Frühstück im Speisesaal – Fortsetzung

Jetzt ist bereits der folgende vierte Tag vergangen, dass ich diese Beitrag begann. Heute nun soll es weitergehen.

Am Tisch vor mir sitzen zwei Bewohner ganz corona-konform an den kurzen Seiten eines länglichen Tisches. Ich kann sie jeden Tag sehen, wie sie sich verhalten wie ein altes Ehepaar.

Oft schmunzele ich. Sie ist sehr korrekt, beobachtet ihn genau und gibt ständig gutgemeinte Ratschläge oder Kritik.

Er sagte einmal zu mir: „Sie geht mir manchmal auf die Nerven. Immer weiß sie alles besser!“

Er erzählte eines Morgens: „Also ich versteh das nicht! Mein Zuckerwert war wieder viel zu hoch.“

Sie meinte: „Ich schon. Zum Frühstück en Brötchen, 3 Scheiben Brot, je Scheibe 1 und fürs Brötchen 2 Butter, dazu Aufschnitt un Käse un zu jedem Frühstück und Abendbrot immer ein Wackelpudding der besteht doch nur aus Wasser, Farbstoff un Zucker.“

Er schaut aus dem Fenster, dann in meine Richtung.

Sie: „Hast du das gehört? Hast du das verstanden?“

Er schweigt.

Sie blickt in meine Richtung, rollt mit den Augen, zieht die Schultern hoch. „Wer die Hilfe nicht annimmt dem ist nicht mehr zu helfen.“

Frühstück im Speisesaal

Das ist momentan der Quell für meine Erzählungen. Tatsächlich das Frühstück, vielleicht weil es dann nicht so voll ist. Man kann ja in der Zeit von 8.00 bis 10.00 Uhr frühstücken.

Viele Bewohner gehen zum gemeinsamen Mittagessen in den Speisesaal. Morgens und abends bleiben sie auf ihrem Wohnbereich.

Morgens bin ich noch gestärkt vom Schlaf. Der Saal ist nicht so voll. Ich kann daher gut Stoff sammeln für die nächsten Geschichten für den Blog, also für euch.

Für heute Abend ist meine Kraft verschwunden. Ich werde nun ins Bett gehen.

Im Speisesaal aufgeschnappt

Die Bewohner sitzen stumm vor ihren Tellern.

Einer schlürft genüsslich seinen Morgenkaffee.

Die nächste knabbert an ihrem Brötchen.

Dann

plötzlich

gibt es ein lautes

>>> hat-tschi!!! <<<

Photo by cottonbro from Pexels

Dann die unschuldige Frage: „Tschuldigung… irgendjemand verletzt?“

Zu guter Letzt der lachende, schelmische Blick hinter vorgehaltenem Arm.

Dieses Schauspiel wiederholt sich jeden Tag aufs neue.

Veranstaltungen im Gerhard Tersteegen Haus November 2021

Trotz Corona ist viel geplant im kommenden Monat. Schauen wir mal ob uns Corona ausbremst oder ob alles stattfinden kann.

im November 2021

Wie man sieht, sind wieder einige Gruppenveranstaltungen geplant. Immerhin sind mittlerweile fast alle Bewohner und Angestellte des GTH geimpft oder genesen. Für die bereits geimpften rollt so langsam die Booster-Impfung an.

Wir freuen uns sehr, dass bald wieder Veranstaltungen stattfinden.

Oktoberfest 2021

Wir hatten eine richtige Oktoberfest Atmosphäre. Wer mochte konnte sogar Bier zum Essen bekommen.

Obwohl ich gerne mal ein gepflegtes Bier trinke, nahm ich allerdings Apfelsaft. Alkohol am Mittag hätte mich für den Rest des Tages schachmatt gesetzt.

Mahlzeiten im Gerhard Tersteegen Haus

Zum Frühstück gibt es Weiß- , Grau- , Körner-, Schwarz-Brot, Brötchen, Müsli dazu Quark, Marmeladen, Käsen, Aufschnitt. Auch die Auswahl an Getränken ist groß. Es gibt Kaffee, Tee, Milch, Kakao, Buttermilch zur Auswahl. Man kann die Mahlzeiten entweder auf dem Wohnbereich (WB), im Zimmer oder im kleinen Speisesaal oder separat an kleinen Tischen im Flur des WB einnehmen.

Hier auf dem WB essen Bewohner, die mehr Hilfe beim Essen benötigen. Hier speisen auch die Bewohner, denen angereicht werden muss.

Auch Bewohner, bei denen geschaut werden muss, ob sie genug essen, speisen hier. All das könnte unten im großen Speisesaal nicht bewerkstelligt werden. Hier ist eine Dame der Hauswirtschaft für +/- 12 Bewohner zuständig. Die Bewohner essen auch nicht alle zur selben Zeit. Frühstück ist von 8.00 bis 10.00 Uhr.

Mittagessen beginnt für alle zur selben Zeit. Auf den WB um 11.30 Uhr im großen Speisesaal von 12.00 Uhr bis 13.00 Uhr. Immer noch ist eine Dame der Hauswirtschaft, diesmal für ca. +/- 22 Bewohner zuständig.

Wer was essen möchte, wurde 3 – 4 Wochen vorher abgefragt, damit der Koch übersehen kann, wie viel er von was bestellen muss. Das heißt, wir Bewohner wissen heute meist nicht mehr, was wir einmal bestellt haben. Das sorgt immer wieder für Unruhe.

In Einzelfällen ist es aber möglich, dass man doch das andere Menu bekommt.

Abendbrot gibt es auf den einzelnen WB um 17.00 Uhr. Im großen Speisesaal unten beginnt es ab 17.30 Uhr.

Dort hat man die größere Auswahl. Hier geht eine Angestellte der Hauswirtschaft mit einem vollbepackten Servierwagen mit Brotsorten, Käsen, Aufschnitt, Salat, Joghurt, Obst und Abendbeilage an den einzelnen Tischen vorbei. Die Bewohner dürfen ihre Wünsche dann äußern und bekommen das Gewünschte dann überreicht.

Seit Corona darf die Anzahl der Bewohner pro Speisesaal und Gang bestimmte Anzahlen pro Speise-Raum nicht überschreiten, damit auf die richtigen Abstände geachtet werden kann.

Kaffee und mittwochs und sonntags Kuchen gibt es auch nur auf den WB oder in den einzelnen Zimmern. Was Corona so alles mit uns macht. Dass die Hauswirtschafter im großen Speisesaal mit Speisewagen die Bewohner bedienen, finde ich allerdings viel besser, als Büffet wo jeder mit seinen Fingern die Speisen antatschen kann.

Sie weint jämmerlich

Durch die Zimmertür, die fest schließt und viele Geräusche schluckt, hörte ich eine weinerliche kindliche Stimme. Mit ihr war eine „normale“ Stimme.

Das zog sich eine ganze Weile hin. Da drängte es mich, doch mal nachzuschauen. Warum schlichen die beiden draußen so lange herum? Ganz normal war das nicht.

Als ich auf den Flur kam, hörte ich die beiden, sah jedoch niemanden. Ich folgte den Stimmen. Schnell fand ich das Paar. Es war eine völlig überforderte Dame. Die zweite Dame hatte hüftlanges, graues, zerzaustes Haar. Sie redete etwas Unverständliches, Trauriges vor sich her. Sie wirkte sehr bedrückt.

Mittlerweile habe ich ähnliches schon viele Male gesehen. Ich hatte auch gesehen, wie die Pfleger in solchen Momenten mit den verwirrten Bewohnern umgehen.

Ich rollte mit meinem Rolli ganz nah an die unglückliche Dame heran. Ich nahm ihre Hände in meine und fragte: „Was ist denn los?“

Sie stammelte wirr und traurig: „Wo ist meine Mami… sie wollte doch kommen…wo…?“ Sie schluchzte herzerweichend.

Ich meinte ganz entschlossen: „Dann müssen wir nur zu dir nach Hause gehen! Vielleicht ist sie ja schon da und wartet auf dich.“

Sie wisse aber nicht, wo das sei, schluchzte sie jämmerlich. „Ich schon“ , sagte ich ganz resolut, „Wir müssen nur mit dem Aufzug eine Etage nach unten fahren.“

„Ich fahre nicht mit dem Aufzug. Besser Treppe. Komm… “ , zog sie mich Richtung Treppenhaus.

„Ich kann aber nicht Treppen gehen. Ich sitze doch im Rollstuhl!“

Wir drehten noch eine kleine Runde im Treppenhaus. Schließlich kamen wir wieder am Aufzug vorbei. Ich drückte einfach auf den Knopf, den Aufzug zu holen. Kurze Zeit darauf war er schon da. Er war leer. Innen auf allen Seiten mit Spiegeln ausgestattet, kam er mir vor wie ein Schlosssaal.

„Darf ich ins Schloss bitten, Gnädigste?“ , bot ich ihr meinen angewinkelten Arm an.

Sie war einfach überrumpelt und ging mit! Nach kürzester Zeit hatten wir ihren Wohnbereich erreicht. Ein Pfleger nahm sie mir ab.

Die dicke Frau

Herr Z. ist immer wieder mal für einen Lacher gut. Dabei ist er dem Artillerie-Feuer ganz ähnlich, keine Rücksicht auf Verluste.

Ich fuhr nach dem Mittagessen mit dem Aufzug zurück auf meinen Wohnbereich. Die Tür öffnete sich wieder. Ich rollte hinaus.

Da saß Herr Z. vor der Tür und meinte: „Da ist sie ja, die dicke Frau.“

Er lachte und strahlte mich an.

Hr. Z. und das Artillerie-Feuer

Hr. Z. saß ganz miesepetrig in seinem Rolli im Gang.

Ich verließ gerade den Aufzug nach dem Frühstück, als ich ihn sah.
„Hallo, Hr. Z.“, grüßte ich ihn freundlich.

Er zog die Stirn kraus und blinzelte in meine Richtung: „Kennen wir uns?“

„Wir singen oft zusammen“ , sagte ich.

Da klarte seine Miene auf: „Tun wir das? Was denn?“

„Junge komm bald wieder… “ , summte ich leise.

„… bald wieder nach Haus“ , sang er weiter. Er sah mich an, ganz glücklich.

Dann verdunkelte sich sein Gesicht wieder: „Hören sie das?“

„Was?“ , fragte ich ratlos.

„Sie kommen näher… die Schüsse, das Artillerie-Feuer. Hören sie das nicht?“ , flüsterte er.

„Wir sollten jetzt gehen. Bis zum nächsten mal“ , lächelte er schief und rollte davon.

Schlager und Volkslieder mit Hr. Tillmanns

Es ist schon ein kleines Bisschen her, dass wir diesen Auftritt mit Hr. Tillmanns sehen und hören konnten. An dem Tag war es Gott-sei-Dank sogar trocken. Es regnete nicht!

Hr. Tillmanns ist ein talentierter Musiker mit großer Empathie auch gegenüber Senioren. Er hatte sich verkleidet als Wandersmann aus Tirol. Einige der Lieder, die er spielte und mitsang kamen aus dieser Gegend. Die Liedtexte schickten uns auf einen Ausflug nach Österreich.

Fensterkonzert mit Hr. Tillmanns vor dem Gerhard Tersteegen Haus Krefeld