Lichter gehen (mir) auf

Ich habe überlegt, welcher Beitragstitel sowohl zu meiner Multiple Sklerose als auch zur Adventszeit passt. Schnell fiel mir der genannte ein.

Beides hat damit zu tun, dass

  1. mir in letzten Tagen bezüglich meiner Erkrankung ein großer Schritt bei der Akzeptanz der Tatsache, dass ich eine besch…..e Krankheit habe, die mein Leben nicht unbedingt leichter macht, ein Licht aufgegangen ist
    .
  2. in den geschmückten Straßen und Plätzen, den Fenstern und Gärten, den Fluren und Zimmern im Gerhardt Tersteegen Haus überall die Lichter der Dekoration leuchten

Zu Punkt 2 brauche ich wohl nicht viel zu erklären. Das passiert in der Vorweihnachtszeit überall also auch bei euch.

Doch was hat es mit Punkt 1 auf sich???

Ich habe sehr lange gebraucht, zu akzeptieren, dass ich durch die MS ein ganz anderes Leben führen werde, als ein gesunder Mensch. Ich habe mich dagegen gewehrt, diese Tatsache einzusehen. Ich habe sinnlos meine Kraft dafür verschwendet, gegen die MS zu rebellieren.

Rebellion – Wut – Ärger – Trauer ⇒ all das raubt Kraft, die wirklich viel sinnvoller eingesetzt werden könnte.

Es brauchte das Erleben absoluter Hilfslosigkeit, um mir die Augen zu öffnen, mir ein Licht aufgehen zu lassen.

Mein neuer Drucker wurde per Post angeliefert.

Ich brauchte Hilfe, ihn aus dem Karton zu befreien.

Ich brauchte Hilfe, ihn aufzustellen.

Dann wollte ich den Stromstecker in die Steckdose stecken. Dazu musste ich mich auf den Boden hocken.

Ach du Schei..! Die Beine verkrampften. Ich fiel um!

Und jetzt?

Ich kam nicht mehr hoch! Ich lag platt wie eine Flunder auf dem Fußboden. Sämtliche Kräfte hatten mich verlassen. Sogar über den Boden zu robben ging nicht! Und die Klingel war weit, weit weg auf der anderen Seite des Raumes.

Was tun? Ich rief nach Hilfe. Aber meine Rufe waren genauso matt wie ich mich fühlte. Wer sollte das hören???

Also versuchte ich, auf dem Boden liegend erst einmal neue Kraft zu sammeln. Dann kroch ich ganz langsam Richtung Klingel.

Als ich endlich an die Klingel kam, läutete ich um Hilfe. Vollkommen ermattet blieb ich auf dem Boden liegen.

Am nächsten Tag bat ich bei der Physiotherapie den Therapeuten, mir Tipps zu geben, was ich in so einer Situation tun könne, um vom Boden hoch zu kommen. Nach Fahrradfahren und Beinkraftgerät ging es auf den Boden.

Das war’s dann auch. Dort blieb ich dann und es wiederholte sich das Dilemma von Tags zuvor.

Ich war vollkommen kraftlos. Nichts ging mehr.

Tja. Das zu akzeptieren, ist schwer!

Ich fragte den Physio nach Übungen, wie ich mehr Kraft trainieren könne.

Später überlegte ich: „WARUM?“ Dadurch wird sich nichts verbessern. Ich habe eine fortschreitende Erkrankung. Da wird nichts besser.

WAS ich allerdings tun kann, damit es mir besser geht, ist, endlich zu akzeptieren, dass die MS eine schei.. Erkrankung ist. Ich habe sie. Sie wird bleiben. Ich kann sie nicht weghexen. Also:

genieße ich die schönen Dinge und Zeiten

es gibt sie!

ich muss sie nur sehen wollen!

21 Kommentare zu „Lichter gehen (mir) auf

  1. Ich habs heute erst gelesen, Katrin, denn mir war nicht nach Advent und so überschlug ich es. Sah dann heute, worum es sich handelte. Puh, ja, schwer ist es, sich anzufreunden mit einer Situation, die so viele Schwierigkeiten mit sich bringt. Für einen so jungen Menschen wie dich ist es noch schwieriger, denn anderes erwartetest du vom Leben, und anderes hatte es für dich vorgesehen. Doch was hilft es zu klagen und zu jammern, es ist wie es ist. Das zu akzeptieren und „das Beste draus zu machen“ ist am Ende das einzige, was bleibt. Du lebst uns das ja auch vor, mit deinem Blog. Und trainieren, natürlich, um die Kräfte, die du noch hast, zu stabilisieren. Und trotz allem immer auch wieder zu versuchen, etwas selbst zu erledigen. Klar, auch Hilfe suchen und annehmen, ich finde, das sollte dir nicht schwerfallen, denn diese Hilfe demütigt dich nicht. Es ist professionelle Hilfe, auf die du Anspruch hast. Liebe Grüße und eine schöne Vorweihnachtszeit wünsche ich dir!

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  2. Ich wünsche dir durch diesen Advent hin,
    kleine und große,
    kaum spürbare,
    winzige,
    sanfte,
    weiche,
    sonnige,
    farbenreiche,
    weiße,
    schmusige,
    behagliche,
    gemütliche,
    wundervolle,
    liebenswerte,
    erholsame,
    energiegeladene,
    leise,
    laute,
    warme,
    kühle,
    nahe,
    ferne,
    wohlige,
    begegnende,
    fürsorgliche,
    achtsame,
    zuversichtliche,
    glückliche,
    freudige,
    fröhliche,
    wütende,
    herzige,
    gesegnete,
    friedliche,

    Glücksmomente

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  3. Ich denke, was du über die Akzeptanz schreibst ist wichtig und richtig! Ich glaube auch, daß das eine verdammt schwere Angelegenheit ist und ich wüßte nicht, ob ich das könnte. Ich bewundere dich dafür, wie du dich dem immer mehr annäherst. Ich kann mir vorstellen, daß die Akzeptanz dir letztenendes etwas mehr Kraft bringen wird. Widerstand ist kraftraubend, wie du schreibst. Alles Gute für dich, machs dir schön und ja, du schaffst das! Liebe Grüße, Almuth

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  4. Das mit dem Alarmknopf ist wichtig. Ja.

    Vielleicht den nächsten Drucker oder ähnliches besser in einem Laden vor Ort kaufen, der das Gerät bringt und auch anschließt … und dann auch für den evtl. mal erforderlichen Kundendienst rasch zur Stelle ist.

    So habe ich es gerade gemacht, morgen kommt mein neuer Drucker. Der Mann nimmt den alten Drucker mit, entsorgt ihn, und stellt den neuen Drucker auf, konfiguriert ihn wie ich es will und baut ihn in mein Netzwerk ein.

    Habe vor 2 Monaten 2 neue Hüftgelenke bekommen und darf/kann grad gar nicht irgendwo am Boden rumkrabbeln …

    Wünsche Dir viel Kraft und Mut und Phantasie.

    LG, Hiltrud

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  5. Liebe Katrin,
    Tut mir echt leid was Dir da widerfahren ist. Aber wiederum toll, wie Du damit umgeht.
    Meine Frage: Es gibt doch auch die Möglichkeit einen Notrufsender am Handgelenk zu haben. Meine Mutter hatte jedenfalls so etwas.
    Liebe Grüße Michael aus Bremen

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  6. Danke dir für diesen Tiefen – und damit meine ich nicht den Boden 😉 – Einblick.
    Vorhin mein erstes Türchen geschrieben und mit deinem Beitrag machst du mir Mut diese ganz weit zu öffnen, so wie du es mir vorgelebt hast.
    Fühle dich gedrückt

    (Handy am Körper tragen, damit Pflunder um Hilfe anklingeln kann?)

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  7. Ich ziehe meinen Hut davor, dass du bereit bist deine Krankheit zu akzeptieren, statt gegen sie zu rebellieren. Das ist glaube ich ein unglaublich schwerer, wenn auch notwendiger Schritt. Chapeau, Katrin!
    Und einen Alarmknopf am Handgelenk finde auch ich sinnvoll.
    Ich wünsche dir von Herzen gute Zeiten und viele schöne Dinge.
    Herzliche Grüße
    Ulli

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  8. Ja das meine ich auch einen Alarmknopf am Handgelenk oder so. Hast du den Drucker jetzt installieren können und bist du aus eigener Kraft nochmal hochgekommen. ? Ich bin ja auch nicht mehr so beweglich seit meiner Knieoperation
    Totalendprothese
    Ich komme auch nicht wieder hoch und kann mich nicht Knien

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