Und? … Wie haben Sie geschlafen?

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Herr Ü ist regelmäßig der erste im Speisesaal morgens. Darauf ist er sehr stolz. Manchmal sitzt er die ersten Minuten im dunklen. Doch das ist ihm egal. Hauptsache pünktlich.

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Frau Y kommt in den Speisesaal. Schwerfällig lässt sie sich auf einem der Stühle nieder. Immerhin ist sie zu Fuß hierher gekommen. Die Zugspitze ist lächerlich dagegen.

Sie fragt ihn: „Und? … Wie haben sie geschlafen?“

Er ist ganz versunken in seinen Gedanken. Dass mit ihm gesprochen wurde, hat er gar nicht mitbekommen.

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Langsam füllt sich der Tisch. Denn es erscheint das Ehepaar C. Eugen und Luise C. Sie haben jeder sein / ihr eigenes Zimmer. Das ist gut so, denn sie benötigt auch in der Nacht Pflege. Dann würde er immer wieder gestört.

Das ist möglich, wenn Einzelzimmer frei werden.

Normalerweise kommen neue Bewohner erst einmal in ein Doppelzimmer.

„Und? … Wie haben sie geschlafen?“, begrüßt sie Fr. Y.

„Ach, ich konnte überhaupt nicht schlafen“ , stöhnte Luise.

„Geschlafen? Was ist das?“ , fragte Eugen theatralisch und rollte mit den Augen.

Jetzt wurde auch Herr Ü. wach: „Ich schlafe seit Jahren überhaupt nicht.“

„Überhaupt nicht?“ , Fr. Y. war sprachlos. Das kam nur sehr selten bei ihr vor.

„Auch kein Mittagsschlaf?“ , hakte Luise nach. Ihr Mittagsschläfchen war ihr heilig

Auf diese Art ging es während des ganzen Frühstücks weiter.

Als ich diese Art von Gespräch das erste mal hörte, dachte ich mir nichts dabei.

Doch im Laufe meines Lebens hier im Altenheim (und das sind mittlerweile 9 Jahre!) hörte ich es immer wieder.

Artikel frei zugängig bei der Stiftung Warentest: >>>

Kommunikation bei Demenz
Wie Gespräche mit Demenz­erkrankten gelingen

2 Kommentare zu „Und? … Wie haben Sie geschlafen?

  1. Gerd Altmann zeigte einmal Karten mit dementen Menschen. Unter jede schrieb er einen Satz aus der Sicht der Betroffenen. Leider sind sie nicht mehr im web zu sehen.
    Z.B. Lass bitte die Fragen wer was wann wie wo, du quälst mich damit nur. Oder diskutiere nicht mit mir und korrigiere mich nicht ständig, meine Fehler sind mir schon peinlich genug. usw
    Heute gibt es endlich Infos zur Kommunikation mit dementen Menschen die Angehörigen helfen können die sich ständig verändernde Welt von Betroffenen zu verstehen. Sie sind um jeden Link dazu dankbar

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