Hr. Z. und das Artillerie-Feuer

Hr. Z. saß ganz miesepetrig in seinem Rolli im Gang.

Ich verließ gerade den Aufzug nach dem Frühstück, als ich ihn sah.
„Hallo, Hr. Z.“, grüßte ich ihn freundlich.

Er zog die Stirn kraus und blinzelte in meine Richtung: „Kennen wir uns?“

„Wir singen oft zusammen“ , sagte ich.

Da klarte seine Miene auf: „Tun wir das? Was denn?“

„Junge komm bald wieder… “ , summte ich leise.

„… bald wieder nach Haus“ , sang er weiter. Er sah mich an, ganz glücklich.

Dann verdunkelte sich sein Gesicht wieder: „Hören sie das?“

„Was?“ , fragte ich ratlos.

„Sie kommen näher… die Schüsse, das Artillerie-Feuer. Hören sie das nicht?“ , flüsterte er.

„Wir sollten jetzt gehen. Bis zum nächsten mal“ , lächelte er schief und rollte davon.

Ende der Grillsaison 2021

Heute wurde tatsächlich das Ende der Sommersaison 2021 mit einem Grillfest verabschiedet. Das ganze lief unter dem Namen Ab-grillen. Es sollte das Ende der Sommerzeit gefeiert werden.

Sommer 2021 – hatten wir den je gehabt?

Verglichen mit den letzten drei Jahren, die viel zu heiß waren, hat es 2021 viel geregnet. Es waren oft dicke Socken als zu hohe Temperaturen über die gejammert wurde.

Deutschland – Land der Dichter und Denker – wirklich? Eher Land der Jammerlappen und Wollsocken.

Deutsche outen sich im Ausland im Urlaub immer mit Strümpfen (oft Tennissocken) in Sandalen.

Bei diesem kühlen Sommer im Altenheim sieht man an vielen Füßen selbstgestrickte Socken. Ringelsocken in Sandalen, Hausschuhen, Slippern, Halbschuhen, Latschen, Tretern. Denn in der ganzen freien Zeit können die Senioren nur begrenzt lesen oder spazieren gehen.

Viele von ihnen leiden an Grauem Star, einer Eintrübung der Linse. Sie scheuen sich vor dem ganzen Aufwand.

„Lange lebe ich so-wie-so nicht mehr. Da lohnt sich das auch nicht mehr“, sagt der Achzig-jährige. Bei der stressarmen guten und regelmäßigen Verpflegung werden viele Bewohner über 80, 90, und sogar 100+ Jahre alt.

„Was soll ich dafür Geld ausgeben?“, meint eine 93-jährige Seniorin. Mann und Kinder sind alle schon verstorben.

Sie haben alle schwere Zeiten durchlebt, wissen was Hunger ist, mussten Viel aus Nichts machen. Das prägt.

Also tun sie was sie schon viele Jahre gemacht haben. Sie handarbeiten, sie stricken und häkeln.

So sieht man bunte Wollsocken in Sandalen und Co. Das gefällt mir so viel mehr, als weiße Tennissocken.

Madame

Es gibt tatsächlich Bewohner die ein Pflegeheim verwechseln mit einem 4****-Hotel.

So rief Fr. XZ letztens: „Madame… hier ist nicht genug Zucker!“

Die Hauswirtschafterin rollte mit den Augen …ooOO(Madame… wir sind doch hier kein 4****-Hotel. 😤 😠 😡 )

Da empfinde ich Fremdscham.

Egal in welchem Bereich (Hauswirtschaft, Pflege, Sozialer Dienst) geben sich die Angestellten des Gerhard Tersteegen Haus ganz viel Mühe, dass es uns Bewohnern so gut geht wie irgend möglich.

Sie sind nicht verantwortlich für Gesetze, die die Politik zusammenschustert. Wenn die Politiker einmal zum Pflegefall werden, werden sie mit Sicherheit nicht in einem städtischen oder staatlichem Pflegeheim landen. 🛌🏻

Leck mich fett

Es gibt einen älteren Bewohner im Gerhard Tersteegen Haus der wird ziemlich unterschätzt. Er wohnt mittlerweile in dem Wohnbereich in dem auch die Dementen Bewohner untergebracht sind.

Er geht gerne im Garten spazieren. Jeden Morgen sehe ich ihn, wenn er mit seinem Rollator durch den Speisesaal geht, selber die Tür zum Garten öffnet und dann seine Garten-Runde dreht. Dabei geht er sehr langsam und bedächtig.

Ich lernte ihn kennen, als er noch auf einem anderen Wohnbereich zu Hause war. Daher kenne ich auch noch seinen Namen. Immer wenn er durch den Speisesaal schlich, begrüßte ich ihn mit Namen. Gestern reagierte er zum ersten mal. Ich begrüßte ihn wieder und er kniff ein Auge zu und lachte.

Seitdem begrüßen wir uns, wenn wir uns begegnen. Ich grüße ihn mit Namen. Er zeigt mir sein freundliches Lächeln.

Letztens sagte er zu mir: „Da können wir eh nichts dran machen. Wenn mir trotzdem einer blöd kommt, dann denke ich `Leck mich fett!´ “ Jetzt lachte er. Um seine Verbundenheit zu zeigen, kniff er wieder ein Auge zusammen.

Der Ausdruck aus seiner Jugend hat heute wieder Einzug bei der heutigen Jugend erhalten.

Schockstarre

Seit Wochen kennen die Bewohner des Gerhard Tersteegen Hauses nur ein Thema: FUßBALL!

Am 11.06.2021 begann die Fußball-EM 2020. Wegen Corona 1 Jahr verspätet. Dennoch war es fast fahrlässig wie viele Menschen eng beieinander saßen, sich in den Armen lagen in Jubel und in Trauer. Es war als gäbe es Corona nicht mehr.

Oder war der ganze Hype rund um Corona doch nur da, damit Regierungen den Bürgern Rechte beschneiden konnten? So reden wenigstens die Corona-Ungläubigen.

Ich glaube das nicht. Mir war richtig unwohl dabei, die jubelden, feiernden Massen zu sehen. Ich hoffe natürlich, dass wir davon nicht noch die gesalzene Quittung bekommen werden.

Seit einigen Wochen war Fußball aber das alles überlagernde Thema unten im Speisesaal. Wie tippt wer was bei den Spielen der Deutschen.

Allen voran natürlich Obelix: „Oh, hoffentlich kein Elfmeterschießen… da kann ich nicht bei zuschauen… da bin ich dann in Schockstarre…“

Wie war es dann? Keine Schockstarre, eher Lethargie. Am nächsten Morgen gab es nur zu hören:

O.: Schlecht haben die gespielt.

Frau Y.: Das hätte ich ihnen gleich sagen können, dass das nichts wird.

Herr Z.: Ja, ja… der Jogi hätte schon längst gehen müssen. Da könnte ich fast ein
wenig Schadenfreude haben.

Frau X.: Vielleicht haben wir ja bald einen neuen Bewohner. Jogi gehört doch echt
aufs Altenteil.

So kann es gehen: heute noch gelobt, sich mit ihnen gefreut: „Wir haben gewonnen!“
Am nächsten Tag hat man es immer schon gewusst. So ist der Mensch.

Neue Bewohner, neue Geschichten

Seit die Kontaktmöglichkeiten gelockert wurden und wir im großen Speisesaal essen dürfen (Corona-konform versteht sich) lerne ich neue Bewohner kennen. Damit verbunden sind auch neue Geschichten.

An meinem neuen Tisch sitzen eine Dame und ein Herr. Er sieht aus, als sei er hier im Urlaub. Er hat eine gesund gebräunte Haut. Sie spricht von viel Aufenthalt an der frischen Luft.

Locker über Nichtiges kann man gut mit ihm plaudern. Frage ich ihn aber konkreter zu seinem Beruf früher, will er korrekt antworten, will keinen „Fehler“ machen und verheddert sich in seinen eigenen Sätzen und sitzt zuletzt wie ein begossener Pudel ganz unglücklich vor mir.

Das will ich nicht! Ich will mit meinem Blog niemanden unglücklich machen!

Also werde ich jetzt aufschreiben, die einzelnen Schnipsel, was ich verstanden habe, und den Beitrag ausdrucken und ihn ihm morgen zeigen.

Die neue Bewohnerin hat ebenfalls einen interessanten Beruf früher ausgeübt. Einen Beruf der sehr gut zur Samt- und Seide-Stadt Krefeld passt und der bisher in meiner kleinen Reihe „Beruf früher“ noch nicht auftrat.

Lasst euch also überraschen.

Tag 08 der Corona-Pandemie – Gesundheitsupdate

Da wir schon recht früh mit strikten Verhaltensregeln angefangen haben (Frau Faust und dem Leitungsteam sei Dank), ist das GTH bisher von einer Corona-Erkrankung verschont geblieben.

Schon früh, seit dem 16.03.2020 gab es ein Kontaktverbot von Bewohnern untereinander und von Besuchern. Die Bewohner dürfen sich nur noch auf dem eigenen WB und im Garten des GTH bewegen. Besuche sind nur noch in ganz seltenen Situatonen erlaubt. Eigentlich sind sie verboten.

Wir haben 3 Bewohner, die momentan unter Quarantäne stehen. Sie hatten bei einem Zahnarztbesuch Kontakt mit einer Virus-tragenden Person. Es sieht so aus, dass von ihnen keiner erkrankt ist. Es geht ihnen gut und die Quarantäne ist fast überstanden.

Tag 04 des Corona-Shutdown – Es wird wolkiger

Heute, Donnerstag 19.03.2020, scheint sich das fantastische Wetter langsam zu verabschieden. Doch es ist immer noch zwischenzeitlich sehr schön.

Heute Vormittag im Garten wurde gearbeitet. Auf der Seite des Seiden Carrés waren mehrere Gärtner dabei, die Blumenbeete neu zu bepflanzen. Eine Bewohnerin des Seiden Carrés wollte den Gärtnern Pflanzen abkaufen, um ihren eigenen Balkon zu bepflanzen. Leider war das jedoch nicht nöglich. Die Pflanzen, die sie dabei hatten, waren abgezählt für den gemeinsamen Garten. Die Seniorin war sehr enttäuscht!

Wenn man mit der Maus über die Bilder fährt, sieht man die Beschriftung der Bilder

Tag 03 des Corona-Shutdown – Das Wetter meint es immer noch gut mit uns

Auch dieser Tag war ein wunderschöner, sonniger Tag. Aber das soll sich in den nächsen Tagen ändern.

Daher waren heute auch mehr Bewohner und 2 Arbeiter im Garten.

Gedenkfeier für die Verstorbenen – (November 2019 – März 2020)

2 – 3 mal im Jahr finden Gedenkfeiern für verstorbene Bewohner statt. Das ist immer in einem sehr würdigen Rahmen in der Kapelle des Gerhard Tersteegen Hauses.

Hr. Hübner hatte dieses Mal wieder die Feier zusammengestellt. Sie stand unter dem Motto: Keiner geht verloren – Jeder wird gehalten.

Die Bewohner saßen in der Kapelle im Kreis. In der Mitte stand ein Tisch, auf dem eine Kerze stand. Zudem standen dort auch Karten mit dem Motivbild, das auch auf dem Beiblatt abgebildet war, das jeder Teilnehmer der Gedenkfeier ausgehädigt bekam.

Jede|r Verstorbene wurde vorgelesen. Dann wurde an jede|n erinnert, indem charakteristische Vorlieben und Eigenschaften genannt wurden. Die Bewohner, die die|den Verstorbene|n kannten, erzählten über sie|ihn. Zuletzt wurde ein Teelicht für sie|ihn entzündet und auf dem zentralen Tisch abgestellt.

Mir gefällt dieses Erinnern sehr. Denn so sind die Verstorbenen noch einmal mitten unter uns. So „geht keiner verloren“.

Die Gedekfeier klang aus mit dem Lied: „Time to say goodbye“