Berufsethos der Bettler

„Was soll das denn?“, werdet ihr euch fragen.

„Ist Bettler denn ein Beruf?“

Bettler werden doch oft als Schmarotzer wahrgenommen.

Wie komme ich überhaupt auf den gewagten Beitrags-Titel?

Das kommt von dem Erlebnis das ich Freitag hatte.

<Touristenführerton an> Der Hauptbahnhof Krefeld hat einen Nord-Ausgang der hinaus auf den Ostwall, eine der Prachtstraßen der Stadt führt. Es gibt in jeder Himmelsrichtung einen Wall: Ostwall, Nordwall, Westwall und Südwall. Sie umschließen das Herz der Innenstadt Krefelds. <Touristenführerton aus>

Unterhalb der Gleise, also vom Nordausgang zum Südausgang kann man vom einen zum anderen durch einen hellen Tunnel laufen. Dort sitzen immer jede Menge Menschen, die die vorbei laufenden Leute um eine Spende bitten.

Vor mir liefen zwei junge Männer, zügig ihre Fahrräder schiebend. Sie liefen an einem jungen Bettler vorbei, würdigte ihn keines Blickes. Wie oft bin ich schon genau so an Bettlern vorbei gegangen… Das waren bestimmt nicht die ersten, die so an ihm vorübergegangen sind. Ich fuhr auch erst mit dem E-Rolli an ihm vorbei. Doch dann tat er mir Leid. Ich wendete den E-Rolli und fuhr zurück.

„Wenn alle an Ihnen vorbei gehen und nicht spenden, dann will zumindest ich Ihnen etwas geben“, meinte ich.

„Nein, nein“, wiegelte er ab.

„Sie wollen nicht?“, fragte ich.

„Das kann ich so nicht sagen. Aber das ist ein ungeschriebenes Gesetz unter meinesgleichen. Wir betteln Leute wie Sie nicht an“, ließ er mich wissen.

„Dann wollen Sie also wirklich nichts?“, ungläubig wollte ich mein Portemonnaie wieder einstecken.

Gequält schaute er mich an.

„Na, dann vergessen wir mal Ihr ungeschriebenes Gesetz“, meinte ich. Ich schaute in das Kleingeldfach meines Portemonnaies entnahm ein Euro-Stück.

Der junge Mann freute sich sehr. Er bedankte sich vielmals. Es tut mir immer so Leid, wenn ich sehe wie viele Menschen es gibt, die durch Drogen ihr Leben versauen!

Bild von RenoBeranger auf  Pixabay

Kriegskind

Abhängig, Ausgeliefert, Hilflos

Ich bin so abhängig von den Ärzten.

Ich würde mir wünschen, dass sie sich in ihre Patienten reinfühlen, dass sie merken, dass der ein oder andere jetzt Hilfe braucht.

Wenn der eigentliche Neuro in Urlaub oder wegen Fortbildung nicht vor Ort ist und eine Vertretung hat, ist er vielleicht in dringenden Fällen per Telefon erreichbar, zumindest für seine Vertretung.

Wenn das nicht möglich ist, sollte die Vertretung auch bei kniffeligen Fällen eigenverantwortlich handel dürfen.

Denn der Patient fühlt sich den Ärzten ausgeliefert und hilflos.

Ich bin da nur so ein armes, kleines, ausgeliefertes Würstchen.

So zucken meine Beine lustig (das ist gar nicht lustig) vor sich hin. Das tut weh und ist so heftig, dass ich schon 1x aus dem Rolli gefallen bin. 😣

 

Mobilitätsverzicht

Dieses Wort ist momentan in aller Munde. Gemeint ist hier in der Welt der Gesunden der Verzicht aufs Auto. In der immer stärker belasteten Umwelt fängt die junge Generation an, sich ernsthaft Gedanken zu machen, wie wir diesen Planeten noch retten können.

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Von Anders HellbergEigenes Werk, CC BY-SA 4.0, Link

Als Galionsfigur ist hier die schwedische Schülerin Greta Thunberg, die Gründerin von #FFF Fridays For Future, zu nennen. Was ursprünglich damit begann, dass sich Greta Freitags vor ihre Schule setzte, um sich für möglichst umfassende, schnelle und effiziente Klimaschutz-Maßnahmen einzusetzen, ist mittlerweile zu einer weltweiten Bewegung geworden, der sich auch Erwachsene angeschlossen haben.

Soviel zur „normalen“ Welt der Gesunden.

Doch Mobilitätsverzicht spielt auch eine Rolle in der Welt der Alten und der Welt der Kranken.

Stück für Stück geraten wir immer mehr zum Bittsteller. In selber Weise, in der wir immer mehr aufgeben müssen, geraten wir in die Rolle der Bittsteller, der Abhängigen, der auf Großzügigkeit anderer Angewiesenen. Das fühlt sich nicht gut an.

Richtig hart wird es, wenn die neu erworbenen Hilfsmittel, die einem einen kleinen Grad an Selbstbestimmung und Mobilität ermöglichten, drohen uns zu überfordern und somit bald nicht mehr genutzt werden können.

Das trifft mich momentan nicht. Gott sei Dank!

Aber ich beobachte das bei anderen Bewohnern.