Klatsch und Tratsch und Kaffeekannen

Klatsch und Tratsch gibt es im Heim wie überall wo Menschen zusammenhocken.

„Ja, ja, die ist aufgestiegen… “ , murmelt Frau ZY, den Kopf eingezogen, die Schultern hochgezogen.

„Austeilen können se alle…“, Frau YX wiegt gedankenschwer den Kopf, „… aber einstecken… das fällt dann erst Recht schwer…“

„Als ich hier einzog, gab es mehr Kannen mit Kaffee an den langen Tischen… zumindest, nachdem ich gefallen war, um mir eine entfernte Kanne zu holen…“, erinnert sich Herr ZZ.

Zu dieser Unterhaltung kam es, weil gestern zu wenig Kaffeekannen an unserem langen Tisch waren, nämlich nur 2. Dann war der Kaffee in einer Kanne auch noch nur noch lauwarm, beschwerte sich Frau YX.

Ich kann Kaffee gar nicht all zu heiß trinken. Doch da unterscheiden sich die Vorlieben.

Im Nachbarraum, dem Seminarraum, fand eine Fortbildungsveranstaltung für die Angestellten statt. Nicht nur Teilnehmer der Fortbildungsveranstaltung eilten zum Seminarraum. Auch Servierwagen, Geschirr, und Kaffeekannen (!!!) wurden zum Seminarraum geschafft.

„Ha! Da kann man sehen, wo unser Kaffee landet… “ , tönte Frau ZY, oder war es Herr ZZ, oder Frau YX???

Egal. Eifersüchtig wurde das Geschehen verfolgt.

Dazu fällt mir ein Aphorismus von Franz Grillparzer ein:

Eifersucht ist eine Leidenschaft,
Die mit Eifer sucht, was Leiden schafft.

Dabei hätte man nur die Hauswirtschafterin nach einer weiteren Kaffeekanne fragen müssen. Aber fragen?

„Das muss man doch sehen!!!“, da waren sich alle einig.

Interessante Menschen und Schicksale

Ich habe schon sehr viele interessante Menschen und Schicksale kennengelernt, seit ich im Gerhard Tersteegen Haus lebe.

Menschen aus den unterschiedlichsten Bereichen eines Alten/Pflegeheims:

  • Bewohner
  • Angestellte verschiedener Bereiche (Hauswirtschaft, Pflege, Sozialer Dienst)
  • Auszubildende
  • Praktikanten/innen
  • Ehrenamtler/innen
  • Führungskräfte

Es hat sich für mich eine ganz neue Welt aufgetan.

Meine Elter erzogen meine Schwester und mich ganz im Sinne des Bildungsbürgertums mit großem Wert auf Bildung und Leistung.

Bild von Hermann Traub auf Pixabay

Was ich hier im Gerhard Tersteegen Haus bekomme, ist bodenständige, empathische Bildung die auch sehr wertvoll und damit eine große Leistung ist.

Gemeinschaftsarbeit der Jungen Gruppe

Ich ziehe meinen Hut vor allen, die hier arbeiten und leben, den Bewohnern und den Angestellten!

Schlechte Laune 2

Warum helfen DIE nicht?

Ich habe jahrelang selber mein Bett gemacht.

Jetzt kann ich das nicht mehr.

Wir zahlen hier so viel! Da müssten DIE das doch selber merken!

Warum soll ich mich schriftlich beschweren?

DIE sollten das doch sehen!

Die Gummistrümpfe kann ich mir nicht selber anziehen. Da sollten DIE mir doch helfen!

Dann war einer da, der hat das dann gemacht. Aber das Bett mache er später, sagte er.

Wann ist später?

Nachmittags war es immer noch nicht gemacht. Da war der junge Mann bereits zu Hause.

Da habe ich es dann selber gemacht. Mehr schlecht als recht. Hmpf! Fast wäre ich dabei gestürzt! (Das klang wie eine Drohung!)

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Die Schimpftirade fand kein Ende. Irgendwann wurde es mir zu bunt und ich verließ den Tisch.

 

Filmvorführung der Tandemsprünge

Freitagvormittag gab es eine große Filmvorführungsveranstaltung. Alle Bewohner waren eingeladen, die Filme der Tandemsprünge anzusehen. Danach konnten sie Frau Faust und mich mit Fragen dazu löchern.

Leonita Salja war nicht anwesend. Sie ist im Urlaub. Doch Frau Faust hatte ihren Film dabei und durfte ihn uns auch zeigen. Ihren eigenen hatte sie leider vergessen. Doch sie hatte viele Fotos davon mit.

Es war eine schöne Veranstaltung und ich erlebte dieses Ausnahmeereignis noch einmal, dieses Mal entspannter! 😉

Pflegeheim ist kein Krankenhaus

Schon früh machte ich diese Feststellung. Anfangs störte mich das sehr. Doch das Pflegeheim ist das Zuhause, in dem den Bewohnern Hilfe bei der alltäglichen Versorgung gegeben wird.

Wenn ein Bewohner etwas an frei verkäuflichen Arzneimitteln benötigt, zum Beispiel Heparinsalbe bei blauen Flecken durch Sturz oder wegen einer wüsten Blutentnahme, dann muss er sich das selber kaufen. Es kann bei der Apotheke bestellt werden und wird einem dann geliefert. Aber man muss darauf warten.

Oder der Bewohner hat einen grippalen Infekt. Dann werden Nasenspray und Schleimlöser bei der Apotheke bestellt. Die liefert dann aber man muss darauf warten.

Im Krankenhaus gab es immer alle Medikamente sofort und man musste auch frei verkäufliche Medikamente nicht selbst bezahlen. Das war in der Krankenhausabrechnung mit drin.

Der monatliche Beitrag, den ich im Pflegeheim zahle, enthält das nicht. Da zahle ich für:

  • Vollstationär Pflege je nach Pflegegrad
  • Ausbildungsumlage gem. AltPflAusglVO
  • Vollstationär Unterkunft/Verpflegung
  • Dauerpflege Invest EBZ-Monat (keine Ahnung, was das ist???)

Die Pflegekasse zahlt einen gewissen Beitrag, der vom Pflegegrad des Bewohners abhängt.

Auf jeden Fall ist der Betrag, den ich monatlich an das Heim zahlen muss höher als meine Einnahmen durch die Rente. *seufz*

Gedenkfeier für unsere Verstorbenen März 2019

Circa 2 bis 3 mal im Jahr findet eine Gedenkfeier für verstorbene, ehemalige Bewohner des Gerhard Tersteegen Hauses in der Kapelle des GTH statt. Vergangenen Donnerstag war es wieder so weit. Diese Feiern werden immer von der Leitung des Sozialen Dienstes (Frau Faust und/oder Frau Kubens) vorbereitet und dann durchgeführt.

Das zentrale Thema, um das herum die Feier aufgebaut war, war ein Satz aus der Offenbarung des Johannes. Dort steht in der Bibel: Ich habe euch eine Tür aufgetan, die niemand verschließen kann.

Ich finde das sehr tröstlich, dass ein Verstorbener nur eine Tür durchschritten hat, um weiter zu gehen in eine neue Sphäre.

Frau Kubens hatte Bilder, Gedichte, Lieder zusammengetragen, in denen es immer wieder um Türen ging. Wir lasen, sangen, tauschten uns aus.

Zuletzt wurden die Verstorbenen mit Namen genannt. Über jeden wurde etwas erzählt, was typisch für sie / ihn war. Dann wurde ein Teelicht für sie / ihn angezündet.

Zum Abschluss gab es Musik – Albinoni’s Adagio in g-moll für Streicher und Orgel. Das ließ bei vielen Bewohnern noch einmal die Tränen fließen.

Es war eine würdige Gedenkfeier voller Liebe und Gefühl.

Die Engelsgeduld der Angestellten

Ursprünglich veröffentlicht Juli 31, 2014

Thomas Siepmann / pixelio.de
Thomas Siepmann / pixelio.de

Gestern beim Abendessen habe ich sie wieder bewundert: Die Engelsgeduld der Angestellten. Diesmal die Geduld der Damen der Hauswirtschaft, die unten im Speisesaal die Bewohner bedienen.

B. fragte Frau D., die im Rollstuhl sitzt und sich nicht allein am Buffet das Abendessen zusammenstellen kann, was sie essen wolle.

„Ja… wat ham se denn…?“

Diese Frage stellt sie immer.

„Wir haben Nudelsalat“, antwortete B..

„… Wat… ?“

„Nudelsalat.“

Jeden Abend gibt es zusätzlich zum üblichen Brot und Aufschnitt oder Käse eine wechselnde Abendbeilage. Es wechselt sich dort Süßes mit Salzigem ab. Oft gibt es sogar beides.

„Nur Nudelsalat?“, fragte Frau D. ganz enttäuscht, „kein Brot?“

„Doch, natürlich, auch Brot und Käse und Wurst“, sagte B. immer noch freundlich.

„… Auch Brot… Wat denn für Brot?“

„Na Weißbrot, Graubrot, Körnerbrot, Schwarzbrot…“, kam die geduldige Antwort.

„Nä… Schwarzbrot mag ich nich..“, mault Frau D..

„Weißbrot?“

„… Ja… Weißbrot… aba nur ne hallebe Schnitte… ich kann nich so viel essen… abends…“

Frau D. isst nie viel.

„Halbe Schnitten gibt es nicht“, sagt B., wie jeden Morgen und Abend. „Dann lassen Sie die andere Hälfte liegen.“

„… Ja… die lass ich liejen… die kann dann die alte Frau haben…“, die übliche Antwort. Sie denkt immer, eine andere Bewohnerin, die an ihrem Platz vorbei geht, wahrscheinlich eher jünger als sie selbst, sei eine „alte Frau“, die für die übrig gebliebenen Speisen kommt.

B. macht sich auf den Weg zum Buffet und kehrt zurück mit einem liebevoll zusammengestellten Teller.

„Nä… zwei Scheiben ess ich nich“, mault Frau D..

„Ich habe nur eine geholt“, sagt B. und beginnt, der Weißbrotscheibe die Ränder abzuschneiden.

„Nä, ich will nur eine!“ Frau D. ist da sehr entschlossen und greift auf den Teller.

„Nicht! Das ist kein Brot! Das ist der Aufschnitt!“ B. versucht den Aufschnitt zu retten.

„Ach so… „, Frau D. lässt den Aufschnitt zurück auf den Teller fallen.

Seelenruhig beendet B. den Brotteller. Außerdem hat sie auch ein kleines Schüsselchen mit Nudelsalat mitgebracht. „So“, sagt sie und schiebt alles an Frau D.s Platz. „Bitte schön!“

„So viel??? Dat kann ich nich alles essen!“, entrüstet will sie den Teller wieder von sich schieben. Doch dann fängt sie doch an, ein wenig zu essen. Immerhin!

Ich bewundere die Geduld der Angestellten, dass sie die Ruhe bewahren und meist freundlich bleiben. Toll!

By TG| Published September 23, 2011
By TG | Published September 23, 2011