Meine Tischfamilie schrumpft

Als ich vor 5 Jahren ins Gerhard Tersteegen Haus kam, saßen an meinem Tisch im Speisesaal 6 Bewohner. Von meiner damaligen Tischfamilie sind seitdem 3 Bewohner verstorben. 2 Bewohner sind mittlerweile so pflegebedürftig, dass sie oben auf dem Wohnbereich bleiben. Sie kommen nur noch selten, bei besonderen Festen runter in den Speisesaal.

Zwischendurch hatte ich immer wieder Zuwachs am Tisch. Aber davon sind auch schon 2 Bewohner wieder verstorben.

Mittlerweile sitzen nur noch 3 Bewohner an meinem Tisch: U., Frau F. und ich. Gemeinsam sind wir eigentlich nur noch zum Mittagessen dort. Denn das Mittagessen gibt es zu einer festen Zeit. Leider haben wir 3 keinen richtigen Zusammenhalt. Die beiden anderen verlassen den Tisch, wenn sie fertig sind. Ich versuche noch am Tisch zu bleiben, wenn die anderen noch nicht fertig sind. Ich kann mich glücklich schätzen, wenn sie sich verabschieden, wenn sie gehen.

Frühstücken kann man zwischen 8 und 10 Uhr. Da haben wir recht unterschiedliche Zeiten.

Abendbrot gibt es ab 17:30 Uhr. Viele Bewohner sitzen schon früher, ab ca. 17:00 Ur an den Tischen. Wenn diejenige Dame von der Hauswirtschaft früher die Speisen aufs Buffet stellt, als 17:30 Uhr, begegnen mir schon die ersten, die fertig sind im Aufzug, wenn ich erst nach unten fahre.

Dabei gibt es gegen 15:00 Uhr noch Kaffee und Kekse oder Kuchen (mittwochs und sonntags). Aber die Bewohner hangeln sich von Mahlzeit zu Mahlzeit.

 

 

Hören Sie das auch?

Frau Mt. ist schon 98 Jahre alt. Langsam überfordert sie das alltägliche Leben.

Als ich heute morgen zum Frühstück nach unten fahren wollte, sah ich sie. Sie war angezogen, als müsse sie zu irgendeinem auswärtigen Termin. Unruhig und wachsam ging ihr Kopf nach links… nach rechts… nach links… als suche sie jemanden.

„Guten Morgen, Frau Mt.“, sagte ich, „Suchen Sie irgendetwas?“

Ihr Kopf ging suchend nach links… nach rechts… nach links… Dann vernahm sie meinen Gruß und sie sah mich an. „Hören Sie das auch?“

„Was? Was soll ich hören?“, fragte ich sie.

„Ach, das sind doch alles Verbrecher hier! Kürzlich hat man mich wieder bestohlen…“, sie schüttelte den Kopf und umklammerte ihre Handtasche ganz fest. Die hatte die Dame natürlich auch dabei.

Ich fuhr in Richtung Pflegestützpunkt. Dort saß der Wohnbereichsleiter und stellte die Tabletten für die kommende Woche.

„Hat Frau Mt. einen Termin? Wird sie abgeholt? Oder kann ich sie mit nach unten zum Frühstück nehmen?“, fragte ich ihn.

Matt lächelte er, schüttelte den Kopf bei den ersten beiden Fragen, nickte zustimmend zur letzten. Dann widmete er sich weiter den Tabletten. Es war klar, er wollte momentan nicht gestört werden.

Ich rollte zurück zur alten Dame und sagte: „Na, dann kommen Sie mal mit. Wir fahren nach unten zum Frühstück!“

„Nein… nein… nicht nach unten… gleich kommen die Kinder und dann wollen wir feiern“, murmelte sie und hielt sich an ihrer Handtasche fest.

„Aber eine Tasse Kaffee können wir noch trinken“, meinte ich.

Ich drückte die Ruftaste am Aufzug. Die Tür öffnete sich und wir beide fuhren nach unten. „Ach… ich bin zu alt“, sagte sie nur.

Ich nahm sie unten im Speisesaal mit ans Buffet. Auf Nachfrage, was sie essen wolle, füllte ich ihren Teller und setzte ihn an ihren Platz. Kaffee goß sie sich alleine ein und begann ihr Frühstück.

Jetzt konnte ich mich um mein Frühstück kümmern.

Rasch kam sie mit ihrem Rolli wieder an meinen Tisch. „Ach, ich hatte gar keinen richtigen Hunger. Ich konnte nur eine halbe Scheibe Brot essen. Aber den Kaffee habe ich getrunken!“, sagte sie mir. Dann verließ sie den Speisesaal wieder.

Kochen für Männer

Es gibt es ein neues Angebot: „Kochen für Männer“. Morgen wird es eine Vorbesprechung geben, was gekocht werden soll. Die Idee hatte Frau Kubens, Sozialpädagogin des Gerhard Tersteegen Hauses. Sie hatte mitbekommen, dass die Männer oft andere Vorlieben haben, was das Mittagessen angeht, als die Frauen. Sie möchten immer gerne viel Fleisch haben.

Gemüse? „Fleisch ist mein Gemüse“ nannte der Autor Heinz Strunk sein 2004 erschienenes Buch.

Quelle

Das könnten auch die männlichen Bewohner gesagt haben! Es scheint also wirklich ein Männer/Frauen-Problem zu sein.

Ich bin mal gespannt, was das ergibt! Ich finde es auf jeden Fall eine sehr gute Idee, die ewig nach Fleisch Rufenden ins Kochen mit einzubinden!

So war’s – Public Viewing im Altenheim

Bis auf die Tatsache, dass WIR verloren haben, war das gemeinsame Fußball-Gucken ein großer Erfolg!

Frau Faust, Leiterin des Sozialdienstes, hatte mit ihren Leuten alles bestens organisiert. In Ermangelung einer großen Leinwand waren 2 große Fernseher aufgestellt. Für die Zuschauer waren Stühle bereitgestellt. Auch an guten Plätzen für Rollis war kein Mangel.

Für Getränke und Knabberzeug war gesorgt. Bevor das Spiel losging, wanderten die Mitarbeiter des Sozialdienstes mit Käsestangen, Mini-Kabanossi, Salzstangen, Chips… durch die Reihen und versorgten die Bewohner. Dann versorgten sie uns mit Getränken. Cola, Limonade, Wasser, Fruchtsäfte, Apfelschorle, Bier… Kaum ein Wunsch blieb unerfüllt.

Dann kam der Anstoß!

Frau M. und ich!

Es war ein tolles Erlebnis!

Die Bewohner bedanken sich bei den Angestellten des Sozialdienstes und der Hauswirtschaft!

Für das Fußball-Ergebnis konnten sie ja nichts. 😉

 

Musikalische Reise um die Welt

Am Freitagnachmittag gab es ein klassisches Gesangskonzert mit Begleitung am Klavier. Manche Lieder wurden vorgetragen. Aber es gab auch Lieder wo die Bewohner zum Mitsingen aufgefordert wurden.

Am Klavier spielte Ulrich Stuers. Es sangen Camilla Bachus, Renate Dülfer und Brigitte Storz.

 

Programm

Liedtexte zum Mitsingen

Es war ein stimmungsvoller Nachmittag. Viele Bewohner waren Zuhörer. Sie lauschten der Musik ganz verzaubert. Dass sie mitsingen durften ließen sich einige Bewohnerinnen nicht zwei Mal sagen und sangen gleich mit Begeisterung bei jedem Lied mit. Es erstaunt mich immer wieder, wie  viele Lieder sie kennen und auswendig mitsingen können.

Der Schornsteinfeger

pixabay.com – OpenClipart-Vectors

Gestern war endlich mal wieder Gottesdienst im Gerhard Tersteegen Haus. Pfarrer Fricke-Hein sollte den Gottesdienst leiten.

Aber er hatte die Liedblätter vergessen. Also machte er sich noch einmal auf den Heimweg. Daher begann der Gottesdienst fast 30 Minuten später als geplant. In der Zeit waren alle Bewohner, die am Gottesdienst teilnehmen wollten in der Kapelle versammelt und warteten.

Auch die Klavierspielerin, die die Lieder immer am Klavier begleitet, war da. Von ihr erfuhr ich, dass der Gottesdienst ½ Stunde später stattfinden sollte und auch warum.

„Vielleicht sagst du das auch den Bewohnern. Sie werden sonst unruhig. Eine Frau ist auch schon gegangen“, meinte ich zu ihr.

„Stimmt! Das könnte ich machen“, sagte sie. Sie stand auf und wandte sich an die Senioren.

Man merkte förmlich, wie sich die Stimmung im Raum entspannte.

Doch nicht bei allen war das so. Frau T. fragte ihre Nachbarin: „Was ist mit dem Schornsteinfeger?“

„Schornsteinfeger??? Ach, nichts“, antwortete Frau L..

Es vergingen einige Minuten. Dann fragte Frau T. ganz unruhig: „WAS war das mit dem Schornsteinfeger??“

„Der kommt morgen. Heute ist Sonntag“, sagte Frau L..

Das wiederholte sich noch 2 mal. Da rollte ich zu Frau T. und erklärte ihr: „Wir warten auf den Pfarrer. Er holt nur noch die Liedblätter.“

„Ach so… und was ist mit dem Schornsteinfeger?“, fragte sie dann wieder ganz besorgt.

Einige Minuten später hörte ich, wie sie Frau L. erzählte: „Mein Mann war nämlich Schornsteinfeger!“

Herr W. wird 90!

Der Gesprächskreis findet Gefallen bei einer Reihe von Bewohnern. Am Vergangenen Dienstag waren wir wieder 14 Bewohner und Frau Mues. Später kamen dann noch weitere Seniorinnen.

Doch bevor wir mit dem neuen Thema beginnen konnten, gab es erst einmal einen Umtrunk, um auf den 90-sten Geburtstag eines Bewohners anzustoßen. Herr W. hatte echten Champagner und kleine süße Leckereien besorgt. Er weiß um den süßen Zahn der Seniorinnen!

Die Damen sind in der Überzahl unter den Bewohnern. Herr W. ist bei den Damen sehr beliebt. Ein richtiger Gentleman! 😉