Hr. OX schreibt von der Schulzeit (02) 

Hr. OX schreibt von der Schulzeit (01)

Monsterdiagnose

„Wir haben ja eine ähnliche Krankheit“, meinte Fr. X heute zu mir.

„Nicht wirklich“, sagte ich.

Sie hat ALS (Amyotrophe Lateral Sklerose).

Ich dagegen MS (Multiple Sklerose).

Beide sind Erkrankungen des Zentralen Nervensystems.

Allerdings betrifft ALS die Motoneurone, die Muskeln.

MS greift die Markscheiden der Nerven des zentralen Nervensystems, die elektrisch isolierende äußere Schicht der Nervenfasern im Zentralnervensystem (ZNS) an.

Mit MS kann man alt werden. Die Lebensdauer ist unwesentlich kürzer als die eines durchschnittlichen, gesunden Menschen.

„In vielen Fällen führt ALS innerhalb weniger Jahre zum Tod.“ (NetDoktor)

Allerdings wurde der wohl prominenteste Mann mit ALS 76 Jahre alt. 1963 wurde ALS bei ihm diagnostiziert. Er starb am 14. März 2018 im Alter von 76 Jahren.

Auch Fr. X. ist schon über 80

Was folgern wir daraus?

#MSisAbitch #ALS

„Tja, ALS ist eben eine Monsterdiagnose!“ , meinte Fr. X.

Es gibt nichts was es nicht gibt.

Also bleibt locker. Bleibt entspannt. Dadurch lässt sich viel besser leben. ..ooO(Das hätte mein Vater zu mir gesagt.)

Gerhard Tersteegen Haus wird 23

Es war ein rauschendes Fest! Herr Albers, stellvertretende Einrichtungsleitung eröffnete die Feier. Danach gab es Sekt oder Saft.

Auch eine Geburtstagstorte durfte natürlich nicht fehlen.

Es gab gute Live-Musik. Skotty, der trompetende Eismann war mehrere Stunden vor Ort und spielte wunderbar Trompete. Da mir seine Musik gefällt, fand ich sie nicht zu laut. Einige ältere Bewohnerinnen sahen das wohl nicht so. Sie sagten die Musik sei nicht schön gewesen, nur laut und schrill. Außerdem hätte man gar nicht mitsingen und schunkeln können!

„Speis und Trank“ traf jedoch den Geschmack fast aller. Würstchen wurden gegrillt. Dazu gab es Salat und Brot.

Es gab eine kleine Zwischenaktionen von den Angestellten.

Auch eine Bewohnerin hielt einen kleinen Vortrag. Erstaunlicherweise las sie den nicht von einem Skript ab. Sie wusste alles auswendig!

„Ach, das habe ich früher so oft vorgetragen. Irgendwann braucht man dann kein Skript mehr“, sagte sie. „Ich habe noch so viel auf Lager. Vielleicht fragt man mich an Weihnachten.“

Sie hatte früher zwei Altenclubs betreut. Man merkt es ihr noch heute an, dass sie früher (auch beruflich) das Sagen hatte.

Es war wirklich ein gelungenes Fest!

Es geht weiter!

Bild von Jill Wellington auf Pixabay

Als ich meine Unterlagen durchsuchte auf der Jagd nach etwas ganz anderem, fand ich eine Mappe mit weiteren Blättern von Herrn OX!

Juhu! Ich freute mich sehr!

Das heißt, ich werde euch demnächst noch weitere Kapitel vom Leben des Bewohners Hr. OX erzählen können!

Seid also gespannt!

Kondensstreifen

Wenn man sich umschaut, könnte man zu dem Schluss kommen, Corona war einmal. Der böse Spuk sei Geschichte.

Kaum noch einer trägt eine Schutzmaske in den Einkaufstraßen. Auch in vielen Geschäften ist Maske tragen nicht mehr ausdrücklich Pflicht.

Die Deutschen sind wieder auf Reisen. Innerhalb Deutschland. Im eigenen Land gibt es viele begehrte Ziele.

Auch Fernreisen werden wieder angetreten. Das zeigt die massive Bildung von Kondensstreifen am Himmel.

Bild von andromeda08 auf Pixabay 

Diese sorgen leider dafür dass sich der blaue Himmel, den wir zu Lockdown-Zeiten hatten immer mehr eintrübt.

Wie in Zeiten vor Corona zeigen sich Deutsche als sehr reisewillig. Corona scheint vergessen. Die ganzen Verhaltensregeln wurden aufgegeben. Die sommerlichen Temperaturen lassen die 7-Tage-Inzidenz sinken.

Trotz allem sterben täglich viele Menschen an Covid-19.

Photo by Valeria Nikitina on Pexels.com

Corona wird uns noch lange beschäftigen. :

Lasst uns daraus lernen.

Lasst Egoismus Platz machen für Gemeinnützigkeit, Hilfsbereitschaft, Kameradschaft, Mannschaftsgeist.

Dann haben wir (und die kommenden Generationen) eine Zukunft.

Gedenkfeier für verstorbene Bewohner

Zum ersten mal seit Corona konnten wir endlich wieder eine Gedenkfeier abhalten.

Da mein Vater auch in der Zeit (19.03.2022) starb, ging ich aus ganz persönlichen Gründen zu der Veranstaltung. Ich konnte ihm noch einmal gedenken. Er wurde zwar nicht aufgerufen denn er war ja kein Bewohner des Gerhard Tersteegen Hauses war. Aber es war ein würdevoller Rahmen, um noch einmal an ihn zu denken.

Wir saßen in einem großen Kreis. Auf einer Kommode waren echte Kerzen aufgestellt. Sie warfen ein heimeliges Licht in den Raum.

Auf der Kommode waren außerdem viele Karten mit Blumenblühten aufgestellt. Ein Gesteck stand in der Mitte vor einem runden, mit Granulat bestreuten Edelstahl-Tablett.

Da hatten Fr. Faust und ihre Kolleginnen vom Sozialen Dienst eine wunderbare Atmosphäre geschaffen.

Nun wurden der Reihe nach die Verstorbenen der ersten 3 Monate des Jahres 2022 vorgelesen. Zu jedem wurden ein paar Worte gesagt, die diesen Menschen ausgezeichnet hatten. Auch Bewohner aus der Runde sagten zu manchen Bewohnern etwas.

Danach wurde für jeden Verstorbenen ein Teelicht angezündet und auf das runde Tablett gestellt.

Zum Schluss war das Tablett ganz voll. Es sah so schön aus!

Nun schaltete Fr. Faust die Musik an: „Time to Say Good Bye“

Andrea Bocelli, Sarah Brightman – Time To Say Goodbye (HD)

April, April… schon Ende März?

Das schoss mir in den Kopf, als ich heute morgen wieder den Speisesaal betrat.

Was ich mir alles so schön erklärt hatte mit dem Corona Abstand war irgendwie nicht mehr wahr.

Die Tische waren wieder zusammengeschoben worden. Die alten Tischgemeinschaften saßen wieder, wie früher, eng beieinander an ihren alten Tischen. Die kleinen Tische waren verschwunden.

Es waren sogar noch mehr Bewohner unten.  Die Leitung hatte beschlossen, das möglichst viele Bewohner wieder nach unten kommen sollten.

Im Prinzip beschloss sie für uns Bewohner im Gerhard Tersteegen Haus ähnliches wie die Politik für die Menschen draußen. Viele Regeln sollen gelockert werden.

Vielleicht hängt das auch damit zusammen, dass die neue Corona-Variante ansteckender ist als je zuvor.  Man sagt, wer sich bis jetzt noch nicht Infiziert habe, habe vielleicht einen stillen Verlauf gehabt.  Dann würde er heute als genesen gelten.

Endlich wieder gemeinsam essen

Ich konnte nie verstehen, warum wir im März nicht wieder im Speisesaal essen konnten.

Dabei war überall von Lockerungen der strikten Verhaltensregeln zu hören und zu lesen.

Warum nicht bei uns??

Heute konnten wir selber sehen warum.

Denn seit heute Morgen dürfen wir wieder runter.

Wir waren alle begeistert einander wiederzusehen! Das Speisen allein auf dem Zimmer oder im kleinen Speisesaal war doch recht einsam. Außerdem isst man (oder ich) weniger, weil man selber bestimmen kann was und wie viel man mag. Oben erhielt ich immer zu große Portionen. Da ich Essen nicht gerne wegschmeiße, habe ich brav immer aufgegessen. Das fiel mir nicht schwer. Die Speisen sind sehr schmackhaft.

Doch als Rollifahrerin bekommt man eh zu wenig Bewegung. Außerdem nimmt man ab 50 schnell zu und langsam ab. Das sagte meine Mutter oft. Ich konnte es nie glauben. Dachte immer es sei doch alles eine Frage des Wollens. Jetzt mit Mitte 50 merke ich, dass sie leider recht hat.

Abgesehen von der Wiedersehensfreude stellten wir fest, dass der Boden blitzeblank gewienert war. Außerdem waren die Tische anders geordnet. Jetzt wurde mehr dafür gesorgt, dass die erforderlichen Abstände eingehalten werden. Ich hatte mich immer schon gewundert, dass an manchen Tischen die Bewohner mit ihren Tischnachbarn so nah beieinander saßen.

Jetzt nicht mehr. Viele große Tischgemeinschaften wurden aufgeteilt. Dafür gab es eine Menge neue kleine Tische. Jetzt ist alles regelkonform.

Auch an unserem großen Tisch gab es einen freien Platz. Der wird jetzt belegt. Heute war die entsprechende Bewohnerin nicht da. Ich weiß jedoch wer sie ist. Ich habe damals schon über ihren ‚Beruf früher‘ geschrieben.

Vielleicht ist sie ja morgen da.

Harfenspiel 2022

Nach zwei Jahren Corona-Pause, konnten wir wieder Fr. Krystyna Dombik mit ihrer Harfe bei uns begrüßen.

Ganz verzückt lauschten wir den verträumten, verzaubernden Klängen.

Sie wirken sehr beruhigend.

So war der kleine Speisesaal voller Bewohner auch erst voller Erwartung.

„Kommt da gleich jemand?“

„Wann kommt denn endlich jemand?“

„Ich muss aufpassen! Meine Mutter kommt doch gleich“ , sagte eine ~70järige Bewohnerin mit einem Teddy im Arm.

Es wurde unruhig. Diese Dame war gar nicht von unserem Wohnbereich. Sie musste vom „Beschützter Wohnbereich“ einer anderen Etage ausgebüxt sein. Dort wohnen stark demente Bewohner.

Es ist jedoch keine geschlossene Abteilung. Die Bewohner können kommen und gehen, wie sie möchten (was aber selten einer von ihnen möchte oder kann).

Wenn sie noch Fußgänger sind, muss das Personal ganz besonders auf sie aufpassen.

Es gibt jedoch auch Bewohner dieses Bereichs mit großem Bewegungsbedarf, die aber immer wieder zurück kommen. Dann passt auch der Pförtner auf wer geht und kommt und sagt das der Pflege von diesem Bereich.

Das Konzert hat mir sehr gefallen. Auf mich wirkt diese unaufgeregte Musik sehr beruhigend. Ich bin immer sehr unruhig, fahrig, angespannt. Doch diese Musik entspannte mich.