Es ist so schwer…

Bild von Krzysztof Pluta auf Pixabay

… Tag für Tag mit seiner eigenen Unzulänglichkeit konfrontiert zu werden.

… Tag für Tag Fähigkiten nicht mehr zu haben, die man einst locker schaffte.

… Tag für Tag Verluste festzustellen.

 

Ist das der Preis dafür, dass mir früher vieles leicht fiel?

Ich war gut in Schule, Uni, Sport, Musik…

Und jetzt?

 

Jetzt sagt man mir, es geht vielen viel schlechter.

Das hift mir nicht. Deshalb bin ich nicht glücklicher.

Man sagt, du hast ein gutes Heim erwischt.

Ich weiß, aber es ist trotzdem ein Altenheim.

Stimmt nicht, sagt man mir, es ist ein Pflegeheim.

Ja, ein Pflegeheim mit hauptsächlich Senioren um die 80 bis 90 wenige sogar um die 100 Jahre alt. OK, einige wenige auch unter 70.

 

Ich denke ich habe momentan einfach ein Stimmungs-Tief. Ich mache den Beitrag jetzt fertig und gehe dann ins Bett.

Morgen ist ein neuer Tag.

 

 

27 Kommentare zu „Es ist so schwer…

  1. Lieber Musikhai Kathrin,
    die Welt ist ein Altenheim. Lass Dich davon nicht beeindrucken und Dich nicht entmutigen. Ich habe mir mich sehr darüber gefreut, dass Du dem Beitrag „Über die Beschützer der von den Windrädern bedrohten Vögel“ auf meinem Blog ein Like gegeben hast. Ich bitte Dich, die Petition zum Schutz der Rotmilane zu unterzeichnen, wenn Du es nicht bereits getan hast (http://chng.it/2tCpBnTH) und auch Deine Freunde und Freundinnen zu bitten, sie zu unterzeichnen. Ich empfinde es als abstoßend, dass die Tiere dem Profit der Unternehmen und der Flächeneigentümer auf so brutale Weise geopfert werden.
    Ich würde gern mehreren Beiträgen von Dir (besonders diesem hier) ein Like geben, aber mein Adblocker beseitigt den Button.
    Viele liebe Grüße und die besten Wünsche
    Dein René

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  2. Du hast vollkommen recht, liebe Kathrin, es ist ein Altenheim, ein gutes zwar, aber dennoch: ein Altenheim. Das ist eben nicht richtig. Für Menschen wie du müsste es ganz andere Lebensgemeinschaften geben, in denen Menschen mit und ohne Behinderungen, Alte, Junge und Kinder ganz normal ihren Alltag teilen und wo für die mit Behinderungen ausreichende Hilfen und therapeutische Möglichkeiten bereitgestelllt werden. Ansätze dazu gibt es in anthroposophischen Lebensgemeinschaften, aber nur für Fälle wie deine, soviel ich weiß.
    Doch was hilft es, davon zu träumen. Die, die die Kraft dazu hätten, solche Lebensgemeinschaften zu gründen, brauchen sie nicht und tuns daher auch nicht, und die, die sie brauchen, haben die Kraft nicht mehr dazu. Da muss man sich eben dreinschicken.
    Ich habe früher oft darüber nachgedacht, wie ich als alter Mensch leben möchte, und dass ich als noch junger, kräftiger Mensch dafür sorgen sollte, dass diese Möglichkeiten dann auch existieren. Doch habe ich es immer vor mir hergeschoben. Jetzt bin ich alt und …habe das Problem nicht gelöst. Nicht mal für mich selbst, geschweige denn für andere.
    So bleibt eben nur: das Beste draus machen und dankbar für die Hilfen zu sein, die man bekommt und dafür, was man eben doch noch kann. Und das ist ja nicht wenig. Liebe Grüße, Gerda

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  3. Liebe Katrin,
    oh ja, diese Momente kenne ich auch. Ich denke, wir müssen auch nicht immer stark sein, wir müssen nicht immer positiv nach vorne blicken trotz der MS und wir müssen uns erst recht nicht von anderen anhören, dass es anderen viel schlechter geht und dass wir doch froh sein sollen über das, was wir noch können.
    Nein, es darf uns auch seelisch zu schaffen machen, dass wir geliebte Dinge nicht mehr machen können, dass wir Dinge, die wir gerne noch erlebt hätten nie mehr werden tun können und dass uns unsere Zukunft manchmal mit Angst erfüllt.
    Bisher ist es uns immer wieder gelungen, durch diese dunklen Zeiten hindurchzugehen und am Ende des Tunnels wieder Licht zu sehen.
    Und darauf können wir beide mächtig stolz sein.
    Liebe Grüße
    Anna
    http://www.mitmsdurchsleben.simplesite.com

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  4. Ich kann dich sehr gut verstehen, liebe Katrin. Der Muskelerkrankung wegen wird mir auch häufig vor Augen geführt, dass Vieles, was ich früher gut und gerne gemacht habe, mittlerweile nicht mehr möglich ist. Dass so eine Erkenntnis immer wieder mutlos macht, kann ich nur zu gut nachvollziehen…
    Ich schließe mich @Anna-Lena und @Arno an, und schicke dir auch ein paar Sonnenstrahlen.
    Dein Lebens-Wildpferd hat grad mal wieder heftig gebuckelt und dich abgeworfen. Aber ich bin ganz sicher, dass du bald wieder fest im Sattel sitzen und dem spröden Gaul beibringen wirst, wer hier das Sagen hat, und wo’s lang geht. 😉

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  5. Liebe Katrin,
    mich hat Dein Beitrag wirklich in aller Tiefe betroffen gemacht. Ich arbeite im Ehrenamt auf einer Palliativstation… Da ist die Frage WARUM immer Thema. Und oft erhalten die Patienten genau die Antworten, die Du aufgezählt hast. Angeblich hat es ja ein Raucher einfacher, weil er sich für seinen Lungentumor selber die Antwort geben kann. Doch dies stimmt nicht!
    Ich entdeckte, daß die Frage nach dem WARUM keine studierte Antwort möchte. Hinter der Frage nach dem WARUM versteckt sich fast immer eine Anklage an das Leben selber. Warum wendet sich das Leben von mir ab, warum läßt es mich fallen? Was habe ich denn falsch gemacht? Für was muß ich büßen? Immer habe ich auf das Leben, auf mein Leben vertraut. „Ich war gut in Schule, Uni, Sport, Musik…“ Und jetzt stehe ich draußen und weiß nicht warum. Alle die mich besuchen, die mir wichtig und nahe sind, sind gesund. Mich hat es an den Rand gedrängt, auf die Palliativstation, ins Pflegeheim. Dieses an den Rand gedrängt werden, dieses Ausgeschlossen werden, erzeugt im Menschen die größt mögliche Angst. Denn wir tragen ein Erbe in uns, das signalisiert: Wenn Du die Gruppe verlierst ist dies Dein sicherer Tod!
    Darum geht Deine Aussage viel tiefer wie sie klingt: „Ich denke ich habe momentan einfach ein Stimmungs-Tief.“ Dein Stimmungs-Tief spricht die tiefste Befindlichkeit aller Menschen an. Es geht um Sein oder Nichtsein. Und genau dieses Erleben macht uns Menschen aus und verbindet uns auf der tiefsten menschlichen Ebene. Alle Menschen auf der Welt kennen die Frage nach dem WARUM. Die WARUM-Frage ist die menschlichste Frage!

    Und genau dieses Verbundensein ergibt wohl die einzige sinnvolle Antwort auf das WARUM. Wir Menschen tragen auch ein Erbe in uns, welches uns mit allen Säugetieren verbindet: Es ist die Fürsorge für das Leben. Jedes Lebewesen berührt uns, wenn es leidet… und wir möchten ihm helfen. Dabei mache ich immer wieder die Erfahrung, daß wenn jede tätige Hilfe nicht mehr möglich ist, die Verbundenheit und die Nähe und das „Dableiben“ beim Patienten tiefen Frieden ermöglich – auch in mir selber. Die WARUM Frage hat dann kein Gewicht mehr.

    Was bleibt? Ich hatte es angedeutet: „Frieden auch in mir selber“. Du machst es doch schon ausgiebig! Bringe weiterhin Frieden, Verbundenheit, Mitgefühl, Verstehen und Liebe in die Welt! Du wirst immer wieder mit einem tiefen Frieden belohnt werden.

    Viele liebe Grüße, Rudi

    Gefällt 5 Personen

    1. Noch ein Nachtrag:

      Was spendet noch Trost? -Wir Menschen sind über Raum und Zeit hinweg wie Geschwister.
      Ein Essay von Michael Ignatieff
      in der ZEIT: https://www.zeit.de/2020/03/trauer-trost-verlust-freundschaft-einsamkeit

      …Was uns tröstet, mag nicht mehr der Glaube an das Paradies sein, sondern etwas ganz anderes, ein Glaube an die Menschheit aus dem Bewusstsein heraus, dass andere Menschen, so wie wir, wussten, was es heißt, existenzielle Ängste und Einsamkeit zu empfinden, und sich von ihnen trotzdem nicht unterkriegen ließen. Unsere menschliche Verwandtschaft mit den Psalmisten zu spüren, mit Hiob, mit dem Paulus des Briefs an die Korinther, mit Boethius, Dante, Montaigne, Shakespeare und Cervantes, dieses Gefühl in der Musik von Bach oder Mahler zu erleben heißt, die Bestärkung zu erfahren, die im Kern des Trostes steckt – das Gefühl, dass wir nicht allein sind, im Stich gelassen mit einem Elend, das nur wir selbst empfinden. Die alten Texte können uns helfen, Worte für das Unaussprechliche zu finden, für Erfahrungen der Isolation, die uns im Schweigen einzuschließen scheinen…

      Gefällt 2 Personen

  6. Solche Stimmungen sind ganz natürlich, auch oft bei Menschen, die noch halbwegs gesund sind. Das Alter fordert seinen Tribut bei jedem von uns und wenn noch gesundheitliche Einschränkungen mit Verschlechterungen dazu kommen, knickt man stimmungsmäßig auch schon mal ein.

    Du bist dort der gute Geist des Hauses und hilfst so vielen Menschen, auch durch dein Blog.
    Kopf hoch, ich schicke dir ein paar morgendliche Sonnenstrahlen!

    Herzlichst,
    Anna-Lena

    Gefällt 3 Personen

  7. Liebe Katrin,
    ja, morgen ist ein neuer Tag. Und das immer wieder!
    Das muss ich mir auch manchmal vor Augen halten, wenn ich mich wegen Unzulänglichkeiten zu sehr entmutigen lasse. Es gibt Grenzen in unserem diesseitigen Leben. Manche spüren wir schon immer, manche werden nach und nach sichtbar. Oder treten auch plötzlich auf, wie bei Dir.
    Und dann sage ich mir, dass ich ja morgen wieder neu anfangen kann, und dass bald der Frühling kommt, der alles noch leichter erscheinen lässt. (Zumindest empfinde ich das immer so.)

    Du hast alleine schon mit Deinem Blog ganz vielen Menschen ein Stückchen weiter geholfen, zumindest aber schon mit vielen Beiträgen erfreut. Ich freue mich jedes mal, wenn ich neue Zeilen und Bilder von Dir zu sehen bekomme! Da zeigst Du immer wieder Deine Stärken und Deine Einfühlsamkeit in andere Menschen und auch Deine Hilfsbereitschaft!

    Ich wünsche Dir, dass es Dir bald wieder besser geht!
    Herzlichen Gruß, Michael

    Gefällt 3 Personen

  8. Du wirst es kaum glauben, aber ich verstehe dich sehr gut, was permanente Einschränkungen angeht, die man früher nie kannte. Man ist gefühlt nur einen Katzensprung weit weg von der einstigen Form und doch bleibt diese für immer unerreichbar. Doch was hast du schon alles erreicht, was ohne Einschränkung so nie passiert wäre. Es gibt also ebenfalls eine positive Seite, nur ist die manchmal nicht schwer genug im Alltag …

    Gefällt 5 Personen

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