Meine Tischfamilie macht mir Kummer

Meine derzeitige Tischfamilie besteht nur aus 4 Personen. Aber das ist kein richtiger Zusammenhalt.

Man bleibt nicht bei Tisch noch zusammen sitzen und erzählt.

Man wartet nicht aufeinander.

Wenn einer fertig ist mit seiner Mahlzeit steht er/sie auf und verlässt den Tisch.

Manchmal sogar ohne ein Wort.

Was sind das für Manieren?!

Die einzige, die wartet, die sich verabschiedet, bin ich.

Doch langsam sehe ich das nicht mehr ein, zu warten. Wenn ich gehen will, verabschiede ich mich. Wenigstens das mache ich.

Vor allem von U. bin ich oft sehr enttäuscht. Denn oft, wenn sie wortlos verschwindet, gesellt sie sich an einen anderen Tisch und unterhält sich dort mit Bewohnern.

Dann bin ich eifersüchtig und werde traurig.

Dass Frau F. sich in ihrer eigenen Welt bewegt, war immer schon so. Das ist etwas anderes. Jedoch kommt sie zum Frühstück nicht mehr runter. Da bleibt sie auf ihrem Wohnbereich.

Heute Mittag war U. wieder nicht unten. Sie ist heute auf dem Zimmer geblieben. Gestern kam sie wenigstens zum Mittagessen runter.

Herr H. kommt eh nur zum Mittagessen runter. Aber er ist momentan krank.

Das Abendbrot nehme ICH oben ein. Schon seit einiger Zeit ist das so. Es ist für mich viel entspannter. Denn unten war ich die einzige, die die Regeln befolgte und erst ans Buffet ging, wenn mein Tisch aufgerufen wurde. Weil ich dann die einzige an unserem Tisch war, wurde ich vergessen. Dann werde ich wütend. Oben alleine habe ich meine Ruhe. Diese Regel mit dem Tisch-weise nach Aufruf des Tisches an das Buffet zu gehen, finde ich total blöd!

Ich frage mich: Sehe ich das ganze zu streng? Wenn ich mich an Regeln halte, dann erwarte ich das auch von den anderen. Dann könnte ich vor Wut ausrasten, wenn die anderen die Regeln nicht befolgen. Da ist es schon besser, wenn ich abends alleine oben esse.

Oft vermisse ich dann meine erste Tischnachbarin, Frau K..

Von Leuten, die nicht hier wohnen, wird mir dann gesagt, die Bewohner sind alle in gewisser weise krank. Da könne man nicht erwarten, dass sie sich „normal“ verhalten. Na super! Und ich? Ich bin auch nicht als Gesunde hier! Und wenn ich dann ausraste, schickt man mich in die Klapse. Alles schon geschehen. Ich sei eine Gefahr für mich und für andere. Dabei bin ich nur total traurig und wütend.

Jetzt nehme ich mich zusammen und heule mir alleine auf meinem Zimmer die Augen aus! Allerdings knalle ich auf dem Weg dahin wütend jede Tür. Kindisch.!

27 Kommentare zu „Meine Tischfamilie macht mir Kummer

  1. Liebe Katrin – ich lese Deine Kommentare, manchmal lache ich mit Dir, manchmal stimmen sie mich nachdenklich, manchmal bin ich traurig, aber was immer Du auch schreibst: ich bin immer voller Bewunderung, wie Du Deine Situation meisterst. Jeder ist ‚mal frustriert und wenn Du ‚mal ‚ausrastest‘ wuerde ich das als voellig normal betrachten, damit machst Du Deinem Aerger Luft. Ich wuensche Dir einen guten Rutsch ins neue Jahr, ich wuensche Dir Zufriedenhait – und nette Tischnachbarn, fuer die zum Essen auch die Kommunikation gehoert.
    Liebe Gruesse von Andrea

    Gefällt mir

  2. Liebe Katrin, mich friert es, wenn ich deine Zeilen lese und deinen Kummer fühle. Gemeinschaft ist ein zutiefst menschliches Grundbedürfnis. Es ist unglaublich traurig was du geschrieben hast und durchmachen musst. Wie zeigt man Wut mit all den Einschränkungen? Wenn ich ausraste denken viele es hat etwas mit meiner Behinderung zu tun. Wer ohne Rolli schreit, Dinge durch die Gegend wirft und Türen knallt wird eher als ein Mensch gesehen der Wut, Frust und Trauer in sich trägt. Du hast in diesem Jahr sehr viel verloren. Menschen denen du viel bedeutet hast und die auch dir am Herzen lagen. Vielleicht damit auch gefühlt, dein „Wahl-Zuhause“. Nun stehst du wieder an einem Anfang. Ich wünsche dir im neuen Jahr von Herzen, dass es für dich und deinen Kummer eine Lösung geben wird und du dich von anderen Menschen wieder aufgenommen und wertgeschätzt fühlen kannst. Komm gut und möglichst hoffnungsvoll rüber ins neue Jahr 2019.

    Gefällt 1 Person

  3. Liebe Katrin
    deine Wut und Traurigkeit über das Verhalten der anderen Bewohner kann ich absolut verstehen. Bei unserer Omi im Altenheim war es ähnlich. Meinen denn manche Leute, dass sie sich schlecht benehmen dürfen, nur weil sie alt sind ? Besteht denn keine Möglichkeit, sich einer anderen Tischgemeinschaft anzuschließen ?
    Ich hoffe, es finden sich nette Menschen um dich herum zusammen, für die Höflichkeit und Freundlichkeit im Umgang mit anderen selbstverständlich ist.

    Sei ganz lieb gegrüßt und komm gut ins neue Jahr.

    Anna
    http://www.mitmsdurchsleben.simplesite.com

    Gefällt 2 Personen

  4. Das ist wirklich doof und mir würde es, ehrlich gesagt, ziemlich ähnlich gehen. Kannst du mit deinen Tischnachbarn nicht mal darüber reden? Daß du es nett fändest, wenn ihr etwas achtsamer oder sorgsamer miteinander umgeht? Daß du dir eine Begrüßung und eine Verabschiedung wünschst und etwas mehr Gemeinsinn? Wenns dann nicht klappt, dann bleibt vielleicht nur die Zimmerlösung. Aber ich denke, ansprechen solltest du es. Andere Menschen denken an sowas manchmal gar nicht und man muß sie erst drauf aufmerksam machen.

    Das mit dem Aufrufen nach Tisch hört sich total doof an. Kann man das nicht abschaffen oder sonstwie ändern? Sonst würde ich einfach mit einer anderen Tischgruppe mitgehen. Ätsch! – Türenknallen kenne ich auch. Ja, ist kindisch, aber irgendwie muß man sich doch bemerkbar und seiner Wut Luft machen 🙂 Ich drück dir die Daumen, daß du eine Lösung findest, mit der alle leben können! Liebe Grüße und einen entspannten Rutsch ins Neue Jahr, Almuth

    Gefällt 2 Personen

  5. Türen knallen hilft, liebe Katrin. Das habe ich während meiner Ehe oft gemacht, wenn ich wütend war. Dafür muss kein Mensch in die Klapse. Ich kann dich sehr gut verstehen. Schade, dass U. sich so benimmt. Es wäre so nett gewesen, wenn du eine etwa Gleichaltrige zur Unterhaltung gehabt hättest. Alles Gute für dich im Neuen Jahr. Hoffen wir, dass du dann wieder nette Gesellschaft bekommst.

    Gefällt 3 Personen

  6. Das Problem ist … überall das Gleiche
    Entschuldigung für Krankheit … ja, kann man so sehen … auf 95 % der Menschheit bezogen
    Guck sie dir doch an, die sogenannten Gesunden
    Kranke Gesellschaft, kranke Welt ?
    Asoziale nennt man die, die in der U-Bahn schlafen
    Ich nenne asozial, wer sich nicht sozial verhält
    Ich Ich Ich
    Die anderen krieg ich gar nicht mit und nach mir die Sintflut
    Die einzige Chance, die man hat :
    Das Gute sehen, wo man es sieht
    Was will man machen ?
    Nix
    Früher glaubte ich mal, man könne diese Welt ändern
    Inzwischen glaube ich verstanden zu haben, dass diese Welt immer so bleibt … es ist halt Dualität … da gibt es alles und wird es immer geben
    Übungs-Camp … sich um sich selbst kümmern in dem Sinne, zu lernen und sich zu entwickeln … damit wir irgendwann fertig sind mit diesem komichen Übungslager Erde

    Deine Lage ist natürlich besonders fies
    Du kannst nicht machen was du willst, nicht gehen wohin du willst
    Leben für Fortgeschrittene
    Nicht unterkriegen lassen
    Was die anderen machen geht auf ihre Rechnung … manche haben halt noch einen weiten Weg zum Licht

    Alles Liebe ❤

    Gefällt 3 Personen

  7. Wie gut ich dich verstehen kann. Essen ist auch eine kommunikative Geschichte und nicht nur Nahrung in sich hineinschaufeln. Auch wenn meine/unsere Situation eine ganz andere ist, so ähnelt sie deiner doch ein wenig. Carsten mag nicht essen und verleidet es mir und Wiebke. Also isst das Töchting allein im Zimmer, Carsten meckert so lange, bis ich ihn hinuntersetze und ich bin allein am gedeckten Tisch – macht keinen Spaß…

    Dir wünsche ich eine fröhliche Tischgemeinschaft, die auch eine ist – ein Miteinander zum gemeinsamen lachen, essen und Späße machen. Den Vorschlag von der freidenkerin finde ich gut – kannst du dich nicht an einen anderen Tisch versetzen lassen? Dass es U. an einem anderen Tisch auch besser gefällt zeigt sie doch auch sehr deutlich – dieses Recht hast du doch auch!

    Gefällt 1 Person

  8. Katrin, Du hast das Recht dazu, Dich mal richtig aufzuregen. Rede morgen mal mit allen am Tisch darüber und wenn es nicht produktiv ist, sprich genauso mit anderen. Es ist überall so, man passt einfach nicht immer mit allen Menschen zusammen. Da ist nicht einmal immer Absicht. Zeig denen innerlich den Mittelfinger.😉Morgen ist ein anderer Tag. Liebe Grüsse, Ann

    Gefällt 3 Personen

  9. Ich kann dich sehr gut verstehen. Was sich da in deiner Tischfamilie derzeit abspielt, ist wirklich nicht schön. Und ich kann auch nachvollziehen, dass du von U. enttäuscht bist. Vielleicht solltest du dich an einen anderen Tisch versetzen lassen, wo noch ein Platz frei ist, und bessere Umgangsformen herrschen.
    Wein‘ dich ruhig aus, liebe Katrin. Das ist bisweilen so nötig und tut gut. ❤

    Gefällt 5 Personen

Mit der Nutzung dieser Funktion erklärst du dich mit der Speicherung und Verarbeitung deiner angegebenen Daten durch diese Webseite bzw. WordPress und Gravatar einverstanden.

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.