicht, was ich hier will.“ Frau M. umrundet schon zum x. Mal den Speisesaal, unseren Frühstückstisch. Gefrühstückt hat sie schon längst. Und zum Rauchen draußen gewesen, ist sie auch schon.

Frau B. sitzt alleine an ihrem Tisch, wiegt den Oberkörper vor und zurück und gibt in regelmäßigen Abständen Summlaute von sich.

Frau S. versucht ihr Sonntagsei zu pellen. Da es sehr frisch ist, scheitert sie kläglich. Bevor sie das Eigelb, was aus dem Eiweiß herausgerollt ist, frustriert durch die Gegend wirft, eilt eine Hauswirtschaftskraft herbei und hilft ihr.

„Die Eier sind ganz frisch. Deshalb lassen sie sich schlecht pellen“, erklärt sie.

Andreas Hermsdorf / pixelio.de
Andreas Hermsdorf / pixelio.de

Ja, die Eier sind ganz frisch! Sie sind innen goldgelb und schmecken wunderbar! Das besänftigt mich ein wenig, denn sie schmeckten wirklich toll! Ansonsten war ich kurz davor, mit Frau W.s Worten zu fragen:

„Wo bin ich hier eigentlich?“

„Im Irrenhaus???“

 

Kaffeekränzchen der etwas anderen Art – Was demente Bewohner so bewegt

Ursprünglich erschienen am

Nun starte ich noch einmal den Versuch von meinem etwas anderen Kaffeekränzchen gestern Nachmittag zu erzählen.

Das Heim hat einen wunderbaren, großen Innenhof mit Garten. Er grenzt direkt an den Speisesaal an. Von dort gehen zwei Türen auf die Terrasse hinaus, auf der auch einige kleine Tische mit Stühlen stehen.

So rollte ich zur Kaffeezeit also gestern durch den Speisesaal auf die Terrasse, um meinen Kaffee dort zu trinken. Am Tisch rechts von mir hatte bereits eine rüstige, alte Dame mit ihrem Strickzeug Platz genommen. Sie strickt Socken und Hausschuhe, die sie auf dem Ende Juni stattfindenden Sommerfest verkaufen will. Kurz darauf setzten sich zwei demente Damen an ihren Tisch. Die strickende Dame, Frau S., ist sehr beliebt bei den dementen Bewohnern. Sie kann sehr gut mit ihnen umgehen. Außerdem wohnt sie schon viele Jahre im Heim und ist so ein bekanntes Gesicht.

Ich an meinem Tisch spielte mit meinem Smartphone und lauschte.

Frau E. erzählte, sie habe vor kurzem etwas unheimliches erlebt. Da sei ein Tier in ihrem Zimmer gewesen! Es konnte fliegen!

Was das denn für ein Tier gewesen sei, fragte Frau S..

„Na, eine Mückenfliege!“, meinte Frau E.

„Eine Mücke? Eine Fliege?“, fragte Frau S. verwirrt.

„Nein, nein! Eine Mückenfliege! Die gibt es! Sie hatte etwas von einer großen Mücke. Aber sie konnte fliegen wie ein Brummer!“

Wenn Frau E. etwas erklärt, klingt das immer ganz bestimmt und logisch… ist es aber eher weniger. 😀

Derweil war ihre Freundin unruhig. Sie fragte, wann denn der Gottesdienst sei. Dann sagte sie, sie müsse jetzt gehen. Sie wirkt immer gehetzt, getrieben. Sie war so unruhig, dass die beiden Freundinnen die Terrasse bald verließen.

Da nahm auf der anderen Seite der Terrasse ein dementes Ehepaar Platz. Sie ist geistig verwirrter als er. Sie ist auch eine „Getriebene“, ständig unterwegs, muss vom Pflegepersonal immer wieder „eingefangen“ werden. Die beiden unterhielten sich auch sehr realitätsfern. Sie hatte immer Angst, dass er mit seinem Rollator fallen könnte. Er solle ihn fest machen! Er beteuerte immer wieder, das habe er gemacht. Eine anstrengende Unterhaltung, die damit endete, dass er das Weite suchte.

Es gibt viele demente Bewohner hier. Vielen habe ich das am Anfang nicht angemerkt. Doch langsam schärft sich mein Blick, lerne ich mehr davon kennen. Doch egal in welcher Ausprägung sie die Krankheit haben, sie sind alle liebenswert! Mein Herz geht auf, wenn ich sie sehe, an sie denke!

So war’s – Neujahrsempfang 2019

Der Speisesaal im Erdgeschoss war gut besucht. Viele Bewohner waren gespannt, was die Einrichtungsleitung und der Bewohnerbeirat zu berichten hatten.

Erst einmal begrüßte uns Frau El Kaamouzi, Einrichtungsleitung. Dann wurden alle mit Getränken (Sekt, O-Saft, Wasser) versorgt, damit wir auf das neue Jahr anstoßen konnten.

Nun hatte der Bewohnerbeirat das Wort. Der Beiratsvorsitzende berichtete, was der Beirat im ersten Jahr seiner Wahlperiode alles gemacht hatte, was noch läuft und was noch vorgesehen ist.

Anschließend hatte die Einrichtugsleitung das Wort. Auch Frau El Kaamouzi sprach von bereits erledigten Aufgaben und was in der Zukunft noch vor uns läge. Wir erfuhren die Termine der anstehenden Karnevalsfeier, des 20-ten Geburtstags des Hauses, des geplanten Sommerfestes. Sie sagte auch, dass die Handwerker noch mindestens den Rest des Jahres für die Arbeit an der neuen Brandschutzbestimmungen brauchen würden und bat um Geduld.

Dann wurden die Bewohner um Wortmeldungen gebeten.

Ich habe versucht einige Fotos zu machen. Leider sind nur 2 etwas geworden.

Bis zum nächsten Weltuntergang

Manche Dinge haben sich nicht geändert. Auch im Gerhard Tersteegen Haus mache ich viel mit meinem Computer. Ja, sogar mehr als früher, weil ich nun mehr Zeit dazu habe. Außerdem hat sich meine Gesundheit stabilisiert und ich kann tatsächlich wieder längere Zeit am Stück am Computer arbeiten.

Der PC also. Schnell hatte sich herum gesprochen, dass ich mit PC eingezogen war. Da hatte das Haus noch gar kein WLAN. Da bin ich mit Stick gesurft. Grottenlangsam und die 30 Tage geltenden GB waren nach spätestens 20 Tagen aufgebraucht.

Mittlerweile haben einige Bewohner PC, Laptop, Tablett oder ein Smartphone. Auch nutzen viele einen E-Reader. Die Bewohner haben oder wurden also aufgerüstet. Aber sich damit so richtig auskennen, tun die wenigsten. Da wird dann gewartet, bis einer der Angestellten, der sich damit auskennt ihnen hilft. Oder bis mal wieder der Sohn / die Tochter oder die Enkel oder Urenkel zu Besuch kommen und helfen.

Frau V. war früher Chefsekretärin. Sie arbeitete viel am PC. Außerdem ist sie es gewohnt: „Problem erkannt, Problem gebannt.“ Sie möchte nicht lange darauf warten bis wieder alles nach ihren Vorstellungen funktioniert. Das erinnert mich durchaus an mich. Ich kann sie da sehr gut versehen. So hat sie mich gefragt, ob ich ihr helfen könne.

Einige Male schon läutete mein Telefon und sie war dran und fragte nach meiner Hilfe.

Alles begann damit, dass der erste Login-Pass zum Internet nach 180 Tagen ablief und der neue wieder eingegeben werden musste. Da ihr PC mit Windows 7 läuft, konnte ihr keiner im Haus helfen. ..ooOO( wie war das noch mal??? ) Da es Wochenende war und der Computer-Shop, den sie wegen solcher Probleme anruft erst am Montag wieder geöffnet ist, rief sie mich an.

Ich kam, löste das Problem und sie war glücklich.

Nun rief sie vorgestern wieder an. Sie hatte ihre tvdirekt-Zeitschrift nicht bekommen und sie brauchte Hilfe beim Beschriften dreier Ordnerrücken. Sie habe Vorlagen dazu. Ob ich ihr damit helfen könne?

Was sich zunächst ganz einfach anhört, entpuppte sich als echte Herausforderung für mich!

Zuerst suchte ich in der alten Zeitschrift nach der Telefonnummer des Verlags. Nach mehreren Versuchen kam ich durch… nur um zu hören, dass das Büro Samstag und Sonntag nicht besetzt sei. 😖

Also schrieb ich eine E-Mail. Gestern war die automatische Antwort, dass die Nachricht erhalten worden sei, schon da (eigentlich schon kurz nach Absenden). Ich bin gespannt was wir demnächst hören werden.

Dann ging es an die schwierigere Aufgabe, die Ordnerrückenetiketten. Es war deshalb schwierig für mich, weil ich mit den Programmen, die Frau V. nutzte nie wirklich gearbeitet hatte, mich also weder mit Word noch Excel richtig auskenne. Ich nutze das kostenlose  Open-Office Paket von Apache. Open-Office ist eine echte Alternative zum Microsoft-Office. Doch zu guter Letzt hat es dann doch noch geklappt. Das machte aus uns zwei sehr zufriedene Bewohner!

Wie um die Glücksgefühle noch zu steigern, erschien eine Dame von der Hauswirtschaft und brachte uns Kaffee und Kuchen. Hmm… sehr lecker!

Dann verabschiedete ich mich: „Bis zum nächsten Weltuntergang!“, sagte ich lachend. Der ließ nicht lange auf sich warten. Bereits Sonntagnachmittag rief sie wieder bei mir an: „Der Bildschirm bleibt schwarz!“, rief sie verzweifelt.

„Dann komme ich am besten gleich vorbei“, antwortete ich.

„Ja! Bitte!“, war ihre verzweifelte Antwort. „Ich bin lästig, nicht wahr?“, seufzte sie.

Auch dieses Problem konnte ich lösen. Sie drückte den Power-Knopf einfach nicht tief genug. Hoffentlich schafft sie das demnächst.

Ich empfand es nicht als lästig, dass sie mich an diesem Wochenende mehrmals anrief. Es gab mir doch auch ein gutes Gefühl, gebraucht und hilfreich zu sein!

 

Steine für die Verstorbenen

Ich werde einige frühere Beiträge rebloggen. Anfangen will ich heute, passend zu den Novembertagen, mit der Andachtsecke im Garten des GTH mit Gedenksteinen für verstorbene Bewohner des Gerhard Tersteegen Hauses.

Meine Erlebnisse im Altenheim

Seit 2005 gibt es im Haus eine schöne Tradition, eingeführt von der Diplom-Sozialpädagogin und Diakonin Anne Mosel, die viele Jahre hier im Haus tätig war.

Wenn ein Bewohner stirbt, wird sein Name und sein Alter auf ein gerahmtes Blatt geschrieben und dieses im Speisesaal auf eine Anrichte gestellt. Dort kommen mehrmals täglich die Bewohner vorbei, wenn sie den Speisesaal, den Seminarraum oder die Kapelle aufsuchen. Da bleibt der Rahmen eine Zeit lang stehen, bevor wieder Platz für neue gemacht werden muss.

Zudem wird für jeden verstorbenen Bewohner ein Stein mit Name und den Daten von Geburt und Tod angefertigt. Es ist ein Flusskiesel oder Feldkiesel vom Niederrhein. So wird der Verstorbenen auch nach deren Tod gedacht. Die Angehörigen der Verstorbenen können diesen Stein mit nach Hause nehmen.

Mehrmals im Jahr findet in der Kapelle des Hauses eine Trauerfeier für die kürzlich Verstorbenen statt, an der sowohl Bewohner als auch Angehörige…

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Meine Tischfamilie schrumpft

Als ich vor 5 Jahren ins Gerhard Tersteegen Haus kam, saßen an meinem Tisch im Speisesaal 6 Bewohner. Von meiner damaligen Tischfamilie sind seitdem 3 Bewohner verstorben. 2 Bewohner sind mittlerweile so pflegebedürftig, dass sie oben auf dem Wohnbereich bleiben. Sie kommen nur noch selten, bei besonderen Festen runter in den Speisesaal.

Zwischendurch hatte ich immer wieder Zuwachs am Tisch. Aber davon sind auch schon 2 Bewohner wieder verstorben.

Mittlerweile sitzen nur noch 3 Bewohner an meinem Tisch: U., Frau F. und ich. Gemeinsam sind wir eigentlich nur noch zum Mittagessen dort. Denn das Mittagessen gibt es zu einer festen Zeit. Leider haben wir 3 keinen richtigen Zusammenhalt. Die beiden anderen verlassen den Tisch, wenn sie fertig sind. Ich versuche noch am Tisch zu bleiben, wenn die anderen noch nicht fertig sind. Ich kann mich glücklich schätzen, wenn sie sich verabschieden, wenn sie gehen.

Frühstücken kann man zwischen 8 und 10 Uhr. Da haben wir recht unterschiedliche Zeiten.

Abendbrot gibt es ab 17:30 Uhr. Viele Bewohner sitzen schon früher, ab ca. 17:00 Ur an den Tischen. Wenn diejenige Dame von der Hauswirtschaft früher die Speisen aufs Buffet stellt, als 17:30 Uhr, begegnen mir schon die ersten, die fertig sind im Aufzug, wenn ich erst nach unten fahre.

Dabei gibt es gegen 15:00 Uhr noch Kaffee und Kekse oder Kuchen (mittwochs und sonntags). Aber die Bewohner hangeln sich von Mahlzeit zu Mahlzeit.