Serie Mobilitätsförderung, Teil 1: Handkraft trainieren mit Wäscheklammern

Wie wichtig Fingerfertigkeit und Handkraft bei alltäglichen Bewegungen sind, wie zum Beispiel Knöpfe schließen, wird oft erst klar, wenn Kraft und Geschicklichkeit nachlassen. Wie Betreuende Bewohnern helfen, beides so lange wie möglich aufrechtzuerhalten, zeigt Aktivierungsexpertin Bettina M. Jasper im ersten Teil der Videoserie

altenpflege-online.net

 

Sitzgymnastik mit Schwungtuch

Letzte Woche haben wir etwas für mich ganz neues in der Sitzgymnastik gemacht. Die Gymnastik wird angeboten und durchgeführt von den Mitarbeitern des Sozialdienstes.

Zur Zeit haben die Angestellten einen Praktikanten, J.. Er ist jung, sportlich und voller Elan. Er hatte uns ein Schwungtuch mitgebracht. Dazu kleine Bälle aus Schaumgummi, in Tennisball-Größe.

Das Tuch war recht groß. Alle Teilnehmer saßen sowieso schon im Kreis. Das Tuch konnte von allen gehalten werden. Perfekt!

Jetzt warf J. nach und nach die Bälle auf das Tuch. Es waren ganz schön viele! In der Mitte des Tuchs war ein kreisrundes Loch. Wir sollten versuchen, das kein Ball durch das Loch fiel. Sie durften aber auch nicht über den Rand außen fallen. Es war ein dynamisches Geschicklichkeitsspiel. Es machte viel Spaß!

In der zweiten Runde sollten wir genau das tun, was wir zuvor verhindert hatten. J. warf nur drei Bälle auf das Tuch. Jetzt sollten wir uns bemühen, die Bälle durch das Loch fallen zu lassen. Es klingt einfacher als es war. Auch hier war die Geschicklichkeit gefragt. Aber auch das Zusammenspiel!

Die Schwungtuch-Übungen waren herausfordernd und machten uns viel Spaß!

10 Übungen für die Gymnastik mit Senioren mit Schwungtuch

Heute wieder Bewohnerbeiratssitzung

Heute hatten wir wieder Bewohnerbeiratssitzung. Der Bewohnerbeirat des Heims ist so etwas wie der Betriebsrat eines Unternehmens.

Ich bin von 2018 bis 2020 zum zweiten Mal in den Beirat gewählt worden. Von 2014 bis 2016 war ich schon mal drin. Damals war ich noch recht neu hier (Ich zog im August 2013 erst hier ein.).

Dieses Mal kennen mich die Bewohner schon. Daher bekam ich auch die meisten Stimmen. Ich bin gefragt worden, ob ich die 1. Vorsitzende sein wolle. Ich sagte zu.

Ich stelle fest, dass das eine gute Sache ist. Denn so kann ich auch festlegen, wie lange unsere Sitzungen dauern. Da ich der Meinung bin, dass wir uns nicht zum Kaffeetrinken treffen, halte ich unsere Treffen kurz, knapp, auf das Wesentliche konzentriert. Wenn es klar wird, dass nur noch „gelabert“ wird, schließe ich die Sitzung.

Daher konnte ich heute im Anschluss auch noch zum Treffen der Jungen Gruppe gehen. 🙂

Reis

Zum Mittagessen ist der Speisesaal unten immer ziemlich voll. Die wenigsten Bewohner möchten auf eine warme Mahlzeit am Mittag verzichten. Zumal, wenn sie so schmackhaft zubereitet wird, wie in der Küche des Gerhard Tersteegen Hauses.

Ich hatte darüber schon einmal ganz zu Anfang des Blogs geschrieben:

Speiseplan zum Mittagessen

Es gibt jeden Tag 2 Menüs, zwischen denen man wählen kann. Man darf sich sogar selbst sein Menü zusammenstellen. Fleisch von Menü 1 und Gemüse von Menü 2 zum Beispiel.

Die Vorsuppe war gestern schon verspeist, die Suppentassen abgeräumt. Das Servieren des Hauptgangs war bereits im Gange. Da ließ ein lauter Ausruf uns zusammenzucken:

„Also NEIN! Kein REIS!“, rief Frau B..

Die Hauswirtschafterin warf einen Blick in den Ordner mit den Bestellungen und sagte: „Aber sie haben Menü 1 bestellt.“

„Aber KEINEN REIS!“, sagte Frau B., „Oder haben Sie mich schon mal Reis essen sehen?!“

„Dann sollten sie das notieren. Ich kann nicht im Kopf haben, was ein jeder der 120 Bewohner isst.“

„Nein. Also Reis esse ich nicht!“, sagte Frau B. rechtschaffen und schob ihren Teller weit von sich weg.

Manchmal kann einem das Personal Leid tun. Seufzend nahm E. den Teller zurück und sagte: „Ich will sehen, ob in der Küche noch Kartoffeln zu haben sind.“

Natürlich bekam Frau B. dann doch noch Kartoffeln.

Ausraster

Die Situation mit dem dementen Nachbarn zehrt sehr an meinen Nerven. Daher brauchte es auch nicht viel (nämlich nur eine ausgefallene Physiotherapiestunde) um mich ausrasten zu lassen.

Ich wusste kaum wohin mit meinem Ärger, der sich mittlerweile angestaut hatte.

Wutentbrannt raste ich mit meinem E-Rolli durch den Eingangsbereich hinaus auf den Bürgersteig vor dem Heim.

Bereits im Eingangsbereich sah mich die Sozialpädagogin und sprach mich an: „Frau S., was ist los?“ Aber ich fuhr einfach weg. Kurz danach hielt ich an, dachte nach und drehte um.

Das war gut so. Ich war hocherregt. Tränen liefen mir übers Gesicht. Wütend schluchzend brach es aus mir heraus. Ich erzählte ihr, dass mein Nachbar mir wortwörtlich den letzten Nerv raube mit seinem lautstarken Rufen. Es hindere mich am Nachtschlaf und tags am Fassen eines klaren Gedankens.

„Warum haben Sie nichts gesagt!“, fragte sie. „Ich kann nichts dagegen tun, wenn ich von nichts weiß. Bisher weiß ich nur von einer Bewohnerin auf WB1, dass sie sehr darunter leidet, dass der Bewohner einen WB höher ständig laut ruft.

„Ich habe Bescheid gesagt! Dem Pflegepersonal! Doch die meinten immer, er wäre doch eigentlich ganz lieb. Klar, wenn sie zu ihm ins Zimmer gehen, wird er ruhig. Es kümmert sich ja jemand um ihn!“, schluchzte ich verzweifelt.

„Jetzt weiß ich es ja. Ich kümmere mich darum“, sagte sie.

Sie wird das tun. Ihr glaube ich.

Dann kam noch Frau D., Hauswirtschaftsleitung, vorbei, sah mich total aufgelöst und bot Hilfe an.

Zuletzt kam Frau Sp., stellvertretende WB-Leitung meines WB, aus dem Aufzug und ich sprach sie direkt an, erzählte ihr von meiner Not. Sie versprach, sich darum zu kümmern, den Arzt anzurufen.

Endlich hatte ich das Gefühl, dass Aktionen in die richtige Richtung liefen. Es wird sich etwas ändern.

Ich fühlte mich wie ein Verräter – aber erleichtert. Ob der Erleichterung fühlte ich mich wieder wie ein Verräter.

Trügerische Stille?

Gestern war mein Nachbar besonders „in Form“, will sagen LAUT und das ohne Pause. Damit fing er schon am Morgen um halb 4 (!) an.

pixabay.com – Arcaion

Um diese Zeit war die Nachtschwester auf unserem Gang. Die andere Nachbarin von Herrn H. hatte wohl geklingelt.

Das hat der Nachbar wohl gehört. Damit war er wach! Als die Nachtschwester auf sein Rufen sein Zimmer betrat, war er sofort still. Doch kaum war sie wieder raus, begann er zu rufen.

„Hallo! ….. Haaaa-lloooooo!! ….. HALLO!!! “

„Warum hört mich denn keiner?!? “

„Haaaaaaa – lloooooo! ….. HAAAAA – LLOOOO!!!! „

„HA – LLOO ….. HA – LLOOO …. HA – LLOOO … HA – LLOOO … HA – LLOOO .. HA – LLOOO .. HA – LLOOO . „

Die Rufe waren monoton. Er wurde immer lauter. In immer kürzeren Abständen wiederholte er sein Hallo.

Irgendwann wechselte er die Wortwahl: „Hilfe! ….. Hilfe! ….. Hilfe! ….. Hilfe! …..….. Hilfe! ….. HILFE! …..

Dann muss ich wieder eingeschlafen sein. Erstaunlich.

Als ich wieder aufwachte war es halb 6 und er rief immer noch.

Er rief eigentlich den ganzen Tag weiter. Nur wenn jemand sein Zimmer betrat und sich um ihn kümmerte, war er still. Mit der Zeit wurde er immer heiserer. Das hielt ihn aber nicht davon ab weiter zu rufen.

Nachmittags hatte ich dann irgendwann Mitleid mit ihm und besuchte ihn. Ich nahm meinen Kindle mit und fragte ihn, ob ich ihm etwas vorlesen solle.

Seine Augen leuchteten auf: „Ja!“

Ich fragte ihn, ob ich von Nils Holgerson und den Wildgänsen vorlesen solle. „Ja!“, sagte er in freudiger Erwartung.

Aber schnell stellte sich heraus, dass ich hier einen anderen Zuhörer hatte, als Frau M.. Herr H. konnte der Geschichte nicht folgen. Ich las für ihn zu schnell. Ich muss mir mal Geschichten geben lassen, an denen auch Demente Freude haben.

„Nein! Nicht weiter lesen! Sie können das nicht. Können Sie überhaupt lesen?“, bekam ich zu hören.

Ich bemerkte, dass er sich seiner Schutzhose entledigt hatte. Die lag neben dem Bett auf dem Fußboden. Außerdem lagen dort eine Vorlage und die Krankenunterlage, die das Bettlaken und die Matratze schützen sollten. Das hatte er wohl alles irgendwann aus dem Bett geworfen.

Also holte ich die Pflegerin, damit sie ihn wieder anziehen konnte. Auch das Bett musste neu bezogen werden. *seufz*

Ich ließ die beiden allein und ging zurück in mein Zimmer. Von dort hörte ich ihn zetern, jammern und fluchen.

Abends war er dann irgendwann endlich ruhig. Hoffentlich ist das keine trügerische Stille!

Den Stier bei den Hörnern packen

Gestern beschloss ich, der Sache mit dem lauten Nachbarn offensiv entgegen zu treten. Ich besuchte ihn.

„Hallo Herr H., ich bin ihre Nachbarin“, sagte ich, „Ich wohne hinter dieser Wand.“ Ich zeigte auf die entsprechende Wand.

„Ach… da wohnen Sie?…“, ein einziges Fragezeichen blickte mich an.

„Ja, da wohne ich. Und ich höre sie immer, wenn sie so laut rufen“, meinte ich.

„Sie können mich hören?“, fragte er.

„Ja. Das ist ja immer sehr laut!“, sagte ich.

„Das erleichtert mich, wenn ich so laut rufe“, erklärte er, „Da soll ja dann auch jemand kommen! … Aber es kommt keiner!“

„Das hat mir anfangs ganz schön Angst gemacht!“, sagte ich ihm.

„Das hat Ihnen Angst gemacht? Das wollte ich nicht!“, meinte er.

„Hat es aber. Sie sind ganz schön laut!“, machte ich ihm klar.

Da lag er in seinem Bett, ein armer, alter Mann im roten T-Shirt, ziemlich mager. Unfassbar, dass er eine solch kräftige Stimme hat!

Ich beschloss das Thema zu wechseln, fragte ob er Kinder habe (nein), was er früher beruflich gemacht habe (Kaufmann).

Ich sah mich in seinem Zimmer um. Zwei große Natur-Bilder hängen dort. „Wo ist das?“, fragte ich.

„Das ist im Taunus. Da habe ich lange Zeit gewohnt und gearbeitet“, erklärte er.

Dann meinte er, er wolle sich etwas anziehen und im Rollstuhl sitzen. Er könne doch nicht einfach im Bett liegen bleiben und sich mit mir unterhalten.

Ich meinte, natürlich könne er im Bett bleiben. Das wäre in Ordnung.

Dieser Teil unserer Unterhaltung schien richtig normal.

Fazit:
Mir hat es geholfen, mit ihm gesprochen zu haben, ihn gesehen zu haben.
Ihm vielleicht auch? Immerhin ist er am Abend so ruhig wie schon lange nicht mehr gewesen!