Veranstaltungen im November 2022

Im Gerhard Tersteegen Haus in Krefeld

Konzert mit Swing Duo

Endlich hatten wir wieder ein Konzert im Haus! Eigentlich sollte es ein Garten-Konzert werden. Aber seit Oktober finden alle Veranstaltunen wieder IM Haus statt. Gott sei Dank!

Reihum gefiel den Bewohnern die Musik sehr gut. Leider ging sie auch über Verstärker. Dadurch war sie den meisten viel zu laut. Auch vielen Senioren. Ich konnte wenigstens mit dem E-Rolli ganz ans hintere Ende des Raums flüchten. Da war es auzuhalten.

Doch nach 15 bis 20 Minuten hatte mich das ganze dermaßen geschlaucht, dass ich den Rückzug antrat.

Langsam trudeln sie alle wieder ein

Ich saß vor ein paar Tagen plötzlich ganz allein an meinem Tisch im Speisesaal.

Ganz ungewöhnlich kam ich morgens als erste an den Tisch unten. Normalerweise ist Bewohner 1 IMMER der erste. Er ist oft sogar schon dort, wenn es noch dunkel ist. Aber an diesem Tag war ich mit meinem Frühstück schon fast fertig, als er erschien.

Er sah ganz krank, eingefallen und grau aus. Er wirkte gealtert, sodass ich mir richtig Sorgen machte. Außerdem hustete er ganz schrecklich.

Dann musste er für 1 – 2 Tage das Bett hüten. Als er wieder nach unten kam, sah er VIEL besser aus! Allerdings erzählte er merkwürdige Sachen die Nachts (wohl in seinen Fieberträumen) geschehen seien.

Da ich an einem Tisch mit Bewohnern im Alter von 90+ sitze, bin ich mir darüber bewusst, dass ich sie alle überleben werde.

Wenn sie mich dann einer nach dem anderen innerhalb kürzester Zeit verlassen und man hört, Bewohner 2 ist im Krankenhaus. Einige Tage danach hieß es Bewohner 3 sei jetzt auch im Krankenhaus.

Doch nun trudelt meine Tischfamilie Bewohner für Bewohner wieder ein. Ich freue mich darüber.

Es ist wie in einer „normalen“ Familie. Man kann nicht MIT ihnen aber auch nicht OHNE sie.

Demenz – Das große Vergessen

Die Süddeutsche Zeitung hat einen Podcast über Demenz mit interessanten Stimmen zum Thema gemacht:
Ehefrau eines Mannes, der mit Mitte 70 an Demenz erkrankt | Wissenschaftler | Redakteur der SZ

Es ist sehr interessant. Es lohnt sich die 38 Minuten Podcast ganz zu hören.

Süddeutsche Zeitung

Über den Mund fahren

Manchmal könnte ich schreien…

Sagen: „Nun lass sie doch mal!“

Aber sie gibt ihr gar keine Chance,

fährt ihr einfach über den Mund.

OK, sie ist eben schneller.

Sie holt sich ihre Kraft

indem sie sich um ihre Zimmergenossin (Y) „kümmert“

O-Ton: „Ohne mich käme sie gar nicht zurecht!“

Ihr Selbstwert wird für sie dadurch gesteigert, dass sie „hilft“.

Wo Y tatsächlich Hilfe braucht, ist räumliche Orientierung.

Beide Damen sind 90+ Jahre alt.

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Vielleicht bin ich mit meinen 55 Jahren einfach zu streng.

Nicht nur streng, auch unwissend, ignorant.

Das merkte ich, als ich mit einer Pflegerin über Demenz sprach.

Die Pfleger|innen sind sehr gut ausgebildet. Mit ihrem Fachwissen kann ich nicht mithalten. Zudem haben sie Berufserfahrung.

Veranstaltungen im Oktober 2022

Im Gerhard Tersteegen Haus in Krefeld

Geburtstag 2022

Vorgestern feierte ich bereits zum neunten Mal meinen Geburtstag im Gerhard Tersteegen Haus (GTH).

Es war ein ganz toller Tag für mich. Ich bekam einiges geschenkt. Einige Freunde riefen an. Mir wurden Ständchen gesungen. Einige liebe Menschen kamen selber vorbei.

Es war ein rundum SCHÖNER TAG !!!

Natürlich war er sehr anstrengend für mich. Aber dieser Tag ist nur 1 x im Jahr! Da macht es nichts aus wenn die nächsten Tage beschwerlich sind. Ich schwebe immer noch auf der Wolke der schönen Erinnerungen!

Die Tür zu meinem Zimmer war geschmückt!
Ein schön geschmückter Teewagen mit Blumen, Kuchen, Sekt und O-Saft wurde mir vom Pflegeteam unseres Wohnbereichs ins Zimmer geschoben.

Alle gratulierten und einige Mutige sangen HAPPY BIRTHDAY.

Ich fühlte mich glücklich!

Jedem Einzelnen zu danken übersteigt meine Kräfte. Darum fühlt euch bitte alle angesprochen wenn ich DANKE sage! 🥰

Der ganze Tag war wunderschön!

Gefühlschaos

Das ist ja nichts neues. Immer wieder habe ich Stimmungsschwankungen. Ich hadere mit mir und dem Gedankensalat in meinem löchrigen Hirn.

Ich sehe all das, was andere können und ich nicht. Schon allein wegen des Rollis komme ich nicht überall hin.

Die anderen sprinten die Treppen hoch und erwischen gerade noch den Zug der nur stündlich fährt.

Ich warte dann die ganze Stunde.

Ach ja, das war zu jüngeren Zeiten. Die Mittfünfziger sind oft auch nicht mehr so spritzig. Sie jagen auch nicht mehr so treppauf treppab.

Immer wieder bin ich so grantig wenn ich nicht mal eben kleine, kurze Notizen zur Erinnerung schreiben kann. Mittlerweile schreibe ich nur noch Druckschrift. Ich hatte mal eine so schöne Schrift.

Ich vergleiche viel zu oft heute mit früher.

Aber bei so einem Vergleich schneidet keiner gut ab.

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Das alles vor dem Doppelstrich schrieb ich vor 2 Tagen.

Dann hatte ich ganz lieben Besuch gestern. Meine Mutter war hier um mir mit der Post etc. zu helfen. Ich erzählte ihr von meinen grauen Gedanken.

„Ach…“ seufzte sie kummervoll: „Ich verstehe dich nur zu gut! Aber es bringt uns nicht weiter.“

So weit war ich ja auch schon gekommen.

Doch dann erzählte sie mir etwas neues. „Versuche mal nicht gegen die MS anzukämpfen sondern mach sie zu deiner Freundin. Gegen eine Freundin kämpfst du nicht. Im Gegenteil. Du versuchst ihr etwas Gutes zu tun. Das macht dein Leben leichter und nicht immer so anstrengend. Dann kannst du deine Kraft für anderes nutzen.“

.oO(Hm… stimmt… das wird nicht leicht sein… aber einen Versuch ist es wert. Ich kann nichts Gutes verlieren, nur Gutes gewinnen. So lets go for it! )

Schlaf

Gesprächsthema am Frühstückstisch

Manchmal könnte ich lachen wenn ich den Tischgenossen Generation 90+ an meinem Tisch zuhöre.

Die erste Frage, die einem morgens gestellt wird, wenn man am Tisch Platz nimmt, lautet:

„Und? Gut geschlafen?“

Übliche Antworten:

1

„Hörn Sie mir auf! Gar nicht habe ich geschlafen! Um 5 Uhr bin ich dann endlich eingeschlafen. Und dann war es wieder Frühstückszeit.“

Sie seufzte theatralisch.

2

Ich habe mich die ganze Nacht hin und her gewälzt. Konnte einfach nicht schlafen. Das ist ja so grässlich!

Die anderen nicken oder fragen : „Was hat er gesagt??? Ich glaube mein Hörgerät braucht neue Batterien.“

Als Hörgeräte-Träger muss man seine eigene Stimme sehr laut hören. Folge: man spricht sehr leise, weil man sonst meint man würde schreien.

3

„Ich habe endlich mal wieder gut geschlafen!“, strahlend und zufrieden lehnte sie sich auf ihrem Stuhl selbstgefällig zurück.

„Oh … sie Glückliche …“, tönte es von den anderen Tischgenossen neidisch zurück.

Aber eine kleine Spitze konnte ich mir nicht verkneifen: „Na … dann wird die nächste Nacht wieder wie früher. Zwei gute Nächte hintereinander…“

Es wurde wieder theatralisch geseufzt.

Dornröschenschlaf

Vergangene Woche gab es ganz unerwartet ein wunderbares Tischgespräch.

Eine sonst stets schweigsame, zurückgezogene Bewohnerin des Tisches taute regelgerecht auf und erzählte uns von ihrem Beruf früher.

Was früher einmal war, daran erinnert sich der demente Mensch am besten.

Die Zimmermitbewohnerin (sie haben ein Doppelzimmer) half Frau Z immer wieder auf die Sprünge wenn sie stockte.

Bild von Jo Justino auf Pixabay

Viele Bewohner sind mehr oder weniger dement. Aber beim Gespräch über den Beruf, den sie früher ausgeübt haben, erwachen sie aus ihrem Dornröschenschlaf.

Frau Z war niemals verheiratet. Der etwaige Bräutigam war der Mutter nie gut genug. So waren Frau Z und ihre Schwester nie vermählt.

Der Bruder schon. Er schenkte der Mutter drei Enkelkinder. Das sind die heißgeliebten Neffen der Schwestern. Diese Neffen besuchen ihre Tante Frau Z treu einmal wöchentlich hier im Gerhard Tersteegen Haus in Krefeld. Die Neffen selber wohnen in den Niederlanden.

Ach, ich komme von X nach U. Für heute soll es das gewesen sein. Es ist eben auch für mich eine interessante Geschichte.