Über den Mund fahren

Manchmal könnte ich schreien…

Sagen: „Nun lass sie doch mal!“

Aber sie gibt ihr gar keine Chance,

fährt ihr einfach über den Mund.

OK, sie ist eben schneller.

Sie holt sich ihre Kraft

indem sie sich um ihre Zimmergenossin (Y) „kümmert“

O-Ton: „Ohne mich käme sie gar nicht zurecht!“

Ihr Selbstwert wird für sie dadurch gesteigert, dass sie „hilft“.

Wo Y tatsächlich Hilfe braucht, ist räumliche Orientierung.

Beide Damen sind 90+ Jahre alt.

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Vielleicht bin ich mit meinen 55 Jahren einfach zu streng.

Nicht nur streng, auch unwissend, ignorant.

Das merkte ich, als ich mit einer Pflegerin über Demenz sprach.

Die Pfleger|innen sind sehr gut ausgebildet. Mit ihrem Fachwissen kann ich nicht mithalten. Zudem haben sie Berufserfahrung.

11 Kommentare zu „Über den Mund fahren

  1. Danke für deinen langen Kommentar, du hast in allem Recht und aus diesen Gründen will und muss ich es auch tun keine Sorgen mehr um tägliche Essenszubereitung, Wäsche,und alles was anfällt. Ja ich bin ja schon 73 Jahre geworden vor einem Monat. Viele würden sagen, zu früh, aber wenn man einige Operationen hinter sich hat und nicht mehr so kann wie man will, ist es die beste Alternative. Ich bin ja allein, mein Mann nach langer Krankheit im vorigen Jahr verstorben, ich will hier auch nicht mehr bleiben.

  2. Kommt es dir nicht manchmal komisch vor als Frau von 55 unter Leuten von 80 oder 90 zu sein die teilweise auch noch dement sind ? Ich habe Angst davor, werde aber bald selbst in eine Einrichtung gehen, weil meine Knochen kaputt sind und weil ich nicht allein in dem großen Haus zurechtkomme. Es ist meine Entscheidung, die ich auch durchziehe.

    1. Hallo Marianne,
      deine Bedenken und Ängste sind nur zu verständlich. Das Gewohnte, ein Leben Vertrautes aufzugeben um nur mit dem Wichtigsten wie Kleidung, Papieren, ein paar Erinnerungsstücken und vielleicht einem Möbelstück in eine Einrichtung zu gehen, die gesellschaftlich als „naja“ angesehen wird, ist sicher kein leichter Schritt.

      Doch es kann sich etwas auftun, mit dem frau nicht gerechnet hat. Etwas Gutes. Die vielen kleinen Handgriffe, die in einem eigenen Haus(halt) täglich getan werden müssen fallen weg. Keine Gedanken und Sorgen mehr darüber, ob mit solch scheinbar banalen Dingen wie Strom, Telefon etc. alles funktioniert, ob ein Vertrag gekündigt werden muss und und und.
      Und dann noch das leidige Thema der täglichen Selbstversorgung.

      All das wird von anderen Menschen übernommen und frau kann sich Dingen widmen, die sie vielleicht schon immer tun wollte, zeit- und kräftemäßig aber nicht möglich waren.

      Natürlich muss man den gesundheitlichen Befindlichkeiten entsprechen. Da hilft aus einer persönlichen Erfahrung die Sichtweise darauf, was alles wieder oder noch möglich ist.
      Seit einigen Jahren drei Jahren trage ich mich auch mit dem Gedanken, meine hart erkämpfte Selbständigkeit, die sich auch in Form eines eigenen Haushaltes widerspiegelt, aufzugeben und in eine Einrichtung zu gehen, die mein Leben um ein Vielfaches erleichtern wird. Mit Ende fünfzig habe ich auch keine mentalen Probleme mehr bei diesen Gedanken.

      Darf ich fragen wie jung du bist?
      Ich wünsche dir alles Gute, für deinen Weg Frieden und Erleichterung. Viele Grüße aus Hessen, Katrin

      1. Ist mein Kommentar nicht angekommen, das wäre schade. Bitte melde dich nochmal dann schreibe ich alles neu. Jetzt fällt mir ein ich hab bei Katrin geantwortet. Ist ja alles sehr tragisch was ich da gelesen habe. Ist der Unfall bei der Telekom geschehen ?

      2. Hey Marianne,
        dein erster Kommentar (…sehr tragisch…) ist angekommen. Ja, der Unfall ist in der Telekom AG geschehen, in Darmstadt.

        Wie geht es dir? Gibt es einen konkreten Termin für deinen Umzug in ein neues, leichteres Leben?

      3. Noch nicht ganz konkret, ich will zuerst nochmal ins Krankenhaus gehen in dem ich operiert wurde und alles nochmal kontrollieren lassen weil ich immer noch Schmerzen habe, auch nachts, dann nicht schlafen kann, ich kann nur am Rollator gehen. Das macht mir Sorgen, ich hab mich angemeldet im Haus am Zoo, warte da auf ein Einzelzimmer, ich will nicht mehr mit jemand mein Zimmer teilen. Übrigens war ich auch Beamtin bei der Telekom ist aber schon gut 20 Jahre her. In Saarbrücken. Darmstadt kenne ich auch, ich war dort zweimal auf einem Lehrgang, damals als die Computer bei uns eingeführt wurden

      4. Gern würde ich deinen Blog auf meiner Website verlinken. Als Mutmacher für Menschen in ähnlichen Situationen.

        Ohne diesen Blog hätte ich dich und Katrin wahrscheinlich nie gefunden. Und das finde ich schade. Lebenswege wie unsere können andere Betroffene vielleicht an die Hand nehmen und Hoffnung machen darauf, dass solch ein Wechsel der Lebenslage weder das Ende noch eine >Katastrophe ist.
        Liebe Grüße von Katrin in Hessen

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