Gedenkfeier für verstorbene Bewohner

Zum ersten mal seit Corona konnten wir endlich wieder eine Gedenkfeier abhalten.

Da mein Vater auch in der Zeit (19.03.2022) starb, ging ich aus ganz persönlichen Gründen zu der Veranstaltung. Ich konnte ihm noch einmal gedenken. Er wurde zwar nicht aufgerufen denn er war ja kein Bewohner des Gerhard Tersteegen Hauses war. Aber es war ein würdevoller Rahmen, um noch einmal an ihn zu denken.

Wir saßen in einem großen Kreis. Auf einer Kommode waren echte Kerzen aufgestellt. Sie warfen ein heimeliges Licht in den Raum.

Auf der Kommode waren außerdem viele Karten mit Blumenblühten aufgestellt. Ein Gesteck stand in der Mitte vor einem runden, mit Granulat bestreuten Edelstahl-Tablett.

Da hatten Fr. Faust und ihre Kolleginnen vom Sozialen Dienst eine wunderbare Atmosphäre geschaffen.

Nun wurden der Reihe nach die Verstorbenen der ersten 3 Monate des Jahres 2022 vorgelesen. Zu jedem wurden ein paar Worte gesagt, die diesen Menschen ausgezeichnet hatten. Auch Bewohner aus der Runde sagten zu manchen Bewohnern etwas.

Danach wurde für jeden Verstorbenen ein Teelicht angezündet und auf das runde Tablett gestellt.

Zum Schluss war das Tablett ganz voll. Es sah so schön aus!

Nun schaltete Fr. Faust die Musik an: „Time to Say Good Bye“

Andrea Bocelli, Sarah Brightman – Time To Say Goodbye (HD)

Wahl des neuen Bewohnerbeirats 2022

(c)Katrin-musikhai

Alle 2 Jahre wird ein neuer Bewohnerbeirat gewählt. Die Größe, gemessen an Bewohnerzahl der Einrichtung, bestimmt die Anzahl der Bewohner im Beirat. Das macht für unser Heim 5 Bewohner.

(c)Katrin-musikhai

Die Bewohner wählen in geheimer Wahl den neuen Beirat. Noch am selben Tag werden die Stimmen ausgezählt und das Ergebnis ausgehängt.

(c)Katrin-musikhai

2014 war ich schon einmal Mitglied im Bewohnerbeirat. Dieses Jahr habe ich mich nicht zur Wahl aufstellen lassen. Aber wer weiß, vielleicht mache ich das noch einmal. 2024 ist die nächste Wahl.

Unsere liebste Hauswirtschafterin verlässt uns

Die Bewohner des Gerhard Tersteegen Haus sind sehr traurig. Frau Z., Vertretung des Leiters der Hauswirtschaft verlässt uns. Sie war sehr beliebt bei den Bewohnern unten im Speisesaal. Sie hatte immer den Überblick, wusste von den Vorlieben der einzelnen Bewohner und versuchte immer sie zu erfüllen.

Sie hat eine neue Stelle als Leitung der Hauswirtschaft in einem anderen Heim gefunden. So wandert sie auf der Karriereleiter eine Sprosse höher.

An ihrem letzten Tag bei uns unten im großen Speisesaal überreichte ich im Namen aller Bewohner eine Karte

Abschied

Ich hatte sie besorgt und alle Bewohner, die im großen Speisesaal essen, unterschreiben lassen. Als kleines persönliches Geschenk hatte ich ihr einen Origami-Würfel gebastelt.

Ich hatte einen Kloß im Hals, Frau Z. auch. Ich werde sie sehr vermissen!

Alter schützt vor Torheit nicht

Die Wahrheit dieses alten Sprichworts ist heute gültiger denn je. Das zeigt sich auch bei uns im Alten- und Pflegeheim Gerhard Terstegen Haus in Krefeld.

Einige Bewohner verhielten sich auffällig unauffällig im großen Speisesaal, als sie von Tisch zu Tisch eilten. Stickum raunten sie sich flüsternd Heimlichkeiten zu.

Folgendes konnte ich verstehen:

A flüsternd zu B: „Worüber die sich wohl das Maul zerreißt? Ich glaube sie spricht über mich.“

B leise (oder was sie für leise hielt): „Ach… und ich dachte schon es geht um mich… „

C : „Sollte es um mich gehen… ich verstehe sowieso nichts. Das kann manchmal auch ein Segen sein.“

A und B blicken sich vielsagend an.

D kam freundlich lächelnd an der Gruppe vorbei. Sie hat ein freundliches Wesen. Sie grüßt jeden neu den Speisesaal betretenden mit einem lauten Halloooo und winkt ihm / ihr freundlich zu. Anfangs wurde gelacht. Aber jetzt fehlt etwas, wenn man nicht so begrüßt wird.

Wie man sieht sind wir Bewohner im Speisesaal einem gackerndem Hühnerstall gleich. Oder einer Schulklasse?

Senioren sind kompliziert

Oder sollte ich besser sagen „eigensinnig“? Oder „starrköpfig“. Oder „anspruchsvoll“.

Wahrscheinlich gilt alles, je nach Bewohner.

Mein Tischnachbar hat es da nicht so einfach wie die meisten anderen. Denn ich gebe Kontra.

Er: „Heute hat man mir um 4:00 Uhr nachts die Strümpfe angezogen!“

Ich: „Aber Sie möchten das doch immer zeitig, damit Sie früh zum Frühstück unten sein können.“

Er: „Ja, aber doch nicht um 4:00 Uhr!“

Ich: „Na ja, Sie sagen immer, dass Sie sowieso nicht viel schlafen können. Sie würden nachts immer viel wach im Bett liegen und auf den Morgen warten.“

Er: „Na DANN konnte ich nicht mehr schlafen!“

Ich: „Nun, es heißt immer, dass man im Alter weniger Schlaf braucht. Sie gehen einfach immer viel zu früh ins Bett. Wenn Sie um 8 Uhr ins Bett gehen, dann sind Sie um 4 Uhr eigentlich ausgeschlafen.“

Er: „Ich kann ja nicht sofort einschlafen!“

Ich: „Warum gehen Sie dann so früh ins Bett?“

Er: „Was soll ich denn sonst tun?“

Ich: „Etwas lesen, fernsehen, einen Brief schreiben, notieren was Sie alles in Ihrem langen Leben erlebt haben… „

Er: „Hmpf… Das habe ich NIE gemacht. Dafür hatte ich nie Zeit! Ich habe immer viel gearbeitet.“

Ich: „Es ist nie zu spät, etwas neues zu beginnen.“

Er: „Ja, ja… das sagen Sie so… in Ihrem Alter hätte ich das vielleicht getan… „

… … … <lange Pause> … … …

Ich: „Heute um 11:00 Uhr ist Gottesdienst. Etwas Abwechselung.“

Er: „Wo ist das denn?

Ich: „Na hier. Im Gerhard Tersteegen Haus.“

Er: „Hier im Haus? … Muss ich mal sehen, ob ich da hinkomme… „

Er war da!

Herr OX schreibt von früher (03)

Weiter geht es mit den Aufzeichnungen von Hr. OX. Heute kommen die letzten Zeilen zu seiner Kindheit.

Hr. Z. und das Artillerie-Feuer

Hr. Z. saß ganz miesepetrig in seinem Rolli im Gang.

Ich verließ gerade den Aufzug nach dem Frühstück, als ich ihn sah.
„Hallo, Hr. Z.“, grüßte ich ihn freundlich.

Er zog die Stirn kraus und blinzelte in meine Richtung: „Kennen wir uns?“

„Wir singen oft zusammen“ , sagte ich.

Da klarte seine Miene auf: „Tun wir das? Was denn?“

„Junge komm bald wieder… “ , summte ich leise.

„… bald wieder nach Haus“ , sang er weiter. Er sah mich an, ganz glücklich.

Dann verdunkelte sich sein Gesicht wieder: „Hören sie das?“

„Was?“ , fragte ich ratlos.

„Sie kommen näher… die Schüsse, das Artillerie-Feuer. Hören sie das nicht?“ , flüsterte er.

„Wir sollten jetzt gehen. Bis zum nächsten mal“ , lächelte er schief und rollte davon.

Ende der Grillsaison 2021

Heute wurde tatsächlich das Ende der Sommersaison 2021 mit einem Grillfest verabschiedet. Das ganze lief unter dem Namen Ab-grillen. Es sollte das Ende der Sommerzeit gefeiert werden.

Sommer 2021 – hatten wir den je gehabt?

Verglichen mit den letzten drei Jahren, die viel zu heiß waren, hat es 2021 viel geregnet. Es waren oft dicke Socken als zu hohe Temperaturen über die gejammert wurde.

Deutschland – Land der Dichter und Denker – wirklich? Eher Land der Jammerlappen und Wollsocken.

Deutsche outen sich im Ausland im Urlaub immer mit Strümpfen (oft Tennissocken) in Sandalen.

Bei diesem kühlen Sommer im Altenheim sieht man an vielen Füßen selbstgestrickte Socken. Ringelsocken in Sandalen, Hausschuhen, Slippern, Halbschuhen, Latschen, Tretern. Denn in der ganzen freien Zeit können die Senioren nur begrenzt lesen oder spazieren gehen.

Viele von ihnen leiden an Grauem Star, einer Eintrübung der Linse. Sie scheuen sich vor dem ganzen Aufwand.

„Lange lebe ich so-wie-so nicht mehr. Da lohnt sich das auch nicht mehr“, sagt der Achzig-jährige. Bei der stressarmen guten und regelmäßigen Verpflegung werden viele Bewohner über 80, 90, und sogar 100+ Jahre alt.

„Was soll ich dafür Geld ausgeben?“, meint eine 93-jährige Seniorin. Mann und Kinder sind alle schon verstorben.

Sie haben alle schwere Zeiten durchlebt, wissen was Hunger ist, mussten Viel aus Nichts machen. Das prägt.

Also tun sie was sie schon viele Jahre gemacht haben. Sie handarbeiten, sie stricken und häkeln.

So sieht man bunte Wollsocken in Sandalen und Co. Das gefällt mir so viel mehr, als weiße Tennissocken.

Madame

Es gibt tatsächlich Bewohner die ein Pflegeheim verwechseln mit einem 4****-Hotel.

So rief Fr. XZ letztens: „Madame… hier ist nicht genug Zucker!“

Die Hauswirtschafterin rollte mit den Augen …ooOO(Madame… wir sind doch hier kein 4****-Hotel. 😤 😠 😡 )

Da empfinde ich Fremdscham.

Egal in welchem Bereich (Hauswirtschaft, Pflege, Sozialer Dienst) geben sich die Angestellten des Gerhard Tersteegen Haus ganz viel Mühe, dass es uns Bewohnern so gut geht wie irgend möglich.

Sie sind nicht verantwortlich für Gesetze, die die Politik zusammenschustert. Wenn die Politiker einmal zum Pflegefall werden, werden sie mit Sicherheit nicht in einem städtischen oder staatlichem Pflegeheim landen. 🛌🏻

Leck mich fett

Es gibt einen älteren Bewohner im Gerhard Tersteegen Haus der wird ziemlich unterschätzt. Er wohnt mittlerweile in dem Wohnbereich in dem auch die Dementen Bewohner untergebracht sind.

Er geht gerne im Garten spazieren. Jeden Morgen sehe ich ihn, wenn er mit seinem Rollator durch den Speisesaal geht, selber die Tür zum Garten öffnet und dann seine Garten-Runde dreht. Dabei geht er sehr langsam und bedächtig.

Ich lernte ihn kennen, als er noch auf einem anderen Wohnbereich zu Hause war. Daher kenne ich auch noch seinen Namen. Immer wenn er durch den Speisesaal schlich, begrüßte ich ihn mit Namen. Gestern reagierte er zum ersten mal. Ich begrüßte ihn wieder und er kniff ein Auge zu und lachte.

Seitdem begrüßen wir uns, wenn wir uns begegnen. Ich grüße ihn mit Namen. Er zeigt mir sein freundliches Lächeln.

Letztens sagte er zu mir: „Da können wir eh nichts dran machen. Wenn mir trotzdem einer blöd kommt, dann denke ich `Leck mich fett!´ “ Jetzt lachte er. Um seine Verbundenheit zu zeigen, kniff er wieder ein Auge zusammen.

Der Ausdruck aus seiner Jugend hat heute wieder Einzug bei der heutigen Jugend erhalten.