Demenz Pflegende leiden oft mehr als Erkrankte

Original von Redaktion Vorsorgeportal 

ausgestrahlt 04.12.2012 vom MDR

 

Die Demenz von älteren Menschen ist oft eine schwere Belastung – vorallem für das Umfeld der Betroffenen. Viele von Ihnen werden krank und leiden unter Depressionen.

Schmerzerfassung bei Demenz

E-Training – PAIC 15
Das Beobachten und Bewerten von Verhaltensweisen, die womöglich auf Schmerzen hindeuten, ist oftmals schwierig. Vor allem zu Beginn bedarf es ein wenig Übung, um Sicherheit im Umgang mit der Schmerzbewertung zu erlangen.

Um Sie hierbei zu unterstützen, haben wir ein E-Training entwickelt, welches Sie im Umgang mit der PAIC 15 Skala schult. Anhand einiger Beispielvideos lernen Sie dann auch ganz praktisch, die PAIC 15 Skala einzusetzen. Das E-Training ist kostenlos und dauert etwa 30 – 45 Minuten.

Hier geht’s zum Training

Wenn ich dement werde…

Dieses Video zum Thema Demenz muss ich mit euch teilen:

 

Video von:

DieHesseAusBreche
30 Abonnenten

„Verfasser des Gedichtes unbekannt.

Alles Bilder sind von mir 😉

Viel spaß 😉 “ , wünscht „DieHesseAusBreche“

Großkampftag mit Speiseplan

Immer gegen Ende der Woche muss der neue Speisplan für die gewünschten Menüs 2 Wochen im Voraus ausgefüllt werden. Das passiert tischweise. Ich hätte nie gedacht, dass das für viele Bewohner zu kompliziert ist, das alleine zu machen. Doch es gibt nur sehr wenige Bewohnert, die das ohne Hilfe schaffen.

Aber klar, viele der Senioren haben mit dem Sehen Probleme. Grauer Star, eine altersbedingte Eintrübung der Linse, erschwert vielen Senioren das Sehen.

Zudem haben demente Senioren große Schwierigkeiten mit planvollem Handeln. Sie brauchen hier also ebenfalls Hilfe.

 

 

Da ich nun wieder zurück an meinem alten Tisch bin, übernehme ich wieder das Ausfüllen des Plans. Aber die Bewohnerzusammensetzung am Tisch hat sich im Laufe der Zeit stark geändert. Mittlerweile brauchen die anderen 4 Bewohner alle Hilfe. Es reicht nicht, den Plan 1x vorzulesen. Ich muss tatsächlich mit jedem einzeln sprechen. *seufz *

Frau 1 ist immer gehetzt – schnell da, schnell wenig essen und noch schneller wieder weg. Daher macht die Hauswirtschaftsangestellte den Plan mit ihr. Denn meist bin ich noch gar nicht unten bevor sie schon wieder weg ist.

Frau 2 ist sehr alt und dement. Sie lebt meistens in einer anderen fernen Welt. Je nach Tagsform ist sie gut, kaum oder gar nicht zu erreichen. Da ich sie aber schon jahrelang kenne, weiß ich was ich für sie ankreuzen soll, wenn sie mir keine Antworten gibt. Doch zuerst versuche ich, mit ihr Kontakt aufzunehmen, lese ihr alles vor und warte geduldig, ob sie vielleicht doch einen Wunsch äußert. Heute bekam ich oft die Antwort: „Weiß ich nicht…“, und sie sah mich mit leerem Blick an.

Frau 3 war heute auch nicht gut drauf. Sie las den Plan selber, sah dann etwas dass sie nicht mag und fing prompt an zu weinen. „Keine Pilze! … Keine Pilze! … Tu die Pilze weg!!!“ Ich beschwichtigte sie und sagte: „Ja, das habe ich aufgeschrieben! Aber was wollen Sie denn essen? Die Pilze sind eh nur in der Vorsuppe…“
„Keine Pilze! … Keine Pilze! … Tu die Pilze weg!!!“, wiederholte sie schluchzend. Da nahm ich sie in den Arm und notierte Menü 2.

Zuletzt blieb noch Herr 4. Seine Aufmerksamkeit musste ich erst einmal einfangen. Er ist nicht dement. Er hat einen Hirntumor (glaube ich). Aber dadurch ist er kognitiv sehr eingeschränkt. Doch er kann sich ohne großes Zögern für ein Menü entscheiden. Aber ich muss seineAufmerksamkeit erst einmal einfangen.

Als wir unseren Plan dann fertig ausgefüllt hatten, war ich erst einmal ziemlich geschafft!

Jetzt hatte ich mir meinen Mittagsschlaf sehr verdient!

 

 

Was hammer heut fürn Tach?

„Heut iss Montach? Oder?“, sie fragt immer nach dem Wochentag dem aktuellen. Überhaupt kann sie sich sehr schlecht konzentrieren. So kann es passieren, dass sie dich kurze Zeit später, das selbe noch einmal fragt.

„Samma Katrin, heut iss Montach, oder?“

„Ja, heute ist Montag“, sage ich.

Und schon wieder flitzt sie durch den Speisesaal unten.

Da sich dieses Fragespielchen immer wiederholt, geht mir das ganz schön auf die Nerven.

Irgendwann antworte ich dann etwas genervt: „Ja, es ist Montag… den ganzen Tag… und abends mit Belechtung!“ Manchmal könnte ich mir die Haare raufen!

 

Clker-Free-Vector-Images – pixabay.com

Demenz-WG in Wien

Planet Wissen zeigte in einer Sendung über Alzheimer diesen Film über eine Demenz-WG in Wien:

planet-wissen.de

Für den Film bitte hier klicken: >>klick<<
Verfügbar bis 17.08.2020

Überhaupt lohnt es sich die gesamte einstündige Sendung anzusehen und auf der zugehörigen Homepage zu stöbern!

Mit strammem Schritt in die falsche Richtung

Im Laufe der Zeit erkenne ich durch die geschlossene Zimmertür am Klag des Schritts wer über den Flur läuft.

Seit einigen Wochen höre ich jemanden mit strammem Schritt über den Flur eilen.

Manchmal wird dann an eine Zimmertür geklopft und die Tür geöffnet. Aha, Schwester XY.

Oder es wird an einer Tür geklopft oder geklingelt. Das sind Besucher.

Doch wenn der Schritt an meiner Tür vorübergeht und dann wieder zurückkommt… hmm… dann… werde ich hellhörig!

Ich rolle zur Tür, öffne sie, sehe nach wer denn dort ist und entdecke: „Hallo Hilda! (Name ist geändert) , wo willst du denn hin?“

Hilda bleibt stehen und dreht sich um: „Nach Hause!“

Ich: „Du wohnst in Zimmer 99999. Da läufst du in die falsche Richtung. Da lang geht´s“, ich zeige in die richtige Richtung.

Hilda blickt mich voller Bewunderung an: „Zimmer 99999… das stimmt!“ Sie strahlt mich an. „Dass du das weißt!“

Ich lächele. „Also, da lang …“, ich zeige noch einmal in die korrekte Richtung.

Hilda lächelt zurück: „Hm… da lang also… und dann?“

Ich: „Ich steze mich eben in den E-Rolli und dann komme ich einfach mit.“ Ich weiß, dass es ein ganzes Stück ist und dass ich das nicht im Aktivrolli schaffen würde.

„Ach ja! Das wäre schön! Du bist so lieb!“, sie strahlt mich an. Die Worte klingen mehr als erleichtert.

So machen wir zwei es dann.

Hilda wohnt in einem Doppelzimmer. Als wir dort eintreffen, begrüßt sie ihre Zimmergenossin. „Sie hat mich nach Hause gebracht“, sie zeigt auf mich, „Sie ist so schlau!“ Man merkt ihr die Erleichterung noch an.

 

 

Sea Hero Quest – Spielen gegen das Vergessen

Fast habe ich den Eindruck mein Blog über Meine Erlebnisse im Altenheim bekommt indirekt ein neues Schwerpunktthema: Demenz. Doch das hängt eng damit zusammen, dass das hier ein Altenheim ist. Im Laufe der Lebenszeit nimmt die Anzahl der Menschen mit Demenz zu.

Quelle: Deutsche Telekom

 

Jammern und Weinen

Wir Bewohner, die wir im Gerhard Tersteegen Haus gelandet sind, sind alle nicht freiwillg hier. Das GTH ist keine „Seniorenresidenz“ wie sich manche Heime für betagte Bürger nennen. Es ist ein Alten- und Pflegeheim.

Hier bekommt man nur einen Heimplatz, wenn man einem Pflegegrad zugeordnet wird. Früher hieß es Pflegestufe. Seit 2017 wurden die 3 Pflegestufen in 5 Pflegegrade umgebaut. Dadurch sollen geistige und körperliche Beeinträchtigungen gleichwertig behandelt werden. Da die Menschen immer älter werden, hat die Zahl an von Demenz betroffenen Personen zugenommen. Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft nennt das „Lebenszeitrisiko“. Diese Personen können nun leichter einer Pflegestufe zugeordnet werden.

Da wir alle nicht freiwillig hier wohnen, gibt es tatsächlich immer wieder Menschen hier, die ihrem Leid und Unmut durch Jammern und Weinen Ausdruck verleihen.

Das passiert oft morgens auch an meinem neuen alten Tisch im Speisesaal. Je nach meiner eigenen Tagesform kann ich das besser oder schlechter verkraften. Eigentlich bedrückt mich das meistens. Denn ich bin ein empathischer Mensch. Ich hätte am liebsten eine heile Welt.

Was habe ich also gestern Morgen getan, als Frau ABC den Tag wie so oft mit Jammern und Weinen begann? Ich wartete einige Zeit ab, bis sie ihr Frühstück beendet hatte. Dann rollte ich mit meinem E-Rolli zu ihr hinüber und nahm sie einfach in den Arm. Als hätte ich einen Lichtschalter betätigt, leuchtete ein Lächeln mir entgegen.

Ich sah auf und wunderte mich, dass Frau DEF immer noch am Tisch saß. Sonst ist sie immer sehr schnell wieder weg. Ich weiß, dass sie nur noch sehr schlecht sehen kann. Sie konnte also nicht gesehen haben, was geschehen war. Aber ihr Gesicht war mir zugewandt. Dann hob sie einen Arm. Es war eindeutig. Sie wollte auch gedrückt werden.

Gerne rollte ich zu ihr und drückte auch sie. Denn nicht nur den beiden Frauen tat diese Zuwendung gut. Auch mir tat das gut!

 

 

Ich verliere sie… jeden Tag ein wenig mehr…

Das sagte mir ein Bewohner letztens dessen Frau an Alzheimer-Demenz erkrankt ist. Sie wohnt schon einige Jahre im Gerhard Tersteegen Haus. Vor 2 Jahren zog er dann auch hier ein.

Er hatte mittlerweile mehrere Infarkte, Herz und Hirn betreffend, erlitten. Mittlerweile läuft er wieder am Rollator. Geistig ist er recht fit. Er ist halt mit Mitte 80 nicht mehr der Jüngste.

Jetzt leben also beide im GTH, allerdings in getrennten Räumen.

Viele Jahrzehnte sind sie miteinander verheiratet. Die ersten 40 (oder 50?) Jahre waren glücklich. Dann ereilte sie die Alzheimer-Demenz. Schleichend machte die Demenz sich bemerkbar. Die ersten 10 Jahre pflegte der Ehemann seine Frau zu Hause. Doch dann entschloss er sich schweren Herzens, sie in ein Heim ziehen zu lassen. Er war mit der Pflege überfordert.

Doch auch jetzt hier im GTH besucht er seine Frau täglich. Oft holt er sie zu sich auf sein Zimmer, wenn er merkt oder meint, dass sie nicht glücklich sei, weil die Nachbarin anstrengend sei. Er sorgt und kümmert sich. Denn sie hatten viele glückliche Jahre zusammen. Daran denkt er immer noch zurück.

Während er sich an die schönen Zeiten erinnert, vergisst sie täglich mehr. Manchmal vergisst sie seinen Namen.

„Ich verliere sie… jeden Tag ein wenig mehr… “ , sagt er leise und tut mir unendlich Leid.