Mein Selbstwert(-gefühl)

Sind Bewohner eines Alten-/Pflegeheims Menschen zweiter Klasse? Manchmal beschleicht mich dieses Gefühl.

Wir erarbeiten kein Geld mehr, kosten aber umso mehr. Und das in unserer kapitalistischen Welt. Wie lange wird das noch gut gehen?

Wir sind auf die Hilfe anderer angewiesen.

Dabei zählt es nicht mehr, was wir einmal geleistet haben.

Nicht nur der Körper lässt mehr und mehr nach. Auch der Geist lässt nach, wird schwächer.

Da das alles so ist, egal ob alt oder krank, habe ich oft das Gefühl, wir leben in getrennten Welten.

In den letzten Tagen hatte ich einige Erlebnisse, die kratzten doch wieder sehr an meinem persönlichen Selbstwertgefühl.

Heute Nachmittag fuhr ich mit dem E-Rolli in die Stadt. Es waren viele Menschen in der Fußgängerzone unterwegs. Es war sehr trubelig. Schnell sah ich alles nur noch sehr unscharf. Das macht Stress oft mit mir. Hmpf. 🙁

In der Augenarztpraxis gestern bat ich um einen Transportschein für den Taxifahrer, der mich vom Heim zur Praxis und wieder zurück fuhr. Da fragte mich die Sprechstundenhilfe nach meiner Befreiungskarte zur Krankenkassenkarte. Ich musste sagen, dass die zur Zeit nicht aufzufinden sei. Ich würde mich jedoch um eine neue bei der Kasse kümmern. Aber ich habe meinen Schwerbehinderten Ausweis dabei. Den würde sie nicht benötigen. „Das sieht man sofort, wenn man Sie sieht, dass Sie so einen Ausweis haben“, meinte sie. Schluck! Ich sehe also schwerbehindert aus. 🙁

Als ich dann nachher bei der Krankenkasse anrief, um nach einer neuen Befreiungskarte zu fragen, bat ich darum, diese dann zu mir ins Tersteegen Haus zu schicken.

„Die wird Ihrem Vater zugeschickt“, sagte man mir am Telefon.

„Schicken Sie die Karte doch direkt hier ins Heim!“, meinte ich, „schließlich benötige ICH die Karte und nicht mein Vater.“ 🙄

„Das kann ich nicht machen. Ihr Vater hat ja die Betreuungsvollmacht für Sie.“

..oO(Sesselfurzer!)

Manchmal ist es gut, wenn man meine Gedanken nicht lesen kann.

25 Kommentare zu „Mein Selbstwert(-gefühl)

  1. Selbstwert – vor einigen Tagen bin ich sehr miss- und verachtend behandelt worden, von Menschen deren Meinung mir wichtig war. Für eine schlaflose Nacht lang fühlte ich mich so wertlos wie sie mich behandelt haben und dann wurde mir wieder bewusst, das es nicht Anderewert sondern Selbstwert heisst. Wenn die anderen nicht sehen können, nicht wertschätzen können, dann haben die anderen ein Problem und ich darf es deren Problem sein lassen ohne meines draus zu machen.
    Meinen Selbstwert bestimme ich.
    Deinen Selbstwert bestimmst du!
    … und wenn du es anderen hier und da erlaubst daran mit zu bauen, dann lasse es Menschen tun die dich mit Liebe anschauen. Ich sehe einen Engel und weil Flügel hier viel zu auffällig wären hast du Reifen bekommen.

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  2. Ich verstehe dich. Ich bin nierenkrank und schwerbehindert. Mir sieht man es nicht an. Das kann auch von Nachteil sein, aber allzudeutlich darauf angesprochen zu werden, ist auch irgendwie unangenehm.

    Welche Rolle wir in der Gesellschaft spielen (ich bin berentet), weiß ich aus eigener Erfahrung und der einer lieben Freundin, die durch einen Schicksalsschlag komplett gelähmt wurde. Um jedes kleine Fitzelchen muss man kämpfen, sonst bekommt man es nicht. Aber wie du auch auf einen Kommentar geschrieben hast: Schön, dass es die Fitzelchen überhaupt gibt! Und so wohnen 2 Seelen in unserer Brust. Mal überwiegt die eine und mal die andere.

    Ich wünsche dir alles Gute, ich lese jetzt hier mit.
    Liebe Grüße
    die Hoffende

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  3. Ach, solche Gedanken tun weh. Und ich kenne sie.
    Aber – „tun“ kann so viel mehr sein als das, was man im ersten Augenblick dafür hält!
    Und ja, ein Heim, ein Schwerbehindertenausweis, ein Rollstuhl – sind sichtbare Dinge. Aber wieviel mehr macht Dich aus?
    Ich stelle mal den Ventilator auf höchste Stufe (und es ist deutlich abgekühlt ;-)) – damit alle schmerzhaften doofen Gedanken weit, weit weg gepustet werden können!!
    Was diesen Bürokraten angeht… Pfff, wenn Dienst nur nach Vorschrift erfolgt und mitdenken nicht mehr gewährleistet ist, DANN darf die Frage nach dem, was ein jeder tut, vielleicht tatsächlich noch einmal neu gestellt werden, tzzz. Doof, echt.
    Und jetzt : *puuuuuuuuusstt* 🥳🗣️

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  4. Wieso hat denn dein Vater überhaupt eine Betreuungsvollmacht für dich? Du bist doch geistig fit und in der Lage, deinen Papierkram alleine zu regeln.

    Ansonsten lass dir solche Dinge nicht zu nahe kommen (ich weiß, leichter gesagt als getan). Schwerbehinderung ist ein Bürokratiebegriff. Über den Wert eines Menschen sagt er nichts aus. Und auch nichts darüber, welchen Wert jemand für die Gesellschaft hat.

    Du lebst in einem Altersheim, ja. Aber du leistest einen ganz großen gesellschaftlichen Beitrag mit deinem Blog und deiner Öffentlichkeitsarbeit!

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  5. Natürlich trägst Du bei, wie oft kümmerst Du Dich ganz lieb um Deine Mitbewohner! Wir haben uns unser krank sein ja nicht ausgesucht Katrin! Fege diese unsinnigen Gedanken ganz schnell wieder weg , BITTE!🙏
    UNSENSIBLE Menschen gibt es viel zu viele, aber es gibt auch ganz liebe empathische Menschen, so ist daß eben!🤗
    Also Kopf hoch und denk dran,Du bist nicht alleine im Club der……….💪💪💪💪💪💪😘
    Liebe Grüße Babsi

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  6. Liebe Katrin,
    das tut mir leid für dich! Manchmal fühle ich mich auch, wie ein Mensch zweiter Klasse, weil ich behindert bin? Dadurch werde ich immer stärker und wir lassen uns unseren Mut nicht bekämpfen. Deine Catrin👍

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  7. Ja bitte denke weiter was das für „Sesselfurzer“ sind. Und noch schlimmeres darf man denken, man muss nicht immer “ lieb“ sein, nee nee….. Und wer sagt dass man immer etwas immer etwas beitragen muss um ein akzeptierter teil unserer Gesellschaft zu sein? Was beitragen? Arbeit? Oder auch einfach nur sein? Dasein? Sei wütend, aber lass dich nicht traurig machen! Liebe Grüße. Auch Katrin 🤗

    Gefällt 3 Personen

  8. Lass dich von so etwas überhaupt nicht tangieren. Manche Menschen haben einfach einen Charme wie ein Schützenpanzer.
    Niemand hat sich ausgesucht, krank, behindert und arbeitsunfähig zu werden, aber alle – auch du, liebe Katrin – seid ein wertvoller Teil unserer Gesellschaft.

    Gefällt 3 Personen

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