Gefühlschaos

Das ist ja nichts neues. Immer wieder habe ich Stimmungsschwankungen. Ich hadere mit mir und dem Gedankensalat in meinem löchrigen Hirn.

Ich sehe all das, was andere können und ich nicht. Schon allein wegen des Rollis komme ich nicht überall hin.

Die anderen sprinten die Treppen hoch und erwischen gerade noch den Zug der nur stündlich fährt.

Ich warte dann die ganze Stunde.

Ach ja, das war zu jüngeren Zeiten. Die Mittfünfziger sind oft auch nicht mehr so spritzig. Sie jagen auch nicht mehr so treppauf treppab.

Immer wieder bin ich so grantig wenn ich nicht mal eben kleine, kurze Notizen zur Erinnerung schreiben kann. Mittlerweile schreibe ich nur noch Druckschrift. Ich hatte mal eine so schöne Schrift.

Ich vergleiche viel zu oft heute mit früher.

Aber bei so einem Vergleich schneidet keiner gut ab.

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Das alles vor dem Doppelstrich schrieb ich vor 2 Tagen.

Dann hatte ich ganz lieben Besuch gestern. Meine Mutter war hier um mir mit der Post etc. zu helfen. Ich erzählte ihr von meinen grauen Gedanken.

„Ach…“ seufzte sie kummervoll: „Ich verstehe dich nur zu gut! Aber es bringt uns nicht weiter.“

So weit war ich ja auch schon gekommen.

Doch dann erzählte sie mir etwas neues. „Versuche mal nicht gegen die MS anzukämpfen sondern mach sie zu deiner Freundin. Gegen eine Freundin kämpfst du nicht. Im Gegenteil. Du versuchst ihr etwas Gutes zu tun. Das macht dein Leben leichter und nicht immer so anstrengend. Dann kannst du deine Kraft für anderes nutzen.“

.oO(Hm… stimmt… das wird nicht leicht sein… aber einen Versuch ist es wert. Ich kann nichts Gutes verlieren, nur Gutes gewinnen. So lets go for it! )

16 Kommentare zu „Gefühlschaos

  1. Liebe Katrin, ich bin unter deinem Beitrag in deinem Blog über dein Gefühlschaos und den Rat deiner Mutter „gelandet“. Ich habe, nur mit meinem Smartphone, den Versuch unternommen, dir eine Nachricht zu schicken 🙂 Ich wünsche dir bei der Umsetzung, die MS als gute Freundin in dein Leben einzubeziehen, viel Kraft und Durchhaltevermögen!!!
    Ausserdem, und vor allem, möchte ich dir am heutigen 27.September die allerbesten Wünsche zu deinem Geburtstag schicken. Direkt aus Berlin und von Herzen alles Gute und liebe Grüße, Effi

  2. Liebe Katrin,
    für Deinen Versuch, die MS als Freundin zu gewinnen, möchte ich Dir vier Wünsche schicken:

    „Mögest Du sicher und geborgen sein,
    mögest Du in Frieden sein,
    mögest Du freundlich zu Dir sein und
    mögest Du Dich und Dein Leben annehmen – so wie es ist.“

    Damit all die Wünsche, wenn auch nur in kleinen Momenten, in Erfüllung gehen, braucht es ein offenes Herz. Genau dieses offene Herz wünsche ich Dir, damit Du anderen Menschen und vor allem auch Dir selber, diese vier Wünsche immer wieder schicken und Dir selber sagen kannst.

    Kennst Du die kleine Geschichte? Da betet ein Mann jeden Abend inbrünstig zu Gott: Lieber Gott laß mich im Lotto gewinnen! Als Kind wurde ihm immer gesagt, daß Wünsche in Erfüllung gehen, wenn man sie nur immer wieder sagt. Es vergehen Wochen, Monate, Jahre… Und plötzlich vernimmt er beim Beten eine Stimme: Ja – dann spiel doch endlich mal! Die Erfüllung von Wünschen kann man nicht machen; doch man kann sich bereit machen, die Wunschfee einladen und ansprechen…

    Einen schönen Sonntag und ganz herzliche Grüße
    Rudi

  3. Zu frühe Verluste von irreparablen Fähigkeiten zählen nicht zu dem, was man sich im Leben wünscht. Und nicht alles lässt sich einfach so ignorieren oder abhaken. Auch ich kenne immer mal wieder traurige Phasen, vergleiche mich mit Früher und bin ärgerlich, grantig, wütend über Dinge die ich ungefragt hinnehmen muss.
    Irgendwann einmal beschloss ich mir meine Verluste in Zimmern vorzustellen, sie abzulegen, um sie dort zu betrauern. Ich besuche sie, wenn mir danach ist – auch um sie allmählich verabschieden zu können. Es hat noch viele weitere Zimmer die ich mit Lebensfreude und mit Aufgaben fülle. Sie sind mir eine große Hilfe dabei, die Trauer zuzulassen, ohne in ihr hängen zu bleiben.
    Ich wünsche dir, dass du kreativ mit den Gefühlen deiner Einschränkungen umgehen kannst, auch oder gerade, wenn es schmerzt. Mit Diagnosen freundschaftlich umgehen zu wollen, statt sie aussichtslos zu bekämpfen, ist eine gute Idee. Das gleiche muss dann ja auch für aufkommende Emotionen gelten, die der Verlust von Fähigkeiten und die Zunahme von Abhängigkeiten mit sich bringen. Sie haben schließlich ihre Berechtigung.

  4. Hallo Katrin, nach dem Prinzip lebe ich jetzt seit ein paar Jahren. Es bekommt mir besser. Früher habe ich viel gezweifelt und gegrübelt. Ändern können wir es nicht, sondern nur das Beste draus machen. LG Claudia

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