Verzettelt

Bild von Gerd Altmann auf Pixabay

Ich weiß ziemlich viel über Multiple Sklerose. Allein schon, weil mich solche Gesundheitsthemen wegen meines Studiums der Pharmazie zur Apothekerin vom Fach her immer interessiert haben.

Aber es ist halt immer anders, wenn es einen selbst betrifft.

Ich las und hörte, dass Menschen mit Multiple Sklerose im Rollstuhl landen könnten, dass sie diese oder jene Symptome haben könnten.

„Die Armen… aber MIR wird das bestimmt nicht passieren! Immerhin gibt es auch viele gute Verläufe. Da bleibt es bei ein oder zwei Schüben im Leben.“

Dann erinnerte ich mich an Sa. Dolorata (nomen est omen) im Krankenhaus, ursprünglich ein Nonnenstift, in dem meine Diagnose gestellt wurde. Als ich mich von den Schwestern verabschiedete sagte sie: „Bis zum nächsten Mal!“

Ich meinte damals, dass ich nicht vorhätte wiederzukommen.

„Sie kommen ALLE wieder!“ , meinte sie süffisant.

Ich habe das damals und auch lange Zeit danach nicht glauben wollen. Aber was soll ich sagen… sie hat leider Recht gehabt.

Mein momentanes Symptom ist die geringe Konzentrationsspanne. Das war das Symptom, weswegen ich die Rente bekam. Das hat sich leider verschlechtert. Aber da spielt mit Sicherheit auch das Voranschreiten des Alters eine Rolle.

Aber Hey! Mittlerweile habe ich in meinem 55-jährigen Leben 28 Jahre mit Multiple Sklerose gelebt. Das ist mein halbes Leben!

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7 Kommentare zu „Verzettelt

  1. Wenn die Aufmerksamkeitsspanne nicht ausreicht dauert so einiges viel länger oder scheitert sogar, auch das Schreiben. Ich finde, dass es sich trotz dem Frust, der sich dann gern breit machen will, lohnt dran zu bleiben, wenn auch mit mehreren Anläufen. Zumindest ist es bei mir so 🙂 Und es stimmt, dass jedes Leben anders ist und im Prinzip ja alle irgendwie behindert sind. Dazu gibt es ein lustiges Kinderbuch https://www.klett-kinderbuch.de/files/content/books/A-E/Alle-behindert/Alle-behindert_3D_cover-web_RGB.jpg

  2. Ja, das ist so ein Phänomen, ds ich auch bei vielen Vaskulitis- und Rheuma Patienten gesehen habe: Nach dem ersten Krankheitsausbruch und nachdem man den überwunden hat, der Impuls, sich gewissermaßen vom eigenen Krankheitsgeschehen zu entfernen. Seine Unbeschwert heit und ein normales Leben wieder zu gewinnen. Das ist so verständlich!
    Aber was ist letztlich ein normales Leben? Jedes Leben ist anders, individuell, mit ganz eigenen Beeinträchtigungen, früher, später, gesundheitlich, sozial, wie auch immer. Das rundum perfekte, das rundum normale Leben, was soll das sein, und wer ist ihm je begegnet?

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