Keine Angst

Gestern Abend habe ich mal wieder einen Film gesehen, der mich in Tränen aufgelöst vor dem Compi zurückließ. Und wieder einmal habe ich gedacht, es gibt viel Schlimmeres, als mit 45 in ein Altenheim / Pflegeheim einzuziehen.

„Keine Angst“ ist ein deutscher Fernsehfilm von Aelrun Goette aus dem Jahr 2009. Er erzählt die Liebesgeschichte von Becky und Bente.

Becky und ihre 3 kleinen Geschwister wohnen in einer Hochhaussiedlung am Rande der Großstadt. Ihre Mutter ist alkoholabhängig. Der Fernseher läuft ständig. Außerdem hat sie ständig wechselnde Männerbekanntschaften. Sie wachsen in der Unterschicht der Gesellschaft auf. Das Leben dort ist geprägt von Armut, Arbeitslosigkeit, Alkohol und Sex.

Bente wächst in einer hübschen Reihenhaussiedlung mit seinen Eltern auf. Seine Lebensumstände kommen Becky märchenhaft vor. Er besucht eine andere Schule. Er will später Medizin studieren. Krasser kann der Unterschied kaum sein, als zu Becky, die ihre berufliche Zukunft in einem Call-Center sieht.

Von der weiteren Geschichte will ich nicht erzählen. Schaut euch den Film an!

„Keine Angst“  – Wiki

Vorlesen – „Die wunderbare Reise des kleinen Nils Holgersson mit den Wildgänsen“ (001)

Gestern habe ich Frau M. wieder vorgelesen. Eigentlich wollten wir ja von Jules Verne: „Reise um die Erde in 80 Tagen“ als neues Buch lesen. Doch dann stellte ich fest, dass ich es noch gar nicht besaß. Aber ich hatte genug Bücher auf dem Kindle. Ich begann Frau M. einige Vorschläge zu machen. Sie entschied sich dann für

Selma Lagerlöf: „Die wunderbare Reise des kleinen Nils Holgersson mit den Wildgänsen“.

Das ist also unser neues Buch!

Insgesamt hat das Buch 2 Teile. In denen reist Nils Holgersson mit den Wildgänsen durch ganz Schweden. Also begannen wir mit dem ersten Teil. Das erste Kapitel trägt den Namen „Der Junge“. Das ist wieder unterteilt in Absätze mit eigenen Titeln. Hier heißt der erste Absatz „Der Kobold“.

Der Titel passte sehr gut zu Frau M.. Sie machte nämlich alle möglichen kleinen Kunststückchen. Sie hörte zwar aufmerksam zu. Doch sie rutschte in ihrem Rolli hin und her.

„Was soll das denn geben?“, fragte ich.

Sie blickte mich mit großen, unschuldigen Augen an und hörte auf sich zu bewegen.

„Soll ich aufhören zu lesen?“, erkundigte ich mich.

„Doch! Weiterlesen!“, flüsterte sie.

Ich las weiter. Der Junge war sehr unartig (ich linste über den Rand meiner Brille). Er wollte nicht mit den Eltern zum sonntäglichen Gottesdienst gehen. Also sollte er den Predigttext in der Bibel nachlesen. Der Vater würde ihn dann später abfragen.

Ein knarzendes Geräusch ließ mich wieder aufblicken. Frau M. begann den an ihrem Rolli festgemachten Tisch in eine gefährliche Absturzlage zu bugsieren.

„Der Tisch stürzt bald ab!“, stellte ich fest.

„Ja“, sagte Frau M. und sah mich mit lustig funkelnden Augen an.

„Dann kommt gleich die Pflegerin!“

„Das soll sie dann auch!“, grinste Frau M..

„Der Kobold“ war nun nicht nur der Titel des Abschnitts im Buch. Der Kobold, nämlich Frau M., saß mir direkt gegenüber!

Ich beschloss, mich nicht weiter ablenken zu lassen und las weiter. Natürlich tat Nils Holgersson nicht, wie der Vater ihm aufgetragen hatte. So geschah es, dass er in einen winzig kleinen Wicht verwandelt wurde. Aber er konnte die Tiere verstehen und die Tiere ihn. Als Martin, der Haus-Ganter, plötzlich den Zug der wilden Gänse auf dem Weg in den Süden erblickte, war Nils auf seinen Rücken geklettert und sie folgten den Wildgänsen.

Hiermit endete der erste Abschnitt.

Bevor Frau M. es geschafft hatte, den Tisch mit einem lauten Knall zu Boden fallen zu lassen, wurde sie von der Pflegerin ertappt. Alles wurde wieder zurecht gerückt.

The Mystery Blogger Award (2)

Hiltrud vom Blog «ilseluise ~ Clownerie & Theologie» hat mich zum Mystery Blogger Award nominiert.

Liebe Hiltrud,
wie du bereits gesehen hast, war ich schon oft zu Awards eingeladen, auch schon einmal zum Mystery Blogger Award. Daher möchte ich nicht komplett noch einmal mitmachen. Aber ich beantworte gerne deine Fragen. Sie gefallen mir!
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1. Was bringt dich zum Lachen?

total platte Witze, manches Kabarett (wie zum Beispiel Die Missfits , schade, dass es sie nicht mehr gibt, aber Gerburg Jahnke ist auch alleine total gut!)

2. Worüber stolperst Du (gerne) (immer wieder) (lieber nicht) (leider doch)?

gerne: über unerwartete positive Entdeckungen
immer wieder: über meine Gutgläubigkeit
lieber nicht: über Hundekothaufen in der Stadt
leider doch: über jede Unebenheit am Boden, wenn ich mit Rollator laufe

3. Wie würdest du mit viel Humor jemandem (wem?) mal so richtig die Meinung geigen, wenn du könntest?

O je… da gibt es so einige… Politiker… wie mit viel Humor, das weiß ich nicht im Vorhinein… so was muss sich spontan ergeben.

4. Wenn du ein Tier sein könntest, welches wärst du dann gern und warum (bitte die Insekten und Amphibien nicht vergessen!)?

Ein Adler – fliegen wäre toll, hoch oben, weit schauen zu können; oder ein Tiger – kuscheliges Fell, mächtig, man muss ihn ernst nehmen, sonst bezahlt man dafür.

5. Dampfbad, Whirlpool, Badewanne, Dusche, Katzenwäsche … oder eher wasserscheu?

Wasser mag ich nur deshalb, weil man gewaschen besser riecht und auch besser aussieht. Daher also am liebsten Dusche.

Ich kann sie so gut verstehen!

Vorhin begegnete ich Frau B. im Gang vor meiner Tür. Sie lief wieder fleißig ihre Runden mit Rollator.

„Guten Morgen, Frau B.! Haben Sie oben gefrühstückt? Ich habe Sie beim Frühstück unten vermisst!“, sagte ich.

Sie zog die Stirn ganz kraus. Dann ließ sie den Kopf hängen und murmelte: „Nein. Ich war hier oben.“

„Aber heute Mittag kommen Sie runter, oder? Wir vermissen Sie unten, Frau G. und ich!“, sagte ich ganz munter.

„Ach, ich glaube ich bleibe lieber oben“, murmelte sie ganz niedergeschlagen.

„Aber warum denn? Geht es Ihnen nicht gut?“, ganz besorgt sah ich sie an.

„Doch. Doch. Aber ich fühle mich da so beobachtet“, antwortete sie.

„Beobachtet? Von wem denn?“, ich war fassungslos.

„Na von den anderen Bewohnern unten“, meinte sie traurig.

„Warum das denn???“, fragte ich entgeistert.

„Na, weil ich irgendwann wieder gehe, weil ich kein dauerhafter Bewohner bin, nur einer zur Kurzzeitpflege“, war die betrübte Antwort.

Eigentlich sollte man sich darüber freuen. Aber Frau B. war ganz unglücklich.

Es gibt nichts schlimmeres, als zu denken was andere denken könnten. Das stimmt selten. Ich mache das leider auch immer wieder.

„Wissen Sie was? Normalerweise interessiert sich der Mensch hauptsächlich für sich selbst. Dann erst kommen, wenn überhaupt, andere. Wir sind gar nicht so interessant für andere wie wir immer meinen!“, sagte ich mit Nachdruck.

Das sagte mir früher immer meine Mutter. Jetzt, nach genügend eigener Erfahrung, muss ich ihr Recht geben. Dies zu denken, glauben, sich zu eigen machen, fällt mal leichter, mal schwerer. Man muss es immer wieder üben.

„Darf ich sie mal drücken?“, fragte ich Frau B., die da stand wie ein Häuflein Elend.

„Ja“, hauchte sie.

Ich umarmte sie und strich ihr über den Rücken.

„Ich hab sie sehr lieb“, sprach sie noch während wir uns umarmten. Dann löste sie sich von mir, sah mir in die Augen und wiederholte: „Wirklich! Ich vermisse Sie doch auch. Ich habe Sie wirklich sehr lieb! Sie … die Frau G. natürlich auch. Aber Sie ganz besonders!“

Da wurde mir ganz warm ums Herz!

pixabay.com

Barbaras Freitags-Füller #456

12. Januar 18

Interview mit Frau Kira El Kaamouzi

Letzte Woche bat ich Frau El Kaamouzi, die neue Einrichtungsleitung des Gerhard Tersteegen Hauses, mir für ein Interview etwas Zeit zu schenken. Ich wollte etwas mehr über ihren Werdegang erfahren und dann im Blog davon erzählen.

Frau El Kaamouzi ist sehr unkompliziert und so war schnell, nämlich noch am selben Tag ein Termin gefunden, der für uns beide passte.

Wäre ich eine „echte“ Reporterin, hätte ich das Gespräch aufgenommen oder zumindest mir Notizen gemacht. Schreiben kann ich leider nicht mehr vernünftig und schon gar nicht mehr als 2- 3 Sätze. Danach wird es sogar für mich kaum entzifferbar. 😉 Und aufnehmen wollte ich das Gespräch nicht. Das hätte irgendwie die vertrauliche Atmosphäre zerstört. Also werde ich aus dem Gedächtnis aufschreiben, was sie mir erzählte. Bevor ich den Beitrag dann im Blog veröffentliche, werde ich ihn Frau El Kaamouzi noch mal Korrekturlesen lassen. 😉

Frau El Kaamouzi machte als Schülerin (14 Jahre alt) ein Praktikum in einem Altenheim. Sie fand die Arbeit einer Altenpflegerin sehr interessant und konnte sich gut vorstellen, diesen Beruf zu ergreifen. Wie kommt so ein junges Mädchen auf die Idee, mit alten Menschen zu arbeiten? Vielleicht hatte ihre Großmutter einen Einfluss darauf. Sie kümmerte sich viel um ihre Oma, auch als diese immer „schusseliger“ wurde.

Den Vorschlag des BIZ (Berufsinformationszentrum), sie solle doch lieber Arzthelferin werden, lehnte sie spätestens nach einem weiteren Praktikum in einer Arztpraxis ab. Ihr Entschluss stand fest: sie wollte examinierte Altenpflegerin werden.

Am liebsten hätte sie die Ausbildung sofort begonnen. Doch da sie noch so jung war, brauchte sie eine Ausnahmegenehmigung. Dabei wurde sie doch bald schon 16, das geforderte Alter für den Beginn der Ausbildung.

So begann der Start ins Berufsleben also früh. Aber schon da wusste Frau El Kaamouzi genau, was sie wollte. Das zeigte sich auch in ihrem weiteren Berufsleben. Sie war immer neugierig, wollte immer viel neues kennenlernen.

So machte sie nach der Ausbildung zur examinierten Altenpflegerin die Fortbildung zur Wohnbereichsleitung. Erst war sie stellvertretende Wohnbereichsleitung. Dann Wohnbereichsleitung.

Das Gerhard Tersteegen Haus war damals noch in der Entwicklung begriffen. Nebenbei bildete sich Frau El Kaamouzi in den Bereichen Gerontologie und Gerontopsychiatrie weiter. Dann gründete sie den „beschützten“ Wohnbereich. Hier wohnen demente Bewohner, die nicht in einer geschlossenen Station untergebracht werden müssen, die aber besonderer Betreuung bedürfen. Somit wurde Frau El Kaamouzi Wohnbereichsleitung des „beschützten“ Wohnbereichs.

Weiter ging es mit ihrer Weiterbildung. Erst stellvertretende Pflegedienstleitung später übernahmen sie den Posten der  Pflegedienstleitung. Nebenbei bildete sie sich immer noch weiter und bekam dann den Posten der stellvertretenden Einrichtungsleitung.  Ausserdem heiratete sie, bekam Kind Nr.1 und 3 Jahre später Kind Nr.2. Beide Kinder sind noch nicht in der Schule. Der ältere Sohn wird jedoch diesen Herbst eingeschult.

Frau El Kaamouzi ist eine echte Powerfrau. Seit Anfang Dezember 2017 ist sie jetzt Vollzeit Einrichtungsleitung des Gerhard Tersteegen Hauses. Außerdem ist sie Mutter zweier lebhafter, liebenswerter Söhne. Sie hat die Gabe, beides unter einen Hut zu bringen.