Früher Marktfrau

Fast 30 Jahre lang stand Frau B. mit ihrem Stand auf verschiedenen Wochenmärkten. Sie verkaufte Textilien.

Dazu musste sie zuvor die Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau durchlaufen. Sie lernte Kunden zu beraten und Waren zu verkaufen. Kassieren und Abrechnen gehörte genauso zu den Ausbildungsinhalten wie Sortimentsgestaltung, Warenbeschaffung und Einkauf. Sie lernte Verkaufsvor- und nachbereitende Tätigkeiten durchzuführen. Lagerhaltung, Verkaufsförderung und Werbung waren auch Teil der Ausbildung.

pixabay.com – Bild von Mabel Amber

Sie liebte es, mit vielen Menschen in Kontakt zu kommen. Gerne hielt sie ein kurzes Pläuschken. Manchmal durfte es auch etwas länger sein. Frau B. ist immer noch sehr gesellig.

Sie hat auch immer noch einen exquisiten Kleidergeschmack. Sie läuft nicht rum in Kleiderschürze wie die ewige Hausfrau.

Warum hat sie also aufgehört Marktfrau zu sein? Es war doch eine Tätigkeit, die ihr sehr viel Spaß machte.

Irgendwann begann die Zahl der Verkaufsstände der Zuwanderer immer mehr zuzunehmen. Sie läuteten einen Preis- und Qualitätsverfall ein. Auch das Publikum der Kundschaft änderte sich. Plötzlich war der Preis das wichtigste Argument.

Da wollte Frau B. nicht mehr mitmachen. Ihr Mann wollte schon länger, dass sie die Arbeit auf den Märkten aufgibt. Frau B. ist nicht die Frau, die sich Vorschriften machen lässt. Aber der Beruf machte ihr keinen Spaß mehr. So entschloss sie sich noch kurz vor ihrem 30-jährigen Dienstjubiläum, in den Ruhestand zu gehen. Schließlich war sie ihre eigene Chefin. So konnte sie selber entscheiden.

17 Gedanken zu “Früher Marktfrau

    • Es ist mir sehr wichtig, die Senioren noch einmal zu Wort kommen zu lassen. Denn leider herrscht noch immer die Meinung der Allgemeinheit vor, man ginge nur noch ins Altenheim, um zu sterben. Damit vergisst man die große Lebensleistung, die diese Menschen erbracht haben. Besonders schön finde ich es, wenn ich auch demente Bewohner porträtieren darf. Das geht allerdings nur, wenn die Angehörigen mir von ihnen erzählen.

      Gefällt 1 Person

  1. Guten Tag liebe Katrin,
    eine Geschichte direkt aus dem Leben gegriffen.
    Deshalb habe ich Deinen Beitrag über Frau B. aufgegriffen und in meinem Blog ein-tolles-leben-leben.de wiedergegeben.

    Wahrlich so ist es heute leider.
    Vor lauter „Preisbewusstsein“ geht uns allen, und da will ich mich garnicht ausschliessen, leider der Sinn für Qualität verloren – und wenn wir ihn noch nicht verloren haben, dann zwingt uns die jeweilige Lebenssituation ( bei mir ist es z. B. eine relativ bescheidene Rente ) leider dazu, den Fünfer zweimal umzudrehen.

    Ich für mich versuche beispielsweise, durch einen gewissen Verzicht zu gewichten, was ich wirklich brauche und was ich nicht unbedingt kaufen oder anschaffen muss. So habe ich mein Konsumverhalten zwei Gänge zurück geschaltet und es hilft mir, mein „gestresstes Budget“ etwas besser im Griff zu haben.
    scherzeshalber sage ich ja auch „. . . der Monat hat einfach zu viele Tage für mein Einkommen. . .“.

    Um auf Frau B. zurück zu kommen will ich sagen: wenn wir nicht wollen, dass es bald nur noch Billig-Discounter und Grossverteiler-Ketten gibt, sollten wir alle uns darauf zurückbesinnen, Qualitätsprodukte zu angemessenen Preisen zu kaufen und den klassischen Einzelhandel am Leben zu erhalten.

    liebe Grüsse aus Frankreich,
    gerry

    Gefällt 2 Personen

  2. Schon bei der Überschrift dachte ich an unseren letzten Markt am Montag. Ja, es ist leider so, ich kam mir vor wie auf dem Basar in irgend einer fremden Stadt. Wie schön waren doch die Märkte noch vor ca. 8-10 Jahren. Man kannte die Standbesitzer und wusste genau, was man für sein Geld bekommt. Ich kann Frau B. so gut verstehen, an ihrer Stelle hätte ich auch aufgehört.

    Gefällt 1 Person

  3. Auf der Auer Dult haben sich heuer auch einige alteingesessene Stand-Inhaber/innen in den Ruhestand verabschiedet. Eine davon wird mir ganz besonders fehlen. Es war eine sehr herzliche und temperamentvolle Dame, die Recycling auf ihre ganz besondere Weise betrieb – sie nähte aus alten Vorhängen, Bettbezügen und Tischdecken fesche Sommerblusen…

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s