Heute total mies drauf

  1. Ich gerate mit der Pflegerin aneinander.
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    Ich schreie sie an.
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    Sie meint, das müsse sie nicht mit sich machen lassen!
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    Ich sage ihr, sie schreie mich ja auch an.
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    Tue sie nicht. Sie habe halt ein lautes Organ.
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    Muss man wohl haben im Altenheim mit schlecht hörenden Senioren. Fällt mir bei anderen ja auch auf.
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  2. Wenn ich wütend werde, heule ich. Ich bin eine richtige Heulboje. Das wiederum macht mich wütend auf mich selber.
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  3. Wenn ich zur Toilette muss, muss ich klingeln, damit man mir auf den Toiletten-Stuhl hilft. Oft kommt die Hilfe nicht  besonders schnell. Dann geht es daneben, trotz Vorlage. Einmal habe ich so an einem Tag drei Hosen geschafft. Immerhin wird für das Waschen im Heim gesorgt. Aber es kratzt so sehr an meinem Selbstwertgefühl.
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  4. Von einer selbstständig lebenden Frau in eigener Mietwohnung, selbst Autofahrerin, landete ich also in einem Alten- und Pflegeheim.
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    Auch das kratzt sehr an meinem Selbstwertgefühl.
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  5. Aus lauter Wut und Selbsthass rase ich raus, suche einen Platz im Schatten um weiter in  meinem E-Book zu lesen.
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    Dann auf dem Rückweg passiert es. Der Kindle™ rutscht mir vom Schoß… und rutscht mit dem Display über Sand.
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    Selbst Schuld!
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    Geheult habe ich trotzdem. Heulboje halt.

29 Kommentare zu „Heute total mies drauf

  1. Jetzt haben hier so viele Menschen ihre Wertschätzung für Dich ausgedrückt. Und das, ganz ohne dass es für sie irgendein Plus wäre, dass Du eine Mietwohnung hast, Dich alleine versorgen kannst oder die Hosen trocken bleiben. Dann muss dein – offensichtlicher – Wert doch irgendwie ganz woanders draus bestehen…;-)))

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  2. Liebe Katrin,
    ich kann Dein Verhalten total nachvollziehen.

    Ich weine auch oft, wenn ich wütend bin.
    Es ist überhaupt keine Schwäche, sondern ein gesunder „Katalysator“

    Ich grüße Dich herzlich aus Flensburg.
    Sabine

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  3. Ausrasten gehört auch mal dazu (erst recht in diesen blöden Zeiten) und so wie du es beschreibst, können wir es alle gut nachvollziehen. Das muß manchmal echt schwierig sein. Ich weiß gar nicht, wie ich mit so einer Situation klarkommen würde. Aber wie ich dich kenne, kriegst du bald wieder die Kurve. Nur bitte nicht wütend auf dich sein. Wir alle hauen mal daneben ♥ PS Und wer hat schon ein sandgestrahltes E-Book? Wird bestimmt ein neuer Trend 😉

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  4. Liebe Kathrin,

    Ich kann dich so gut verstehen. Diese blöde Krankheit läßt einen so dünnhäutig werden. Diese Abhängigkeit von anderen macht so wütend auf sich selbst, das Schicksal, die Erkrankung.
    Dies Leben nervt einen mitunter so sehr an, weil man es anders geplant und sich anders gewünscht hat.
    Und trotzdem muss es weitergehen, sollte man sich immer die schönen Momente ganz bewußt machen und dem Tag entgegenlächeln.
    #Schwestern im Geiste
    Sei ganz lieb gedrückt.

    Deine Anna

    http://www.mitmsdurchsleben.simplesite.com

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  5. Ach, viele sind zur Zeit mies drauf… Ich auch!
    Die Schwüle, die Hitze, das Verschlechtern der Krankheit, die Gesamtsituation…..
    Abhängig sein von anderen… Für immer!
    Nicht das Leben führen dürfen, so wie man es sich eigentlich erträumt hatte….
    Ich drücke dich mal virtuell.

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  6. Ach Kathrin, solche Tage hat jeder mal und deine Situation bringt dich zur Verzweiflung. Das kann ich gut nachempfinden, auch wenn ich nicht im Rollstuhl sitze.
    War immer sehr sportlich und dann war plötzlich nichts mehr. Tibiakopffraktur, später ein künstliches Kniegelenk. Viele OPs und jetzt gehe ich mit Rollator. Sportsendungen ( Tennis) schaue ich nicht mehr und bin körperlich sehr eingeschränkt, da ich noch andere Operationen hatte. An manchen Tagen verzweifele ich, aber das Leben geht weiter…irgendwie ❤

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  7. Du bist keine Heulboje, Katrin – Du meisterst Deine Situation mit bewundernswerter Haltung, es ist normal, dass Du zwischendurch in ein Loch faellst. Die gegenwaertige Corona Situation hat uns alle etwas einsamer gemacht. Lass‘ Dich virtuell umarmen und hoffentlich sieht die welt morgen etwas rosiger aus. Liebe Gruesse von Andrea

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