Früher Fernschreiberin

Frau K. hat in ihrem langen Leben schon sehr viel erlebt. Sie war sechs mal verheiratet und hat sechs verschiedene Berufe ausgeübt. Das alles in einem Beitrag zu erzählen, würde den Rahmen sprengen. Also schreibe ich nach und nach über einzelne Berufstätigkeiten.

Im ersten Beruf war sie gelernte Verkäuferin für Nahrungsmittel. Sie hat im Nahrungsmittel-Einzelhandel gearbeitet.

Als die Kriegsjahre begannen, fasste sie mit ihren Freundinnen einen folgenschweren Entschluss. Sie ging zum Roten Kreuz.

Wie das so ist, bei jungen Frauen in dem Alter, wurde viel gelacht und gequatscht. Da geschah es, dass sie ein falsches Wort sagte. Sie wurde gemeldet. Dann wurde sie zwangseingezogen und musste ihren zweiten Beruf erlernen und ausführen: sie wurde Fernschreiberin. Als Nachrichtenhelferin stellte sie an Fernsprecher und Fernschreiber die Verbindung zwischen Heimat, Front und besetztem Gebiet her.

Als erstes stand die Ausbildung zur Fernschreiberin. Die fand in Berlin statt. Sie waren vier junge Frauen aus verschiedenen Teilen Deutschlands. Sie kannten sich vorher nicht. Aber bald wurden sie eine eingeschworene Bande und heckten zusammen so einiges aus.

Bundesarchiv Bild 183-2008-0516-500, Fernschreibmaschine mit Telefonanschluss.jpg
Von Bundesarchiv, Bild 183-2008-0516-500 / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de, Link

„Hunger hatten wir eigentlich immer“, sagte Frau K., „daher überlegten wir, wo und wie wir uns etwas zusätzliches beschaffen konnten, denn die uns zugeteilten Rationen waren sehr knapp.“

Also suchten sie die Kameradschaft von Elitesoldaten oder Polizisten, die Extrarationen bekamen und erleichterten sie insgeheim darum.

Die vier Damen hatten es faustdick hinter den Ohren! 😂

Das glaubt man Frau K. sofort. Denn immer noch lacht sie gerne und verschmitzt und sprüht vor Energie und Lebenslust.

 

Fernschreiber

Deutsches Rotes Kreuz

15 Gedanken zu “Früher Fernschreiberin

  1. Auch ich freue mich schon auf die Fortsetzung. Bei Frau K. fallen mir sofort die Renate Bergmann-Bücher ein. Sie (bzw. der Autor) schreibt von ihren verflossenen Ehemännern, die allesamt auf verschiedenen Berliner Friedhöfen ruhen. Sie hat sehr viel Zeitaufwand, um alle zu gießen 🙂

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