Ich hatte ein Scheißleben!

Vorgestern erzählte ich euch von der trüben Stimmung an meinem Tisch im Speisesaal.

Das wurde dann gestern noch getoppt. Da verließ ich recht bald den Speisesaal. Ich wurde von Frau XY mit Worten so scharf angegriffen, dass ich dachte, das muss ich mir nicht antun.

Das traf mich so hart, dass ich dachte: „Ich werde demnächst oben in meinem Zimmer essen!“

Doch dann überlegte ich. Ich gehe eigentlich gern nach unten zum Essen. Immer oben im Zimmer hocken, da bekomme ich ja einen Lagerkoller! Und das nur wegen Frau XY?

Nachdem die Tränen getrocknet waren, rollte ich noch einmal zum Speisesaal. Ich wollte die Hauswirtschafterin Frau F. bitten, dass ich an einem anderen Platz sitzen könnte. Wir gingen gemeinsam die verschiedenen Möglichkeiten durch. Es war nicht so einfach. Es musste ja auch berücksichtigt werden, dass ich mit dem E-Rolli viel Platz einnehme.

Zum Schluss sagte ich: „Wenn ich den Platz mit Frau T. tauschen könnte… “

Frau F. sagte: „Das wäre natürlich optimal. Dann würden Sie immer noch am selben Tisch sitzen und mit den Speiseplänen bliebe alles beim alten. Fragen wir doch Frau T..“

Da Frau T. noch unten war, konnte das sofort geklärt werden. Sie sagte: „Wenn du das willst.“

Damit war der Fall geklärt. Juhu!!!

Ich hatte den Hauptgewinn gezogen! Ich saß nicht mehr neben Frau XY und ich blickte hinaus in den Garten.

Frau XY wurde von da an unsichtbar für mich. Ich beachtete sie nicht mehr.

Heute morgen beim Frühstück sprach sie mich plötlich an: „Habe ich etwas falsch gemacht?“

Ich antwortete: „Nein. Aber ich konnte die ganze Negativität nicht mehr ertragen.“

Sie: „Die was???“

Ich: „Die ganze Negativität – das zieht mich total runter. Das tut mir nicht gut.“

Sie: „Hmpf…“

Dann ging ich auf mein Zimmer.

Kurze Zeit darauf klopfte es an meiner Tür. Ich rief: „Herein!“ Die Tür öffnete sich und herein kam… Frau XY.. Damit hatte ich nicht gerechnet.

Sie wolle etwas klären (!), meinte sie ganz rechtschaffen. Sie baute sich vor mir auf und los ging’s: „Ich bin 84 Jahre alt und habe schon sehr viel erlebt! Und das war weiß Gott kein Zuckerschlecken! Ich habe das Recht, von schrecklichen Dingen niedergedrückt zu sein. Ich hatte ein Scheißleben!!! Keiner darf sich erlauben, sich ein Bild von einem anderen zu machen…“

Ich: „Das ist aber doch das normalste von der Welt! Man MACHT sich seine Gedanken…“

Sie: „ICH nicht!“

Ich: „Ich schon…“

Sie: „Keiner hat das Recht dazu!!!“

Nachdem sie noch eine Zeit lang dort gestanden hatte, drehte sie sich um: „Hmpf!“

 

19 Kommentare zu „Ich hatte ein Scheißleben!

  1. Ich freue mich, dass Du für Dich eine gute Lösung gefunden hast!
    Niemand ist für den anderen zuständig, aber sehr wohl für das eigene Wohlgefühl

    Und Blick nach draußen… Schön!

    Außerdem hattest Du ja schon lange Zeit mit dem Gedanken gespielt, Dich umsetzen zu lassen. Liebe Grüße!

    Gefällt 3 Personen

  2. Liebe Katrin,
    so leid einem diese Frau auch tut, es ist richtig von Dir, Dich abzugrenzen. Du bist nicht zuständig für ihre schlechte Laune und Verärgerung.
    Vielleicht wirkt bei ihr das psychologische Phänomen der Übertragung und Du weckst bei ihr ungute Erinnerungen an eine Person. Die sie in der Vergangenheit verletzt hat. Wer weiß das schon. Aber anscheinend ist es ihr ja wichtig, den Dialog mit Dir aufrecht zu halten, denn sonst wäre sie ja nicht extra nochmal in Dein Zimmer gekommen. Solltest Du also Lust und die Nerven haben, in weiteren Gesprächen mit ihr herauszufinden, warum sie auf Dich so heftig reagiert, kann dies sehr spannend für Euch beide sein. Vielleicht steckt ja in Ihrem unfreundlichen Äußeren doch ein freundlicher Kern.
    Aber wie schon eingangs erwähnt, ist es auch absolut OK, wenn Du keine Lust auf weiteren Kontakt mir ihr hast.
    Sei ganz lieb gegrüßt.
    Deine
    Anna

    Gefällt 3 Personen

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