Fahrende Falknerin

pixabay.com – Peter Kraayvanger

Gestern erfuhr ich, dass heute Nachmittag die mobile Falknerin, Frau Sabine Ehmanns-Kramp mit ihren Tieren bei uns im Gerhard Tersteegen Haus sein wird.

Ich bin schon sehr gespannt, was wir da zu sehen bekommen werden.

Auf jeden Fall will ich Fotos machen und anschließend davon erzählen!

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Und dann kam sie schon heute! – Teil 2

Christi Himmelfahrt war so ereignisreich, dass es sich lohnt, noch etwas mehr davon zu berichten.

Im ersten Teil berichtete ich bis zum Mittag. Da wir ja einen Feiertag hatten, gab es ein besonderes Mittagessen:


Dazu gab es trockenen Weißwein.



Mein Spargel war schon in Stücke geschnitten. Die ganzen Stangen sehen natürlich schöner aus. Aber das Schneiden schaffe ich nicht allein. 😏


Alles war köstlich! Sogar Frau Ga. hat noch einmal nach genommen! Es passierte ein Wunder. Wo sie sonst kein gutes Haar an den Speisen hier lässt, sagte sie gestern tatsächlich, es habe gut (!!! man höre und staune!!!) geschmeckt… alles! (Diesen Tag wird sich die Küche rot im Kalender anstreichen!!!)

Allgemein waren wir begeistert von dem guten Essen! Jetzt freuen wir uns auf Pfingsten oder Fronleichnam. Da gibt es bestimmt noch einmal Spargel.

Nach dem köstlichen Mittagessen  musste ich mich ein klein wenig ausruhen.

„Wieso bist du denn müde? ICH bin doch die ganze Zeit gelaufen! Du sitzt doch!“, sagte X. .

Wie soll ich einer 7-Jährigen die Fatigue erklären? Das verstehen ja schon die Erwachsenen nicht!

„Wenn du willst, kannst du in meinem Zimmer bleiben“, sagte ich zu ihr, „Ich muss mich nur für eine Viertelstunde aufs Bett legen!“

Erleichtert packte sie ihre Buntstifte aus und fing an zu malen.

Doch ich hatte keine richtige Ruhe und bald war ich wieder am Tisch. (Das lag einzig allein an mir. X. war total still.) „Was hast du dir überlegt? Was wollen wir denn basteln?“, fragte ich.

X. linste über den Tisch. Dort hatte ich noch ein paar Würfel liegen. „Ich möchte einen Würfel basteln!“, sagte X. sehnsüchtig. Das machten wir dann auch. Wir machten sogar zwei! Einen großen und einen kleinen!


So hatten wir einen vollen, schönen Tag erlebt.

„Kann ich morgen wiederkommen?“, fragte X..“Nein“, war die Antwort von mir und auch von der Pflegerin, „Gerne kannst du wiederkommen, aber nicht morgen. Das ist mir zu anstrengend!“

Und dann kam sie schon heute!

Heute Morgen sagte die Pflegerin zu mir: „Ach übrigens… X ist schon da! Sie wollte unbedingt heute schon mitkommen. Sie sitzt vorne am Pflegestützpunkt und malt. Am liebsten wäre sie gleich mit zu Ihnen ins Zimmer gekommen. Doch da sagte ich ihr, sie müsse noch ein wenig warten!“

„Wirklich? Ihre Tochter ist heute mitgekommen?“, fragte ich ganz überrascht.

„Ich war ja auch überrascht. Heute ist ja Feiertag. Da hätte sie auch mit meinem Mann (dem Vater) zu Hause bleiben können. Doch sie wollte unbedingt mit!“

Jetzt kümmerte die Pflegerin sich erst einmal um mich. Als ich frisch geduscht war, steuerte ich mit meinem Aktiv-Rolli erst einmal den Pflegestützpunkt an. Ich war noch nicht ganz da, da sprang mir die Kleine entgegen und rief: „Hallo!“

Mir schoss durch den Kopf, was Erwachsene immer über Kinder denken die sie länger nicht gesehen haben: „Ui! Ist sie groß geworden!“

Fröhlich und ein Ausbund an Energie kam sie mir entgegen.

„Hallo X, schön, dass du da bist!“, sagte ich, „Ich gehe jetzt erst einmal nach unten in den Speisesaal, frühstücken. Wenn ich zurück bin, zeige ich dir, was wir zusammen basteln könnten.“

„Au ja!“, sprudelte die Tochter der Pflegerin, „bis gleich!“

Als ich wieder zurück war, zeigte ich ihr, was wir alles basteln könnten. Andächtig schritt sie durch mein Zimmer: „Hast du das alles selber gebastelt?“

„Ja, in der Ergotherapie. Die Therapeutin hat mir aber viel geholfen!“, so viel Ehrlichkeit musste sein.

X. konnte sich nicht entscheiden. Daher packte ich zuerst einmal ein Rätsel-Blatt aus. Verschiedene Obst- und Gemüsesorten mussten ausgemalt werden. Dann sollten die Namen in einem Buchstabengitter gefunden werden. Guckt mal >>hier<< rein!

Dann wurde es 10.00 Uhr und meine Eltern kamen. Da ich ja dachte, X. käme erst morgen, hatte ich zugesagt, als sie mich fragten, ob sie mich Himmelfahrt besuchen könnten. Da ich ja eigentlich vorgehabt hatte, mit ihnen bei gutem Wetter raus zu gehen, fragte ich X., ob sie mitkommen wolle. Wir würden an einem nahe gelegenen Spielplatz vorbei kommen. Das Argument zog! Dass es meinen Eltern eine Freude sein würde, wenn wir zu viert losziehen würden, davon war ich überzeugt.

Wir verbrachten eine sehr schöne Zeit zusammen und zogen eine Stunde durch die nähere Umgebung bei traumhaft schönem Wetter. ½ Stunde vor dem Mittagessen waren wir zurück im Gerhad-Tersteegen-Haus.

>>>Morgen erzähle ich weiter!<<<

Meine „alte“ Freundin

Letztens erzählte mir die Pflegerin morgens von ihrem Gespräch mit ihrer 7-jährigen Tochter.

„Freitag kann ich mich aber nicht um dich kümmern, wenn du da mitkommen möchtest. Da habe ich sehr viel zu tun auf der Arbeit“, sagte sie.

„Ach, das ist nicht so schlimm“, sagte die 7-Jährige (im Oktober wird sie schon 8!), dann gehe ich zu meiner alten Freundin! Dann basteln wir was.“

Zu Weihnachten 2014 hatte ich Sterne mit ihr gebastelt.

„Alte“ Freundin kann man auf zwei Ebenen sehen:
1. alt an Lebensjahren – das bin ich für 7-Jährige auf jeden Fall. Immerhin wohne ich  ja in einem Altenheim.

2. Alte Freundin sagt man ja auch schon mal, wenn die Freundschaft schon lange besteht.

Doch ich denke, ich bin für sie alt an Jahren. 😉 Ich bin gespannt, ob sie kommt. Auf alle Fälle habe ich mir schon mal überlegt, was wir basteln können. Vielleicht das hier:

Sterne basteln – Dezember 2014

Oder, weil einfacher: Marienkäfer basteln

Studienkolleginnen zu Besuch

Gestern hatte ich Besuch von zwei Studienkolleginnen. Damals in Bonn machten wir vieles gemeinsam. Sie zählen nach wie vor zu meinen engsten Freundinnen. Immerhin kennen wir einander seit fast 30 Jahren. Mittlerweile hat es uns jede in eine andere Stadt der Republik geführt. Trotzdem mailen, whatsappen, telefonieren wir nach wie vor miteinander. Und ein Mal im Jahr versuchen wir, uns real zu treffen.

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Seit die Multiple Sklerose mich ins Pflegeheim gebracht hat, besuchen die beiden mich immer hier im Gerhard-Tersteegen-Haus. Ich bin ihnen unendlich dankbar dafür. Immerhin haben beide ihre eigene Familie (jede hat 3 Kinder und einen Ehemann!). Jede arbeitet zusätzlich und beide haben eine ganze Menge an Kilometern hinter sich zu bringen.

Wie jedes Jahr ist es immer sehr schön, wenn wir uns wieder sehen. Wir haben einander viel zu erzählen, eventuell Fotos zu zeigen. Wir schwelgen in Erinnerungen an unsere gemeinsame Studienzeit, an gemeinsame Urlaubsfahrten.

So schön es auch immer ist, so bin ich doch nach unserem gemeinsamen Mittagsmahl immer total platt. Dann freuen sich meine Eltern immer darauf, die beiden Frauen wieder zu sehen. Sie kommen dann zum GTH und die 4 gehen auf einen gemeinsamen Kaffee in die Innenstadt. Ich nutze die Stunde, mich auf meinem Bett auszustrecken und zu regenerieren. Wenn sie dann wieder im Gerhard-Tersteegen-Haus sind, bin ich bereit für die letzte Runde.

Zum Abschluss möchte ich ein Zitat von Marie von Ebner-Eschenbach bemühen:

Wirklich gute Freunde sind Menschen, die uns ganz genau kennen, und trotzdem zu uns halten.
Quelle

Die Nichte von Frau W.

Ich muss sagen, dass ich Frau W. und Frau M. ziemlich vermisse, seit sie nicht mehr im Speisesaal essen, sondern oben auf den Wohnbereichen. Es war immer sehr lustig mit den beiden bei uns am Tisch.

Doch über Frau W. erfahre ich trotzdem immer wieder Neuigkeiten, weil sie mit U. ein Doppelzimmer bewohnt.

Auch U. konnte Frau W. schon als sehr chaotische, liebevolle, eigensinnige Person kennenlernen. So kam sie zum Beispiel letztens behände an U.s Bett und umarmte sie ganz freundlich und drückte sie, bevor sie dann wieder in ihr eigenes Bett stieg.

Außerdem musste sie ebenfalls feststellen, dass man nichts offen herumliegen lassen darf, denn Frau W. kann alles gebrauchen. Sie sammelt es ein und räumt es in ihren eigenen Schrank. Sie ist dann überzeugt, dass es ihre eigenen Sachen sind.

Frau W. leidet an einer beginnenden Alzheimer-Demenz. Manchmal überfordert es U., mit Frau W. umzugehen. Aber sie lernt schnell und hat die liebevolle Dame in ihr Herz geschlossen.

Frau W. hat noch eine lebende Verwandte, ihre Nichte. Von ihr bekommt sie regelmäßig Besuch. Die Nichte räumt dann Frau W.s Schränke auf. Dort findet sich alles Mögliche, was nicht dort hingehört: fremde Wäsche, fremde Gegenstände, Nahrungsmittelreste – oft schon alt und unansehnlich – wie zum Beispiel ein angebissenes Brot oder einen angebissenen Apfel.

Jetzt war die Nichte für einige Wochen nicht mehr zu Besuch gewesen. Sie war in Urlaub gewesen. Doch heute war sie endlich wieder da. (U. war ganz erleichtert.) Es begann also das große Reinemachen. Das war wohl auch wirklich nötig. 😉

Überraschungsbesuch

Montagabend saßen Frau K., Frau S., U. und ich beim Abendbrot, als sich plötzlich eine schlanke Frau geheimnisvoll unserem Tisch näherte.

Ich entdeckte sie als erste. Die Dame hielt einen Finger vor die Lippen. Sie deutete mir an, ich solle nichts sagen. Meine Gedanken kreisten, versuchten zu ergründen, wer das wohl sei.

Ah! … Jetzt fiel es mir ein! … Natürlich schwieg ich! 🙂 Es war Frau S.s Tochter aus München!

Dann hatte sie ihre Mutter erreicht und legte die Arme um sie.

War das eine Überraschung!

Frau S. war wirklich vollkommen verblüfft!

Als sie realisierte, dass ihre Tochter da war, stahl sich ein Lächeln auf ihr Gesicht. Sie war so glücklich!!! 🙂 Sie war verwirrt, sprachlos und schwebte im siebten Himmel!

Wie haben wir damals in der Schule immer gesagt? : „Wenn sie keine Ohren gehabt hätte, würde sie im Kreis lachen!“ 😀