Pflegeheim ist kein Krankenhaus

Schon früh machte ich diese Feststellung. Anfangs störte mich das sehr. Doch das Pflegeheim ist das Zuhause, in dem den Bewohnern Hilfe bei der alltäglichen Versorgung gegeben wird.

Wenn ein Bewohner etwas an frei verkäuflichen Arzneimitteln benötigt, zum Beispiel Heparinsalbe bei blauen Flecken durch Sturz oder wegen einer wüsten Blutentnahme, dann muss er sich das selber kaufen. Es kann bei der Apotheke bestellt werden und wird einem dann geliefert. Aber man muss darauf warten.

Oder der Bewohner hat einen grippalen Infekt. Dann werden Nasenspray und Schleimlöser bei der Apotheke bestellt. Die liefert dann aber man muss darauf warten.

Im Krankenhaus gab es immer alle Medikamente sofort und man musste auch frei verkäufliche Medikamente nicht selbst bezahlen. Das war in der Krankenhausabrechnung mit drin.

Der monatliche Beitrag, den ich im Pflegeheim zahle, enthält das nicht. Da zahle ich für:

  • Vollstationär Pflege je nach Pflegegrad
  • Ausbildungsumlage gem. AltPflAusglVO
  • Vollstationär Unterkunft/Verpflegung
  • Dauerpflege Invest EBZ-Monat (keine Ahnung, was das ist???)

Die Pflegekasse zahlt einen gewissen Beitrag, der vom Pflegegrad des Bewohners abhängt.

Auf jeden Fall ist der Betrag, den ich monatlich an das Heim zahlen muss höher als meine Einnahmen durch die Rente. *seufz*

Kaffeerunde wird immer größer

Meine Kaffeerunde nach dem Mittagessen erfreut sich immer größerer Beliebtheit.

Der harte Kern besteht aus Herrn H. und mir, meistens auch Frau V.. Doch mittlerweile zählt auch Frau M. oft dazu.

Da wir alle gehbehindert sind und Rollator oder Rolli haben, ist das Zimmer irgendwann wegen Überfüllung geschlossen.

Letztens habe ich tatsächlich Kaffee für 6!!! Leute gemacht. Das ging aber nur, weil ein gesunder dabei war und Frau G. im Nachbarzimmer im Bett lag. Sie war krank. Daher habe ich ihr den Kaffee frei Haus geliefert.

Hier ein Bild vom harten Kern:

 

Nach langer Zeit mal wieder im TV

Am vergangenen Dienstag hatte ich Besuch von einem Fernsehteam des WDR. Der Journalist macht die Beiträge der Reihe „Lebenslinien“ für die „Lokalzeit am Samstag“.

Er ist durch meinen Blog auf mich aufmerksam geworden. Er möchte einen Beitrag in der Reihe „Lebenslinien“ mit mir machen. Das werden dann 5 Minuten! Ich steigere mich also mit der Länge des Beitrags. 😉

Nachdem wir lange immer wieder in großen Abständen miteinander telefoniert hatten, konnte ich Dienstag der Stimme endlich ein Gesicht zuordnen. Ich erlebte keine Enttäuschung. Stimme und Mensch sind gleichermaßen sympathisch. 😉

Damit begann um 9:00 Uhr ein sehr langer Tag für mich. Ich bekam zwar eine Stunde Mittagspause (in der ich auch prompt einschlief). Doch es wurde fast 19:00 Uhr, bis wir das Tagwerk beendeten. Aber ich wollte unbedingt, dass wir das einmal angefangene Interview fertig machten. Denn wer weiß, wie es mir eine Woche später gehen wird. Und am vergangenen Dienstag ging es mir echt gut!

So haben wir Dienstag wirklich viel geschafft. Allerdings hat mich das ganze sehr angestrengt. Ich brauchte 2 Tage, bis ich mich davon erholt hatte!

Jetzt fehlen nur noch ein paar Kleinigkeiten. Doch das soll nicht mehr so anstrengend werden, wurde mir gesagt. Dazu brauchen sie am nächsten Dienstagnachmittag nur noch ca. 2 Stunden.

Wenn ich weiß, wann das ganze im TV erscheint, sage ich Bescheid!

Reality-Show live

Ursprünglich veröffentlicht Mai 26, 2014

Es passiert eine Menge hier im Haus. Doch die zwischenmenschlichen Begegnungen machen das Ganze interessant. So geschieht es, dass sich Menschen zusammenfinden und Freundschaften knüpfen, verfeinden, verlieben, miteinander lachen und weinen, Geschichten austauschen. Wir haben hier so zu sagen die Reality-Show live, im Speisesaal, im Garten, bei den einzelnen Veranstaltungen. Hier ist immer etwas los!

Auch die Polizei ist ab und zu mal im Haus. Wie zum Beispiel letztens, als eine demente Bewohnerin aus dem Haus weglief und die Nachtschwester die Polizei rufen musste, um sie zu suchen und wieder nach Hause zu bringen. Denn das Weglaufen demenzbetroffener  Menschen kann katastrophale Folgen haben.

Zuerst musste die Polizei das ganze Heim durchsuchen. Dazu musste sie in alle Zimmer, mitten in der Nacht. Als sie dort nicht fündig wurde, setzten die Beamten die Suche draußen fort. Es dauerte eine ganze Zeit lang, bis sie die Dame fanden und sie zurückbringen konnten. Sie war schon recht weit gekommen! Gott sei Dank war sie wohlauf und es war ihr nichts passiert.

Wegweiser Demenz

Gedenkfeier für unsere Verstorbenen März 2019

Circa 2 bis 3 mal im Jahr findet eine Gedenkfeier für verstorbene, ehemalige Bewohner des Gerhard Tersteegen Hauses in der Kapelle des GTH statt. Vergangenen Donnerstag war es wieder so weit. Diese Feiern werden immer von der Leitung des Sozialen Dienstes (Frau Faust und/oder Frau Kubens) vorbereitet und dann durchgeführt.

Das zentrale Thema, um das herum die Feier aufgebaut war, war ein Satz aus der Offenbarung des Johannes. Dort steht in der Bibel: Ich habe euch eine Tür aufgetan, die niemand verschließen kann.

Ich finde das sehr tröstlich, dass ein Verstorbener nur eine Tür durchschritten hat, um weiter zu gehen in eine neue Sphäre.

Frau Kubens hatte Bilder, Gedichte, Lieder zusammengetragen, in denen es immer wieder um Türen ging. Wir lasen, sangen, tauschten uns aus.

Zuletzt wurden die Verstorbenen mit Namen genannt. Über jeden wurde etwas erzählt, was typisch für sie / ihn war. Dann wurde ein Teelicht für sie / ihn angezündet.

Zum Abschluss gab es Musik – Albinoni’s Adagio in g-moll für Streicher und Orgel. Das ließ bei vielen Bewohnern noch einmal die Tränen fließen.

Es war eine würdige Gedenkfeier voller Liebe und Gefühl.

Post von Tom Köhler

Letzte Woche erreichte mich eine ganz wunderbare Post. Auf Umwegen. Das kam so:

In der Krefelder Innenstadt war wegen einer Bombenentschärfung teilweise gesperrt. Daher konnte mir das Paket nicht zugestellt weder. Am nächsten Tag kam der Abholzettel mit der Post. Der entsprechende Abholort war für mich relativ weit entfernt. Hmpf…

Das bekam eine Pflegekraft mit und meinte: „Das ist ganz bei mir in der Nähe! Wenn Sie bis morgen Zeit haben, bringe ich es Ihnen morgen mit, wenn ich wieder zur Arbeit komme.“

Das war ein Angebot, dem ich nicht widerstehen konnte. Am folgenden Tag überreichte sie mir einen großen Umschlag. Größer als ein Zeichenblock! Der Absender war Tom Köhler, der Architekturfotograf, der wunderschönen Bilder von Hamburg macht, den ich über den Blog virtuell kennengelernt hatte.

https://abendfarben.com/

In dem Umschlag waren 8 große Fotografien – Motive aufgenommen in Hamburg. Sie gehörten zu einer Ausstellung, die er mal gemacht hatte. So stand es auf dem kurzen Gruß-Zettel.

Ich habe mich sehr über diese Post gefreut! Und jetzt werden die Fotografien demnächst wieder ausgestellt werden, hier im Gerhard Tersteegen Haus!

Immerhin wohne ich auf dem Wohnbereich wo an der Tür steht „Kunst kommt zu Senioren“.

 

Die Engelsgeduld der Angestellten

Ursprünglich veröffentlicht Juli 31, 2014

Thomas Siepmann / pixelio.de
Thomas Siepmann / pixelio.de

Gestern beim Abendessen habe ich sie wieder bewundert: Die Engelsgeduld der Angestellten. Diesmal die Geduld der Damen der Hauswirtschaft, die unten im Speisesaal die Bewohner bedienen.

B. fragte Frau D., die im Rollstuhl sitzt und sich nicht allein am Buffet das Abendessen zusammenstellen kann, was sie essen wolle.

„Ja… wat ham se denn…?“

Diese Frage stellt sie immer.

„Wir haben Nudelsalat“, antwortete B..

„… Wat… ?“

„Nudelsalat.“

Jeden Abend gibt es zusätzlich zum üblichen Brot und Aufschnitt oder Käse eine wechselnde Abendbeilage. Es wechselt sich dort Süßes mit Salzigem ab. Oft gibt es sogar beides.

„Nur Nudelsalat?“, fragte Frau D. ganz enttäuscht, „kein Brot?“

„Doch, natürlich, auch Brot und Käse und Wurst“, sagte B. immer noch freundlich.

„… Auch Brot… Wat denn für Brot?“

„Na Weißbrot, Graubrot, Körnerbrot, Schwarzbrot…“, kam die geduldige Antwort.

„Nä… Schwarzbrot mag ich nich..“, mault Frau D..

„Weißbrot?“

„… Ja… Weißbrot… aba nur ne hallebe Schnitte… ich kann nich so viel essen… abends…“

Frau D. isst nie viel.

„Halbe Schnitten gibt es nicht“, sagt B., wie jeden Morgen und Abend. „Dann lassen Sie die andere Hälfte liegen.“

„… Ja… die lass ich liejen… die kann dann die alte Frau haben…“, die übliche Antwort. Sie denkt immer, eine andere Bewohnerin, die an ihrem Platz vorbei geht, wahrscheinlich eher jünger als sie selbst, sei eine „alte Frau“, die für die übrig gebliebenen Speisen kommt.

B. macht sich auf den Weg zum Buffet und kehrt zurück mit einem liebevoll zusammengestellten Teller.

„Nä… zwei Scheiben ess ich nich“, mault Frau D..

„Ich habe nur eine geholt“, sagt B. und beginnt, der Weißbrotscheibe die Ränder abzuschneiden.

„Nä, ich will nur eine!“ Frau D. ist da sehr entschlossen und greift auf den Teller.

„Nicht! Das ist kein Brot! Das ist der Aufschnitt!“ B. versucht den Aufschnitt zu retten.

„Ach so… „, Frau D. lässt den Aufschnitt zurück auf den Teller fallen.

Seelenruhig beendet B. den Brotteller. Außerdem hat sie auch ein kleines Schüsselchen mit Nudelsalat mitgebracht. „So“, sagt sie und schiebt alles an Frau D.s Platz. „Bitte schön!“

„So viel??? Dat kann ich nich alles essen!“, entrüstet will sie den Teller wieder von sich schieben. Doch dann fängt sie doch an, ein wenig zu essen. Immerhin!

Ich bewundere die Geduld der Angestellten, dass sie die Ruhe bewahren und meist freundlich bleiben. Toll!

By TG| Published September 23, 2011
By TG | Published September 23, 2011