Wohnen im Alter muss nicht langweilig sein!

Bei meinen Streifzügen durch das Netz landete ich auf der Seite von Tom Köhler, Immobilien- und Architektur-Fotograf. Er lebt und arbeitet in Hamburg. Die Stadt bietet ihm viele Motive. Dort fand ich auch das Bild vom Evangelischen Altenheim Hamburg Harvestehude. Dieses Bild hat meinen Blog mit seinem verknüpft! Cross-over Architektur / Altenheim

Mit seiner Genehmigung darf ich es hier zeigen:

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 Architekturfotografie Hamburg

WM-Kader des GTH

Ursprünglich veröffentlicht Juni 27, 2014 zur Fußball WM 2014

 

Astrid Götze-Happe / pixelio.de
Astrid Götze-Happe / pixelio.de

Wieder einmal war es sehr lustig beim Frühstück. Zwei Damen saßen bereits am Tisch, als ich kurz nach acht dort erschien. Frau K. ist wie ich sehr WM-interessiert. Bald sprachen wir über das gestrige Spiel. Natürlich hatten wir es am Fernseher gespannt verfolgt. Wir waren uns einig, dass die deutsche Mannschaft sehr zäh und pomadig zeigte.

„Tja“, sagte ich, „wir würden das ganz anders machen!“

„Genau!“, pflichtete mir Frau K. bei.

„Sie wären vorne im Sturm“, sagte ich, „ich in der Verteidigung.“

Kurt Michel / pixelio.de
Kurt Michel / pixelio.de

Frau K. kicherte herzerfrischend. Da merkt man ihr ihre 94 Jahre nicht an. Wie ein junges Mädchen hatte sie Spaß an der Vorstellung.

„Und wo setzen wir Frau W. ein?“, fragte ich, auf die dritte an unserem Tisch sitzende Bewohnerin zeigend.

„Hm… ich weiß nicht…“, sinnierte Frau K.

„Ach“, sagte ich, „unsere quirlige Frau W. ist doch der geborene Libero!“

Jetzt lachte Frau K. laut! 😀

Dann erschien Frau M.

„Wo setzen wir Frau M. denn ein?“, rätselte ich. „Ah… sie kommt ins Tor!“

Stephanie Hofschlaeger / pixelio.de
Stephanie Hofschlaeger / pixelio.de

Ihren Posten als Torwart musste sie beim Mittagessen allerdings wieder aufgeben. Da fand sie nämlich den Dessertlöffel nicht. Er lag vor ihr. Aber sie sieht halt sehr schlecht.

„Oh je! Frau M. im Tor, das geht gar nicht! Sie kommt erst mal auf die Ersatzbank.“, beschloss ich. „Und wo ist überhaupt Frau S.?“

Frau S. war beim Friseur, der montags und freitags immer im Haus ist. Sie saß unter der Trockenhaube. Da sie aber die fitteste unter uns ist, viel spazieren geht und sich an der frischen Luft aufhält, sollte sie unbedingt im Kader sein, entschieden Frau K. und ich. Aber wo wollten wir sie plazieren?

„Sie ist Rechtsaußen!“, entschied Frau K.

„Prima! Rechtsaußen. Das passt! … Jetzt fehlt nur noch Frau V.“, sagte ich und meinte die sechste Dame an unserem Tisch. Sie kommt mittags allerdings nie zum Essen. Daher mussten Frau K. und ich die Entscheidung fällen. Wir setzten sie als Auswechselspieler auf die Ersatzbank.

S. Hofschlaeger / pixelio.de
S. Hofschlaeger / pixelio.de

Damit stand also der WM-Kader des GTH-Tisch 2 fest. 😀 Wenn man sie motiviert und ihre Fantasie anregt, kichern und spielen sie mit und wirken plötzlich um Jahre jünger und agiler! Ich hatte meinen Spaß!

Verena N. / pixelio.de
Verena N. / pixelio.de

Wer arbeitet im Altenheim?

zuerst erschienen

Jetzt blogge ich schon seit gut drei Wochen aus dem Heim. Da ist es wirklich an der Zeit, mal etwas über die fleißigen Hände hier zu berichten.

Aus welchen Fachrichtungen setzt sich das Beschäftigtenteam hier im Haus zusammen? Wer arbeitet im Altenheim?

Es gibt:

  • Dipl.-Sozialpädagogen
  • Gesundheits- und Krankenpfleger
  • Altenpfleger
  • Altenpflegehelfer
  • Krankenpfleger
  • Krankenpflegehelfer
  • Hauswirtschafter
  • Hauswirtschaftshelfer
  • Köche
  • Hausmeister / Haustechniker
  • Ernährungsberater
  • Dipl.-Psychologe
  • Diakone
  • Ergotherapeuten
  • Logotherapeuten
  • Physiotherapeuten
  • Osteopathen

Die vier Letztgenannten gehören dem Interdisziplinären Therapiezentrum an, das dem Haus angegliedert ist; eine Win-win-Situation.

Hinzu kommen etliche Auszubildende, Praktikanten, ehrenamtliche Helfer und ein Bufdi.

Das klingt nach einem großen, personellen Stab. Doch es ist hier nicht anders, als anderenorts. Personal ist teuer und daher ist die Personaldichte knapp. Doch die Menschen, die hier arbeiten, sind mit ganzem Einsatz und viel Engagement bei der Sache. Sie sorgen dafür, dass sich die Bewohner wohl fühlen können.

Friedenstaube (Origami)

So langsam bin ich nicht mehr nur die Chronistin des Gerhard Tersteegen Hauses, indem ich alles was hier so passiert in meinem Blog festhalte. Ich werde auch zur fleißigen Unterstützer der Gottesdienste im GTH, indem ich immer häufiger die Lesungen halte.

Beides macht mir sehr viel Freude und gibt mir das Gefühl, gebraucht zu werden. Das ist für die meisten Menschen auch wichtig. Ich bin da keine Ausnahme.

Morgen Mittag haben wir Gottesdienst. Pfarrerin Grünhoff hat mich gefragt, ob ich eine Friedenstaube für den Gottesdienst basteln könne. Außerdem erhielt ich den Lesungstext.

Nun habe ich heute Nachmittag versucht, mit Origami eine Friedenstaube zu basteln. Nach vielen vergeblichen Versuchen, klappte es dann doch noch. Hier ist sie:

Basteln mit dem Wohnbereichsmaskottchen

Am vergangenen Sonntag war wieder die 9-jährige Tochter einer Pflegerin von mir bei mir zu Besuch.

Dieses Mal begannen wir damit, dass wir Karten spielten, „Letzte Karte“. Als sie nämlich das Mal zuvor bei mir war, hatten wir auch gespielt und sie hatte leider verloren. Nun wollte sie Revanche, sprich auch mal gewinnen. Das gelang ihr auch. Dann konnten wir aufhören, Karten zu spielen. Nun war es an der Zeit zu basteln! 😁

Ich hatte mir von der Hauswirtschaft Pappteller und Strohhalme besorgt. Ich wollte Blumen zur Fensterdeko basteln.

Doch eigentlich wollte ich dafür flache Pappteller haben.

Aber ich bekam nur tiefe Suppen-Pappteller. Hmpf… 😟

„Das macht doch nichts“, meinte meine Bastelfee. Sie schnibbelte Strohhalme klein in einen Teller. Dann klebte sie einen zweiten Teller Rand auf Rand an den ersten Teller. So hatte sie blitzschnell eine Rassel gebastelt. Nun verzierte sie die Rassel mit bunten Filzstiften. Voilà!

Ich tackerte die Teller noch zusammen, damit auch wildes Rasseln möglich war. Es lebe der Einfallsreichtum der Jugend!

Leben lernen mit einer unheilbaren Krankheit

Unter diesem Titel lud die 16-jährige Leonita S., 2 Wochen lang Praktikantin im Sozialen Dienst des Gerhard Tersteegen Hauses, die Bewohner zu einer Gesprächsrunde ein.

Das interessierte viele Bewohner. Denn fast alle von uns haben so ein Schicksal. Daher war der Seminarraum auch gut gefüllt.

 

Um das anzustoßen, begann Leonita. Ihre Stimme war recht schwach. Daher bekam sie ein Mikro. Dann stellte sie sich vor und begann die Gesprächsrunde damit, erst einmal indem sie uns alle begrüßte und dann erklärte, wie sie sich das Ganze vorstellte.

Sie erzählte erst einmal von sich. Vor drei Jahren bekam sie die ersten Symptome der Friedreich Ataxie. Das ist eine sehr seltene Erkrankung. Sie hat vielfältige neurologische, psychische, orthopädische und kardiologische Symptome. Trotzdem sei sie ein sehr positiver Mensch und genieße das Leben, wo es nur geht. Das verdanke sie ihrer Mutter. Ihr absoluter Wunschtraum sei es, einmal einen Fallschirm-Sprung gemacht zu haben! Die Gesprächsrunde habe sie sich so vorgestellt, dass sich jeder kurz vorstelle, seine Einschränkung/Krankheit und dann seinen Wunsch, den er für sich habe, nenne.

Es wurde eine sehr interessante Runde, geleitet und moderiert von Frau Faust, der angestellten Diplompsychologin für den Wachkoma-Bereich des Gerhard Tersteegen Hauses. Außerdem leitet sie den Sozialen Dienst des GTH.

Dieser Blick über den Tellerrand ließ uns Eindrücke gewinnen, sehen, wie andere Menschen leben. Das tat gut, dem Einzelnen und der Gemeinschaft!

 

Wo bin ich hier eigentlich?

ursprünglich erschienen August 17, 2014

„Wo bin ich hier eigentlich?“, fragte neulich Frau W.

„Ich weiß gar nicht, was ich hier will.“ Frau M. umrundet schon zum x. Mal den Speisesaal, unseren Frühstückstisch. Gefrühstückt hat sie schon längst. Und zum Rauchen draußen gewesen, ist sie auch schon.

Frau B. sitzt alleine an ihrem Tisch, wiegt den Oberkörper vor und zurück und gibt in regelmäßigen Abständen Summlaute von sich.

Frau S. versucht ihr Sonntagsei zu pellen. Da es sehr frisch ist, scheitert sie kläglich. Bevor sie das Eigelb, was aus dem Eiweiß herausgerollt ist, frustriert durch die Gegend wirft, eilt eine Hauswirtschaftskraft herbei und hilft ihr.

„Die Eier sind ganz frisch. Deshalb lassen sie sich schlecht pellen“, erklärt sie.

Andreas Hermsdorf / pixelio.de
Andreas Hermsdorf / pixelio.de

Ja, die Eier sind ganz frisch! Sie sind innen goldgelb und schmecken wunderbar! Das besänftigt mich ein wenig, denn sie schmeckten wirklich toll! Ansonsten war ich kurz davor, mit Frau W.s Worten zu fragen:

„Wo bin ich hier eigentlich?“

„Im Irrenhaus???“