Er hat es geschafft

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Samstagmorgen starb mein Vater.

Nach drei leidvollen Wochen fand er endlich Erlösung.

Er hat gekämpft.
Mit dem Tod gerungen.
Wollte nicht sterben.

Doch dann fand er endlich den Weg.
In das erlösende Reich Gottes
Jetzt ruht er in Frieden.

Die Schwestern im Krankenhaus kümmerten sich rührend drei Wochen lang um ihn.
Zuletzt stellten sie nach Nachfrage bei meiner Mutter ein kleines Windlicht mit einem
Liedtext (EG 652, Von guten Mächten treu und still umgeben) von Dietrich Bonhoeffer auf den Nachttisch.

Die beste aller Ehefrauen

Eine schwere Stimmung umgab ihn wie eine schwarze Wolke.

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Herr H. kam Samstagmorgen in den Speisesaal zum Frühstück…

Er ging fast schwankend…

Vorsichtig setzte er einen Fuß vor den nächsten…

Ich begrüßte ihn mit einem herzlichen: „Guten Morgen, Herr H.!“

Sein Blick schaute kurz auf. Dann ging er vorsichtig weiter. Seine Worte trafen mich wie ein Keulenschlag: „Meine Frau ist gestern Abend gestorben.“

 

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Als er seinen Platz erreicht hatte, liefen schon die Tränen.

Ich setzte meinen E-Rolli in Bewegung und rollte zu ihm. Dann umarmte ich ihn.

„Danke“, stammelte er. „Sie war ein wunderbarer Mensch…

… dachte immer an andere. Sie selbst war nicht so wichtig, meinte sie“, sagte er und wischte sich die Tränen aus den Augen.

„Das ist wahr“, stimmte ich ihm zu: „Sie sorgte immer auch für Sie, wenn sie beide zum Frühstück kamen!“

Es rührte mich immer, wenn die beiden kamen und sich erstmal ein Küsschen gaben.

Die beiden waren nicht lange im Gerhard Tersteegen Haus. Sie war 85, er ist 86. Sie waren 67 Jahre verheiratet.

 

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Ein kostbares Geschenk

Man trägt das vergangene Schöne nicht wie einen Stachel, sondern wie ein kostbares Geschenk in sich.(Friedrich Bonhoeffer)

So empfinde ich es, dich kennengelernt zu haben, liebe M.!

Wir hatten nur wenige Jahre in denen wir beide als Bewohner im Gerhard Tersteegen Haus wohnten. Nun hast du deine letzte große Reise angetreten.

Montag Mittag verstarb Frau M. K. im Alter von 60 Jahren.

Wir wohnten beide auf dem selben Flur im Gerhard Tersteegen Haus. Sie hatte ein schweres Leben, gebeutelt von ihrer schweren Erkrankung. Seit ich sie kenne, war sie bettlägerig. Doch sie war fast immer fröhlich und freundlich. Manchmal besuchte ich sie in ihrem Zimmer und wir redeten miteinander.

Von ihren Eltern, die sie täglich besuchten, erfuhr ich, dass sie bereits in sehr jungen Jahren (7 Jahre alt) wegen eines Tumors im Kopf operiert wurde. Das war die erste von vielen Operationen. Sie verbrachte viel Zeit in Krankenhäusern.

Ihr Bruder M. ergänzte: “Nach der 1. OP im Alter von 7 Jahren bekam sie Kobalt-Bestrahlungen. Und alle, die als Kinder nach einer Gehirn-OP mit diesen Strahlen behandelt worden sind, bekamen wieder Tumore. Nur wußte man dies in den 60er Jahren leider überhaupt nicht. Und nur max. 3 Menschen auf dieser Erde haben dieses unglaubliche Schicksal mit 8 Gehirn-OPs und vielen Bestrahlungen gehabt wie meine Schwester. Sie war wirklich ein Engel auf Erden.”

Trotzdem machte sie ihren Realschulabschluss. Sie machte eine Ausbildung zur Schreibkraft und arbeitete viele Jahre in diesem Beruf bei der Firma Bayer-Uerdingen.

Sie heiratete einen viel älteren, reisefreudigen Mann. Durch ihn machte sie viele interessante Reisen, sah viel von dieser Welt. Doch leider starb er, für sie viel zu früh.

Eine Kraft-Quelle für sie war ihr unerschütterlicher christlicher Glaube. Sie verpasste kaum einen Gottesdienst in der Kapelle des GTH. An den Wochenenden ohne Gottesdienst im Haus verfolgte sie Gottesdienste im Fernsehen.

Ich wünsche ihr, dass es ihr gut geht, wo auch immer sie nun sei. Sie hat es auf jeden Fall verdient!

 

Letzte meiner ersten Tischfamilie ist verstorben

Als ich im August 2013 ins Gerhard Tersteegen Haus einzog, war „mein Tisch“ unten im Speisesaal mit sechs Personen voll besetzt. Natürlich waren alle anderen fünf wesentlich älter als ich. So ist es nicht ungewöhnlich, dass meine Tischfamilie sich immer weiter verkleinerte. Klar, das Gerhard Tersteegen Haus ist ein Pflege- und Altenheim.

Zwischenzeitlich war auch Frau Ga. für gut zwei Jahre ein Teil der Tischfamilie. Sie passte einfach gut dazu. Aber sie verstarb auch in diesem Jahr, am ersten August.

Wenn die Bewohner geistig und körperlich noch verhältnismäßig fit bleiben, nehmen sie noch lange unten im Speisesaal die Mahlzeiten ein.

Doch viele Bewohner leben noch länger, nehmen dann ihre Mahlzeiten auf ihrem Wohnbereich ein, wo ihnen mehr Hilfe gegeben werden kann. Oder wo ihr Ess- und Trinkverhalten besser beaufsichtigt werden kann. Schließlich soll keiner verhungern oder verdursten.

Frau St. war die letzte der Damen an meinem Tisch, die verstarb.

Sie war schon seit geraumer Zeit nicht mehr unten im Speisesaal. Nun ist auch sie eingeschlafen.

Geboren 1924, hatte sie ein langes Leben hinter sich. Sie war groß und schlank und sah auch als alte Dame immer noch sehr adrett und gepflegt aus. Sie sagte oft, es sei ein großes Geschenk, dass es ihr noch bis ins hohe Alter hinein so gut gehe. Sie war sehr bescheiden! Denn auch sie beutelten mehrere Krankheiten.

Hier ist mein Beitrag über ihren Beruf früher. <<klick

Ja, es tut weh, dass die Damen meiner anfänglichen Tischfamilie jetzt alle verstorben sind. Aber ich bin sehr froh, sie kennengelernt zu haben und sie einen Teil ihres Lebensweges begleitet zu haben!

R.I.P. Frau K., Frau M., Frau W., Frau V., Frau St.

Friedlich eingeschlafen

In der Nacht von Freitag auf Samstag ist Frau Ga. friedlich eingeschlafen. Als ich Samstagmittag davon erfuhr, war ich ganz schön getroffen

Frau Ga. an ihrem 90. Geburtstag Nov. 2015

Sie saß seit ein paar Jahren an meinem Tisch im Speisesaal. Bald kam sie nur noch mittags. Da wird den Bewohnern das Essen tellerweise an den Tisch gebracht.

Morgens und abends muss man sich im großen Speisesaal am Buffet bedienen. Da geriet die kleine Frau Ga. einmal unter die Räder einer Rolli-Fahrerin. Seitdem aß sie morgens und abends lieber auf ihrem Wohnbereich (WB).

Seit Mitte der Woche kam sie nicht mehr runter. U., Frau F. und ich vermissten sie.

Also fuhr ich Donnerstag auf ihren WB, um nach ihr zu sehen. Matt saß sie in ihrem Zimmer, sprach aber ganz aufgeweckt mit mir.

Freitag nach dem Mittagessen besuchte ich sie wieder. Wir mussten ja den Speiseplan ausfüllen. Wieder erschien sie mir sehr matt. Aber es war ja auch unerträglich heiß! Über 30° C..

„Ich weiß nicht, wann ich wieder runter komme“, meinte sie ganz müde zu mir.

Ich riet dazu, viel zu trinken und es ruhig angehen zu lassen. Was man halt so sagt, wenn man hilflos zusehen muss, wie eine zarte, kraftlose Person, die einem ans Herz gewachsen ist, sehr unter der Hitze leidet.

Dann erfuhr ich am Samstag, dass sie in der Nacht eingeschlafen sei.

Eine humorvolle, liebenswerte, gerne selbstständige, kritische, weltoffene, vielseitig interessierte, immer sehr gepflegte Dame ist von uns gegangen.

Sie hat zwei Töchter.

Sie liebte Musik, nahm an allen Veranstaltungen mit Musik im GTH gerne teil. Wenn singen zu Gitarrenklang angesagt war, meinte sie: „Ich geh heute brummen!“

Sie ging auch gerne zum Gesprächskreis von Frau Mues.

Sie ist in ihrem Leben viel mit ihrem Mann gereist. Dort hat sie gute Hotels und Restaurants kennengelernt. Sie verglich die Küche des GTH immer mit den super Restaurants. Dagegen konnte man nur mies abschneiden.

Sie hat früher gerne getanzt. Davon erzählte sie gerne.

Ich werde sie sehr vermissen!