WDR Zeitzeugen-Plattform „Kindheit im Krieg“

Der WDR ist mein meistens genutzter Sender, egal ob im Radio oder im TV. Gestern erfuhr ich in der Aktuelle Stunde von der  WDR Zeitzeugen-Plattform „Kindheit im Krieg“.

Sofort dachte ich, dass das die Kindheit der meisten Bewohner hier im Gerhard Tersteegen Haus war. Das war auch die Kindeit meiner Eltern. Grund genug für mich, mir dieses Projekt des WDR im Netz mal anzuschauen

 

WDR Zeitzeugen-Plattform „Kindheit im Krieg“

 

Nachdem ich nun geraume Zeit dort verbracht habe, kann ich euch nur ans Herz legen: Seht euch das an! Es ist ein sehr interessantes Projekt.

 

Über das Projekt

Wie verändert der Krieg das Leben von Kindern? Welche Folgen spüren sie? Darum geht es auf der WDR Zeitzeugen-Plattform „Kindheit im Krieg“. Mehr als 100 Zeitzeugen aus ganz NRW kommen zu Wort. Sie alle haben ein gemeinsames Schicksal: Als Kinder oder Jugendliche haben sie einen Krieg erlebt. Die meisten von ihnen waren Kinder, als der Zweite Weltkrieg begann. Andere Kriegskinder kommen beispielsweise aus Afghanistan, Syrien oder Ruanda. Sie alle erzählen von ihrer Angst in Bombennächten, Flucht, Verfolgung und Hunger. Aber auch von dem, was ihnen Hoffnung gab, vom Überleben im Krieg.
Original: https://www1.wdr.de/dossiers/index.html  

Feiertage sind schwere Tage

Das ist so. So geht es nicht nur mir damit. So geht es den meisten Bewohnern.

„Warum das denn?“, werdet ihr fragen.

Das muss damit zusammenhängen, dass kein Bewohner wirklich freiwillig hier ist. Für uns Bewohner splittet der Einzug ins Heim unser Leben in ein Davor und ein Danach.

Davor

war das Leben noch selbstbestimmt.
hatte man seine eigene Wohnung.
hatte man Kollegen, Freunde, Familie. Die konnte man einladen und bewirten. Genau so konnte man sie besuchen.
Ich konnte Laufen, Fahrradfahren, Autofahren.
Ich brauchte nicht darüber nachzudenken, ob ich eine Wohnung betreten konnte, ob es Treppen oder Stufen gibt. Ich kam ÜBERALL hin.

Danach

ist man sehr auf die Hilfe anderer angewiesen.
muss man um Hilfe bitten, um einfache Dinge zu erreichen
arbeitet man schon lange nicht mehr, hat daher keine Kollegen mehr (teilweise auch gut, denn auch keine unliebsamen)
viele Freunde sind „verschwunden“. Bei den Senioren sind sie oft schon gestorben. Bei mir haben sich unsere Lebensrealitäten zu sehr auseinander bewegt.
Die Senioren sind oft verbittert. Verbittert, dass sie früher hart gearbeitet haben und jetzt zum Bittsteller geworden sind.
Ich bin traurig. Traurig, weil die anderen Dinge erleben, Orte besuchen die ich niemals mehr sehen werde.
Meine Familie kommt mich zwar besuchen. Aber ich kann nur mit ihnen zusammen sein, wenn wir uns in einem Lokal treffen oder bei mir im Heim. Bei meiner Schwester bin ich noch nie in der Wohnung gewesen, da Altbau, Wendeltreppe, 2½. Stock. Ich würde noch nicht mal zur Haustür kommen, da freie Treppe ohne Geländer.

Darum

also sind Feiertage schwer.
Vor allem Feiertage, die traditionell im Kreise der Familie stattfinden.
Man sieht dann irgendwann nur noch das was fehlt.
Leider rutscht man dann auch schnell ab ins Selbstmitleid. Schon laufen die Tränen über die Wangen.

Das niederzuschreiben hat gut getan. Jetzt fühle ich mich erleichtert. Ein Blog mit therapeutischer Wirkung!😉

Harte Schale, weicher Kern

Erinnert ihr euch an die Dame mit dem „Scheißleben“?

Da scheint ja tatsächlich die Redewendung „Harte Schale, weicher Kern“ zuzutreffen.

Denn wir reden tatsächlich wieder miteinander!

Ihre schlechte Laune kann sie nach wie vor bei ihrem direkten Umfeld loswerden. Da bekommt sie sogar Zuspruch. So köcheln die Senioren genüsslich in ihrer Meckerbrühe.

Ich sitze weit genug entfernt, sodass ich nicht mehr so sehr darunter leide. Ich höre nach wie vor relativ gut. Daher bekomme ich mit was dort läuft. Aber es ist leichter für mich wegzuhören.

Ja, wenn ich es ehrlich betrachte, trafen da zwei Bewohner aufeinander (Frau XY und ich), die sich gegenseitig hochschaukelten. Frau XY wollte verletzen ..ooO(Nein! ICH doch nicht! Ich hatte einfach ein Scheißleben!) und ich war das passende Opfer …ooO(Ich und Opfer? So ein Quatsch!). Ja, ja…

Der jetzige räumliche Abstand lässt jede erkennen, dass das eigene Verhalten einen nicht glücklich macht. *seufz*

 

Habe ich etwas falsch gemacht?

Diese Frage stellte mir gestern der Witwer der besten aller Ehefrauen, als ich ihn im Flur traf.

Ich war ihm nämlich ziemlich aus dem Weg gegangen, nachdem er vorgestern abend einfach vor meiner Zimmertüre stand.

„Nein, Sie haben nichts falsch gemacht. Das ganze wurde mir einfach ein wenig zu eng. Das möchte ich nicht. Daher zog ich mich zurück“, sagte ich.

„Ach so. OK. …“, antwortete er und ging weg.

Er kam mir nämlich auch körperlich immer näher. Das wurde mir unheimlich. .ooO( Männer… )

Frühstück mit den „lustigen Weibern“

Ich vermisse meine erste Tischfamilie! Deshalb will ich einen Post von früher, Veröffentlicht 15.05.2014 , kopieren:

 

War das vorhin ein „Wechselbad der Gefühle“! Erst tröstete ich meine 94-jährige Tischnachbarin. Ihre 90-jährige Schwester war ins Krankenhaus gekommen und sie gab sich die Schuld dafür 😦 .

Dann kamen die beiden lustigen Freundinnen, von denen ich ja schon im Beitrag „Das Gebiss“ schrieb und schnell lachten wir lauthals! Frau M. kramte in ihrem Gedächtnis nach Sprichwörtern. „Mai, kühl und nass, füllt dem Bauern Scheun‘ und Fass“ … und schon überlegten sie, welchen Monat wir jetzt wohl haben, … wann sie Geburtstag haben, … wie sich das Wetter wohl entwickeln würde, … dass wir heute „die kalte Sophie“ (Betonung auf dem O, kurz gesprochen wie in „oft“) hätten, … dass bald Sommer wäre, …

So wanderten die Gedanken. Sie unterhielten sich. Ich hörte zu. Zwischendurch stibitzte Frau W. immer mal wieder ein Zuckerwürfelchen und blickte dann schuldbewusst zu mir hoch. Dann lachten wir wieder. 😀 Frau M. rückte ihre Brille zurecht und sagte, sie könne gar nicht sehen, wer da vorne säße. Sie zeigte auf mich. Ich sagte es ihr und sie begann erneut: „Mai, kühl und nass… “ Da ging das Gelächter wieder los. 😀

„Ach, ihr seid herrlich!“, sagte ich. „Ich bin froh, dass es euch gibt!“

Bis zum nächsten Weltuntergang

Manche Dinge haben sich nicht geändert. Auch im Gerhard Tersteegen Haus mache ich viel mit meinem Computer. Ja, sogar mehr als früher, weil ich nun mehr Zeit dazu habe. Außerdem hat sich meine Gesundheit stabilisiert und ich kann tatsächlich wieder längere Zeit am Stück am Computer arbeiten.

Der PC also. Schnell hatte sich herum gesprochen, dass ich mit PC eingezogen war. Da hatte das Haus noch gar kein WLAN. Da bin ich mit Stick gesurft. Grottenlangsam und die 30 Tage geltenden GB waren nach spätestens 20 Tagen aufgebraucht.

Mittlerweile haben einige Bewohner PC, Laptop, Tablett oder ein Smartphone. Auch nutzen viele einen E-Reader. Die Bewohner haben oder wurden also aufgerüstet. Aber sich damit so richtig auskennen, tun die wenigsten. Da wird dann gewartet, bis einer der Angestellten, der sich damit auskennt ihnen hilft. Oder bis mal wieder der Sohn / die Tochter oder die Enkel oder Urenkel zu Besuch kommen und helfen.

Frau V. war früher Chefsekretärin. Sie arbeitete viel am PC. Außerdem ist sie es gewohnt: „Problem erkannt, Problem gebannt.“ Sie möchte nicht lange darauf warten bis wieder alles nach ihren Vorstellungen funktioniert. Das erinnert mich durchaus an mich. Ich kann sie da sehr gut versehen. So hat sie mich gefragt, ob ich ihr helfen könne.

Einige Male schon läutete mein Telefon und sie war dran und fragte nach meiner Hilfe.

Alles begann damit, dass der erste Login-Pass zum Internet nach 180 Tagen ablief und der neue wieder eingegeben werden musste. Da ihr PC mit Windows 7 läuft, konnte ihr keiner im Haus helfen. ..ooOO( wie war das noch mal??? ) Da es Wochenende war und der Computer-Shop, den sie wegen solcher Probleme anruft erst am Montag wieder geöffnet ist, rief sie mich an.

Ich kam, löste das Problem und sie war glücklich.

Nun rief sie vorgestern wieder an. Sie hatte ihre tvdirekt-Zeitschrift nicht bekommen und sie brauchte Hilfe beim Beschriften dreier Ordnerrücken. Sie habe Vorlagen dazu. Ob ich ihr damit helfen könne?

Was sich zunächst ganz einfach anhört, entpuppte sich als echte Herausforderung für mich!

Zuerst suchte ich in der alten Zeitschrift nach der Telefonnummer des Verlags. Nach mehreren Versuchen kam ich durch… nur um zu hören, dass das Büro Samstag und Sonntag nicht besetzt sei. 😖

Also schrieb ich eine E-Mail. Gestern war die automatische Antwort, dass die Nachricht erhalten worden sei, schon da (eigentlich schon kurz nach Absenden). Ich bin gespannt was wir demnächst hören werden.

Dann ging es an die schwierigere Aufgabe, die Ordnerrückenetiketten. Es war deshalb schwierig für mich, weil ich mit den Programmen, die Frau V. nutzte nie wirklich gearbeitet hatte, mich also weder mit Word noch Excel richtig auskenne. Ich nutze das kostenlose  Open-Office Paket von Apache. Open-Office ist eine echte Alternative zum Microsoft-Office. Doch zu guter Letzt hat es dann doch noch geklappt. Das machte aus uns zwei sehr zufriedene Bewohner!

Wie um die Glücksgefühle noch zu steigern, erschien eine Dame von der Hauswirtschaft und brachte uns Kaffee und Kuchen. Hmm… sehr lecker!

Dann verabschiedete ich mich: „Bis zum nächsten Weltuntergang!“, sagte ich lachend. Der ließ nicht lange auf sich warten. Bereits Sonntagnachmittag rief sie wieder bei mir an: „Der Bildschirm bleibt schwarz!“, rief sie verzweifelt.

„Dann komme ich am besten gleich vorbei“, antwortete ich.

„Ja! Bitte!“, war ihre verzweifelte Antwort. „Ich bin lästig, nicht wahr?“, seufzte sie.

Auch dieses Problem konnte ich lösen. Sie drückte den Power-Knopf einfach nicht tief genug. Hoffentlich schafft sie das demnächst.

Ich empfand es nicht als lästig, dass sie mich an diesem Wochenende mehrmals anrief. Es gab mir doch auch ein gutes Gefühl, gebraucht und hilfreich zu sein!

 

Ich bin topfit!

Heute Morgen beim Frühstück überhörte ich folgendes Gespräch:

Frau M.: „Ich bin ja noch topfit! Kerngesund!“

Ihre Nachbarin am Speisetisch murmelte nur: „Ja, ja…“

Frau M. strahlte über das ganze Gesicht: „Ich bin ja auch erst 92!“

Frau G. wusste das bereits und murmelte nur: „Ja, ja…“

Da laut-flüsterte es von einem anderen Tisch: „Sie ist ja das 13. von 14 Kindern… “ Wissend wurde genickt.

Frau M. meinte, nun den Knaller loszulassen: „Ich bin nämlich das 13. von 14 Kindern!“ Stolz blickte sie ihre Nachbarin Frau G.. an wie ein Schulkind, dass nun erwartet, einen Smiley in ihr Heft geklebt zu bekommen.

Doch Frau G., wie auch alle anderen Bewohner, hörte das nicht zum ersten Mal. Sie murmelte nur: „Ja, ja…“