Trügerische Stille?

Gestern war mein Nachbar besonders „in Form“, will sagen LAUT und das ohne Pause. Damit fing er schon am Morgen um halb 4 (!) an.

pixabay.com – Arcaion

Um diese Zeit war die Nachtschwester auf unserem Gang. Die andere Nachbarin von Herrn H. hatte wohl geklingelt.

Das hat der Nachbar wohl gehört. Damit war er wach! Als die Nachtschwester auf sein Rufen sein Zimmer betrat, war er sofort still. Doch kaum war sie wieder raus, begann er zu rufen.

„Hallo! ….. Haaaa-lloooooo!! ….. HALLO!!! “

„Warum hört mich denn keiner?!? “

„Haaaaaaa – lloooooo! ….. HAAAAA – LLOOOO!!!! „

„HA – LLOO ….. HA – LLOOO …. HA – LLOOO … HA – LLOOO … HA – LLOOO .. HA – LLOOO .. HA – LLOOO . „

Die Rufe waren monoton. Er wurde immer lauter. In immer kürzeren Abständen wiederholte er sein Hallo.

Irgendwann wechselte er die Wortwahl: „Hilfe! ….. Hilfe! ….. Hilfe! ….. Hilfe! …..….. Hilfe! ….. HILFE! …..

Dann muss ich wieder eingeschlafen sein. Erstaunlich.

Als ich wieder aufwachte war es halb 6 und er rief immer noch.

Er rief eigentlich den ganzen Tag weiter. Nur wenn jemand sein Zimmer betrat und sich um ihn kümmerte, war er still. Mit der Zeit wurde er immer heiserer. Das hielt ihn aber nicht davon ab weiter zu rufen.

Nachmittags hatte ich dann irgendwann Mitleid mit ihm und besuchte ihn. Ich nahm meinen Kindle mit und fragte ihn, ob ich ihm etwas vorlesen solle.

Seine Augen leuchteten auf: „Ja!“

Ich fragte ihn, ob ich von Nils Holgerson und den Wildgänsen vorlesen solle. „Ja!“, sagte er in freudiger Erwartung.

Aber schnell stellte sich heraus, dass ich hier einen anderen Zuhörer hatte, als Frau M.. Herr H. konnte der Geschichte nicht folgen. Ich las für ihn zu schnell. Ich muss mir mal Geschichten geben lassen, an denen auch Demente Freude haben.

„Nein! Nicht weiter lesen! Sie können das nicht. Können Sie überhaupt lesen?“, bekam ich zu hören.

Ich bemerkte, dass er sich seiner Schutzhose entledigt hatte. Die lag neben dem Bett auf dem Fußboden. Außerdem lagen dort eine Vorlage und die Krankenunterlage, die das Bettlaken und die Matratze schützen sollten. Das hatte er wohl alles irgendwann aus dem Bett geworfen.

Also holte ich die Pflegerin, damit sie ihn wieder anziehen konnte. Auch das Bett musste neu bezogen werden. *seufz*

Ich ließ die beiden allein und ging zurück in mein Zimmer. Von dort hörte ich ihn zetern, jammern und fluchen.

Abends war er dann irgendwann endlich ruhig. Hoffentlich ist das keine trügerische Stille!

Den Stier bei den Hörnern packen

Gestern beschloss ich, der Sache mit dem lauten Nachbarn offensiv entgegen zu treten. Ich besuchte ihn.

„Hallo Herr H., ich bin ihre Nachbarin“, sagte ich, „Ich wohne hinter dieser Wand.“ Ich zeigte auf die entsprechende Wand.

„Ach… da wohnen Sie?…“, ein einziges Fragezeichen blickte mich an.

„Ja, da wohne ich. Und ich höre sie immer, wenn sie so laut rufen“, meinte ich.

„Sie können mich hören?“, fragte er.

„Ja. Das ist ja immer sehr laut!“, sagte ich.

„Das erleichtert mich, wenn ich so laut rufe“, erklärte er, „Da soll ja dann auch jemand kommen! … Aber es kommt keiner!“

„Das hat mir anfangs ganz schön Angst gemacht!“, sagte ich ihm.

„Das hat Ihnen Angst gemacht? Das wollte ich nicht!“, meinte er.

„Hat es aber. Sie sind ganz schön laut!“, machte ich ihm klar.

Da lag er in seinem Bett, ein armer, alter Mann im roten T-Shirt, ziemlich mager. Unfassbar, dass er eine solch kräftige Stimme hat!

Ich beschloss das Thema zu wechseln, fragte ob er Kinder habe (nein), was er früher beruflich gemacht habe (Kaufmann).

Ich sah mich in seinem Zimmer um. Zwei große Natur-Bilder hängen dort. „Wo ist das?“, fragte ich.

„Das ist im Taunus. Da habe ich lange Zeit gewohnt und gearbeitet“, erklärte er.

Dann meinte er, er wolle sich etwas anziehen und im Rollstuhl sitzen. Er könne doch nicht einfach im Bett liegen bleiben und sich mit mir unterhalten.

Ich meinte, natürlich könne er im Bett bleiben. Das wäre in Ordnung.

Dieser Teil unserer Unterhaltung schien richtig normal.

Fazit:
Mir hat es geholfen, mit ihm gesprochen zu haben, ihn gesehen zu haben.
Ihm vielleicht auch? Immerhin ist er am Abend so ruhig wie schon lange nicht mehr gewesen!

 

 

Besuch der Kindergartenkinder zu Nikolaus

Die Kinder des Kindergartens Arche Noah waren wieder mit ihren Erziehern zu Nikolaus bei uns. Ich habe leider nicht alles mitbekommen, da ich nach 20 Minuten zur Logopädie musste. Aber was ich gesehen habe, war wirklich allerliebst.

Die Kinder sind immer voll bei der Sache und machten prima mit. Die Erzieher hatten auch wieder ein schönes Programm zusammengestellt. Es wurde gesungen. Unterstützend wurde das Lied auch von einer kleinen Aufführung begleitet. Dazu waren die Kinder auch leicht verkleidet. Sie trugen Ohren, die an einem Stirnband befestigt waren, passend zu dem Tier, das die Kinder darstellten. Die Ohren waren selbst gebastelt aus buntem Tonpapier.

Das Lied, was ich noch mitbekam, handelte davon, dass die Tiere den Stiefel für den Nikolaus packten.

Kita Arche Noah

 

 

Weihnachtsstimmung

pixabay.com – Geralt

Langsam aber sicher geraten auch wir hier im Gerhard Tersteegen Haus in Weihnachtsstimmung. Immer mehr Weihnachtsdekoration wird aufgebaut. Mittlerweile stehen schon diverse Weihnachtsbäume. Einer auf der Terrasse, einer im Innenhof und seit gestern auch einer unten im Speisesaal.

Die Bäume werden dann auch nach und nach dekoriert. So hat der erste, der auf der Terrasse steht erst Kugeln und seit gestern auch LED-Kerzen bekommen.

Die einzelnen Wohnbereiche sind auch schon wunderbar hergerichtet. Ich muss demnächst mal eine Rundreise machen und mir ansehen, wie es auf den einzelnen Etagen aussieht.

Wie ich gehört habe, haben manche Bewohner auch ihre Zimmer geschmückt. Zuerst dachte ich, ich werde in diesem Jahr nicht viel machen. Aber so langsam werde ich angesteckt. Schauen wir mal.

Außerdem hat die Tochter einer Pflegerin ihre Mutter wieder gefragt, wann sie denn wieder zum Basteln zu mir kommen darf. Wir haben schon einige Male zusammen gebastelt.

Nun ja, Schritt für Schritt wächst sie auch bei mir, die Weihnachtsstimmung. 😉

Studienkolleginnen wieder zu Besuch 2017

Sonntag war ein ganz besonderer Tag. Meine beiden besten Freundinnen und Studienkolleginnen aus der Bonner Zeit haben mich besucht.

Das halte ich nicht für selbstverständlich. Denn beide haben weiß Gott genug zu tun. Sie haben jede drei Kinder und einen Ehemann. Außerdem wohnen sie nicht gerade um die Ecke. B. wohnt am weitesten weg. Sie reiste Samstag zu U.. Gemeinsam fuhren sie dann heute noch eine gute Stunde mit dem Auto zu mir.

Sie kamen mit einem Drahtkörbchen voller Cellophan-Tütchen. Darin befand sich: Kröten, Kies, Mäuse, Kohle, Moos, Knete und Asche. Eine wundervoll kreative Art Geld zu verschenken!


Sie gratulierten mir nachträglich noch einmal zu meinem 50. Geburtstag. Dann luden sie mich zum Essen ein. Es ging in die Brasserie des Krefelder Hofs.

Dort wählten wir alle unterschiedliche Gerichte. Ich aß rheinischen Sauerbraten mit Rotkraut und Klößen, U. Poularde mit Spitzkohl und Pilz-Linguini und B. hatte Zander mit Rahmkraut und Drillingen. Alles sah bildschön aus und schmeckte hervorragend!

Beim Getränk zum Essen waren wir uns alle einig. Wasser. Nach dem Essen tranken wir dann alle noch einen Cappuccino oder Espresso.

Wir saßen gemütlich in einem noch recht leeren Restaurant, denn wir waren früh dort. Dadurch gab es noch keine große Geräuschkulisse. Das empfand ich als sehr angenehm.


Nach dem Essen fuhren wir wieder zurück zum Gerhard Tersteegen Haus. Dann machte ich eine kurze Mittagsruhe (ich war ziemlich kaputt) und die beiden Freundinnen einen Spaziergang. Das Wetter lud ja auch wirklich dazu ein!

Als die beiden zurück kamen, saßen wir noch gemütlich beisammen und plauderten.

Die Zeit verging viel zu schnell! Schade, dass wir uns nicht öfter als ein Mal im Jahr treffen!

La Brasserie Krefeld

Besuch im Krankenhaus

Letztens an einem der schönen Oktobertage fuhr ich mit meinem E-Rolli zum Helios Klinikum Krefeld und besuchte eine Freundin, die schon mehrere Wochen dort behandelt wird. Ich war froh, sie so guter Dinge anzutreffen. Denn es war lange Zeit nicht sicher, ob sie da wieder lebend raus kommt.

Jetzt konnte sie mir sagen, dass man sie bald entlassen will. Allerdings nicht nach Hause, sondern in ein Heim zur Kurzzeitpflege. Denn sie muss erst einmal 3 mal die Woche zu einer ambulanten Behandlung ins Krankenhaus. Sie hofft allerdings, dass das nur vorübergehend sein muss.

Als sie mir am Telefon erzählte, wie ich ihre Station finden könne, meinte sie nur, das Gebäude sei von außen orange. Wie man auf den Fotos sehen kann, stimmt es! 😉



Mittlerweile ist sie an ihrer neuen Behausung angekommen und das Wetter ist längst nicht mehr so schön. Wenn ich mir noch einmal die Fotos ansehe, kann ich es kaum glauben, dass das auch im Oktober war. *seufz*

Waffeln am Tag der deutschen Einheit

Am Dienstag war Tag der Deutschen Einheit. Der 3. Oktober ist seit 1990 ein gesetzlicher Feiertag in Deutschland. Daher war die Stimmung eher sonntäglich bei uns im Gerhard Tersteegen Haus.

Morgens gab es Rosinenweißbrot und Mandelweißbrot statt Brötchen. Veranstaltungen fielen aus.

Das Therapiezentrum war geschlossen, daher also keine Therapieeinheiten.

Draußen war es sehr ruhig auf den Straßen. Die arbeitende Bevölkerung nutzte den Brückentag, um Kurzurlaub zu machen.

Ebenfalls wie am Wochenende hatten viele Bewohner Besuch.

Am Nachmittag buken Frau Domke und Herr Regels frische Waffeln zum Kaffee. Wer mochte, konnte eine Waffel mit heißen Kirschen und Sahne bekommen.

Es schmeckte so wunderbar, dass viel mehr Waffeln nachgefragt wurden, als angefertigt werden konnten. Aber das Team Domke/Regels vom Sozialdienst war ideenreich und servierte den Nachzüglern Eis (denn davon war zum Glück genug da). So kam dann doch jeder auf seine Kosten.



Tag der Deutschen Einheit – Wiki