Tischfamilie hat sich bewährt!

Gestern war ich ziemlich früh beim Frühstück. Außer mir war keiner an meinem Tisch da. Kunststück! Wir sind ja auch nur zu zweit, U. und ich. Da U. zu sehr unterschiedlichen Zeiten kommt, hatte das nicht viel zu bedeuten. Mal ist sie sogar früher da als ich, mal sehr spät. Daher machte ich mir keine Gedanken, als ich mal wieder allein am Tisch saß.

Meine Kiwi hatte ich bereits gegessen. Dann biss ich herzhaft in meine erste Brötchenhälfte. Vollkornbrötchen und eine Scheibe Käse, gekrönt von ein wenig roter Marmelade. Das hatte ich von meinen damaligen Kolleginnen im Münsterland kennengelernt!

Das Stimmendurcheinander hielt sich noch arg in Grenzen, da der Speisesaal noch nicht so voll war. Daher vernahm ich die Stimme einer Bewohnerin, die offensichtlich um Hilfe rief.

„Hilfe“

„Hiiilfe“

„Hil-fe!“

In regelmäßigen Abständen vernahm ich das. Ich blickte mich um, sah durch den Lichthof nach oben, zur ersten Etage…

„Hilfe“

„Hilfe“

„Hiiilfe“

„Hil-fe!“

„Hm“, dachte ich, „das klingt fast nach U. … aber ihr Zimmer liegt doch ganz auf der anderen Seite … das klingt hier aber ganz nah…“

„Hilfe“

Ich wurde irgendwie ganz unruhig. Nicht umsonst nennt man mich die Tischmutti. Ich hörte es genau: Eines von meinen Küken war in Not, und wer konnte es dann anderes sein, als U.!

Ich ließ mein angebissenes Brötchen auf dem Teller liegen und rollte in Richtung des Geräuschs. Es wurde immer lauter. Jetzt war mir klar, woher es kam! Vom 🚾 ♿️ !

Als ich dort ankam, rief ich: „U.? Bist du das?“

„Ja. Klar bin ich das! Ich brauche Hilfe!“

Ich riss die Toilettentür auf. U. saß wie ein Häuflein Elend zwischen ihren Unterschenkeln auf dem Boden und blickte zu mir hoch.

Dann erschien auch M. von der Hauswirtschaft. Sie hatte alleine Dienst im Speisesaal. Sie bugsierte den E-Rolli von U. erstmal aus der Gefahrenzone und flüsterte U. dann etwas zu. U. sah aus wie ein einziges ❓. Sie hatte nichts verstanden. M. flüsterte wieder. U.: „❓❓❓“

„M. hat ihre Stimme verloren. Sie ist extrem erkältet“, erklärte ich U..

U. sagte: „Alleine schafft sie das eh nicht. Das geht nur zu zweit!“

M. flüsterte mir zu, ich solle oben auf Station anrufen und Hilfe holen.

„Ay-ay Chef!“ war meine Antwort und ich rollte zur anderen Seite des Speisesaals zum Telefon. M. kam mit. Sie wählte die Nummer und drückte mir den Hörer in die Hand.

Tut… tut… tut… tut… : „Gerhard Tersteegen Haus, Station X, S. mein Name.“

Ich meldete mich per Namen, schilderte die Situation und sagte, dass 2 Leute benötigt würden um U. aufzuheben.

Ob sich U. verletzt habe? Nein? Gut! Dann kämen sie jetzt. Ja, sicher zu zweit. Anders ginge das nicht, das wisse sie.

Sehr schnell waren die beiden Pflegerinnen zur Stelle, hoben U. auf und setzten sie wieder in ihren E-Rolli. Problem erkannt – Problem gebannt!

Jetzt konnte U. zum Büfett fahren und ihr Frühstück holen.

Gut dass ich U. gehört hatte und dass sie sich nichts gebrochen hatte. Daher konnten wir dann in Ruhe zu zweit frühstücken.

*STURZ Nr. „wieviel“??? | Heike Führ – multiple-arts.com

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