Urlaubsflaire im GTH (Mai 2020)

Mitte der Woche hatten wir traumhaftes Wetter. Im Garten zu sitzen war wunderschön. Das fand nicht nur ich. Wenn ich mich sonst immer gewundert hatte, dass keiner den sehr schönen Garten nutzte, war es vor ein paar Tagen richtig gehend voll!

Dazu kam, dass die Pfarrerin wieder zum Fenstersingen da war und sie ihren Rundgang immer im Garten abschließt. Da hatte sie dieses Mal also richtig Publikum.

Nachtrag zu Frau M.s Geburtstag

Heute erfuhr ich, dass Frau M. ganz bitterlich geweint hat, dass sie wegen der Pandemie keinen Besuch bekommen durfte. Nicht mal von ihrer Tochter.😭

Um so wichtiger, dass ich Zeit für sie hatte!

Heute habe ich weiter vorgelesen. Das nächste Kapitel heißt „Stockholm“ und ist total lang. Ich kam heute noch nicht zum Ende dieses Kapitels. Ihr könnt euch ja denken, was das heißt…

Frau M. hat heute Geburtstag

Erinnert ihr euch an die Dame der ich immer vorgelesen habe? In letzter Zeit habe ich das nicht mehr so oft getan. Ich hatte irgendwie keine Energie und Lust dazu. Dass sie zu mir hätte kommen können und darum bitten, dass ich weiter vorlese, geht nicht. Sie kann ihren schweren Rolli nicht allein bewegen.

Doch heute hat sie Geburtstag. Eine Schnapszahl. 77 wird man nicht ohne etwas besonderes zu erleben. Man hätte viele Leute zu Gast. Es gäbe einen fürstlichen „Kaffee und Kuchen“-Tisch. Es würde erzählt, gefuttert, gelacht. Der kleine Beistelltisch, auf dem die Geschenke und Blumensträuße Platz gefunden hätten, würde irgendwann überquellen mit den ganzen Gaben für das Geburtstagskind.

Doch wir leben in der Zeit der Corona-Pandemie. Man darf nur einzelne Personen draußen im Garten hinter einer Plexiglasscheibe zu Besuch empfangen. Und das nur für 30 Minuten.

Gott-sei-Dank gibt es Telefone! So konnte Frau M. wenigstens mit ihrer Tochter telefonieren, erzählte sie mir.

Ich bin dem Pfleger der zuletzt zu mir kam sehr dankbar, dass er mir von Frau M.s Geburtstag erzählte: „Sie haben doch ein besonderes Verhältnis zu ihr, haben ihr immer vorgelesen. Sie sitzt auf dem Balkon.“

Da hielt mich nichts mehr. Ich packte meinen Kindle und ein Marzipan-Herz und rollte zum Balkon. Frau M. hatte einen schönen Platz, abseits des Raucher-Tisches in den letzten Sonnenstrahlen des Tages.

Ich rollte an ihre Seite und sang ihr erstmal ein Geburtstags-Lied. Dann gab ich ihr das Herz und sagte: „Ich habe auch das Buch mit von Nils Holgerson und den Wildgänsen. Wenn Sie mögen, dann lese ich Ihnen weiter daraus vor.“

„Ja“, hauchte sie glücklich. Also las ich das Kapitel 35, „Daunenfein“ vor.

Danach war es Zeit fürs Abendbrot.

Wochenendrätsel – Farben

Bundesverband Gedächtnistraining e.V.
http://www.bvgt.de

 

Post aus Bremen

Was sollte das wohl sein? Das Päckchen war klein. Dafür aber war es sehr schwer. Außerdem rappelte etwas darin, wenn man es schüttelte.

Herr Regels, der an der Pforte Dienst hatte, rief mich auf meinem Zimmer an: „Sie haben ein kleines Päckchen bekommen, Es liegt hier unten bei mir. Wollen Sie es abholen oder soll ich es in das Fach Ihres Wohnbereichs legen, dass es einer von den Pflegern mit nach oben nimmt?“

„Ich komme jetzt nach unten“, sagte ich. Ich war doch neugierig, wollte wissen, was das war!

Als ich unten ankam, lachte Herr Regels: „Wer schickt Ihnen denn Steine?“

„Ich kann es mir schon denken“, meinte ich, „Lassen Sie mich mal auf den Absender sehen.“

Jetzt war Herr Regels sprachlos „Ich meinte das eigentlich als Scherz!“

Ich kicherte. Als ich den Absender sah, sage ich: „Hatte ich mir doch gedacht!“

„Und?, Absender bekannt?“

„Das kommt von einer anderen Bloggerin. Sie bemalt Steine.“

„Ahaa???“, sein Gesich war ein einziges Fragezeichen.

Damit er und ihr sehen könnt was ich geschickt bekam, habe ich ein paar Fotos gemacht:

 

Danke liebe Juliane! Ich habe mich sehr gefreut! Ich habe auch das Wort herausbekommen das man mit den Buchstaben legen kann: GLÜCKSMOMENTE . Die hast du mir mit den Steinen gemacht! Vielen lieben Dank!

 

 

 

 

Männer und Fußball

Männer und Fußball das gehört zusammen wie Topf und Deckel. Da ist es egal wie alt, wie gesund, aus welcher gesellschaftlichen Schicht sie sind. Das begleitet sie ihr ganzes Leben lang.

Natürlich gibt es auch Ausnahmen, Männer ohne Interesse am Fußball und Frauen, die nicht minder verrückt nach dem Spiel mit dem Leder sind.

Machen wir weiter mit den Vorurteilen: Frauen lieben das Sonnenbad. Es ist schon richtig, dass mehr Frauen vormittags im Garten in der Sonne sitzen. Aber es gibt auch mehr Bewohnerinnen als männliche Bewohner. Es gibt durchaus einen harten männlichen Kern, der jeden Morgen zusammen mit den Frauen in der Sonne sitzt.

Letzte Woche lauschte ich einem Gespräch der Männer:

 

Bild von Phillip Kofler auf Pixabay

„Nun geht also am Wochenende die Bundesliga wieder los…“, sagte Herr X..

„Ja, aber ohne Zuschauer…. ich weiß nicht….. wenn der zwölfte Mann fehlt…. dann ist es doch gar kein richtiges Fußballspiel“, meinte Herr Y. verstimmt.

 

Bild von Jan Blanke auf Pixabay

„Geisterspiele… wenn ich DAS schon höre!“. Herr Z. war damit überaupt nicht einverstanden.

„Aber immerhin gibt es wieder Fußball. Besser als nichts“, Herr XY fand das zwar doof, aber besser als keinen Fußball.

So wechselten sie weiterhin das Wort über die schönste Nebensache der Welt. Es war war erstaunlich, wie selbst Bewohner mit Demenz plötzlich „erwachten“ und ganz „normal“ an dem Gespräch teilnahmen. Unglaublich welche unerwarteten Kräfte Fußball „erwecken“ kann!

Meine Hochachtung wächst

Ich hatte mal wieder Lagerkoller. 😣

Es braucht keinen großen Anlass. Dieses Mal fühlte ich mich ungerecht behandelt. Eigentlich löst dieser Punkt oft meinen Unmut aus. Man war mit einem anderen Rolli-Fahrer fürsorglich. Fürsorglicher als mit mir (fand ich). Manchmal benehme ich mich dann wie ein kleines Kind. Ich bin dann irgendwie sauer. Dabei könnte ich doch auch stolz sein. Stolz, dass man mir mehr zutraut.

Nun, ich war also sauer, wütend. Das noch obendrauf zum Lagerkoller. Das war verheerend. Wütend raste ich mit meinem E-Rolli über die Gänge, bis ich jemand fand, den ich anbrüllen konnte.

ICH BIN ALSO NICHT BEHINDERT GENUG“ , brüllte ich,   „DABEI BIN ICH AUCH BEHINDERT, DAS BEKOMME ICH OFT GENUG ZU SPÜREN!!!“ Während ich brüllte schossen mir die Tränen in die Augen.

Eine Pflegerin kam aus der Küche auf mich zu und meinte: „Sccchhhhhh, nicht so laut!“

„WIESO DAS DENN?“, ich wollte mir doch nicht den Mund verbieten lassen! Ich war total auf Krawall gebürstet.

„Sie machen den anderen Bewohnern Angst! Lassen Sie uns auf Ihrem Zimmer weiterreden“, ruhig wandt sie sich von mir ab und begab sich auf den Weg zu meinem Zimmer.

Ich, voll drin in meinem Rausch, stellte den E-Rolli auf Maximalgeschwindigkeit und raste an ihr vorüber zu meinem Zimmer. Wie kindisch war das denn? Wenn ich jetzt darüber nachdenke, kann ich nur mit dem Kopf schütteln.

Als wir an meinem Zimmer ankamen, sagte die Pflegerin ganz ruhig: „Was ist denn los? Warum sind Sie so aufgebracht?“

„Ich muss hier raus! Ich halte das nicht mehr länger aus!“, schluchzte ich, „Dieses Virus ist total blöd! Ich fühle mich hier wie gefangen!“

„Das Virus ist für alle blöd. Wir können zwar raus. Aber nur um das Nötigste zu erledigen. Einkaufen, auch für meine Eltern, denn sie zählen wegen ihres Alters ja auch zu der Risikogruppe. Ansonsten ist draußen nur ganz wenig los. Wegen Corona bleiben die Meschen zu Hause“, sagte die Pflegerin, „auch wegen euch bleiben wir zu Hause.“

„Warum das denn?“ fragte ich.

„Wir wollen das Virus auf keinen Fall mit ins Heim schleppen“, sagte die Pflegerin, „das könnte ich mir nie verzeihen, wenn deshalb ein Bewohner sterben sollte.

„Hmpf…“, grummelte ich. Darüber hatte ich nicht nachgedacht. Irgendwie sah ich meine Umwelt immer noch so wie früher. Corona war für mich nur im Fernsehen und im Computer – so irreal. Langsam wurde ich ruhiger. Ich schniefte noch ein bisschen. Die Tränen trockneten.

„Komm mal her… ich weiß, das sollte man in diesen Zeiten nicht tun, aber lass dich mal drücken.“

Das tat soooo gut!

Pfleger sind auf so vielen Weisen gefragt. Sie laufen und pflegen. Sie haben wechselnde Schichten: Früh-, Spät-, Nachtdienst. Und doch haben sie immer ein offenes Ohr für einen. Sie haben eigentlich zu viel zu tun, aber wenn es gebraucht wird, nehmen sie sich die Zeit zum Zuhören, Trösten. Sie sind Pfleger und zugleich auch Psychologen. Sie machen Unmögliches möglich. Sie sind mit ganzem Herzen bei der Sache. Für diesen Beruf muss man wirklich berufen sein.

Daher sage ich DANKE!!! Ihr seid toll, wunderbar!

Selbst die Politik zählt euch zu den Systemrelevanten.

Ihr habt meine Hochachtung! Und die wächst… !