Zum Waffelessen eingeladen

Dienstagnachmittag war ich von E. zum Waffelessen ins Seidercarré eingeladen. Wie ich hörte, macht das Betreute Wohnen das ein Mal im Monat. Die Bewohner dürfen einen Gast mitbringen. Da wählte E. mich!

Als ich im Esszimmer des Seidencarrés ankam, war es schon ziemlich voll dort. Doch E. fehlte noch. Ich rollte an einen kleineren, noch freien Tisch und ließ meinen Blick durch den Raum wandern. Viele Gesichter kannte ich, aus der Physiotherapie, von der Kirche, von meinen Runden draußen mit dem Rolli.

Wunderbare Düfte lagen in der Luft. Kaffee… Waffeln… hmm… Langsam füllten sich die Plätze an meinem Tisch. Dann erschien auch E.. Sie hatte einen anstrengenden Vormittag hinter sich und war dann tief und fest beim Mittagsschlaf eingeschlafen. Ein wenig verschlafen kam sie an unseren Tisch.

So eine recht kurze Strecke vom Eingang ins Esszimmer bis zum Tisch, wo ich saß und auf E. wartete (ca. 5 Meter?) zu überwinden, kann ziemlich lange dauern. 🙄

„Ach, guten Tag Frau X., schön, dass ich Sie mal wieder sehe! Wie geht es Ihnen?“

„Guten Tag, Frau U., ach ja, es geht, man muss ja…“

Von diesen kleinen Begrüßungsreden gab es einige. Doch irgendwann hatte E. unseren Tisch erreicht. Und gerade zur rechten Zeit, denn die Teller mit Waffeln, Eis, sauren Kirschen und Sahne wurden serviert!

(c)Katrin-musikhai

Es schmeckte vorzüglich! Gerne hätte ich eine weitere Waffel gehabt. Doch die gab es nur noch mit Puderzucker. Aber das war auch sehr lecker!

Satt und zufrieden begaben wir uns ins Wohnzimmer. Dort war es ruhiger. Dann packte E. ihr Scrabble™-Spiel aus. Mit ihrer Hilfe gewann ich tatsächlich! Eigentlich halfen wir einander! Sie mir und ich ihr. 😊

Scrabble™ spielen mit E.

Gestern Nachmittag war ich mit E. verabredet zum Scrabble™ spielen. Bei einem unserer Gespräche stellten wir fest, dass wir beide sehr gerne dieses Brettspiel mit den Buchstaben-Steinen spielen.

E. hatte es früher gerne mit ihrem Ehemann gespielt. Ich habe das Gefühl, dass sie seit er starb, nicht wieder gespielt hat. Denn im Spielkarton befanden sich noch die Zettel mit notiertem Punktestand von den letzten Spielen, die sie mit ihrem Ehemann gespielt hatte. Ich erfuhr, dass er vor 13 Jahren gestorben ist.

pixabay.com – Bruce Emmerling

Jetzt spielte sie also mit mir. Wir trafen uns im Wohnzimmer des Seidencarrés im Erdgeschoss. Seit zwei Jahren wohnt E. in einer kleinen Wohnung im Betreuten Wohnen dort. Im Wohnzimmer des Seidencarré hatten sich einige Gruppen zum Spielen getroffen. Dadruch war es recht lebhaft. Die vielen Stimmen machten es für mich ziemlich anstrengend.

Wir hatten vor, ein Spiel mit 10 Runden zu spielen. Das Spiel wird je zur Hälfte durch Glück und Können der Spieler beeinflusst. Ich hatte leider fast die Hälfte des Spiels keine Vokale. Daher konnte ich Worte nur durch Anlegen an einen Vokal eines bereits auf dem Spielfeld liegenden Wortes bilden.

E. hatte mehr Glück mit ihren Buchstaben. So gewann sie dann auch das Spiel nach 10 Runden.

Das ganze hat uns beiden viel Spaß gemacht. E. wollte auch gleich schon einen Termin für das nächste Spiel ausmachen. Da war ich sofort ihrer Meinung!

„Ach, dass wir zwei uns gefunden haben… wie wunderbar… !“, seufzte E.

Seelenverwandte

Es gibt sie ganz selten. Aber es gibt sie. Wenn man das Glück hat einem zu begegnen und Zeit miteinander zu verbringen, ist das ein großes Geschenk!

Da macht es auch keinen wirklichen Unterschied, wie alt man ist.

Ich habe das große Glück, bereits einige Seelenverwandte getroffen zu haben. Für mich besteht eine Seelenverwandtschaft, wenn ähnliche Ansichten und Interessen bestehen und wenn man sich quasi „blind“ versteht. Wenn die Herzen im Gleichtakt schlagen. Wenn man nicht viel erklären muss, um verstanden zu werden.

Meine neueste Seelenverwandte heißt E. und ist 92 Jahre alt. Ich begegnete ihr zum ersten mal vor 2 Jahren. Sie saß draußen im Garten des Seidencarré, dem Betreuten Wohnen, das an das Gerhard Tersteegen Haus angrenzt und dessen Garten direkt an den Garten des GTH angrenzt.

Im Seidencarré wohnen Senioren ohne Pflegegrad selbstständig in ihren eigenen kleinen Wohnungen.

Als ich E. vor 2 Jahren dort im Garten sitzen sah, war sie gerade ins Seidencarré eingezogen. (Doch das erfuhr ich erst am Montag.) Wir unterhielten uns und fanden uns gleich sympathisch.

Dann waren wir uns immer mal wieder über den Weg gelaufen / gerollt 😉 . In letzter Zeit hatte ich sie länger nicht mehr gesehen. Doch ich hielt immer nach ihr Ausschau. Meine Gedanken waren oft bei ihr. ..oO(Hoffentlich ist sie nicht mittlerweile gestorben!😳 )

Doch dann trafen wir uns letzten Samstag wieder! Ich saß mit meinen Eltern in dem neuen Café des Seidencarré. Wir tranken Kaffee und unterhielten uns. Da sah ich eine Seniorin ins Café kommen, die dort etwas kaufte. Es war E.! Begeistert wandte ich mich ihr zu, nahm ihre Hand, streichelte sie und sagte: „Frau U.! Ist das schön, dass ich Sie hier treffe!“ Ich freute mich wirklich sehr!

„Frau S.? Sind Sie es?“, sie umschloss meine Hände, als wolle sie mich nie wieder los lassen, „Frau S. … ach, das ist ein Geschenk, dass wir uns hier treffen. …“

Ihre Stimme war ganz leise geworden, leise und brüchig. Aber ich hörte die Freude, die darin schwang.

„Ein Geschenk!“, sagte sie immer wieder.

Als sie ihren Einkauf getätigt hatte, sagte sie: „Wir sollten uns treffen und miteinander unterhalten! Lassen sie uns einen Termin machen!“

„Gerne“, antwortete ich.

„Montag?“, fragte sie.

Das nenne ich „Nägel mit Köpfen machen“!

Also trafen wir uns am Montag Nachmittag!

Seitdem darf ich E. zu ihr sagen.😊

 

Besuch im Seiden Carré

Im Laufe meines Wohnens hier im Gerhard Tersteegen Haus lernte ich vor einigen Jahren eine Bewohnerin des Seiden Carré kennen. Das Seiden Carré bietet kleine Wohnungen für Betreutes Wohnen an.

Im Gegensatz dazu ist das GTH eine stationäre Einrichtung. Hier benötigen die Bewohner mehr Pflege und Hilfe. Demgegenüber leben die Bewohner des Seiden Carré selbstständiger. Die Wohnungen sind großzügiger.

Natürlich habe ich schon öfter mal darüber nachgedacht, ob das nicht auch eine Lösung für mich wäre. *seufz * Nach wie vor denke ich, dass ich im GTH gut aufgehoben bin.

Ich schmücke meine Beiträge immer gerne mit Fotos. Aber hier kann ich nur Bilder von draußen zeigen. Denn die die Privatsphäre meiner Bekannten ist mir heilig!

Bilder und näheres findet ihr auf der Homepage des Seiden Carrés.

Hier meine Herbstbilder vom Platz der Wiedervereinigung vor dem Haus: