So war’s – Theaterbesuch – „Phantom (Ein Spiel)“

Quelle

Der Abend gestern war klasse! Dabei hatte ich abends so was von überhaupt keine Lust! Ich war eigentlich schon KO vom Tag. Das ist einfach nicht mehr meine Zeit! Wir trafen uns um 19:30 Uhr an der Pforte vom Gerhard-Tersteegen-Haus. Von dort aus ist es nur noch auf die andere Straßenseite, dann waren wir schon beim Theater.

Einlass war um 19:55 Uhr, so dass wir noch Zeit hatten, ein paar Worte zu wechseln. Wir 6 Bewohner des GTH wurden von 4 Ehrenamtlichen begleitet. Sie erzählten uns, dass das Stück keine Komödie sei, sondern ein ernstes Stück, das zum Nachdenken einladen würde. „Aha! Mal sehen, was uns da erwartet“, dachte ich. Dann war auch schon Einlass.

Das Stück „Phantom – (Ein Spiel)“ von Lutz Hübner und Sarah Nemitz spielt in einer Fast-Food-Filiale am Tagesende. Die 5 Schauspieler (3 Frauen und 2 Männer) spielen jeweils mehrere Rollen. Ein Schauspieler (Christopher Wintgens) spielt allein 17 unterschiedliche Charaktere! In einem unglaublichen Tempo werden Rollen, Standorte, Posen, Haltungen und Kostüme von den nur 5 Schauspielern gewechselt. Trotz allem ist es dem Zuschauer möglich, das große Ganze zu erkennen und zu verfolgen.

Das Thema des Stücks sind die vielen Flüchtlinge, die Deutschland zur Zeit aufnehmen muss / aufnimmt. Da bleibt kein Klischee unbedient und es hinterlässt durchaus ein ungutes Gefühl bei mir, der deutschen Bürgerin.

Das Personal des Lokals räumt den Gastraum auf, wischt die fettigen Tische ab, kehrt den Müll auf dem Fußboden zusammen. Plötzlich friert eine Angestellte in ihrer Bewegung ein und starrt fassungslos in eine Ecke. Dort liegt ein Baby! Es wurde einfach hier ausgesetzt. Nach und nach kommen die anderen Kollegen dazu. Man starrt auf das Baby… man fragt sich, wer es wohl zurückgelassen habe, was man denn jetzt tun solle.

Schnell wird dem Personal klar, dass es den letzten Leuten gehören müsse

„Die Zigeunerin!“

„Pscht! Das sagt man nicht mehr!“

„Dann eben die Bulgarin, Rumänin, Kroatin, Jugoslawin… die aus dem Osten halt!“

„Jugoslawien gibt’s nicht mehr!“

Sie ist ein Phantom, nicht mehr greifbar! Auf der Suche nach dieser Unbekannten beginnt das ‚Spiel‘.

Parallel dazu blicken wir nach Rumänien. Wir sehen eine Familie, Vater, Mutter, Kinder und die Großmutter (der heimliche Boss). Die Oma beschließt, dass die klügste der Töchter, Bianca, nach Deutschland reisen solle, dort Arbeit suchen, etwas Geld nach Hause schicken und wenn alles gut läuft, den Bruder nachholen solle.

Das Traumland Deutschland zeigt sich Bianca erst einmal von einer eher hässlichen Seite. Sie wird betrogen, ausgebeutet, belogen. Und das nicht nur von Deutschen, sondern auch von anderen Flüchtlingen. Aber sie ist klug und macht ihren Weg.

Das Stück hält der deutschen Bevölkerung den Spiegel vor. Es ist ein Stück über uns, die deutsche Gesellschaft und die deutschen Vorurteile.

Gut kommen wir dabei nicht weg. Aber das Stück regt uns zum Nachdenken an.

Rheinische Post: Theater: Klischee-Parade im Burger-King-Lokal