Jetzt ist es bald so weit

„Jetzt ist es bald so weit… bald bin ich auch ganz plemplem!“, sagte Frau Ga. gestern am Mittagstisch und winkte mit offener Hand vor ihrem Gesicht hin und her. „Wirklich!“, sie wirkte ganz entsetzt mit sich.

U. und ich blickten sie ganz aufmerksam an. Was meinte sie nur?

„Wieso? Was ist passiert?“, fragte U..

„Ach…“, seufzte Frau Ga.: „Fast wäre ich gar nicht runter gekommen…“ Sie war immer noch fassungslos.

„Wieso das denn?“, fragte ich, um mehr zu erfahren.

„Ach… ich war im Badezimmer. Dann war ich fertig. Ich machte das Licht aus. Und ZACK… es war ganz dunkel!“

Sie hatte wohl das Deckenlicht gar nicht eingeschaltet nur die Lampe überm Waschbecken. Die läßt sich nur im Bad ein- und ausschalten. Das Deckenlicht schaltet man draußen ein und aus. Hat man das Deckenlicht nicht eingeschaltet und hat im Bad nur das Licht über dem Waschbecken an, dann wird es in der Tat stockfinster, wenn man dieses löscht.

„Was haben sie dann gemacht?“, fragte U. teilnahmsvoll.

„* seufz * Es war stockfinster!!!“, Frau Ga. sagte das so, als wolle sie sagen ‚So eine Unverschämtheit!‘

„… es war also total dunkel. Da fand ich den Weg nicht mehr zur Tür! Und die Strippe der Klingel konnte ich auch nicht sehen! Ich war wie gefangen!“, ihr war immer noch unheimlich, als sie uns davon erzählte.

„Ja… und dann???“, U. konnte sich den Schock lebensnah vorstellen.

„Dann hatte ich Glück! Ich rief und eine der Schwestern hörte mich tatsächlich und brachte mich dann nach unten!“

Das war wirklich noch mal gut gegangen, denn Frau Ga. hat nur ein schwaches, kleines Stimmchen. Es ist ein Wunder, dass sie gehört wurde!

„Ja… jetzt ist es bald so weit“, murmelte Frau Ga..

Vergesslichkeit: Nicht immer eine Demenz

Altersdemenz

Was bedeutet Demenz für Betroffene?

Dieser Frage stellte sich Sabrina Maar, Auszubildende in der Altenpflege. Sie schrieb dazu das Gedicht „Namenlos“ und trug es beim fünften „Care Slam“ in Berlin-Friedrichshain vor.

Der Care Slam ( = „Sorgenschlacht“), soll der Pflege eine Stimme geben, so Yvonne Falckner, die die Veranstaltungsreihe vor einem Jahr ins Leben rief.

Erneute Begegnung

Gestern traf ich wieder auf meinen Überraschungsbesuch.

Es war abends. Ich kam gerade vom Abendbrot. Ich rollte in den Gang wo auch meine Zimmertür ist. Mir kam eine ältere Dame entgegen. Ganz offensichtlich suchte sie etwas. Als wir uns näher kamen, erkannte ich die Bewohnerin, die sich in mein Zimmer verirrt hatte. Ich erzählte davon.

pixabay.com / Geralt

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Da ich ja nun ‚aufgeklärt‘ war, dass sie an Demenz leidet, konnte ich mich ganz anders ihr gegenüber verhalten. Als wir einander direkt gegenüber waren, sagte ich: „Sie suchen bestimmt ihr Zimmer. Kommen Sie. Wir suchen gemeinsam.“

„Wie bitte? … Ja, das suche ich tatsächlich. Das ist aber nett, dass Sie mir helfen wollen“, meinte sie.

„Sie sind doch Frau Q., nicht wahr?“

„Hä?? … Genau!“

„Dann schauen wir doch mal hier auf der Anzeigetafel. Da stehen alle Zimmer mit den jeweiligen Bewohnern drauf…“

„Wo??“

Sie war wirklich sehr verwirrt, fragte immer wieder nach, als hätte sie mir nicht richtig zugehört. Mit einem schnellen Blick hatte ich das Zimmer entdeckt.

„Sie wohnen in einem Doppelzimmer zusammen mit Frau X., nicht wahr?“

„Frau X. … Frau X. … Die wohnt auch da. … Aber wo wohne ICH?“

„Auch da. Auch in dem Zimmer von Frau X..“

„Aber wo ich schlafen soll, weiß ich nicht!“, sagte sie ganz verzweifelt.

„Kommen Sie mal mit“, meinte ich und rollte vor, hinein in das Zimmer. Ich steuerte das unbelegte Bett an.

„Ja. Hier ist noch frei“, sagte sie und setzte sich auf das Bett.

„Aber sie wollen sich sicherlich noch frisch machen, das Nachthemd anziehen, bevor sie sich ins Bett legen“, schlug ich vor, als sie Anstalten machte, sich voll bekleidet ins Bett zu legen.

„Sicher! Natürlich!“, entgegnete sie, „Das weiß ich!“

Da verließ ich sie. Allerdings sagte ich dem Pfleger noch kurz Bescheid, dass ich Frau Q. in ihr Zimmer gebracht hatte.

Wegweiser Demenz

Verteidigung meiner Höhle

Genau so bezeichnete eine gute Freundin meine letzte, in meinen Augen etwas unrühmliche, Tat.

Ich habe in letzter Zeit einige ungebetene Besucher gehabt. Der letzte war am vergangenen Sonntag.

Es war bereits Abend. Ich kam nach dem Abendbrot wieder auf mein Zimmer. Dann begann meine Abendroutine: ausziehen, waschen, nach der Pflegerin klingeln, die mir hilft, wo ich alleine nicht weiter komme.

Da öffnete sich plötzlich meine Zimmertür. Ich war im Bad und konnte daher nicht sehen, wer es war. Das wird die Pflegerin sein, dachte ich. Doch die klopft eigentlich immer, bevor sie das Zimmer betritt. Ich hörte, wie die Person an der Badezimmertür entlang strich.

„Hallo… “ , sagte ich vorsichtig in der Hoffnung, dass sich der Eindringling zu erkennen gebe. Aber da kam keine Antwort.

Hallo!!! Wer ist denn da?“ , fragte ich wieder, dieses Mal laut und resolut.

HALLO!!!!???

Plötzlich hatte der Eindringling das Badezimmerlicht von außen ausgeschaltet.

Mittlerweile hatte ich mir etwas übergeworfen und kam aus dem Bad. Ich wollte sehen, was da los war! Ich war so wie so ganz angespannt, weil ich zuvor mit Telefonanrufen im Minutenrhythmus beschossen worden war. Ich war also ziemlich geladen.

In meinem Zimmer war eine fremde, ältere Frau.

„Wer sind Sie? Sie gehören nicht hierher! Das ist nicht Ihr Zimmer! Das ist MEIN Zimmer! Bitte gehen Sie!“, blaffte ich laut und verärgert.

„Nein. Das ist nicht mein Zimmer. Das weiß ich!“ , suchend sah sie sich um.

„Richtig!“, stimmte ich ihr zu, „Bitte gehen Sie!“

„Hier ist es nicht… “ , suchend sah sie sich um.

Halbnackt und verärgert wiederholte ich: „Bitte gehen Sie!

„Sie brauchen gar nicht so laut zu werden!“, war ihre Antwort.

Ich war ganz verzweifelt und sagte extra laut: „DAS HIER IST MEIN ZIMMER!!!“

„Mein Gott, sind Sie ordinär! Ich gehe ja schon!“, schmiss sie mir an den Kopf und verschwand hoch erhobenen Hauptes.

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Einen Tag später erfuhr ich, dass sie eine neue Bewohnerin ist und an Demenz leidet. Sie würde ständig etwas suchen, es aber nie finden. Das Pflegeteam hat bisher noch nicht raus bekommen, was es ist. Sie hoffen, es herauszufinden, um ihre Not etwas zu lindern, anders auf sie eingehen zu können.

Als ich das erfuhr, fühlte ich mich ganz schlecht. Ich hätte merken müssen, dass sie krank ist. Dann wäre ich anders mit ihr umgegangen.

Landesinitiative Demenz-Service Nordrhein-Westfalen

Update 2: Frau St.

Gestern erhielt ich ganz überraschend Besuch von Frau St.s Tochter. Sie lebt seit Jahrzehnten in München. Dort hat sie ihre ganzen sozialen Kontakte. Dort lebt ihr (Ex-)Mann. Dort ist die gemeinsame Tochter aufgewachsen.

Wie man dem vorangegangenen Absatz schon entnehmen konnte: Tochter und Enkelin von Frau St. wohnen weit weg und besuchen Frau St. daher nicht so oft. So passiert es, dass die Tochter immer eine treue Leserin meines Blogs ist. Ihr dient der Blog als Informationsquelle. Denn die Demenz schreitet bei ihrer Mutter immer weiter fort.

pixabay.com

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Immerhin hat Frau St. nun ihre Tochter vor Ort. Dann ist es auch nicht so schlimm, dass sie nicht bei ihrer Tischfamilie sein kann.

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Herbstkonzert mit Herrn Tillmanns 2016

Gestern Nachmittag war Herr Tillmanns mit seiner Gitarre und Liedtext-Heften wieder im Gerhard-Tersteegen-Haus. Das Konzert fand im Speisesaal statt und war gut besucht. Die meisten Senioren singen gern.

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Ich finde es immer wieder erstaunlich, dass die Bewohner immer sehr Text-sicher sind. Die meisten von ihnen haben Probleme mit den Augen. Daher singen sie nach Gedächtnis. Auch demente Bewohner können oft mehrere Strophen der alten Lieder auswendig.

„Töne der Erinnerung“
Drei bekannte Herbstlieder für Senioren und Menschen mit Demenz

Wie soll das nur mit der Generation Y funktionieren. Die müssen sich doch nichts mehr merken. Sie haben für alles eine App, ihr Smartphone oder die Wikipedia.