Tagesablauf eines Seniors im Altenheim

Ich erzählte meinem Tischnachbarn im Speisesaal was ich heute in der Ergotherapie gemacht hatte. Ich hatte mit Modelliermasse eine Eule gemacht. Sie muss jetzt trocknen. Dann wird sie angemalt.

Herr Z hörte sich das in aller Ruhe an. Dann meinte er: „Ach ja… das habe ich früher hier auch gemacht. Aber jetzt brauche ich das nicht mehr.“

Er wohnt schon seit 14 Jahren hier sagte er. Ursprünglich mit seiner Frau. Aber die sei vor 7 Jahren gestorben.

„Aber was machen sie denn hier den ganzen Tag?“, fragte ich sehr indiskret.

Warum stellte ich DIE Frage, die man mir damals stellte, als ich Rentnerin wurde.

Doch er fing an mir zu erzählen wie sein Tagesablauf so sei.

Er setze sich oben in seinen bequemen Fernsehsessel und mache sich das Fernsehen an. Es gebe ja so viele Programme! Irgendwas das ihn interessiere, fände er immer.

„Wenn ich nichts finde, schalte ich auch einfach mal hin und her“, sagte er schelmisch.

„Oder ich lese ein wenig

„Oder ich schaue einfach aus dem Fenster

„Dann ist es auch wieder Zeit in den Speisesaal zu gehen zu den Mahlzeiten.

So strukturieren die Mahlzeiten und das Fernsehen seinen Tag.

Ist das Wetter freundlich, geht er vormittags gerne draußen spazieren.

Er fährt auch schon mal mit den Öffis zu Stellen in der Stadt, an denen er früher schon einmal war und die dann Erinnerungen in ihm wach rufen.

Wenn das Wetter es erlaubt, fährt er jeden Sonntag mit dem Bus zum Friedhof und besucht seine Frau.

„Ansonsten muss es doch bald einmal Schluss sein mit mir!“, sagt er energisch.

Am Lebensabend im Altenheim sitzen und auf den Tod warten. Gruselig.

Trotz allem sitzt er da, die gefalteten Hände auf seinen Bauch gelegt und lächelt.

Ein Kommentar zu „Tagesablauf eines Seniors im Altenheim

  1. Wenn er damit zufrieden ist, ist es ja gut. Man sieht öfter ältere Menschen irgendwo sitzen und einfach nur die Gegend betrachten oder andere Menschen beobachten. Vielleicht erreicht man irgendwann einen Punkt, wo man nichts mehr „tun muß“ sondern einfach nur „sein darf“. Im Moment könnte ich mir sowas allerdings auch nicht vorstellen. Frag mich später noch mal 😉

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