Pflegekräfte am Limit

Sehr interessater Beitrag von planet-wissen :

Pflegekräfte am Limit

14.09.2018 | 59:02 Min. | SWR

Krankenhäuser und Pflegeheime sind chronisch unterbesetzt und dennoch wird seit Jahren weiter an Pflegekräften gespart. Längst arbeiten sie am Limit. Viele von ihnen verlassen deswegen ihren Beruf. Die, die bleiben, leiden an Überlastung, Unterbezahlung und oft auch Mobbing. Auch mangelt es an neuen Auszubildenden. Aber es gibt auch Beispiele, die zeigen, dass gute Pflege möglich ist – trotz Fachkräftemangel und Pflegenotstand.

Quelle: PLANET WISSEN / YouTube

Meine zweite Schwester

Seit ich 3 Jahre alt war, habe ich eine Schwester. Wir wuchsen in der selben Familie auf. Wir haben die selben Eltern, die auch unsere leiblichen Eltern sind.

Sie zogen uns liebevoll auf. Sie achteten auf unsere schulische und anderweitige Bildung.

Durch unsere Mutter wurden wir früh vertraut gemacht mit Bibliotheken und Büchern.

Wir durften ein Musikinstrument erlernen.

Wir konnten einen Sport im Verein ausüben.

Man ermutigte uns, neue Dinge kennenzulernen, z.Bsp. in der VHS.

Wir besuchten beide das Gymnasium und machten Abitur.

Wir hatten eine sehr privilegierte Kindheit im Bildungsbürgertum.

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Dann kam ich vor gut 5 Jahren ins Pflegeheim. Im Gerhard Tersteegen Haus lernte ich eine für mich bis dahin unbekannte Welt kennen.

Ich hatte bis dahin keine Ahnung von einem Altenheim. Ich lernte ganz neue Berufsbilder kennen. Altenpfleger, Hauswirtschafter, Sozialpädagogen, Sozialer Dienst und Küche mit den unterschiedlichen Berufen… Das war für mich Naturwissenschaftler ein ganz neues Feld… Soziale Berufe.

Ich hatte bisher eine Reihe von Sprachen gelernt. Germanische Sprachen (Deutsch, Englisch), Romanische Sprachen (Französisch, Spanisch, Portugiesisch), Latein… Doch hier im Gerhard Tersteegen Haus arbeiten viele Menschen aus dem Osten und sprechen somit eine Slawische Sprache wie Russisch, Ukrainisch, Weißrussisch, Polnisch, Tschechisch, Slowakisch, Obersorbisch, Slowenisch, Kroatisch, Bosnisch, Serbisch, Bulgarisch und Mazedonisch…. Dazu kommt noch das Krieewelsche das von manchen betagten Krefelder Bewohnern zumindest in der Aussprache mitschwingt.

Auch die Lebensläufe und Schicksale der Angestellten sind ganz andere als ich bisher kennengelernt hatte.

Jetzt komme ich endlich zu G., meiner 2. Schwester. Eines Nachmittags fiel mir auf, dass die quirlige, meist gut gelaunte G. vom Sozialen Dienst ungewöhnlich still, fast niedergedrückt war.

„Was ist los? Sind Sie traurig?“, fragte ich sie.

„Ach… jetzt bin ich ganz allein… mein letzter Bruder ist jetzt auch gestorben“, sagte sie niedergeschlagen.

Ich musste schlucken. G. hat(te) 4 Geschwister. Ihre Eltern starben früh. Nach und nach folgten die Geschwister. Aus der einst großen Familie war jetzt nur noch G. übriggeblieben.

Dieses Schicksal beschäftigte mich noch lange an diesem Abend. Dann kam mir die Idee. Wenn sie wollte, könnte sie meine Schwester werden.  Ich würde sie adoptieren!

Dann kam Silvester. G. und ihre Kollegen zogen mit dem Silvesterwagen über die Wohnbereiche. Als sie gegen halb 6 bei mir waren und ich dem Ouzo zusprach, fragte ich G.: „Sollen wir „Schwesternschaft“ trinken? Möchtest du meine Schwester werden?“

Da fiel mir G. um den Hals. Sie war begeistert von der Idee.

Wir nahmen jede ein Ouzo-Pintchen. Die das Gefäß haltenden Arme griffen gegenseitig durch die Armbeuge des anderen und wir hakten uns sozusagen unter. Dann tranken wir Schwesternschaft.

Damit war es besiegelt. Jetzt habe ich 2 Schwestern!

Silvester 2018 im GTH

Wie auch schon im Jahr davor brachte uns das Team des Sozialen Dienstes am Nachmittag des 31.12. auf die richtige Stimmung zum Jahreswechsel. Dazu hatten sie einen Servierwagen ausgestattet mit Leckereien und Getränken, viele davon alkoholisch und einem Tablet und einem Bluetooth-Lautsprecher.

So zogen sie mit lauter Party-Musik und guter Laune über die ganzen Wohnbereiche. Sie verteilten Knabbereien und Getränke. Da sie oben auf WB4 anfingen und den Spirituosen auch selber zusagten – man musste ja anstoßen! – waren sie schon sehr lustig, als sie bei uns ankamen.

Ich probierte einen Ouzo. Huiuiui! Der hatte es in sich! Ich prustete ziemlich alles wieder aus! Aber schon bekam ich einen zweiten. Angereicht wurde in kleinen Medikamententöpfchen. 😁 😂 🤣 Den zweiten Ouzo verprustete ich nicht komplett.

„Dann müssen Sie noch einen dritten nehmen! Dann klappt’s!“, meinte Frau Sp. vom Sozialen Dienst. Als Griechin kennt sie sich mit Ouzo aus.

Das lehnte ich allerdings ab. Ich begann schon den verprusteten Alkohol zu spüren. 🙄

Die Damen zogen mit dem Wagen weiter. Als ich wieder in mein Zimmer kam, fand ich auf meinem Tisch auf einer Serviette angerichtet Salzstangen, Chips und Flips.

Und ein Pintchen Ouzo! 🤩

Klärende Gespräche

Heute hatte ich einige klärende Gespräche mit den beiden jüngeren meiner Tischfamilie, U. und Herrn H..

Da hat sich für mich einiges geklärt. Beide sind / waren krank.

Herr H. hatte einen grippalen Infekt und kehrt erst langsam wieder in den Alltag zurück. Großen Appetit hat er noch nicht. Er isst noch sehr wenig am Mittagstisch.

pixabay.com – ©Clker-Free-Vector-Images

 

U. hat eine Halsentzündung. Allerdings heute kein Fieber mehr. Ich habe ihr heute erst mal Salbei-Bonbons geholt und ihr gesagt, sie müsse viel trinken.

pixabay.com – ©Clker-Free-Vector-Images

Als der eine Pflegeschüler mich sah, als ich vom Einkauf zurück kam, erzählte ich ihm von den Salbeibonbons. „Hach, das ist gut, dass sie sich ein wenig um sie kümmern. Dann ist sie bestimmt schnell wieder fit!“, sagte er.

Jetzt kann ich vieles verzeihen!😉

Meine Tischfamilie macht mir Kummer

Meine derzeitige Tischfamilie besteht nur aus 4 Personen. Aber das ist kein richtiger Zusammenhalt.

Man bleibt nicht bei Tisch noch zusammen sitzen und erzählt.

Man wartet nicht aufeinander.

Wenn einer fertig ist mit seiner Mahlzeit steht er/sie auf und verlässt den Tisch.

Manchmal sogar ohne ein Wort.

Was sind das für Manieren?!

Die einzige, die wartet, die sich verabschiedet, bin ich.

Doch langsam sehe ich das nicht mehr ein, zu warten. Wenn ich gehen will, verabschiede ich mich. Wenigstens das mache ich.

Vor allem von U. bin ich oft sehr enttäuscht. Denn oft, wenn sie wortlos verschwindet, gesellt sie sich an einen anderen Tisch und unterhält sich dort mit Bewohnern.

Dann bin ich eifersüchtig und werde traurig.

Dass Frau F. sich in ihrer eigenen Welt bewegt, war immer schon so. Das ist etwas anderes. Jedoch kommt sie zum Frühstück nicht mehr runter. Da bleibt sie auf ihrem Wohnbereich.

Heute Mittag war U. wieder nicht unten. Sie ist heute auf dem Zimmer geblieben. Gestern kam sie wenigstens zum Mittagessen runter.

Herr H. kommt eh nur zum Mittagessen runter. Aber er ist momentan krank.

Das Abendbrot nehme ICH oben ein. Schon seit einiger Zeit ist das so. Es ist für mich viel entspannter. Denn unten war ich die einzige, die die Regeln befolgte und erst ans Buffet ging, wenn mein Tisch aufgerufen wurde. Weil ich dann die einzige an unserem Tisch war, wurde ich vergessen. Dann werde ich wütend. Oben alleine habe ich meine Ruhe. Diese Regel mit dem Tisch-weise nach Aufruf des Tisches an das Buffet zu gehen, finde ich total blöd!

Ich frage mich: Sehe ich das ganze zu streng? Wenn ich mich an Regeln halte, dann erwarte ich das auch von den anderen. Dann könnte ich vor Wut ausrasten, wenn die anderen die Regeln nicht befolgen. Da ist es schon besser, wenn ich abends alleine oben esse.

Oft vermisse ich dann meine erste Tischnachbarin, Frau K..

Von Leuten, die nicht hier wohnen, wird mir dann gesagt, die Bewohner sind alle in gewisser weise krank. Da könne man nicht erwarten, dass sie sich „normal“ verhalten. Na super! Und ich? Ich bin auch nicht als Gesunde hier! Und wenn ich dann ausraste, schickt man mich in die Klapse. Alles schon geschehen. Ich sei eine Gefahr für mich und für andere. Dabei bin ich nur total traurig und wütend.

Jetzt nehme ich mich zusammen und heule mir alleine auf meinem Zimmer die Augen aus! Allerdings knalle ich auf dem Weg dahin wütend jede Tür. Kindisch.!

Die Balance erhalten

Geht es euch auch so? Die Feiertage haben mich träge werden lassen. Die vielen Leckereien lassen meine Muffin-Figur wachsen. 😞

Was eine Muffin-Figur ist? Nun, das ist der Bauchspeck, die Fettrolle, die Wampe usw. die wie ein Muffin über den Hosenbund quillt. Diesen Begriff fand ich so passend, dass ich ihn verwenden will. Der Begriff „muffin-top“ stammt ursprünglich aus Australien, von australischem Slang.

Diese Trägheit und Figur schreien einfach nach Bewegung!

Auch wenn ich nicht mehr richtig Sport machen kann, Bewegung ist auch im Rolli möglich! Ich freue mich jetzt schon auf die Sitzgymnastik am Montag!

Trotzdem schaute ich wieder bei den Bewegungshäppchen vorbei. Da fand ich einen wunderbaren Beitrag zu Balance.

Aktivierungsexpertin Bettina M. Jasper nimmt uns in diesem Teil der Videoserie mit in eine „Baumschule“. Beim stabilen Aufrichten wie ein Baum werden Standsicherheit und Körpergefühl trainiert und gleichzeitig die Fantasie angeregt.

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